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Geburtsphasen – So läuft eine Geburt ab

Nadine Scheiner
11 Nov 2021
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Die Geburt eines Kindes dauert meist viele Stunden. Dabei können mehrere Phasen unterschieden werden. Diese sind nicht alle gleich lang und es finden jeweils bestimmte Prozesse statt. Auch die Gefühlslage kann sich deutlich unterscheiden und es kann hilfreich sein, über die Phasen Bescheid zu wissen. Hier findet ihr alle wichtigen Informationen über die Geburtsphasen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Geburt kann im Wesentlichen in vier Phasen unterteilt werden. Diese Phasen sind die Eröffnungsphase, die Übergangsphase, die Austreibungsphase und die Nachgeburtsphase.
  • Die Wehen verändern sich im Lauf der Geburtsphasen. Besonders regelmäßig sind sie in der Eröffnungs- und der Austreibungsphase.
  • Die Übergangsphase dauert nur kurz, wird aber oft als besonders schwierig empfunden. Hier stellt sich oft ein emotionales Tief ein.
Geburtsphasen
Von Gorodenkoff - Shutterstock

Welche Geburtsphasen gibt es?

Der Geburtsablauf kann sich über eine lange Zeit hinwegziehen. Sie kann aber in unterschiedliche Phasen unterteilt werden. In den meisten Fällen werden diese vier Phasen unterschieden:

  • Eröffnungsphase
  • Übergangsphase
  • Austreibungsphase oder Pressphase
  • Nachgeburtsphase

Geburtsphase 1 - Was passiert in der Eröffnungsphase?

Passend zum Namen öffnet sich in der Eröffnungsphase der Muttermund. Die erste Phase ist auch die längste. Beim ersten Kind kann sie durchschnittlich 8 bis 14 Stunden andauern. Wenn ihr schon ein Kind habt, oder auch mehrere, kann sie deutlich kürzer dauern. Der Durchschnitt liegt dann bei 6 Stunden.

Während der Eröffnungsphase nehmen die Wehen nach und nach öfter und halten länger an. Kurz vor der Übergangsphase liegt der Abstand bei etwa zwei bis drei Minuten und die Dauer jeder einzelnen Wehe liegt bei etwa einer Minute. Weil sich die Wehen langsam steigern ist der genaue Geburtsbeginn nicht immer einfach festzustellen.

Die Eröffnungsphase drückt euer Kind langsam tiefer ins Becken und erzeugt damit immer wieder Druck auf den Muttermund. Durch diesen Druck öffnet sich die Cervix langsam auf 10 Zentimeter. Dann ist die Öffnung groß genug, um den Kopf des Babys passieren zu lassen.

In der Eröffnungsphase springt die Fruchtblase oft. Dann können die Wehen schnell intensiver werden, weil der Druck des Köpfchens auf den Muttermund größer wird. Vor dem Sprung der Fruchtblase kann die Flüssigkeit ein Polster auf dem Muttermund bilden. In einigen Fällen wird die Fruchtblase auch von der Hebamme geöffnet, um den Effekt auszunutzen. Eine stockende Geburt kann so neuen Schwung bekommen. Die Hebamme nutzt ein kleines scharfes Instrument, um die Fruchtblase anzuritzen. Für Mutter und Kind ist das völlig schmerzlos.

Welche Untersuchungen gibt es in der Eröffnungsphase?

In den meisten Fällen werdet ihr im Laufe der Eröffnungsphase in der Klinik oder im Geburtshaus ankommen. Dann wird die Hebamme wahrscheinlich nachsehen, wie weit der Muttermund eröffnet ist. Zusätzlich werden die Herztöne des Kindes überprüft. Das wird auch regelmäßig wieder überprüft.

Die Hebamme kann durch die Tastuntersuchung über die Scheide auch feststellen, wie weit sich das Köpfchen schon in den Geburtskanal geschoben hat. Auch die Drehbewegungen, die für den Geburtsvorgang notwendig sind, können so beurteilt werden.

Darüber hinaus können auch weitere Untersuchungen wichtig sein. Das umfasst zum Beispiel Blutdruck-Messungen, Blutentnahmen und das Messen der Körpertemperatur.

Zusätzliche Maßnahmen wie ein Einlauf oder andere Hygienemaßnahmen sind heutzutage nicht mehr Standard. Wenn ihr solche Maßnahmen wünscht, werden sie aber weiterhin gemacht.

Wie verändern sich die Gefühle in der Eröffnungsphase?

Diese längste Geburtsphase verbraucht viel Energie. Unter Umständen könnt ihr das Gefühl bekommen, dass ihr nicht mehr weitermachen könnt. Das ist jedoch völlig normal und in den meisten Fällen können die Mütter die Geburt trotzdem gut bewältigen können.

In der Eröffnungsphase müsst ihr möglicherweise mit Erschöpfung und starken Schmerzen rechnen. Dann ist es wichtig, dass ihr durchhalten könnt. Ihr könnt verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Schmerzen der Eröffnungswehen zu erleichtern. Dazu gehören die folgenden Dinge:

  • Ändert eure Position. Viele Frauen gehen umher und stützen sich von Zeit zu Zeit an einem Möbelstück ab. Auch das Sitzen auf einem Gymnastikball oder das Liegen auf der Seite werden oft als angenehm empfunden.
  • Benutzt Atem- oder Entspannungstechniken.
  • Nehmt ein warmes Bad.
  • Lasst euch den Rücken massieren oder eine Wärmflasche geben.
  • Bittet eure Hebamme um eine Akupunktur, oder andere alternative Methoden der Schmerzlinderung.
  • Die Eröffnungsphase ist die richtige Zeit für schmerzlindernde Medikamente.
  • Darüber hinaus gibt es auch noch regionale Betäubungen wie eine Peridural-Anästhesie (PDA).
  • Auch leichte Mahlzeiten können euch durch die erste Geburtsphase hindurch helfen. Achtet darauf, dass ihr nichts schwer Verdauliches esst.

Geburtsphase 2 - Was passiert in der Übergangsphase?

Die Übergangsphase ist die kürzeste Geburtsphase. Jetzt öffnet sich der Muttermund vollständig und die Art der Wehen verändert sich. Das ist auch der Grund, warum viele Frauen jetzt einen Tiefpunkt verspüren. Sie kommen an ihre Grenzen und wollen am liebsten sofort nach Hause.

Körperlich zeigen sich unregelmäßige Wehen, die auch schnell aufeinanderfolgen können. Dadurch kann das Veratmen schwerer werden und es scheint, als wenn ihr die Situation weniger unter Kontrolle habt. Neben der Veränderung der Wehen können auch Übelkeit und Zittern vorkommen.

Das wichtigste in der Übergangsphase sind Menschen, die euch Kraft geben. Eine erfahrene Hebamme wird diese Phase bei euch erkennen und euch unterstützen und Mut machen. Aber auch euer Partner kann jetzt wichtig werden. Auch das Wissen um diese Phase kann eine Unterstützung sein.

Geburtsphase 3 - Was passiert in der Austreibungsphase?

Habt ihr die Übergangsphase überstanden, startet die Austreibungsphase, die auch als Pressphase bezeichnet wird. Bei Erstgebärenden dauert diese Phase bis zu zwei Stunden. Bei folgenden Geburten verkürzt sie sich und kann in wenigen Minuten geschafft sein.

Die Wehen in dieser Phase der Geburt sind kräftig und haben oft wieder etwas längere Abstände. Sie schieben das Kind nach und nach durch den Geburtskanal. Ihr könnt in dieser Phase aktiv mitschieben. Das ist für viele Frauen eine Erleichterung, weil sie dem Druck nachgeben können.

Das Köpfchen eures Kindes muss sich so drehen, dass es durch den Geburtskanal passt. Ihr könnt jetzt auch spüren, dass das Köpfchen immer weiter heruntergedrückt wird. In den Wehenpausen kann es auch wieder ein Stückchen zurückrutschen. Die Presswehen sollten durch eure Bauchmuskeln und eure Atmung unterstützt werden. Ihr könnt auch laut tönen.

Ihr solltet euch auch darauf einstellen, dass in dieser Phase etwas Stuhl austreten kann. Das liegt daran, dass der Kopf des Kindes dem Darm keinen Platz mehr lässt. Es ist völlig normal und eure Hebamme wird wissen, wie sie damit umgehen sollte.

Im Verlauf der Austreibungsphase tritt zuerst der Kopf aus dem Geburtskanal. Der Hinterkopf des Babys ist in den meisten Fällen der erste Teil des Körpers, der sichtbar wird. Dann wird zunächst der ganze Kopf geboren. Oft folgt dann eine kurze Pause und die nächste Presswehe drückt die Schultern und den Körper des Babys aus dem Geburtskanal.

Welche Positionen könnt ihr in der Austreibungsphase einnehmen?

In dieser Phase nehmen die Frauen unterschiedliche Positionen ein. Die Rückenlage ist am bekanntesten, ist aber oft nicht günstig, weil ihr so gegen die Schwerkraft arbeiten müsst. Darüber hinaus gibt es viele verschiedene Varianten.

Wichtig ist, dass ihr euch nicht zu sehr auf eine bestimmte Geburtsposition einstellen solltet. Viele Frauen empfinden während der Geburt anders, als sie es sich in der Schwangerschaft vorstellen konnten. Folgt eurem Gefühl und besprecht am besten noch in der Schwangerschaft mit eurem Partner und eurer Hebamme, welche Varianten ihr euch vorstellen könnt.

Welche Behandlungen finden während der Austreibungsphase statt?

Eure Hebamme wird in der Austreibungsperiode einige Male die Herztöne eures Kindes überwachen. Darüber hinaus kann die Hebamme mit einigem Druck auf den Dammbereich das Risiko eines Risses beim Durchtritt des Köpfchens reduzieren. Zusätzlich kann eure Hebamme das Kind beim Durchtritt unterstützen, wenn es nötig wird. In einigen Fällen wird auch ein Dammschnitt gemacht oder eine Saugglocke eingesetzt.

Geburtsphasen
Von Natalia Deriabina - Shutterstock

Geburtsphase 4 - Was passiert in der Nachgeburtsphase?

Nachdem das Kind geboren wurde, ist noch nicht das Ende der Geburt erreicht. Es kommt weiterhin zu starken Wehen, die dafür sorgen, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und der Mutterkuchen geboren wird.

Das Ablösen der Plazenta erfolgt im Normalfall innerhalb von zehn Minuten. Die Hebamme kann euren Bauch abtasten und sehen, wie weit der Prozess schon vorangeschritten ist. Die Wehen können durch das erste Stillen des Kindes unterstützt werden und diese letzte Phase der Geburt beschleunigen. Das Saugen führt zur Ausschüttung von Oxytocin und einer Verstärkung der Wehen.

Neben der Plazenta werden auch die Eihäute aus der Gebärmutter gedrückt. Das Austreten dieser Nachgeburt ist nicht schmerzhaft, weil sie deutlich kleiner ist als das Baby. Gleichzeitig tritt oft eine gewisse Menge Blut aus. Etwa 300 Milliliter sind normal. Danach nimmt die Blutung ab und wird zum Wochenfluss.

Die Nachgeburt sollte auf jeden Fall auf die Vollständigkeit geprüft werden. Durch Reste in der Gebärmutter kann es zu Blutungen und Entzündungen kommen. Auch ein langes Verbleiben der Plazenta in der Gebärmutter kann das Risiko für starke Nachblutungen erhöhen. In diesem Fall kann sich die Gebärmutter nicht effektiv zusammenziehen. Die Hebamme oder der Arzt können dann von außen nachhelfen, oder Oxytocin während der Nachgeburtsperiode verabreichen.

FAQ - Geburtsphasen

Wie lange dauert eine Wehe in der Eröffnungsphase?

In der Eröffnungsphase dauert eine Wehe etwa 60 bis 90 Sekunden. Der Abstand zwischen den Wehen beträgt dann etwa 3 bis 5 Minuten.

Wie könnt ihr testen, ob es Wehen sind?

Wenn ihr Kontraktionen bemerkt, ist es schwer zwischen Vorwehen und den Geburtswehen zu unterscheiden. Ein Tipp, den viele Hebammen weitergeben, ist die Nutzung von Wärme. Ein warmes Bad oder eine Wärmeflasche können als Test ausreichen. Wenn die Wehen durch die Wärme abnehmen, sind es wahrscheinlich Vorwehen. Nehmen die Wehen aber zu, ist es wahrscheinlich, dass die Geburt begonnen hat.

Wie viele Wehen pro Stunde sind normal?

Vorwehen oder Übungswehen können etwa dreimal pro Stunde, oder bis zu zehnmal pro Tag auftreten. Kommen die Wehen häufiger, könnte es sich schon um die ersten Geburtswehen handeln. Vor der 38. Schwangerschaftswoche solltet ihr in einem solchen Fall euren Frauenarzt um Rat fragen.

Während der Geburt sind bis zu 5 Wehen in 10 Minuten normal. Übersteigt die Wehenanzahl diesen Wert, sprechen Mediziner von einem Wehensturm. Ein Risiko dabei ist die Möglichkeit einer Uterusruptur. Die Wehen können dann mit Medikamenten verringert werden.

Welche Geburtsposition ist in welcher Phase ideal?

Die ideale Geburtsposition ist immer die, in der ihr euch am wohlsten fühlt. In einigen Fällen kann eure Hebamme euch eine Empfehlung geben, um dem Kind den Weg durch den Geburtskanal zu vereinfachen.

Generell sind in der Eröffnungsphase und der Übergangsphase vor allem das Herumgehen und Abstützen auf Möbelstücken beliebt. Aber auch das Sitzen auf einem Gymnastikball kann in dieser Situation als angenehm empfunden werden. Jetzt sind auch andere Positionen noch möglich und ihr solltet ausprobieren, was euch gut tut. In allen Geburtsphasen hilft eine aufrechte Position, weil die Schwerkraft die Geburtsarbeit unterstützt.

In der Austreibungsphase werden die klassischen Geburtspositionen eingenommen. Das kann die Rückenlage sein, aber oft ist eine kniende oder hockende Position besser. Es gibt auch Hilfsmittel wie zum Beispiel den Gebärhocker. Und auch in der Wanne ist eine Geburt möglich. In der Nachgeburtsphase wird oft eine liegende Position eingenommen, weil das Kind dann im Idealfall auf der Brust oder neben euch liegt.

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