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Saugglockengeburt – Ablauf, Risiken und Folgen

Nadine Scheiner
07 Mrz 2022
5 Min.
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Die geburtshilfliche Saugglocke ist ein Instrument, das bei Bedarf verwendet wird, um dem Baby zu helfen, den Geburtskanal vollständig zu verlassen. Ihr wollt wissen, wann und wie die Saugglocke verwendet wird und welche Risiken es für euch oder euer Kind mit sich bringen kann? Dann erfahrt ihr hier alles, was ihr wissen wollt. Wir haben uns die Saugglocke, deren Anwendung die Risiken und möglichen Folgen genau angesehen und haben für euch die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mit einer Saugglockengeburt können eine natürliche Geburt ermöglicht und ein Kaiserschnitt verhindert werden.
  • Eine Saugglockengeburt kann Verletzungen verursachen, jedoch wird noch heute häufig übertrieben, was das Risiko angeht.
  • Eine Saugglockengeburt wird nur dann empfohlen, wenn es auch wirklich erforderlich ist.
Frau bei Geburt unterstützen
Gorodenkoff via shutterstock

Was ist eine Saugglockengeburt?

Eine Saugglockengeburt auch Vakuumunterstütze Entbindung genannt, ist ein Verfahren, das normalerweise während einer natürlichen Geburt angewendet wird. Bei einer vakuumunterstützen vaginalen Entbindung bringt ein Arzt oder das an der Geburt beteiligte medizinische Fachpersonal die Saugglocke am Kopf an. Abhängig von der Situation wird eine weiche oder starre Glocke mit einem Griff und einer Unterdruck-Pumpe verwendet.

Das zu gebärende Kind wird während einer Wehe und dem Pressen der Mutter durch Zug unterstützt, aus dem Geburtskanal auszutreten. Im Normalfall wird der Arzt oder die Ärztin bis zur zweiten Wehenphase warten, bis er/sie entscheidet, ob eine Geburtshilfe erforderlich ist oder nicht. Empfohlen wird euch die Saugglockengeburt, wenn trotz Wehen keine Fortschritte zu sehen sind und ein Eingriff nötig ist, um die Geburt abzuschließen.

Denn weder die Gesundheit eures Kindes noch eure eigene Gesundheit sollte gefährdet werden. Sollte euch euer Arzt oder eure Ärztin eine Saugglockengeburt empfehlen, solltet ihr den ungefähren Ablauf und die Risiken kennen, denn während der Geburt eures Kindes habt ihr mit großer Wahrscheinlichkeit andere Dinge im Kopf. Auch wenn es Risiken gibt, lehnt eine Saugglockengeburt nicht gleich ab, denn sie kann einen Kaiserschnitt oder andere größere Eingriffe verhindern.

Wann kann eine Saugglockengeburt durchgeführt werden?

Es ist erst ab einem bestimmten Stadium möglich, eine Saugglockengeburt in Betracht zu ziehen, ist der Gebärmutterhals noch nicht vollständig geöffnet, die Fruchtblase noch nicht geplatzt oder euer Baby liegt verkehrt herum im Geburtskanal kann eine Saugglocke nicht angesetzt werden. Eingesetzt wird die Saugglockengeburt ausschließlich in einem Geburtshaus oder einer Klinik, da es bei Komplikationen sein kann, dass ein Kaiserschnitt erforderlich wird.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein:

  • Das Baby muss richtig im Geburtskanal liegen
  • Der Gebärmutterhals muss komplett geöffnet sein
  • Die Fruchtblase muss geplatzt sein und das Kind erreichbar sein

In welchen Situationen empfiehlt ein Arzt eine Saugnapfgeburt?

Empfohlen wird der Einsatz von Geburtshilfen beispielsweise dann, wenn der Herzschlag eures Babys zeigt, dass ein Problem vorliegt, aber nicht ersichtlich ist, wo genau die Anzeichen herkommen. Ein veränderter Herzschlag oder Probleme mit anderen Vitalzeichen erfordern in der Regel eine sofortige Entbindung.

Ein weiteres Motiv für den Einsatz einer Saugglocke kann sein, dass die schwangere Frau zwar Wehen hat und mit jeder Wehe presst und das Baby trotzdem nicht weiter aus dem Geburtskanal tritt. Auch ein gesundheitliches Problem der werdenden Mutter kann der Grund für eine Saugglockengeburt sein, um kein Risiko einzugehen.

In welchen Situationen wird ein Arzt von der Saugglockengeburt abraten?

Es gibt aber auch Situationen, in denen euer Arzt oder eure Ärztin euch davon abraten wird, eine Saugglockengeburt in Erwägung zu ziehen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn ihr weniger als 34 Wochen schwanger seid. -Frühgeburten werden grundsätzlich nicht mit Glocke oder Zange geboren, um Verletzungen am Köpfchen zu vermeiden. Euer zu gebärendes Kind eine Knochenschwäche wie Osteogenesis imperfecta oder Hämophilie (Blutungsstörung) hat.

Ein weiterer Grund kann sein, dass euer Baby nicht richtig im Geburtskanal liegt und Arme, Schultern, Gesäß oder Füße zuerst im Geburtskanal sind und das Köpfchen nicht erreichbar ist oder euer Baby noch nicht die Mitte des Geburtskanals überschritten hat. Euer Kind kann aufgrund seiner Größe oder der Größe eures Beckens möglicherweise nicht durch das Becken gelangen und die Anwendung einer Saugglocke gefährlich sein könnte.

Welche Risiken bringt eine Saugglockengeburt mit?

Eine Saugglockengeburt birgt ohne Frage Risiken, die sowohl Mutter als auch Baby betreffen können. Sollten größere Komplikationen auftreten ist es daher möglich, dass der behandelnde Arzt weitere Methoden oder Eingriffe durchführen. Bedenkt aber, dass die Beschwerden und Verletzungen auch bei einer natürlichen Geburt ohne Geburtshilfe-Instrumente (Glocke, Zange etc.) auftreten können. Es kann zu folgenden Problemen, Schwellungen und Verletzungen während einer Saugglockengeburt kommen:

Mögliche Sauglockengeburt Folgen für die Mutter:

  • Schmerzen im Perineum während und auch nach der Geburt
  • Risse und Schwellungen in der Scheide, Muttermund und im Geburtskanal
  • Kurzfristige Probleme beim Wasserlassen oder Entleeren der Blase
  • Kurz- oder langfristige Harn- oder Stuhlinkontinenz

Mögliche Risiken für das zu gebärende Baby:

  • Leichte Verletzungen an d er Kopfhaut
  • Ein erhöhtes Risiko einer Schulterdystokie
  • Eine Schädelfraktur
  • Blutung im Schädel

Bitte vergesst nicht, dass schwere Verletzungen wie Blutungen oder ein Schädelbruch sehr selten sind.

Was passiert bevor eine Saugglockengeburt durchgeführt wird?

Bevor ihr euch für eine Saugglockengeburt entscheidet, kann euer Arzt andere Maßnahmen ausprobieren, um die Wehen zu fördern. Er kann beispielsweise die Betäubung (PDA) über den Katheter anpassen, sodass ihr effektiver drücken und pressen könnt. Zudem könnte euch euer Mediziner ein intravenöses Medikament geben, um die Wehen zu intensivieren.

Dabei handelt es sich meist um eine synthetische Version des Hormons Oxytocin (Pitocin). Auch eine Episiotomie stellt einen Eingriff dar, der durchgeführt wird, um den Geburtskanal zu erweitern und so eine natürliche Geburt ohne Instrument durchzuführen.

Sollte die Entbindung mit Saugglocke die beste Option zu sein scheinen, wird euer Arzt die Risiken und Vorteile des Verfahrens erläutern und euch um eure Zustimmung bitten. Wenn ihr nach den Alternativen fragt, wird euch euer Arzt wahrscheinlich den Kaiserschnitt nennen.

Was euch während der Saugglockengeburt erwartet

Während einer Saugglockengeburt liegt ihr mit gespreizten Beinen auf dem Rücken. Möglicherweise werdet ihr aufgefordert, euch an den Griffen auf beiden Seiten der Liege festzuhalten, um dem Zug standzuhalten.

Danach wird euch der Arzt oder das medizinische Fachpersonal die Saugglocke in die Vagina führen und auf dem Kopf eures Babys platzieren und mit der Vakuumpumpe das Vakuum erzeugen. Während der nächsten Wehe wird der Arzt dann den Vakuumsaugdruck schnell erhöhen, den Griff des Saugnapfs ergreifen und versuchen, das Baby während des Pressens durch den Geburtskanal zu führen.

Zwischen zwei Wehen kann das medizinische Fachpersonal den Saugdruck aufrechterhalten oder reduzieren. Nachdem euer Baby mit dem Kopf aus dem Geburtskanal ausgetreten ist, wird das Vakuum gelöst und die Saugglocke entfernt. Nicht immer ist eine Saugglockengeburt erfolgreich, in der Regel wird der Arzt dann einen Kaiserschnitt durchführen.

Was passiert nach der Saugglockengeburt?

Nach der Entbindung wird euer Arzt euch auf Verletzungen untersuchen, die möglicherweise durch die Saugglocke verursacht wurden. Eventuelle Risse und Verletzungen werden behandelt und repariert. Wenn eine Episiotomie durchgeführt wurde, wird diese genäht. Auch euer Baby wird auf Verletzungen untersucht, die aufgrund der Saugglockengeburt aufgetreten sein können.

Wenn ihr während der Geburt einen Dammschnitt oder einen Dammriss hattet, kann die Wunde einige Wochen lang wehtun. Ausgedehnte Risse und Verletzungen können länger dauern, um zu heilen. Bei starken Schmerzen oder Inkontinenz konsultiert euren Arzt.

Fazit: Saugglockengeburt oder Kaiserschnitt?

Ob für euch und euer Baby eine Saugglockengeburt geeignet ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Sollte euch euer Arzt eine Saugglockengeburt empfehlen, tut er dies, weil der davon ausgeht, dass er euch und eurem Baby mit dem Einsatz der Saugglocke helfen kann und so einen Kaiserschnitt vermeiden kann.

Auch wenn ihr bereits in den Wehen liegt, besprecht die Möglichkeiten mit eurem Arzt und eurer Hebamme, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Bleibt in jedem Fall ruhig, auch wenn dies schwierig ist, mit Angst und Unruhe, verkrampft ihr schnell und erschwert eurem Baby die Geburt.

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