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Hilfsmittel bei der Geburt – Was kann in welcher Geburtsphase eingesetzt werden?

Nadine Scheiner
07 Mrz 2022
4 min
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Viele Entbindungskliniken bieten den werdenden Eltern Führungen durch den Geburtssaal an. So könnt ihr euch schon in der Schwangerschaft mit den Räumlichkeiten vertraut machen. Viele Paare sind von den unterschiedlichen Hilfsmitteln überrascht, die sich in einem Kreißsaal finden lassen. Jedes dieser Dinge hat einen Zweck und kann euch im Geburtsverlauf unterstützen. Die wichtigsten Informationen über die gängigen Hilfsmittel findet ihr hier.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt viele verschiedene Hilfsmittel, die euch helfen unterschiedliche Geburtspositionen einzunehmen. Das kann für eine schnelle und unkomplizierte Geburt hilfreich sein.
  • Ihr solltet euch schon in der Schwangerschaft mit den Hilfsmitteln vertraut machen und mit eurer Hebamme und der Frauenklinik besprechen, was für euch in Frage kommt.
  • Es gibt auch einige Hilfsmittel, die bei schwierigen Geburten zum Einsatz kommen. Sie werden aber nur selten wirklich notwendig.
Geburtsbecken mit Frau
MarcinWojc via Shutterstock

Hilfsmittel für unterschiedliche Geburtspositionen

Bei der Geburt kann es hilfreich sein, wenn ihr verschiedene Positionen einnehmen könnt. Dafür finden sich in jedem Kreißsaal Hilfsmittel. Dazu gehören unter anderem diese Dinge:

  • Gebärhocker oder Gebärstuhl
  • Pezziball
  • Sprossenwand
  • Geburtsseil
  • Geburtstücher
  • Romarad
  • Geburtswanne oder Geburtsbecken
  • Kreißbett oder Gebärbett

Alle diese Hilfsmittel eignen sich für verschiedene Phasen im Geburtsprozess. Sie können euch Halt bieten, indem ihr euch während der Wehen festhaltet oder abstützt. Ihr könnt so zum Beispiel sitzend, kniend, hockend oder im Vierfüßlerstand gebären.

Der Gebärhocker kann schon in der Eröffnungsphase zum Ausruhen genutzt werden. Er ist aber vor allem für die Austreibungsphase gestaltet. Eine Aussparung macht es möglich, dass das Kind geboren wird, wenn ihr darauf sitzt.

Der Pezziball ist besonders für die Eröffnungsphase geeignet. In dieser Zeit könnt ihr euch darauf setzen und fördert die Beweglichkeit des Beckens.

Unterschiedliche Positionen könnt ihr vor allem mit Hilfe der Sprossenwand und des Romarads einnehmen. Vor allem das Romarad kann in vielen feinen Einstellungen eine gute Unterstützung in allen Geburtsphasen sein. Aber auch das Kreißbett bietet meist die Möglichkeit euch mit unterschiedlichen Einstellungen zu unterstützen.

Wenn ihr eine stehende Position einnehmen wollt, oder euch beim Umhergehen eine Wehe überrascht, können Seile und Tücher eine gute Möglichkeit zum Festhalten sein. Diese sind in einem Kreißsaal meist an der Decke angebracht. Manchmal könnt ihr euch auch mit dem Oberkörper in ein Tuch hängen.

Für viele Frauen ist eine Wassergeburt eine schöne Vorstellung, andere mögen den Gedanken gar nicht. Es gibt auch Gründe, aus denen eine Wassergeburt nicht möglich ist. Das kann zum Beispiel bei einer PDA, beim Vorliegen von Infektionen oder einer Mehrlingsschwangerschaft der Fall sein. Am besten besprecht ihr das bei der Anmeldung zur Entbindung mit der Hebamme.

Aber eine Geburtswanne im Krankenhaus kann auch in der Eröffnungsphase zum Entspannen genutzt werden. Welche Variante für euch in Frage kommt, könnt ihr im Zweifelsfall nur unter der Geburt herausfinden.

Schwangere auf Pezziball und mit Geburtstuch
Kzenon via shutterstock

Hilfsmittel, um das Kind aus dem Geburtskanal zu bekommen

In einigen Fällen kann das Kind nicht ohne weitere Hilfe den Weg durch den Geburtskanal nehmen. Bei etwa 6 Prozent der Geburten in Deutschland kommen dann Hilfsmittel zum Einsatz, die das Kind schneller durch das mütterliche Becken befördern können. Diese Hilfsmittel sind:

  • Saugglocke
  • Zange
  • Kristeller-Handgriff

Saugglocke und Zange sind Hilfsmittel, die am Kopf des Babys angesetzt werden und mit denen das Kind dann sanft aus dem Geburtskanal gezogen wird. Der Kristeller-Handgriff soll mit Druck auf den Bauch den Weg des Kindes unterstützen.

Alle Methoden kommen dann zum Einsatz, wenn das Kind schon tief im Becken ist. Kommt es dann zu einem Geburtsstillstand, ist kein Kaiserschnitt mehr möglich. Weitere Gründe für eine Geburt mit diesen Hilfsmitteln können die folgenden Umstände sein:

  • vollkommene Erschöpfung der Mutter
  • die Mutter bekommt Fieber
  • die PDA führt zu schwächeren Wehen

Jede dieser Situationen kann dazu führen, dass ihr keine Kraft mehr für die Presswehen habt. Dann braucht ihr die Unterstützung, damit euer Kind sicher auf die Welt kommen kann. Die Zahl der Geburten mit diesen Hilfsmitteln ist aber rückläufig, weil bei schwieriger Ausgangslage oft direkt ein Kaiserschnitt gemacht wird.

Wie läuft eine Geburt mit Saugglocke ab?

Für eine Saugglockengeburt muss der Kopf des Kindes schon so weit im Becken sein, dass er durch die Scheide gut erreichbar ist. Die Saugglocke wird am Hinterkopf des Babys angebracht und leicht festgedrückt. Anschließend wird mit einer Pumpe ein leichter Unterdruck aufgebaut, so dass das Instrument sicher an seinem Platz bleibt. Mit der Saugglocke kann das Kind bei jeder Wehe vorsichtig ein Stückchen weiter gezogen werden.

Vor dem Ansetzen der Saugglocke kann es nötig sein, einen Dammschnitt zu machen. Dieser erweitert den Scheidenausgang und sorgt so für mehr Platz. Darüber hinaus kann eine besondere Form der Betäubung zum Einsatz kommen. Beim Pudendusblock werden bestimmte Nerven durch die Vagina betäubt, so dass der Damm und der Scheideneingang schmerzunempfindlich werden.

Eine Geburt mit der Saugglocke kann manchmal beim Kind Spuren hinterlassen. Das können zum Beispiel Schwellungen, Blutergüsse oder eine kleine Beule am Kopf sein. In der Regel verschwinden diese Anzeichen schon nach kurzer Zeit wieder. Seltene Komplikationen sind Blutungen im Schädel oder in der Netzhaut.

Wie läuft eine Geburt mit der Zange ab?

Auch bei einer Zangengeburt wird der Kopf des Kindes leicht fixiert und es wird sanft durch das mütterliche Becken gezogen. Die Zange wird vom Arzt durch die Scheide eingeführt und die löffelartigen Arme umfassen den Kopf. Nachdem der Kopf geboren ist, wird die Zange wieder entfernt.

Auch bei der Zangengeburt kann vorab ein Dammschnitt oder ein Pudendusblock nötig sein. Mögliche Folgen sind leichte Hautrötungen und Abschürfungen. Als seltene Komplikation kann eine leichte Nervenlähmung auftreten. Als Mutter kann es bei euch zu Rissen in der Scheide oder dem Damm kommen, die nach der Geburt genäht werden müssen.

Was ist der Kristeller-Handgriff?

Beim kristellern übt ein Arzt über die Bauchdecke Druck auf den oberen Rand der Gebärmutter aus. Damit wird das Kind aus dem Bauch der Mutter herausgeschoben. In der leichtesten Form wird das Kind durch die Hand nur daran gehindert, während einer Wehenpause wieder ein Stück in den Geburtskanal zurückzurutschen.

Der Kristeller-Handgriff ist nicht unumstritten, weil er falsch angewendet zu verschiedenen Komplikationen führen kann. Die Mutter kann eine Rippenfraktur oder einen Leberriss erleiden. Auch eine vorzeitige Ablösung der Plazenta ist möglich. Darüber hinaus wird der Handgriff manchmal ohne Erklärung durchgeführt, was die Mutter sehr erschrecken kann. Richtig und sanft durchgeführt kann er aber eine gute nicht-operative Hilfe bei der Geburt sein.

Frau während der Wehen
Kipgodi via shutterstock
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