Dammschnitt – Wann ist er notwendig?
Auf einen Blick
- Ein Dammschnitt wird heute nur noch in bestimmten Fällen empfohlen – nicht mehr routinemäßig wie früher
- Der Eingriff soll einenunkontrollierten Dammriss verhindern und die Geburt erleichtern
- Die Heilung dauert außen 7-10 Tage, innen bis zu 60 Tage
Du machst dir Gedanken, ob bei deiner Geburt ein Dammschnitt nötig sein könnte? Früher war die Episiotomie fast Standard – heute setzen Ärzte sie nur noch gezielt ein. Hier erfährst du, wann ein Dammschnitt wirklich sinnvoll ist, wie er abläuft und was du für eine gute Heilung tun kannst.
🔍 Was ist ein Dammschnitt genau?
Bei der Episiotomie handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff während der Geburt. Dabei wird das Perineum – also der Bereich zwischen Scheide und After – eingeschnitten, um den Geburtskanal zu erweitern und die Geburt deines Babys zu erleichtern.
Der Eingriff wird nur in ganz bestimmten Fällen durchgeführt. Dein Arzt wird dir einen Dammschnitt nur dann empfehlen, wenn er wirklich nötig ist, um Komplikationen zu vermeiden, die dich oder dein Baby gefährden könnten.
Was wird beim Eingriff gemacht?
Der Einschnitt im Damm wird während der Wehen gesetzt, um den Geburtskanal zu erweitern. Mit diesem Eingriff wird ein unkontrollierter Riss des Damms verhindert – denn ein Riss ist oft schmerzhafter und verheilt schlechter. Der Schnitt kann kontrolliert gesetzt werden, während ein Dammriss unkontrolliert erfolgt und weitere Komplikationen mit sich bringen kann.
Gut zu wissen: In den 1980er-Jahren wurde bei fast allen Frauen bei ihrer ersten Geburt ein Dammschnitt vorgenommen – heute weiß man, dass das nicht immer sinnvoll war.
📅 Wann ist ein Dammschnitt wirklich notwendig?
Die Episiotomie wird in der Regel vom Gynäkologen empfohlen, um das Ende des zweiten Stadiums der Geburt zu erleichtern. Durch die Inzision des Perineums wird die Entbindungszeit verkürzt und du und dein Baby erleidet keine zusätzlichen Komplikationen.
Empfiehlt ein Arzt diese Operation, tut er dies, um deinen Damm zu entlasten und das Risiko eines Risses zu minimieren. Denn ein Dammriss kann nicht nur leichte Hautverletzungen bedeuten, sondern bis zur Harn- und Stuhlinkontinenz führen.
Auch bei deinem Baby kann ein zu kleiner Geburtskanal zu Verletzungen führen – nicht nur am Köpfchen. Neue wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass der Dammschnitt nur in seltenen Fällen Vorteile für Mutter und Baby hat.
Achtung: Bei einer Frühgeburt wird ein Dammschnitt grundsätzlich nicht gesetzt.
✨ Diese Arten der Episiotomie gibt es
Um einen Dammschnitt durchzuführen, kann dein Gynäkologe drei Methoden anwenden. Für welche Maßnahme sich dein Arzt entscheidet, hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel die Größe des Kopfes deines Babys und die Flexibilität deines Gewebes.
Mediane Episiotomie
Der Schnitt wird von der Vulva in Richtung After gesetzt und dabei möglichst kurz gehalten. Mit dieser Maßnahme wird dem Köpfchen mehr Freiraum gegeben. Wird der Schnitt korrekt durchgeführt, ist die Heilung sehr gut und die Beschwerden im Wochenbett sind minimal.
Mediolaterale Episiotomie
Dieser Schnitt ist etwas länger als die mediane Variante. Ausgehend von der Mitte mit leicht schräger Führung kann der Beckenboden dadurch weiter geöffnet werden. Da der Schnitt länger ist, kommt es jedoch zu stärkeren Blutungen und die Wunde benötigt längere Zeit für die Heilung.
Laterale Episiotomie
Diese Maßnahme wird nur noch selten durchgeführt, da die Wunde schlechter heilt als bei einem medianen oder mediolateralen Dammschnitt. Die Inzision verläuft von der Scheide zum rechten Gesäß in einem Winkel zwischen 40° und 60°.
Viele Ärzte und Hebammen versuchen heute einen Dammschnitt zu vermeiden. Sprich schon vor der Geburt offen mit deinem Arzt darüber – so kannst du gemeinsam die beste Entscheidung für dich treffen.
🖤 Dammriss vs. Dammschnitt – Was ist besser?
Ein Dammriss sollte nicht unterschätzt werden, denn er kann schwere Verletzungen verursachen und zu unkontrolliertem Stuhlgang oder Urinfluss führen. Abhängig sind die Folgen vom Grad des Risses. Zudem kann die Wundheilung schlechter sein, die Heilung um Wochen länger dauern als bei einem präzise gesetzten Schnitt.
Besteht ein hohes Risiko, dass der Damm reißt, tendieren Ärzte und Hebammen dazu, einen kontrollierten Schnitt zu setzen. Denn die Naht bei einem Schnitt kann besser gesetzt werden, die Wundheilung ist häufig besser und die Narbe verheilt sauberer. Zudem wird der Dammschnitt mit Betäubung gesetzt, weshalb die Schmerzen beim Schneiden geringer sind als beim Reißen.
Gut zu wissen: Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich gegen die weitverbreitete Praxis der Episiotomie ausgesprochen und sie als "schädlich, außer in seltenen Fällen" definiert.
💪 Mögliche Folgen eines Dammschnitts
Auch die Episiotomie kann Folgen haben, die du kennen solltest, um im Fall der Fälle eine fundierte Entscheidung treffen zu können:
- Bereits wenige Tage nach dem Eingriff kann es zu Schmerzen und Beschwerden an der Einschnitt-Stelle kommen
- Die äußere Heilung ist in der Regel innerhalb von 7 bis 10 Tagen abgeschlossen, die innere Heilung jedoch kann 30 bis 60 Tage in Anspruch nehmen
- Es gibt Frauen, die auch nach Monaten noch über Beschwerden wie Inkontinenz, Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr und Unwohlsein klagen – in seltenen Fällen sogar Jahre später
🌸 Die Heilung fördern – Das kannst du tun
Ist es wahrscheinlich, dass ein Dammschnitt gesetzt wird, gibt es verschiedene Techniken und Maßnahmen, die du anwenden kannst, um die anschließende Wundheilung zu fördern. Wurde der Schnitt bereits gesetzt und du klagst über Beschwerden, kannst du verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Heilung zu unterstützen.
Tipp: Sprich schon vor der Geburt mit deinem Arzt über die Wahrscheinlichkeit eines Dammschnitts und darüber, wie du prophylaktisch handeln kannst.
💭 Fazit: Ist ein Dammschnitt wirklich nötig?
Ob ein Dammschnitt bei dir wirklich nötig ist, kann schlussendlich nur dein Arzt entscheiden. Mit heutigem Wissen raten nur wenige Kliniken, Ärzte und Hebammen zu einem Dammschnitt, wenn er nicht wirklich nötig ist.
Bedenke immer, dass dein Gewebe beschädigt wird und wahrscheinlich nie wieder so elastisch ist wie vorher. Andererseits kann ein Einschnitt in den Damm die Geburt deines Kindes erleichtern, weil der Kopf und der Körper besser durch den Geburtskanal treten können. Ob der Kopf deines Kindes größer ist als normal, kann der Arzt schon Wochen vor der Geburt sehen.
Häufig gestellte Fragen
Wird bei jedem Dammschnitt eine Betäubung gesetzt?
Ja, der Dammschnitt wird mit Betäubung gesetzt, weshalb die Schmerzen beim Schneiden mit der Schere geringer sind als bei einem unkontrollierten Riss. Auch beim Nähen hast du durch die Betäubung weniger Schmerzen.
Wie lange dauert die Heilung nach einem Dammschnitt?
Die äußere Heilung ist in der Regel innerhalb von 7 bis 10 Tagen abgeschlossen. Die innere Heilung kann jedoch 30 bis 60 Tage in Anspruch nehmen. Jede Frau heilt unterschiedlich schnell.
Kann ich einen Dammschnitt komplett vermeiden?
Viele Ärzte und Hebammen versuchen heute, einen Dammschnitt zu vermeiden. Es gibt verschiedene Techniken und Maßnahmen, die du schon vor der Geburt anwenden kannst. Sprich mit deinem Arzt über prophylaktische Möglichkeiten wie Dammmassage.
Was ist besser – Dammschnitt oder Dammriss?
Ein kontrolliert gesetzter Dammschnitt kann besser verheilen als ein unkontrollierter Riss. Die Naht kann präziser gesetzt werden und die Narbe verheilt oft sauberer. Dein Arzt wird die Entscheidung basierend auf deiner individuellen Situation treffen.
Welche Art von Dammschnitt ist am besten?
Die Wahl der Methode hängt von verschiedenen Faktoren ab – wie der Größe des Kopfes deines Babys und der Flexibilität deines Gewebes. Dein Arzt trifft die Entscheidung auf Basis deiner Morphologie und der Lage und Größe deines Babys.
Kann es auch Jahre nach dem Dammschnitt noch zu Beschwerden kommen?
In seltenen Fällen klagen Frauen auch Jahre später noch über Schmerzen oder Beschwerden. Die meisten Frauen haben jedoch nur in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt Beschwerden. Bei anhaltenden Problemen solltest du unbedingt mit deinem Arzt sprechen.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
Mehr über Nadine →