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Atemtechnik für die Wehen – Das hilft euch während der Geburt

Nadine Scheiner
07 Mrz 2022
4 min
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Der Geburtsvorbereitungskurs wird manchmal scherzhaft als „Hechelkurs“ bezeichnet. Dabei wird in einem solchen Kurs nicht nur die richtige Atmung geübt, sondern die Hebamme vermittelt auch viele wichtige Informationen rund um die Geburt und die erste Zeit mit einem Baby. Das Atmen während der Geburt ist also nur ein kleiner, aber sehr wichtiger Teil des Geburtsvorbereitungskurses. Warum das so ist, und wie die Atemtechniken während der Wehen aussehen können, das erfahrt ihr hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Während der gesamten Geburt solltet ihr tief und gleichmäßig atmen. Diese Bauchatmung sorgt für eine gute Versorgung mit Sauerstoff und kann die Geburt erleichtern. Auch die Geburtsschmerzen können verringert werden.
  • Die Konzentration auf die Atemtechniken kann ein innerer Halt in einer Situation sein, in der ihr euch auf euren Körper und eure Instinkte verlassen müsst.
  • Eine gleichmäßige Atmung hilft euch, ein Verkrampfen zu vermeiden. Das sorgt für einen lockeren Muttermund und Beckenboden und damit für eine leichtere Geburt.
Atemtechnik Wehen Frau
Tomsickova Tatyana via Shutterstock

Warum können Atemtechniken bei der Veratmung von Wehen helfen?

Die richtige Atemtechnik kann euch bei einer Wehe und dem gesamten Geburtsvorgang helfen. Ein wesentlicher Punkt ist dabei, dass ihr nicht die Luft anhaltet. Ein möglichst gleichmäßiges Atmen hilft auf unterschiedliche Arten:

  • die Sauerstoffversorgung wird verbessert
  • die Wehen werden effektiver
  • die Muskeln des Beckenbodens werden lockerer
  • ihr bekommt ein Gefühl von Kontrolle
  • der Muttermund öffnet sich leichter
  • es kommt zu einer Schmerzerleichterung

Die Versorgung mit ausreichend Sauerstoff ist für euch selbst und für euer Kind besonders wichtig. Zum einen können eure Muskeln mit einer ausreichenden Sauerstoffsättigung einfach besser atmen und die Geburt wird leichter und effektiver ablaufen. Zum anderen kann auch genügend Sauerstoff beim Kind ankommen. Das reduziert den Stress eures Schatzes, der in einigen Fällen zu Komplikationen führen könnte.

Das gleichmäßige Atmen kann verhindern, dass ihr verkrampft. Dann kann der Weg für euer Kind durch das Becken schwieriger werden, weil die verspannten Muskeln ein Hindernis darstellen. Das gilt auch für die Öffnung des Muttermundes. Ein verkrampfter, geschlossener Mund wirkt dem normalen Ablauf in der Eröffnungsphase der Geburt entgegen. Aus diesem Grund erleichtert ein gleichmäßiges, tiefes und ruhiges Atmen die Geburt.

Jede Geburt läuft in ihrem eigenen Rhythmus ab, der nur schwer vorhersagbar ist. Als Gebärende müsst ihr vor allem eurem Körper vertrauen und ihn seine Arbeit machen lassen. Das kann für einige Frauen sehr schwierig sein, weil es einen gewissen Kontrollverlust bedeutet. Die erlernten und geübten Atemtechniken können dann ein wichtiges Ziel für eure Konzentration darstellen. So gewinnt ihr ein Gefühl von Kontrolle zurück.

Welche Atemtechniken kann man bei der Veratmung von Wehen einsetzen?

Unter der Geburt kann es schwierig sein, gleichmäßig und tief zu atmen. Viele Menschen neigen bei Schmerzen zu einer flachen Atmung.

  • nutzt die Zählmethode
  • nutzt positive Mantras
  • tönt

Ihr solltet während der Wehen etwa dreimal so lange ausatmen, wie ihr einatmet. Das könnt ihr gut schon in der Schwangerschaft durch das Zählen trainieren. Beim Einatmen zählt ihr bis drei, beim Ausatmen bis neun. So könnt ihr ein ruhiges und tiefes Durchatmen erreichen.

Ähnlich funktioniert es, wenn ihr positive Mantras nutzt. Ihr solltet dann auf einem kurzen Teil des Mantras einatmen und einen längeren Teil für das Ausatmen nutzen. Ein gutes Beispiel ist das Mantra „Ich schaffe das.“ Dann könnt ihr bei dem ersten Wort einatmen und die beiden letzten für das Ausatmen nutzen.

Es ist aber auch möglich, dass ihr eure eigenen positiven Worte findet. Diese können auch anders verteilt sein, wenn ihr vorher geübt habt, tief einzuatmen und lang auszuatmen.

Es kann auch helfen, wenn ihr daran denkt, durch die Nase einzuatmen und durch den Mund wieder auszuatmen. Dabei solltet ihr euch immer vorstellen, wie der Atem tief in den Bauch und zu eurem Baby strömt.

Zusätzlich zum Zählen im Kopf oder zu den Mantras könnt ihr auch das sogenannte Tönen nutzen. Dabei sagt ihr beim Ausatmen laut „Ooooh“ oder „Aaaah“. Es kann erleichternd wirken. Es kann sein, dass ein intensives Stöhnen euch komisch vorkommt. Aber Hebammen und Ärzte kennen das Tönen gut und können daran sogar erkennen, wie weit ihr in der Geburt seid. Lasst es also zu und vertraut euren Instinkten.

Die Atemtechniken in der Eröffnungsphase

In der Eröffnungsphase wird der Muttermund langsam gedehnt. Das kann einige Stunden in Anspruch nehmen. Daher ist es besonders wichtig, dass ihr gut durch die Wehen kommt und in den Wehenpausen etwas entspannen könnt.

Während der Wehen solltet ihr euch auf die eingeübten Atemtechniken konzentrieren. In den Wehenpausen solltet ihr bewusst wahrnehmen, dass ihr eine weitere Wehe geschafft habt. Versucht nicht daran zu denken, dass ihr nicht wisst, wie viele weitere noch kommen werden. Schritt für Schritt, Wehe für Wehe, werdet ihr näher an den Zeitpunkt kommen, an dem ihr euer Kind in Arm haltet.

Atemtechnik während Wehen
Tyler Olson via Shutterstock

Die Atemtechniken in der Übergangsphase

Wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist, tritt eine kurze Übergangsphase ein. Danach setzen die Presswehen ein. In früheren Zeiten wurde empfohlen, während der Übergangsphase zu hecheln. Diese Hechelatmung kann jedoch zu einer Hyperventilation führen und in der Folge zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung.

Um das zu vermeiden, solltet ihr ruhig weiteratmen. Denkt wieder an eine lange und gleichmäßige Ausatmung und das Einatmen in Richtung eures Bauches.

Die Atemtechniken in der Pressphase

In der Pressphase oder Austreibungsphase wird euer Baby durch den Geburtskanal geschoben. Viele Frauen halten während der intensiven Presswehen den Atem an, weil sie das Gefühl haben dann besser pressen zu können. Allerdings ist auch in der Austreibungsphase eine gleichmäßige und tiefe Atmung vorteilhaft. Eure Muskeln brauchen Sauerstoff, um gut arbeiten zu können.

Es ist wichtig, dass ihr tief einatmet, wenn ihr eine Wehe kommen spürt. Das Pressen funktioniert beim Ausatmen besser als beim Einatmen.

Denkt daran, dass ein lockerer Mundbereich auch eine Wirkung auf den Beckenboden hat. Das Tönen kann euch dabei helfen und so die Geburt erleichtern.

Es ist gut, wenn euer Partner euch auch an eine gleichmäßige Atmung erinnern kann. Darüber hinaus hilft vor allem das Vertrauen in den natürlichen Prozess der Geburt. Die meisten Frauen wissen instinktiv, wie sie richtig atmen müssen.

Die Atemtechniken in der Nachgeburtsphase

Nachdem ihr euer Kind im Arm haltet, muss auch die Plazenta geboren werden. Dieser Teil der Geburt wird als Nachgeburtsphase bezeichnet. Auch wenn jetzt das Schwierigste geschafft ist, können die Wehen noch sehr unangenehm werden. Daher solltet ihr auch jetzt wieder tief und gleichmäßig atmen.

Nach dem Austritt der Plazenta gibt es noch weitere Wehen, die für das Zusammenziehen der Gebärmutter sorgen. Damit wird wieder ein Zustand wie vor der Schwangerschaft erreicht. Diese Nachwehen können zum Teil sehr schmerzhaft sein und müssen in manchen Fällen auch veratmet werden.

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