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Sturzgeburt – Was ist das und wie kommt es dazu?

Nadine Scheiner
08 Mrz 2022
6 Min.
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Die einen freuen sich, die anderen fürchten sich, wenn sie von einer Sturzgeburt hören. Die oft gefürchtete, extrem schnelle Geburt ist von vielen Geschichten und Horrorstorys umgeben, doch was wirklich unter dem Begriff und dem Prozess zu verstehen ist, wissen die wenigsten.

Wir haben das Thema daher genauer unter die Lupe genommen und möchten euch helfen, eine Sturzgeburt und die Gründe für diese besser zu verstehen, außerdem erklären wir euch natürlich auch, an welchen Symptomen ihr eine mögliche Sturzgeburt erkennen könnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sturzgeburt muss nicht zwingend gefährlich sein und kann mit der richtigen Behandlung problem- und komplikationslos durchgeführt werden.
  • Wenn ihr die typischen Symptome einer Sturzgeburt kennt, könnt ihr auch eine Sturzgeburt frühzeitig erkennen und mit eurem Arzt und eurer Hebamme sprechen.
  • Eine Sturzgeburt kann Risiken mit sich bringen, aber nur in wenigen Fällen sind diese größer als bei einer normalen Entbindung.
Dammriss behandeln
HENADZI KILENT via shutterstock

Was ist eine Sturzgeburt?

Normalerweise wird die Geburt in drei Phasen eingeteilt, die Dilatation, die Geburt des Babys und die Nachgeburt, dabei wird davon ausgegangen, dass eine „normale“ Geburt mit allen drei Phasen etwa 12 Stunden dauert. Bei manchen gebärenden Frauen nimmt der gesamte Entbindungsprozess, aber auch nur 6 Stunden in Anspruch, bei anderen Frauen sind aber auch 18 Stunden möglich. Insbesondere bei jungen Frauen dauert die Geburt oft länger, als der Durchschnitt angibt.

Bei einer Sturzgeburt hingegen geschehen die Prozesse deutlich schneller, als dies normalerweise der Fall ist. Bei Sturzgeburten kann im Durchschnitt von einer Gesamtdauer von 3 Stunden oder sogar noch weniger ausgegangen werden. Viele schwangere Frauen hoffen auf eine schnelle und unkomplizierte Geburt, haben aber gleichzeitig Angst, wenn sie von der Sturzgeburt hören.

Wie kommt es zu einer Sturzgeburt?

Was eine Sturzgeburt ist und worin sie sich von einer normalen Entbindung unterscheidet, haben wir bereits erläutert, doch was zeichnet eine Sturzgeburt aus und wie kommt es überhaupt dazu? Die Sturzgeburt zeichnet sich durch ganz besondere physische Aspekte aus, die sich letztendlich auf die Art und den Zeitpunkt der Geburt des Kindes auswirken.

Jede Schwangerschaft ist anders und somit auch jede Geburt. Manche Frauen brauchen Hilfe bei der Geburt, andere haben eine ganz plötzliche Geburt und wieder andere werdende Mütter gebären ihr Kind quasi zwischendurch. Die Natur weiß aber in jedem Fall, was zu tun ist und bestimmt daher immer, wie lange jede Phase in Anspruch nimmt.

Eine Sturzgeburt kann, auch wenn sie natürlich ist, Verzögerungen haben. Es ist bekannt, dass dieser Prozess in drei Phasen durchlebt wird: aktive Wehen, Geburt und Geburt der Plazenta. Jede dieser Phasen kann länger oder kürzer dauern als die andere und alle drei Phasen werden viel schneller durchlaufen, als es bei einer normalen Geburt der Fall ist.

Die Gründe für eine Sturzgeburt können ganz unterschiedlicher Natur sein. Zum einen kann sie bei schwangeren Frauen ausgelöst werden, die besonders stark unter Stress stehen oder sogar einen Schock erlitten haben, weil sie beispielsweise einen Unfall hatten. Es ist aber auch möglich, dass sowohl der Körper der gebärenden Frau als auch das zu gebärende Kind für eine extrem schnelle Geburt geschaffen sind und im Zusammenspiel einen Sprint hinlegen.

„Nicht bei jeder schnellen Geburt handelt es sich um eine Sturzgeburt. Sprecht im Zweifel mit eurer Hebamme“

Bei wieder anderen Schwangeren wird eine schnelle Geburt sogar eingeleitet, um Komplikationen zu vermeiden. Im Allgemeinen kommen aber immer mehrere Faktoren zusammen, wie zum Beispiel stärkere Wehen, als es normal ist, weniger Widerstand des Gebärmutterhalses oder ein kleines Baby. Der dritte Faktor ist oft auch bei Frühgeburten die Ursache für eine Sturzgeburt, da das Kind in diesem Fall oft viel kleiner ist, sowohl der Kopf, als auch die Arme und Beine passen somit besser durch den Geburtskanal.

Ob es sich um eine Sturzgeburt handelt oder nicht, muss vor Ort, also in Klinik, zu Hause oder dem Geburtshaus unbedingt geklärt werden, um Komplikationen während oder nach der Geburt zu vermeiden. Die Idee, so schnell zu gebären, mag auf den ersten Blick einfacher erscheinen, aber Sturzgeburten können sowohl für euch als auch für euer Baby riskant sein, daher achtet auf frühzeitige Anzeichen und Symptome, die auf eine Sturzgeburt hindeuten könnten und sprecht im Zweifel mit eurer Hebamme oder eurem Arzt.

 

Sturzgeburt - Die typischen Symptome

Nur wenn die werdende Mutter bestimmte und besondere Bedingungen erlebt, kann von einer Sturzgeburt gesprochen werden. Zum Beispiel muss die Gebärmutter sehr kräftig sein, um auch die starken Kontraktionen, die für eine Sturzgeburt nötig sind, ausführen zu können. Zudem muss euer Kind kleiner sein, als es der Durchschnitt ist, sodass es leichter und schneller durch den Muttermund passt und austreten kann.

Auch wie und wann die Wehen erfolgen, spielt bei einer Sturzgeburt eine wichtige Rolle. Nicht unter allen Umständen kann davon ausgegangen werden, dass sie schnell und intensiv angefangen haben und genauso schnell wieder aufhören werden. Daher achtet bei den Wehen auf die typischen Anzeichen einer zu erwartenden Sturzgeburt:

  • Ihr habt von Anfang an intensive Wehen, die starken Druck ausüben.
  • Die Zeit zwischen den einzelnen Kontraktionen ist sehr kurz (Für Erholung ist keine Zeit zwischen zwei Wehen)
  • Kontinuierlicher Schmerz in Form einer verlängerten Kontraktion, die bis zum Ende nicht verschwindet.
  • Druck- und Schubgefühl ohne Vorwarnung. Das heißt, das Baby beginnt herauszudrücken, genauso als wenn ihr Stuhlgang habt.

Zudem kommt es bei einer Sturzgeburt nicht immer zu einer Erweiterung oder Öffnung des Uterus.

Mögliche Risiken die mit einer Sturzgeburt auftreten können

Es wird angenommen, dass eine Mutter, die eine Sturzgeburt hatte, diese auch bei der nächsten Schwangerschaft beziehungsweise Entbindung erleben kann. Das heißt, eine der Ursachen für dieses Ereignis ist, dass die Mutter bereits eine Sturzgeburt erlebt hat. Das bedeutet wiederum, dass auch körperliche Faktoren der werdenden Mutter eine wichtige Bedingung darstellen, denn die Leistungsfähigkeit der Gebärmutter spielt beispielsweise eine große Rolle bei der Geburt.

Da Sturzgeburten in der Regel nicht erwartet werden und ihr weder euch noch euer Baby auf diese vorbereiten könnt, stellt die emotionale Erschütterung aufgrund eurer Angst oft die größte Schwierigkeit dar. Ihr könnt vor Angst die Kontrolle über eure Gefühle und Emotionen verlieren und so in Panik geraten, was wiederum euch und euer Baby gefährden könnte. Das heißt behaltet unbedingt einen klaren und kühlen Kopf und vertraut auf euch, euer Kind, eure Hebamme und euren Arzt.

Ein weiteres Problem kann seitens der Ärzte und Krankenpflegepersonals auftreten, denn normalerweise nimmt jede der drei Geburtsphasen Zeit in Anspruch, was bei einer Sturzgeburt sehr wenig sein kann, womit dem Team keine Zeit zur Strategieentwicklung für mögliche Komplikationslösungen bleibt.

Das bedeutet für euch sollte in irgendeiner Weise schon vorher zu erahnen sein, dass es zu einer Sturzgeburt kommen könnte sprecht mit eurer Hebamme über diesen Fall und wie ihr Vorgehen wollt, wenn es zu dieser kommt.

Ein weiteres sehr offensichtliches Problem besteht darin, wann und wo die Sturzgeburt stattfindet. Wenn ihr beispielsweise merkt, wie schnell die Geburt passiert, habt ihr möglicherweise keine Zeit, in ein Krankenhaus zu kommen. Möglicherweise müsst ihr an einem Ort versorgt werden, den ihr nicht geplant habt, wo weder euer Arzt noch eure Hebamme anwesend ist oder wo ihr keine ausreichende Versorgung bekommt. Behaltet also euer Telefon immer in Reichweite.

 

Zusätzlich zu den oben genannten Risiken können folgende Komplikationen auftreten:

  • Hohes Risiko, dass ihr einen Dammriss erleidet oder ein Dammschnitt durchgeführt werden muss
  • Das ihr die Geburt an einem unsterilen Ort und ungeeigneten Bedingungen erleben müsst
  • Euer Kind kann je nachdem, wo ihr es gebärt, eine Infektion erleiden
  • Mögliche Blutungen in der Scheide oder dem Muttermund
  • Perinatale Asphyxie
  • Euer Baby kann sich mit der Nabelschnur verknoten und Verletzungen erleiden
  • Gefahr der Aspiration von Fruchtwasser durch das Baby
  • Euer Baby kann ein Kopftrauma erleiden
  • Die Erholungszeit nach der Geburt verlängert sich aufgrund des Prozessschocks

Fazit: Ist eine Sturzgeburt zwingend gefährlich?

Eine Sturzgeburt muss nicht gefährlich sein, natürlich können wie auch bei einer normalen Entbindung Probleme und Komplikationen auftreten, diese können aber mit der richtigen Behandlung so gering wie möglich gehalten werden. Selbst wenn es bei euch zu einer Sturzgeburt außerhalb eines geeigneten Ortes kommt, könnt ihr mit Ruhe und Besonnenheit ein gesundes Baby auf die Welt bringen.

Oft bleibt euch nicht viel Zeit, wenn die Sturzgeburt erst einmal eintritt, dennoch heißt es Ruhe bewahren und einen Plan machen. Habt ihr selbst nicht mehr die Möglichkeit, in ein Krankenhaus zu fahren ruft gegebenenfalls einen Notarzt, sagt eurer Begleitperson oder eurer Hebamme Bescheid und bereitet euch auf die schnelle Geburt vor.

Im Krankenhaus angekommen weißt sofort das Personal daraufhin, dass es sich bei euch um eine Sturzgeburt handeln könnte und bewahrt selbst unbedingt Ruhe und die Kontrolle. Seid ihr nicht zu Hause oder in einem Krankenhaus fragt nach Handtüchern, die ihr auf den Boden legen könnt, um Risiken für Verletzungen bei eurem neugeborenen Kind zu verringern.

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