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Periduralanästhesie (PDA) – Vor- & Nachteile

Nadine Scheiner
28 Feb 2022
5 Min.
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Auch wenn fast alle schwangeren Frauen den Wunsch haben, den Moment der Geburt ihres Kindes vollkommen erleben und spüren zu können und aus diesem Grund keine Anästhesie beanspruchen wollen, lässt es die Situation manchmal nicht zu. Denn obwohl der Arzt und Hebamme schon vorher viele Informationen sammeln können und wissen, wie euer Baby liegt, in welchem gesundheitlichen Zustand ihr euch befindet und ob alles in Ordnung ist, kann es Komplikationen geben und eine Narkose wird unumgänglich.

Es gibt aber auch Patienten, die die Geburt ihres Kindes ohne Schmerzen erleben wollen und für die das Wichtigste ist, trotz starker Kontraktionen vollkommen schmerzfrei zu sein. Diese Gruppe von Schwangeren fragt oft bereits im Voraus nach einer Betäubung während der Geburt. Wenn auch ihr euch zu dieser Gruppe zählt, sprecht am besten schon vorher mit eurem Arzt und eurer Hebamme, um alle Einzelheiten in Ruhe besprechen zu können, sodass zur Geburt eures Babys bereits alles vorbereitet ist und auch bei einem nötigen Eingriff alles geklärt ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Periduralanästhesie ermöglicht es schwangeren Frauen, die Geburt ihres Babys voll mitzuerleben und das ohne Wehen-Schmerzen.
  • Die Periduralanästhesie ermöglicht es schwangeren Frauen, die Geburt ihres Babys voll mitzuerleben und das ohne Wehen-Schmerzen.
  • Die Betäubung kann auch bei einer Eingriffs-Operation (Kaiserschnitt) eingesetzt werden, sodass der Patient nicht in den Schlaf fällt.
Periduralanästhesie während Geburt
Roman Zaiets via shutterstock

Warum keine Vollnarkose während der vaginalen Entbindung mehr?

Während in den 60er- und 70er-Jahren die Vollnarkose bei der vaginalen Entbindung häufig angewendet wurde, ist ihre Anwendung als erste Wahl für eine Anästhesie während der Geburt heute nicht mehr aktuell. Denn häufig kommt es aufgrund der Vollnarkose zu Störungen beim Wehen-Rhythmus, was den Einsatz von Geburtshilfen notwendig macht. Eine sehr gute und beliebte Alternative dazu stellt die PDA dar, doch was bedeutet dies eigentlich wirklich und welche Vor- und Nachteile bringt diese Methode mit?

Periduralanästhesie (PDA) - was ist das überhaupt?

Die Periduralanästhesie, auch unter dem Kürzel PDA bekannt, hat sich in den letzten Jahrzehnten als die Geburtsnarkose schlechthin etabliert. Ihr Vorteil liegt darin, dass ihr nicht schlaft und eure Klarheit erhalten bleibt, sodass ihr während der Geburt reagieren könnt und bei der Geburt eures Babys mithelfen könnt.

Bei der Periduralanästhesie handelt es sich auch um eine Narkose, jedoch wird nur ein Teil eures Körpers narkotisiert (betäubt). Verabreicht wird das Medikament durch eine Injektion in den Rücken. Die Kanüle (Nadel) wird nach der Injektion entfernt, jedoch verbleibt ein Katheter mehr zur Anwendung erfahrt ihr im nächsten Abschnitt. Durch die PDA werden die Schmerzen der Wehen verringert und ihr könnt euch besser auf die Geburt eures Kindes konzentrieren.

Wie wird die Periduralanästhesie angewendet?

Bei der Periduralanästhesie (PDA) handelt es sich also um eine Anästhesie, die an der Wirbelsäule angewendet wird, um den Bauchbereich zu betäuben. Zur Anwendung wird die schwangere Patientin sitzend mit gebeugtem Rücken oder auf der Seite liegend in eine „fetale“ Position gebracht. Der Bereich zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel der Lendenwirbelsäule wird desinfiziert, dort wird die Injektion vorgenommen und ein kleines Lokalanästhetikum wird aufgetragen, um den Bereich zu desensibilisieren.

Dann wird eine Nadel eingeführt, ohne das Rückenmark zu berühren – die Epidural-Region befindet sich zwischen der Wirbelsäule und dem Rückenmark. Durch die Nadel wird ein dünner Kunststoffkatheter eingeführt, der fixiert wird. Anschließend wird die Nadel entfernt. Bei diesem Vorgang ist es wichtig, dass der Rücken maximal gewölbt bleibt, auf diese Weise wird das Eindringen der Nadel durch den Raum zwischen den einzelnen Wirbeln erleichtert.

Kommt es zu einer Wehe, müsst ihr unbedingt den Anästhesisten benachrichtigen, damit er die Arbeit kurzzeitig unterbrechen kann. Aufgrund der Flexibilität des Katheters habt ihr hinterher volle Bewegungsfreiheit. Abhängig vom Verfahren des Anästhesisten kann der Anästhesiefluss auf folgende Weise durchgeführt werden:

Periduralanästhesie mit Injektionen in Intervallen:

Der Anästhesist spritzt immer wieder (In Intervallen) eine Dosis des Anästhetikums durch das Ende des Katheters. Wenn die Dosis groß genug ist, bemerkt ihr eine Entspannung des Bauches und die Schmerzen hören auf. Sobald die Wirkung nachlässt, wird der Anästhesist eine neue Injektion auf die gleiche Weise verabreichen.

Kontinuierliche Infusion epidural:

Für den kontinuierlichen Anästhesiefluss platziert der Anästhesist am Ende des Katheters eine Pumpe, die ihr selbst steuern könnt, wodurch der Anästhesiefluss erhöht oder verringert wird, sodass ihr die Wirkung und den Schmerz besser kontrollieren könnt.

Wann sollte die Periduralanästhesie angewendet werden?

Selbst wenn ihr die Periduralanästhesie bei der Planung eurer Geburt nicht „bestellt“ habt, bieten die meisten Krankenhäuser in der Regel jederzeit die Möglichkeit, sie zu verwenden. Die meisten schwangeren Patienten entscheiden sich für eine Periduralanästhesie, wenn die Schmerzen durch Wehen zuzunehmen beginnen und sich der Gebärmutterhals erweitert.

Wenn Pitocin (die synthetische Version des Hormons Oxytocin, das Wehen und eine Erweiterung des Gebärmutterhalses verursacht), verwendet wurde, um die Wehen auszulösen und die Geburt einzuleiten, wird in der Regel auch die Periduralanästhesie angewendet, da die künstlich verursachten Wehen in der Regel etwas schmerzhafter sind als natürlichen Wehen.

Situationen, in denen die Verwendung einer Periduralanästhesie erforderlich ist:

  • Wenn die Wehen nicht natürlich beginnen
  • Wenn ihr Schwierigkeiten habt, mit Wehen umzugehen
  • Wenn sich euer Körper für die Geburt nicht öffnet und ausdehnt
  • Wenn der Fötus für die Geburt nicht richtig positioniert ist

 

Welche Vorteile hat eine Periduralanästhesie?

Die Periduralanästhesie hat nicht nur zum Vorteil, dass sie den Schmerz von künstlich eingeleiteten Wehen mildert, sondern ermöglicht euch, die Geburt eures Kindes mitzuerleben und das bei möglichst geringen Schmerzen. Ihr spürt dabei zwar die Wehen und könnt mithelfen, aber nicht den Schmerz der Wehen.

Zudem hilft die Periduralanästhesie, einen hohen Blutdruck zu senken und wirkt oft auch beruhigend auf den Allgemeinzustand. Zudem könnt ihr sogar bei Bewusstsein bleiben, wenn ein Kaiserschnitt erforderlich wird, denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird keine Vollnarkose, sondern eine Periduralanästhesie angewendet, um die Eingriffs-Operation mit örtlicher Betäubung durchzuführen.

Welche Nachteile hat eine Periduralanästhesie?

Es kann anfangs einige Zeit dauern, bis die Betäubung eingesetzt werden kann, es ist auch möglich, dass sie nur in bestimmten Teilen Wirkung zeigt. Informiert in diesem Fall den Anästhesisten, sodass dieser die Dosis überprüfen und anpassen kann. Zudem kann es zu Nebenwirkungen kommen, die zu Juckreiz führen oder Frieren führen.

Des Weiteren müsst ihr während der Geburt eures Babys im Bett bleiben. Es kann außerdem sein, dass ein Katheter gesetzt werden muss, um den Fluss von Körper-Flüssigkeiten zu kontrollieren. Zudem ist eine sorgfältige Überprüfung eures Blutdrucks und der Herzfrequenz eures Babys erforderlich. Außerdem ist es möglich, dass zusätzlich Pitocin gespritzt werden muss, um die Wehen zu beschleunigen.

Denn nicht nur in der zweiten Phase der Wehen – der Dilation – kann es zu Verzögerungen kommen. Jedoch wird in der zweiten Wehen-Phase kein Pitocin gespritzt, sondern es kommt zum Einsatz von Geburtshilfen wie einer Saugglocke. Auch Kopfschmerzen und Übelkeit können die Folge einer Periduralanästhesie sein.

Beeinflusst die Periduralanästhesie euer Baby?

Grundsätzlich beeinflusst ein Medikament wie eine Periduralanästhesie euer Baby weder bei Komplikationen und einer nötigen Operation noch bei einer natürlichen Geburt nicht. Es kann aufgrund der Zusammensetzung des Betäubungsmittels bei sehr hohen Mengen dazukommen, dass die Atmung eures Babys beeinflusst wird. Aus diesem Grund ist die stetige Überwachung von euch und eurem Baby unerlässlich. Die Periduralanästhesie beinhaltet verschiedene Analgetika wie Opioide und Fentanyl.

Fazit: Geburt mit oder ohne Betäubung?

Ob ihr euch für eine örtliche Betäubung entscheidend oder nicht, könnt ihr natürlich nur selbst entscheiden und ist wahrscheinlich auch davon abhängig, wie schmerzempfindlich ihr seid. Es gibt Patienten, die gar keine Betäubung benötigen, es gibt aber auch schwangere Frauen, die den Schmerz der Kontraktionen kaum Aushalten und daher entsprechende Medikamente wünschen.

Dabei wirkt dieses Betäubungsmittel eher wie eine Schmerztherapie, die euch den Schmerz ab Bauch über die Beine bis zu den Füssen nimmt. Allein das Auftreten von Kontraindikationen (Infektionen, Erkrankungen, Behinderungen usw.) kann den Einsatz von Medikamenten zur Schmerztherapie verhindern.

Besprecht euch am besten mit eurem Arzt und eurer Hebamme, um eine durchdachte und für euch passende Entscheidung zu treffen. Es kann auch nützlich sein, dass ihr euren Geburtsplan mit eurer Begleitperson besprecht.

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