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Warum ist Toxoplasmose in der Schwangerschaft so gefährlich

Nadine Scheiner
11 Feb 2022
8 Min
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Unter einer Toxoplasmose versteht sich eine Infektionskrankheit, die aufgrund von Parasiten verursacht wird. In eurer Schwangerschaft kann es ebenfalls zu dieser Erkrankung kommen, die mittlerweile schon auf der gesamten Welt verbreitet ist. Der Mensch als solches ist für den Erreger der Infektion lediglich ein Zwischenwirt. Der Endwirt sind Katzen. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen aufgrund von rohen oder schlecht zubereiteten (nicht ausreichend gegarten) Fleischwaren. In der Regel verursacht diese Infektionserkrankung keinerlei Beschwerden, kann jedoch in Einzelfällen schwerwiegende Folgen haben. Besonders bei schwangeren Frauen kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen.

Wir möchten euch in diesem Artikel darüber aufklären, was eine Toxoplasmose ist und welche weiteren wichtigen Punkte ihr berücksichtigen müsst.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft
Konstantin Aksenov via shutterstock

Was genau ist eine Toxoplasmose?

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Toxoplasmose um eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten oder Toxoplasmen (Toxoplasma gondii) verursacht wird. Normalerweise handelt es sich vielmehr um eine Tierkrankheit, auch Zoonose genannt. Trotz alledem kann sich auch ein Mensch mit dieser Erkrankung anstecken.

Generell können alle Menschen in jeder Altersgruppe an einer Toxoplasmose erkranken. Es kommt selten zu Beschwerden. Ist dies trotz alledem der Fall kann es zu leichtem Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen kommen. Besonders bei Meschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, kann es im Falle einer Toxoplasmose zu Beschwerden aller Art kommen. Auch in eurer Schwangerschaft und vor allem bei einer Erstinfektion kann es zu erheblichen Problemen führen.

Euer Körper bildet bei einer Infektion sogenannte Antikörper gegen den Parasiten Toxoplasma gondii. Auch nach dem Abheilen zirkuliert ein Teil davon noch in eurem Blut. Das bedeutet, dass ihr das ganze Leben lang gegen den Erreger geschützt seid. Daher wird von einer lebenslangen Immunität gegen den Parasiten gesprochen. Ausnahmen bestehen lediglich bei einer Immunschwäche, die ihr im Laufe der Jahre entwickeln könnt. Beispielsweise kann dies eine HIV-Erkrankung sein. Ist dies der Fall, könnt ihr auch ein weiteres Mal an einer Toxoplasmose erkranken.

Toxoplasmose Schwangerschaft – Wie kann es zu einer Ansteckung kommen?

Generell ist der Erreger Vermehrungsfreudig, aber auch anpassungsfähig. Das bedeutet, dass sich der Parasit selbst dauernd auf Rundreise bewegt und auf verschiedene Säugetiere, wie beispielsweise Schweine, Schafe oder auch Ziegen überspringen kann. Damit sich der Parasit jedoch weiterhin vermehren und geschlechtsreif werden kann, benötigt er den Darm einer Katze. Fressen Katzen das infizierte Fleisch, gelangt der Parasit (Toxoplasma gondii) sofort in ihren Darm und legt dort seine Eier. Diese werden aus medizinischer Sicht auch Oozysten genannt. Mit dem Kot der Katze werden die Eier wieder ausgeschieden. Innerhalb von vier bis fünf Tagen können die Oozysten bereits infektiös sein. Die Eier können sogar unter der Erde viele Jahre überleben und immer wieder in den Futterkreislauf von Tieren gelangen.

Der Nachteil ist, dass die Toxoplasmen über infiziertes Fleisch auch in den Körper des Menschen gelangen kann. Besonders bei nicht durchgebratenen Steaks, Tartar und anderem rohen Fleisch kann dies der Fall sein. Vorsicht ist auch bei Obst und Gemüse aus Freilandkultur geboten. Auch diese können durch den Kot der Katze infiziert sein.

Toxoplasmose Test Schwangerschaft
Babul Hosen via shutterstock

Wie häufig tritt eine Toxoplasmose beim Menschen auf?

In eurer Schwangerschaft solltet ihr unbedingt darauf achten, welche Lebensmittel ihr verzehrt. Aufgrund des erhöhten Infektionsrisiko ist es wichtig, dass ihr keine rohen Lebensmittel, beziehungsweise rohes Fleisch zu euch nehmt.

Laut Schätzungen haben etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen eine solche Infektion bereits hinter sich. Mit dem Lebensalter steigt die Zahl der Menschen, die sich schon einmal mit diesen Toxoplasmen infiziert haben. Bei allen Menschen ab 70 spricht man sogar von einer Durchseuchungsrate von etwa 70 Prozent. Sollte es daher zu einer Infektion in der Schwangerschaft kommen, die auch auf euer Kind übertragen wurde, ist es wichtig, dies beim RKI (Robert-Koch-Institut) zu melden. Bei der Geburt eines infizierten Kindes spricht man von einer konnatalen oder kongenitalen Toxoplasmose. In der Regel entwickelt sich auch dahingehend selten Krankheitssymptome.

Toxoplasmose Schwangerschaft Symptome – Was passiert im Körper?

Wie schon erwähnt, kommt es eher selten zu Symptome Toxoplasmose Schwangerschaft. Experten behaupten mittlerweile sogar, dass jeder zweite Deutsche an einer Toxoplasmose erkrankt war und dementsprechend auch Antikörper gebildet hat. In der Regel wird eine solche Infektion außerdem vom körpereigenen Abwehrsystem bekämpft. Sobald die Krankheit daher überwunden ist, verfügt der Körper über eine lebenslange Immunität.

Es kommt daher in sehr seltenen Fällen zu Symptomen. Die nachfolgenden Symptome können jedoch bei einer Toxoplasmose auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Schwellungen an den Lymphknoten
  • erhöhte Temperatur, Fieber
  • in seltenen Fällen Durchfall
  • Mattigkeit, Erschöpfung

Zu diesen Symptomen kommt es, wie schon erwähnt in nur sehr seltenen Fällen. Eine genaue Bestimmung über eine Infektion ist lediglich über eine Antikörperbestimmung im Blut möglich. Selbst wenn ein positiver Befall oder eher gesagt eine Infektion bewiesen wurde, ist es oftmals nicht einmal nötig, eine Behandlung einzuleiten.
Ausnahmen für eine sofortige Behandlung gibt es bei Menschen, die Probleme mit den Abwehrkräften haben und bei Frauen in der Schwangerschaft.

Doch warum ist die Toxoplasmose in der Schwangerschaft so gefährlich?

In eurer Schwangerschaft kann die Infektion sehr gefährlich werden. Schließlich hat euer Körper bei einer Erstinfektion noch keinerlei Antikörper gebildet. Aufgrund dessen besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, dass die Erreger durch eure Plazentamembran in den Kreislauf eures ungeborenen Kindes gelangen. Euer Baby hat noch kein ausgereiftes Immunsystem. Das Immunsystem ist vor allem in den ersten Lebensmonaten eures Embryos nicht voll funktionsfähig. Dementsprechend ist euer Baby dem Erreger völlig ausgeliefert.

Sollte es daher zu einer Toxoplasmose Infektion innerhalb des ersten Schwangerschaftsdrittels kommen, kann es passieren, dass euer Baby später einen geistigen oder auch körperlichen Schaden bekommt. Beispielsweise kann es passieren, dass euer Kind Schäden an Augen und Gehirn hat oder unter einem Wasserkopf leidet. Daher ist es umso wichtiger, dass ihr vorbeugende Maßnahmen trefft, um gar nicht erst mit dem Erreger infiziert zu werden.

Infiziert ihr euch als werdende Mutter erst zu einem späteren Zeitpunkt eurer Schwangerschaft, kann es passieren, dass euer Kind unter einer Fehlbildung an der Netzhaut erkrankt. Diese kann bis zu einem späteren Zeitpunkt zur völligen Erblindung führen. Auch Spastiken, Taubheit und Epilepsie gehören mit zu den Komplikationen, die bei einer solchen Infektion bei eurem Kind auftreten können. Im schlimmsten Fall kann es sogar passieren, dass euer Kind erst nach einigen Monaten oder sogar Jahren die ersten Probleme entwickelt.

Doch wann es ist, eigentlich richtig zum Arzt zu gehen?

In eurem Mutterpass gibt es eine Spalte, in der sogar ein Toxoplasmose Test vorgesehen ist. Generell gehören solche Tests in Deutschland jedoch nicht zu den wichtigsten Bestandteilen einer Mutterschaftsvorsorge. Nur im Falle eines begründeten Verdachtes werden die Kosten für einen solchen Test von euren Krankenkassen übernommen. Solltet ihr daher als werdende Mutter bereits Anzeichen oder Symptome erkennen und ebenso an einem erhöhtem Ansteckungsrisiko leiden ist es sehr wichtig, dass ihr sofort einen Arzt aufsucht. Dieser kann mit euch einen Bluttest durchführen, der das Ergebnis liefert.

Die vorbeugenden Maßnahmen in der Schwangerschaft

Gerade in eurer Schwangerschaft solltet ihr euch an bestimmte Regeln halten, um es gar nicht erst zu einer Infektion mit dem Parasiten kommen zu lassen. Ihr könnt euch demnach an die folgenden Tipps halten, um eine Infektion vermeiden zu können:

  • Wascht eure Hände immer besonders gründlich mit Seife, sobald ihr mit rohem Fleisch, Obst und Gemüse in Verbindung kommt. Dadurch hat der Erreger keinerlei Chancen.
  • Ebenso solltet ihr alle Küchengeräte reinigen, die mit dem rohen Fleisch oder Gemüse in Verbindung geraten. Besonders bei Salami, Mettwurst und Rohschinken solltet ihr unbedingt darauf achten.
  • Fleisch und andere Wurstwaren sollte ihr immer ausreichend erhitzen, beziehungsweise garen. Besonders Schweinefleisch und Lammfleisch sollten immer sehr gut durchgegart sein. Durch das Garen tötet ihr die Oozysten der Toxoplasmen ab. Am besten sollte das Fleisch immer eine Kerntemperatur von mindestens 50 Grad haben.
  • Kartoffeln, Karotten und andere Lebensmittel solltet ihr immer getrennt voneinander aufbewahren.
  • Gemüse, Salat und Früchte solltet ihr ebenfalls vor dem Kochen gründlich abwaschen oder aber auch schälen.
  • Am besten tragt ihr bei der Gartenarbeit, falls ihr diese auch in eurer Schwangerschaft machen wollt, Handschuhe. Trotz der Handschuhe solltet ihr euch auch danach gründlich die Hände waschen.
  • Achtet darauf, dass ihr eure Katze niemals mit rohem Fleisch füttert.
  • Küssen sie ihre Katze während ihrer Schwangerschaft am besten gar nicht und achten sie darauf, dass sie sich auch dann regelmäßig die Finger waschen.
  • Eine große Gefährdung besteht besonders dann, wenn ihr freilaufende Katzen streichelt. Achtet auch dann darauf, eure Hände gründlich zu waschen.
  • Trinkt niemals Wasser aus Seen oder Bächen. Es kann auch dort passieren, dass diese mit Oozysten verunreinigt sind.

Besonders für schwangere, die bisher noch nicht an einer Toxoplasmose erkrankt waren und eben keine Antikörper in sich tragen ist es umso wichtiger, vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Gerade beim Umgang mit Katzen ist es wichtig, sich an bestimmte Regeln zu halten. Solltet ihr trotz alledem die ersten Toxoplasmose Schwangerschaft Anzeichen bemerken oder den Verdacht haben, dass ihr euch mit dem Parasiten Toxoplasma gondii infiziert habt, kontaktiert sofort euren Arzt, um einen Bluttest durchführen zu lassen.

Die Behandlung einer Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Solltet ihr die ersten Anzeichen Toxoplasmose Schwangerschaft bemerken oder generell den Verdacht hegen ist der Gang zum Arzt sehr wichtig. Bestätigt sich der Verdacht, dass ihr in eurer Schwangerschaft an einer Toxoplasmose erkrankt und es kommt nur zu sehr leichten Symptomen ist es wichtig, dass diese auch behandelt werden. Eine Behandlung bei dieser Infektion ist in den folgenden Fällen notwendig:

  • bei immungeschwächten Patienten
  • bei Neugeborenen, die sich im Mutterleib infiziert haben
  • bei einer Erstinfektion während eurer Schwangerschaft
  • bei klinischen Symptomen, die schwerwiegend sind

In der Regel erfolgt bei einer Erstinfektion die Behandlung mittels Antibiotika. Auch wenn ihr in eurer Schwangerschaft eher auf Medikamente verzichten sollte, ist dies in dem Fall notwendig und schadet keinesfalls eurem Kind. Euer Arzt wird euch ein Präparat verschreiben, welches ihr ohne Probleme in eurer Schwangerschaft einnehmen könnt und die Entwicklung eures Babys keineswegs stören.

In der Regel wird das Antibiotikum mindestens für vier Wochen verabreicht. Und zwar in Form einer Stufentherapie. Ziel ist es, dass Erkrankungsrisiko von eurem ungeborenen Kind zu minimieren.

Wenn ihr wissen wollt, ob euer ungeborenes Baby bereits Schaden von der Infektion davongetragen hat, könnt ihr euch ebenfalls mit eurem Frauenarzt in Verbindung setzen. Dieser kann mit Hilfe einer genauen und zugleich auch sorgfältigen Ultraschalluntersuchung herausfinden, ob es bereits zu Komplikationen gekommen ist. Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist es sogar möglich, eine Fruchtwasseruntersuchung zu machen. Mit Hilfe einer solchen Untersuchung könnt ihr herausfinden, ob der Erreger den Organismus eures Babys erreicht hat.

Natürlich kann es vorkommen, dass euer Neugeborenes den Erreger in sich trägt und sich bereits in der Schwangerschaft infiziert hat. Eine Behandlung eures Kindes ist auch dann notwendig. Neugeborene werden in der Regel, wie ihr als Mutter behandelt. Das bedeutet, dass auch euer Kind ein Antibiotikum verschrieben bekommt. Wie lange dieses eingenommen werden muss, hängt bei einem Kind immer von der Schwere der Krankheit ab. Die Behandlung für euer neugeborenes Kind wird daher individuell mit dem zuständigen Arzt abgesprochen und natürlich auch kontrolliert.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft – die wichtigsten Fakten

Um euch nochmal zu verdeutlichen, was in eurer Schwangerschaft bei einer solchen Infektion passiert, möchten wir nochmal kurz die wichtigsten Fakten für euch zusammentragen.

Die Gefahr, dass sich der Erreger auf euer ungeborenes Kind überträgt ist groß. Dies ist auch unter dem Namen Transmissionsrisiko bekannt. Besonders im ersten Trimenon eurer Schwangerschaft liegt das Risiko bei etwa 15 %. Im letzten Trimenon eurer Schwangerschaft schon bei 60 %. Umso weiter eure Schwangerschaft daher fortschreitet, umso größer ist das Risiko, dass sich euer Kind infizieren kann. Gleichzeitig sinkt jedoch auch die Gefahr, dass es zu einem schweren Verlauf kommen wird. Fakt ist, dass die Gefahr für euer Baby immer von dem Zeitpunkt der Infektion abhängt.

Bei einer Infektion in der Frühschwangerschaft kann es zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Hepatosplenomegalie (Vergrößerung von Milz und Leber)
  • Ikterus (Gelbsucht)
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Pneumonie (Lungenentzündung)
  • Verkalkungen am Kopf
  • Entzündungen der Netzhaut des Auges

Doch auch in der späteren Schwangerschaft kann es zu weiteren Komplikationen kommen. Anfänglich verläuft die Infektion ohne jegliche Symptome. Es gibt allerdings Kinder, die erst später Symptome entwickelt, sodass sich eine Toxoplasmose erst im späteren Alter bemerkbar macht.

Folgende Schäden können daher bei einer Infektion in der Spätschwangerschaft auftreten:

  • Taubheit
  • Strabismus (Schielen)
  • Epilepsie
  • Entwicklungsstörungen

Grundsätzlich kommt es bei einer Toxoplasmose Infektion immer auf euer Immunsystem an. Habt ihr ein gutes und gesundes Immunsystem sorgt die Infektion oftmals für keine weiteren Folgen. Gerade bei einer Erstinfektion ist es von Vorteil, dass euer Körper eine lebenslange Immunität aufbaut. Solltet ihr jedoch ein geschwächtes Immunsystem haben, beispielsweise aufgrund einer HIV-Infektion kann eine Toxoplasmose bereits lebensgefährlich sein. Auch in der Schwangerschaft ist die Infektion gefährlich, besonders dann, wenn der Erreger auf euer ungeborenes Kind übergeht. Es ist daher mehr als wichtig, dass ihr vorbeugende Maßnahmen trefft und bei einer eventuellen Infektion frühzeitig mit der Behandlung beginnt. Nur so könnt ihr Spätfolgen und Schäden bei eurem ungeborenen Kind vermeiden.

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