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Schwangerschaftsvergiftung – Gestose im Überblick

Nadine Scheiner
14 Feb 2022
4 min
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Die Schwangerschaftsvergiftung ist auch unter den Bezeichnungen Gestose oder Präeklampsie bekannt. Der Begriff „Schwangerschaftsvergiftung“ ist eher umgangssprachlich, bei Schwangeren aber deutlich bekannter als die Gestose oder die Präeklampsie.

Schwangerschaftsvergiftung
hartphotography via shutterstock

Was ist eine Schwangerschaftsvergiftung?

Grundsätzlich ist eine Schwangerschaftsvergiftung eine Anpassungsstörung, die während einer Schwangerschaft bei euch auftreten kann. Dass es verschiedene Begrifflichkeiten gibt hängt damit zusammen, dass auch unterschiedliche Symptome und Ausprägungen auftreten können:

  • Präeklampsie Bei der Präeklampsie handelt es sich um eine Erkrankung, bei der eine Proteinurie und Bluthochdruck auftreten. Proteinurie heißt, dass verstärkte Eiweißausscheidungen im Urin nachweisbar sind. Zwischen 3 % und 5 % der Schwangeren leiden unter einer Präeklampsie. Sie kann sich zu einer Eklampsie auswachsen.
  • Eklampsie Die Eklampsie gehört zu den stärksten Komplikationen, die bei einer Schwangerschaft vor der Entbindung auftreten können. Sie zeigt sich durch Krampfanfälle, die auch nach der Entbindung noch entstehen können. Betroffene Frauen müssen sofort behandelt werden. Im schlimmsten Fall kann es zum Tod von Mutter und Kind kommen. Die lebensbedrohliche Erkrankung ist heute jedoch selten geworden, da bei einer Präeklampsie eine engmaschige Betreuung erfolgt und schnell reagiert wird.
  • HELLP-Syndrom Mit einer Vergiftung in der Schwangerschaft wird auch das HELLP-Syndrom in Verbindung gebracht. Die Erkrankung wurde 1982 erst entdeckt und gilt als eine Form der Präeklampsie. Vor allem zwischen der 32. und 34. Schwangerschaftswoche tritt diese Form auf. Die genauen Ursachen für speziell dieses Syndrom sind nicht bekannt. Die Theorie lautet, dass die Schädigung der Blutgerinnung in der Plazenta entsteht. Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus den folgenden Punkten: • H steht für die Hämolysis, den Blutzerfall • EL steht für Elevated Liver Enzyms, den erhöhten Leberwerten • LP steht für Low Platelet Count, die nachlassende Blutgerinnung
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Vitalii Vodolazskyi via Shutterstock

Interessant: Wusstet ihr, dass es sogar eine Frühgestose gibt? Hierbei handelt es sich um die Bezeichnung von Erkrankungen, die durch eine Schwangerschaft in den frühen Schwangerschaftswochen ausgelöst werden. Dazu gehört beispielsweise das Erbrechen. Treten Erkrankungen nach der 20. Schwangerschaftswoche auf, wird von einer Spätgestose gesprochen.

Wie entsteht eine Schwangerschaftsvergiftung?

Grundsätzlich kann jede Frau eine Schwangerschaftsvergiftung bekommen, es gibt jedoch einige Risikofaktoren. Klare Informationen dazu, was die eigentlichen Ursachen für die Entstehung sind, gibt es nicht. Es wird grundsätzlich von einer Anpassungsstörung gesprochen, die unter anderem in der Plazenta entsteht. Risikofaktoren sind:

 

  • Ihr hattet bereits eine Gestose in der Frühschwangerschaft.
  • Es liegen Mehrlingsschwangerschaften vor.
  • Ihr seid unter 18 Jahre oder über 40 Jahre alt.
  • Ihr leidet unter einer Autoimmunerkrankung oder einer Nierenerkrankung.
  • Es liegt eine Störung der Blutgerinnung vor oder ihr habt häufiger Thrombosen.
  • Ihr habt Übergewicht oder Fettleibigkeit.
  • Es handelt sich um die erste Schwangerschaft.
  • Ihr leidet unter Diabetes mellitus.

Wie bemerkt man eine Schwangerschaftsvergiftung?

Eine Vergiftung in der Schwangerschaft kann unterschiedliche Symptome haben. Daher wird bei den Vorsorgeuntersuchungen immer auch geprüft, ob mögliche Anzeichen vorliegen, wie eine Hypertonie, also ein Bluthochdruck. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

 

  • Wassereinlagerungen: Vor allem Wassereinlagerungen in der Lunge sind ein Zeichen für eine mögliche Schwangerschaftsvergiftung.
  • Sehstörungen und Augenflimmern
  • Probleme mit den Nieren
  • Schmerzen im Oberbauch, die auf eine Schädigung der Leber zurückgehen
  • das Ungeborene hat Wachstumsverzögerungen
  • Kopfschmerzen

 

Einige der Symptome sind in einer Schwangerschaft auch ganz normal, wie Wassereinlagerungen in Beinen und Händen und auch eine Gewichtszunahme oder Kopfschmerzen sowie Probleme mit dem Kreislauf. Daher werdet ihr bei diesen Anzeichen vermutlich nicht gleich einen Arzt aufsuchen und davon ausgehen, dass dies behandelt werden muss. Häufen sich die Symptome jedoch und bemerkt ihr eine stetige Verschlechterung, ist es besonders wichtig, sich an den Gynäkologen zu wenden.

 

Grundsätzlich wird bei der Vorsorge geschaut, ob es mögliche Anzeichen gibt. Wenn ihr häufiger unter hohem Blutdruck leidet, werden euch vermutlich blutdrucksende Mittel verschrieben. Zudem wird euch der Arzt vermutlich häufiger einbestellen und die Symptome prüfen.

Was ist bei einer Schwangerschaftsvergiftung zu tun?

Viele Frauen, die eine Diagnose der Schwangerschaftsvergiftung erhalten, machen sich Sorgen und haben Angst, dass es zu einer Frühgeburt oder einem Kaiserschnitt kommt. Wichtig für euch zu wissen ist, dass die meisten Fälle einer Präeklampsie mild verlaufen und früh erkannt werden. Dadurch schädigen sie die Organe nicht dauerhaft und oft reicht es schon aus, Bettruhe und eine strenge Beobachtung einzuhalten. Möglicherweise werdet ihr auch stationär aufgenommen.

Um einer Thrombose vorzubeugen wird euch vermutlich ein Blutdrucksenker verschrieben. Zudem wird eine Umstellung der Ernährung empfohlen. Ihr solltet darauf achten, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen, die nicht zu salzarm ist und viele Proteine enthält. Vielleicht bekommt ihr auch einen Ernährungsplan von eurem Gynäkologen. Die Lungenreife eures Babys wird beobachtet. Um zu verhindern, dass es zu einer Eklampsie kommt, kann es sein, dass die Geburt früher eingeleitet wird.

 

Wenn sich die Anzeichen einer starken Verschlechterung zeigen, werdet ihr schnell entbunden. Hier können die Ärzte teilweise auch keine Rücksicht darauf nehmen, wie weit die Entwicklung des Babys ist.

Kann ich vorbeugen?

Leider gibt es keine Möglichkeit, einer Gestose vorzubeugen, da es sich um eine Anpassungsstörung des Körpers handelt. Ihr könnt aber schon viel tun, wenn ihr auf euren Körper achtet. Stellt ihr Wassereinlagerungen und eine plötzliche Gewichtszunahme oder auch Unwohlsein fest, solltet ihr den Arzt möglichst zeitnah aufsuchen. Gönnt euch generell sehr viel Ruhe. Legt die Beine nach oben und entspannt euch. Wenn ihr feststellt, dass euch euer Alltag belastet und euer Blutdruck ständig nach oben geht, kann auch über eine Krankschreibung nachgedacht werden.

Unterstützung für betroffene Frauen – Selbsthilfegruppen in eurer Nähe

Eine Schwangerschaftsvergiftung kann nicht nur euren Körper, sondern auch eure Seele stark belasten. So ist es möglich, dass die Entbindung schnell eingeleitet werden muss, ihr ein Frühchen bekommt, vielleicht auch in einer lebensbedrohlichen Lage gewesen seid. Es ist verständlich, wenn euch dies alles seelisch stark belastet. Wichtig ist es, dass ihr darüber sprecht. Manchmal können die Menschen in eurem Umfeld mit euren Gefühlen nicht so viel anfangen. Sie sind vielleicht selbst mit der Situation überfordert.

 

Ihr könnt mit eurer Hebamme sprechen und darüber nachdenken, ob ihr eine Selbsthilfegruppe aufsuchen möchtet. Dafür gibt es verschiedene Angebote. Eure Hebamme kennt vermutlich gute Anlaufstellen, an die ihr euch wenden könnt. In Gesprächen mit Betroffenen lassen sich eure Erlebnisse aufarbeiten und vielleicht auch irgendwann Frieden damit schließen.

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