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Die Plazenta – Funktion und Aufbau des Mutterkuchens

Nadine Scheiner
05 Jan 2022
7 min.
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Die Plazenta (auch Mutterkuchen genannt) übernimmt eine wichtige Funktion in Eurem Körper während der Schwangerschaft. Sie versorgt Euer ungeborenes Baby mit Sauerstoff und entsorgt sämtliche Abfallstoffe, die in dem kindlichen Kreislauf in Eurem Körper produziert werden. Außerdem hilft die Plazenta dabei, Hormone zu bilden und Viren, Bakterien und andere Schadstoffe von Eurem Kind fernzuhalten.

Welche Funktionen die Plazenta mitbringen und wie der Aufbau ist, möchten wir Euch in dem nachfolgenden Text genauer beschreiben.

Plazenta (1)
Paola Tellez via Shutterstock

Plazenta Mutterkuchen - Was ist die Plazenta?

Die Plazenta entwickelt sich bereits in Euren ersten Schwangerschaftswochen. Die besteht aus einem Teil der Keimblase. Diese Keimblase geht aus Eurer befruchteten Eizelle hervor. An der äußeren Seite dieses Zellhaufens entstehen kleine Auswüchse (auch Zotten genannt), die gerade einmal Fingergroß sind. Diese dringend in das Gewebe Eurer Gebärmutter ein und verbinden sich letztendlich miteinander. Gemeinsam bilden diese beiden ein eigenes, scheibenförmiges Organ – Euer Mutterkuchen. Der Mutterkuchen entwickelt sich daher aus den mütterlichen und embryonalen Zellen heraus und ist mit der Nabelschnur Eures ungeborenen Kindes verbunden.

Im Laufe Eurer Schwangerschaft entwickelt sich der Mutterkuchen weiter und wächst. Er kann eine Größe zwischen 15 und 20 cm erreichen und ist zwischen 2 und 4 cm dick. Euer Mutterkuchen hat am Ende der Geburt ein Gewicht von bis zu 500 g erreicht.

Eure Plazenta produziert außerdem reichlich Hormone und Proteine. Gestagen und Östrogen sind beides Hormone, die unter den sogenannten Schwangerschaftshormonen bekannt sind. Diese können das Auftreten Eurer Periode (Regelblutung) stoppen.

Aufbau Plazenta – Was ist noch wichtig?

Wie bereits erwähnt entwickelt sich Euer Mutterkuchen schon in den ersten Schwangerschaftswochen. Ihr dürft dabei nicht vergessen, dass der Aufbau der Plazenta kein unmittelbarer Prozess ist. Es handelt sich vielmehr um einen Prozess, der erst nach den ersten 20 Wochen Eurer Schwangerschaft abgeschlossen ist. Bereits mit der Einnistung Eures Embryos beginnt der Aufbau der Plazenta. Diese besteht aus einem kindlichen und einem mütterlichen Anteil. In dem kindlichen Anteil werden zottenreiche Eihäute gebildet. Die Zwischenräume sind mit mütterlichem Blut gefüllt. Dieses Blut stammt aus den Gefäßen Eurer Gebärmutterwand. In diesem Raum ragen außerdem viele kleine Zotten mit Ästen, auch unter dem Namen Zottenbäume bekannt. Die Zottenbäume wiederum werden mit dem mütterliche Blut umspült. Direkt an der Oberfläche sind  verschiedene Transportmechanismen versehen, die für den Stoffaustausch verantwortlich sind.

Bis nach der Geburt bleibt der Mutterkuchen in Eurem Körper. Nachdem Euer Kind auf die Welt gekommen ist, beginnt Eure Gebärmutter damit sich anzuspannen. Ungefähr eine halbe Stunde nach der Geburt Eures Kindes wird auch der Mutterkuchen ausgewiesen. Diese Ausweisung ist unter dem Fachbegriff Nachgeburt bekannt.

Exkursion: Die Plazentaschranke – Was ist das überhaupt?

Eine wichtige Funktion des Mutterkuchens ist die Plazentaschranke. Hierbei handelt es sich um einen Gewebefilter, der den Blutkreislauf der Mutter von dem des Kindes trennt. Diese befinden sich in den Chorionzotten (dem Raum der Dezidua) und verändert sich während der Schwangerschaft im Aufbau. Die Plazentaschranke besteht aus mehreren Schichten.

Wie entscheidend ist die Größe der Plazenta?

Die Frage „Wo ist die Plazenta“ haben wir schon in den vorherigen Abschnitten gelöst. Häufig stellen sich Frauen zudem auch die Frage, wie entscheidend die Größe der eigenen Plazenta eigentlich ist. Die Größe des Mutterkuchens hängt schließlich von verschiedenen Faktoren ab. Frauen, die in der Schwangerschaft Rauchen und sich nicht besonders gut ernähren können, das Wachstum ihrer Plazenta stark beeinflussen. Auch bei anderen Schwangerschaftsbeschwerden ist das Wachstum der Plazenta gestört.

Bis heute ist noch nicht geklärt, welche Faktoren Einfluss auf das Wachstum der Plazenta haben und wie sich das auf das ungeborene Kind auswirkt. Fakt ist allerdings, dass eine zu kleine Plazenta die Sauerstoffversorgung Eures ungeborenen Babys stören kann. Mit Hilfe einer Ultraschall Untersuchung beim Gynäkologen lässt sich schnell feststellen, ob Eure Plazenta gut gewachsen ist oder nicht.

Sollte der Arzt allerdings eine Unterversorgung bei Eurem Kind feststellen, werdet ihr sofort an einen Wehen Schreiber, den sogenannten CTG angeschlossen. Dieses Gerät zeichnet die Herztöne Eures Kinder auf und zeigt an, ob eine Unterversorgung besteht oder Euer Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist.

Palcenta
SciePro via Shutterstock

Plazenta Schwangerschaft – Welche Aufgaben hat der Mutterkuchen in Eurem Körper?

Die Plazenta übernimmt alle lebensnotwenigen Funktionen für Euer Baby. Das bedeutet auch die Sauerstoffversorgung, die Ernährung Eures Kindes, die Entgiftung und sogar die Zirkulation. Ebenso gehört die endokrine Sekretion dazu. Erst in Eurer zweiten Schwangerschaftshälfte übernimmt der Fötus nach und nach diese Funktionen. Der Mutterkuchen bildet außerdem wichtige Hormone, wie beispielsweise das Östrogen und das Progesteron. Beide Hormone sind für Eure Schwangerschaft von großer Bedeutung. In erster Linie dient die Plazenta jedoch der Versorgung des Fötus.

Nachfolgend möchten wir Euch gerne Aufzeigen, welche Aufgaben der Mutterkuchen übernimmt und wieso er so wichtig in Eurer Schwangerschaft ist.

  • Energieversorgung: Die Plazenta ist für die Energieversorgung mit Nährstoffen da. Das bedeutet, dass sie die komplette Ernährung Eures Babys steuert und das Euer ungeborenes Kind mit ausreichend Nährstoffes versorgt. Daher muss Eure Plazenta große Mengen an unterschiedlichen Stoffen transportieren. Bei diesen Nährstoffen handelt es sich beispielsweise um Glukose, Aminosäuren, Proteine, Fette und Vitamine.
  • Aufnahme von Antikörpern: Die Aufnahme von Antikörpern ist in Eurer Schwangerschaft sehr wichtig. Durch diese ist Euer Baby im ersten Lebensjahr gegen verschiedene Infektionskrankheiten geschützt. Dabei spricht man von einem sogenannten Nestschutz.
  • Entgiftung: Die Plazenta übernimmt zudem das Ausscheiden verschiedener Stoffwechselprodukte. Euer Kind hat noch keine eigene Darm- und Lungenfunktion. Auch die Nierenfunktion ist nicht entwickelt. Diese Aufgaben übernimmt ebenfalls der Mutterkuchen. Zu diesen Stoffwechselprodukten gehören beispielsweise Harnstoff, Kohlenmonoxid, Milchsäure, Wasser und auch Harnsäure.
  • Filterfunktion: Die Filterfunktion der Plazenta hängt von der Größe ab. Außerdem hält der Mutterkuchen sämtliche Schadstoffe und Krankheitserreger von Eurem Fötus ab. Daher wirkt er wie eine Art Filter. Auch weitere unterwünschte Stoffe, wie beispielsweise Nikotin, Alkohol und Medikamente können mit Hilfe der Plazenta nicht eindringen.
  • Hormonproduktion: Eine weitere wichtige Aufgabe Eurer Plazenta ist die Hormonproduktion. Zu Beginn Eurer Schwangerschaft wird beispielsweise das Hormon Choriongonadotropin (kurz hCG) gebildet. Dieses Hormon hilft dabei, die Gelbkörper so lange bestehen zu lassen, bis sich das sogenannte Progesteron bildet. Die Progesteron Produktion wird in der Regel ab der 9. Schwangerschaftswoche übernommen. Durch diese Produktion wird verhindert, dass die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Doch auch weitere Hormone werden von der Plazenta gebildet. Neben den bereits genannten produziert der Mutterkuchen ausreichend Progesteron. Dieses kann mitunter das Wachstum Eurer Brustdrüse fördern.

Welche Hauptaufgaben hat die Plazenta also? Eine Frage, die mehr als berechtigt ist, da Euer Mutterkuchen gleich mehrere Funktionen und Aufgaben bewältigt. Grob gesagt ist die Plazenta schließlich für den Austausch zwischen Euch und Eurem Kind gedacht. Neben dieser Hauptfunktion möchten wir Euch die wichtigsten nochmals kurz zusammenfassen:

  • Produktion der wichtigsten Hormonstoffe (HCG, Östrogen, Prolaktin, Progesteron)
  • Versorgung der notwendigen Nährstoffe (Proteine, Wasser, Vitamine, Glukose, Triglyzeride)
  • Filterung verschiedener Stoffe und Substanzen (Viren, Bakterien, Parasiten)

Schwangerschaft Plazenta – Kann es Komplikationen geben?

Während Eurer Schwangerschaft kann es unter anderem zu Komplikationen mit der Plazenta kommen. Folgende Erkrankungen können auftreten:

  • Plazentarandblutungen
  • Plazenta Praevia
  • Vorzeitige Plazentaablösung
  • Plazenta accreta
  • Plazentainsuffizienz

Nachfolgend möchten wir Euch auch erklären, was bei diesen Erkrankungen passiert und worauf ihr achten solltet.

  • Plazentarandblutungen: Diese kommt dann zustande, wenn es zu kleinen Rissen an den Blutgefäßen Eures Mutterkuchens kommt. Meistens sind diese Blutungen völlig schmerzlos und hören nach einer bestimmten Zeit wieder auf. Sollte es jedoch zu bräunlichen Ausflüssen bei Euch kommen ist es wichtig sofort einen Arzt zu kontaktieren.
  • Plazenta Praevia: Diese Erkrankung liegt dann vor, wenn Eure Plazenta Euren Muttermund verdeckt und dementsprechend auch Euren Geburtskanal versperrt. Frauen in der 20. Schwangerschaftswoche sind von dieser Erkrankung des Öfteren betroffen. In der Regel wird der Geburtskanal bereits wenige Wochen vor Eurer Entbindung wieder freigelegt. Sollte der Muttermund jedoch bedeckt bleiben ist es ebenfalls wichtig einen Arzt aufzusuchen. Viele Kinder kommen dann mit einem Kaiserschnitt zur Welt.
  • Vorzeitige Plazentaablösung: Bei einer vorzeitigen Plazentaablösung kann es zu sehr starken Bauchkrämpfen und Blutungen kommen. In schweren Fällen dieser Komplikation sammelt sich sogar Blut zwischen Eurer Gebärmutterwand und der Plazenta selbst. Dies macht sich neben den Bauchkrämpfen zugleich mit einem deutlichen Schwächegefühl bemerkbar.
  • Plazenta accreta: Bei dieser Erkrankung wächst Euer Mutterkuchen in den sehr tiefen Schichten der Gebärmutter heran. Diese Erkrankung tritt jedoch sehr selten auf. Solltet ihr trotz alledem betroffen sein, ist eine Operation nötig.
  • Plazentainsuffizienz: Bei einer Plazentainsuffizienz treten vor allem Störungen auf, welche die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung Eures Kindes stören. Oftmals tritt eine Insuffizienz bei Frauen auf, die unter Diabetes leiden oder Rauchen.

Für eine gute Schwangerschaft ist es wichtig, dass die Plazenta alle Funktionen einwandfrei übernimmt. Sollte es dennoch zu Komplikationen kommen ist es wichtig, dass ihr Euren Arzt kontaktiert.

Plazenta
Aiana via Shutterstock

Plazenta Mensch – Nicht alle schlechten Schadstoffe werden abgehalten

Eure Plazenta soll Eurer ungeborenes Baby nicht nur versorgen, sondern auch Schadstoffe, wie beispielsweise Viren und Bakterien abhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Eure Plazenta alle Schadstoffe abhalten kann. Die Filterfunktion Eurer Plazenta kann nicht unterscheiden, was Eurem Baby schadet und was ihm eventuell gut tun kann. Die Plazenta kann lediglich zwischen den großen und kleinen Molekülen unterscheiden. Die kleinen Moleküle werden in der Regel durchgelassen. Die großen Moleküle wiederum abgehalten.
Stoffe, wie beispielsweise Alkohol und Nikotin gehören schlichtweg zu den Molekülen, die von der Plazenta durchgelassen werden. Nicht umsonst sollt ihr während Eurer Schwangerschaft auf Alkohol und Nikotin verzichten. Beides ist für Euer Kind schädlich und kann gefährlich werden. Auf der anderen Seite ist die Plazenta auch dazu da, um Eurem Kind im ersten Jahr den sogenannten Nestschutz zu bieten und vor Infektionskrankheiten zu schützen.

Kann man die Nachgeburt essen?

Im Tierreich ist es nicht unüblich, dass die Nachgeburt aufgefressen wird. Dies ist auch unter dem Namen Plazentophagie bekannt. Auch in der heutigen Zeit scheint es immer beliebter zu werden, die Plazenta nach der Geburt zu essen. Forscher sagen, dass dies die übliche Wochenbettdepression verhindern kann. Außerdem soll es die Schmerzen und Blutungen nach der Geburt lindern und gleichzeitig die Regeneration der Gebärmutter fördern.
Bisher ist davon jedoch nichts weiter wissenschaftlich bewiesen. Betrachtet man sich jedoch die Barrierefunktionen der Plazenta, die Viren und Bakterien abhalten soll, ist eine Plazentophagie nach der Geburt eher fragwürdig.

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