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Zangengeburt – Ablauf, Risiken und Folgen

Nadine Scheiner
08 Mrz 2022
5 Min.
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Mit den heutigen Möglichkeiten werden Fehlpositionen oder andere Komplikationen oft früh erkannt, sodass entsprechende Maßnahmen vorbereitet und getroffen werden können und doch kann es zu Komplikationen kommen. Dreht sich euer Baby auf dem Weg ins Krankenhaus oder ändert die Lage seines Köpfchens und tritt aus diesem Grund nicht richtig in den Geburtskanal, ist es möglich, dass Hilfsmittel nötig sind.

Eine dieser möglichen Hilfsmittel kann ein zangenähnliches Instrument sein, mit dem eine Zangengeburt durchgeführt wird. Da bis heute noch viele Horrorstorys erzählt werden, haben wir uns die Thematik genauer angesehen und für euch einen Artikel geschrieben, der euch objektiv und realistisch den Ablauf, die Risiken und die möglichen Folgen näherbringt. Nicht zu vergessen, eine Zangengeburt kann gegenüber anderen Eingriffen in die Entbindung aber auch vorteilhaft sein.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Zangengeburt ist eine Geburtshilfe, womit durchaus größere Eingriffe vermieden werden können.
  • Die Zangengeburt ist längst nicht mehr so gefährlich, wie es den schlimmsten Horrorstorys erzählt wird, aber sie birgt Risiken.
  • Ärzte empfehlen eine Zangengeburt nur dann, wenn es auch wirklich nötig ist und Sinn macht.
Zangengeburt
shna via shutterstock

Was ist eine Zangengeburt?

Eine Zangengeburt ist eine Art der unterstützten vaginalen Geburt. Manchmal wird diese Methode während der vaginalen Entbindung angewendet, wenn das zu gebärende Baby nicht korrekt im Geburtskanal liegt zum Beispiel, wenn der Kopf schräg liegt.

Bei einer Zangengeburt verwendet der/die Arzt/Ärztin oder das an der Geburt beteiligte medizinische Fachpersonal ein Instrument in Form zweier großer Löffel oder einer Salatzange, die sogenannte Zange (Forceps), um den Kopf des Babys zu halten und aus dem Geburtskanal zu führen. Normalerweise kommt die Zange während einer Wehe, wenn die Mutter presst, zum Einsatz.

Euer Arzt empfiehlt möglicherweise eine Zangengeburt während der zweiten Phase der Wehen, wenn ihr presst, falls die Wehen nicht fortschreiten oder die Gesundheit eures Babys von einer sofortigen Entbindung abhängt.

Obwohl eine Zangengeburt während der Geburt eures Babys empfohlen werden kann, kann das Verfahren mit gewissen Risiken verbunden sein. Wenn die Zangengeburt nicht gelingt, kann ein Kaiserschnitt erforderlich sein.

Wann kommt eine Zangengeburt zum Einsatz?

Eine Geburt mit Zange kann dann in Betracht gezogen werden, wenn der Gebärmutterhals vollständig geöffnet ist, die Fruchtblase geplatzt ist und euer Baby nicht richtig im Geburtskanal liegt und ihr es aus diesem Grund nicht allein die Kraft aufbringen könnt, euer Baby zu gebären.

Durchgeführt werden kann oder sollte eine Zangengeburt nur in einem Geburtshaus oder Krankenhaus, wo gegebenenfalls ein Kaiserschnitt durchgeführt werden kann. Empfohlen wird eine Zangengeburt vom behandelnden Arzt in der Regel, wenn folgende Fälle eintreten:

  • Die Mutter mit jeder Wehe presst, aber die Geburt nicht voranschreitet. Die Wehen werden in diesem Fall als „verlängert“ bezeichnet, da sie nach einer bestimmten Zeit keine Fortschritte bewirken.
  • Der Herzschlag des Kindes zeigt, dass ein Problem vorliegt, aber nicht ersichtlich ist, wo genau das Problem liegt.
  • Die Frau selbst hat ein gesundheitliches Problem, dass sich bei der Geburt auf das zu gebärende Kind auswirken kann oder die Mutter selbst gefährden kann.

Es ist jedoch auch möglich, dass euer Arzt euch von einer Zangengeburt abrät, da eine Zangengeburt für euch oder euer Baby gefährlich sein könnte. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn:

  • Bei eurem Baby wurde bereits eine Erkrankung diagnostiziert, die sich auf die Stärke der Knochen auswirkt, dabei kann es sich zum Beispiel um Osteogenesis imperfecta oder eine Blutgerinnungsstörung wie Hämophilie handeln.
  • Der Kopf des Babys hat die Mitte des Geburtskanals noch nicht überschritten und kann aus diesem Grund nicht gut mit der Zange gegriffen werden.
  • Die Position des Kopfes des Babys ist unbekannt und kann nicht bestimmt werden, sodass die Zange möglicherweise nicht korrekt angesetzt werden und das Baby gefährden könnte.
  • Die Schultern oder Arme eures Babys erscheinen zuerst im Geburtskanal und der Kopf kann nicht richtig gegriffen werden.
  • Das Baby kann aufgrund seiner Größe oder der Größe Ihres Beckens möglicherweise nicht durch das Becken passen.

Welche Risiken bringt eine Zangengeburt mit?

Natürlich ist eine Zangengeburt nicht immer ungefährlich, da es sich um einen Eingriff in die natürliche Entbindung handelt. Grundsätzlich besteht bei einer Zangengeburt ein relativ hohes Verletzungsrisiko für die Frau und das Kind.

Schmerzen oder Risse im Perineum nach der Geburt sind nicht selten. Beim Perineum handelt es sich um das Gewebe zwischen Scheide und After, auch als Damm bekannt. Auch Risse und Verletzungen in der Scheide, Muttermund und im Geburtskanal stellen mögliche Folgen dar. Des Weiteren kann es nicht nur zu Schwierigkeiten und Beschwerden beim Wasserlassen (Urinieren) kommen, sondern sogar kurzzeitig oder langfristig zu Harn- oder Stuhlinkontinenz führen.

In diesem Zuge sind auch Verletzungen der Blase oder Harnröhre möglich, die sich ebenfalls auf das Wasserlassen auswirken können. Zu den schwerwiegenden und lebensgefährlichen Risiken einer Zangengeburt gehört ohne Frage der Bruch der Gebärmutter, der auftritt, wenn die Gebärmutterwand reißt. Mit dem Uterus Bruch kann das Baby oder die Plazenta in die Bauchhöhle der Mutter eindringen und lebensgefährlich werden.

Möglich ist auch, dass eure Muskeln und Bänder im Beckenboden, die die Organe im Becken stützen, geschwächt werden, wodurch die Organe in den Beckenboden absinken können (Beckenorganvorfall). Die genannten Komplikationen treten gelegentlich auch bei einer natürlichen Geburt ohne Hilfsmittel auf, bei einer Zangengeburt sind sie jedoch häufiger. Ärzte setzen aus diesem Grund zusätzlich oft eine Episiotomie (Dammschnitt), sodass sich der Geburtskanal vergrößert und die Gefahr von Verletzungen verringert wird.

Zangengeburt Folgen oder Zangengeburt Trauma bei eurem Baby möglich?

Auch euer Baby kann Verletzungen erleiden, obwohl diese seltener sind, solltet ihr sie kennen. Leichte Gesichtsverletzungen durch den Zangendruck gehören dabei zu den häufigsten Verletzungen, sie sind ohne Frage nicht schön, verheilen aber im Normalfall problemlos und euer Baby trägt keinen Langzeitschaden davon.

Auch eine vorübergehende Schwäche beziehungsweise Lähmung der Gesichtsmuskulatur, einseitig oder im gesamten Gesicht sind möglich. In diesem Fall kommen gelegentlich auch Blutungen in oder um die Augen vor, aber auch diese Verletzungen heilen in der Regel problemlos ab.

Im schlimmsten, aber auch wirklich seltensten Fall kann es zu einer Schädelfraktur oder Blutungen im Kopf kommen. Dank moderner Instrumente und erstklassiger Ärzte ist dies heute jedoch extrem selten. Auch wenn ihr gehört habt, dass die Zangengeburt die Kopfform von Babys verändert, dies ist heute nicht mehr typisch.

Leichte Flecken oder Kratzer im Gesicht und am Köpfchen eures Babys sind nach einer Zangengeburt sozusagen normal ihr braucht euch in diesem Fall keine großen Sorgen machen. Zangengeburt Spätfolgen bei eurem Kind oder bei euch sind heutzutage sehr selten.

Hat eine Zangengeburt Vorteile?

Ja und nein. Natürlich ist es ohne Frage am schönsten, wenn euer Kind auf ganz natürliche Weise und ohne Hilfsmittel auf die Welt kommt, manchmal lässt es die Lage eures Babys aber nicht zu und es eine Geburtshilfe braucht. Kann mit einer Zangengeburt aber ein Dammriss oder sogar ein Kaiserschnitt vermieden werden und euer Baby mit ein paar kleinen Kratzern oder Flecken vaginal von euch entbunden werden, ist das Glück hinterher umso größer.

Was kann vermieden werden:

  • Dammriss
  • Kaiserschnitt
  • Verletzungen des Geburtskanals
  • Verletzungen eures Babys, weil es zu lang im Geburtskanal ist

Fazit: Ist eine Zangengeburt wirklich so gefährlich?

Eine Zangengeburt ist und bleibt ein medizinischer Eingriff während eines natürlichen Prozesses daran kann niemand etwas ändern oder „schönreden“. Mit dem heutigen Wissen und den Fähigkeiten, die Ärzte und medizinisches Fachpersonal haben und den Instrumenten, die als Hilfsmittel eingesetzt werden, ist es aber möglich, die Eingriffe so gering wie möglich zu halten und weder der werdenden Mutter noch dem zu gebärenden Baby große Schäden oder Verletzungen beizufügen.

Euer/Eure Arzt/Ärztin wird euch eine Zangengeburt nur dann empfehlen, wenn es auch wirklich nötig ist, um eurem Baby auf den Weg zu helfen. Versucht euch in diesem Moment nicht zu verkrampfen und denkt daran, wie schön es ist, wenn ihr euer neugeborenes Kind erst im Arm haltet. Angst setzt euch und euer Baby unter Druck und kann die Zangengeburt erschweren, schiebt die möglichen Folgen zur Seite und freut euch auf euer gesundes Baby.

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