Zytomegalie in der Schwangerschaft – Risiken und Behandlung
Auf einen Blick
- Zytomegalie ist eine Herpesvirus-Infektion, die oft unbemerkt verläuft, aber in der Schwangerschaft gefährlich fürs Baby werden kann
- Rund 50% aller Schwangeren haben bereits Antikörper und sind damit geschützt
- Eine Erstinfektion im ersten Trimester birgt das höchste Risiko für neurologische Schäden beim Baby
Du bist schwanger und hast von Zytomegalie gehört? Vielleicht macht Dir der Gedanke an diese Virusinfektion Sorgen. Das ist verständlich – denn während die Erkrankung bei Dir selbst meist harmlos verläuft, kann sie für Dein Ungeborenes ernsthafte Folgen haben. Hier erfährst Du alles, was Du wissen musst, um Dich und Dein Baby zu schützen.
🔍 Was ist Zytomegalie?
Die Zytomegalie ist eine Erkrankung, die über den Zytomegalievirus ausgelöst wird. Die Herpesviren der Erkrankung werden auch als CMV bezeichnet. Sobald Du eine Erstinfektion durchlaufen hast, verbleibt das Virus in Deinem Körper. Die Gefahr einer Reaktivierung ist gegeben. Oft ist es sogar so, dass Du die erste Infektion mit Cytomegalie gar nicht bemerkst. Schwierig wird es vor allem dann, wenn eine Schwangerschaft vorliegt oder Betroffene eine Organtransplantation hinter sich haben.
🌸 Wie wird Zytomegalie übertragen?
Die Übertragung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Besonders häufig werden die Erreger beim Geschlechtsverkehr weitergegeben. Es ist aber auch möglich, dass sie über Tröpfcheninfektionen durch den Speichel oder über Schmierinfektionen weitergetragen werden. Die Erreger sind in allen Körperflüssigkeiten zu finden. Dazu gehören Speichel und Urin, aber auch Sperma.
Gut zu wissen: Immungeschwächte Personen, die eine Organtransplantation hinter sich haben und bei denen eine Infektion nachgewiesen wird, können diese auch durch die Organtransplantation erhalten haben.
📅 Wie lange ist Zytomegalie ansteckend?
Eine Ansteckung kann nur in der infektiösen Phase erfolgen. Nachdem Du die Infektion durchlaufen hast, sind die Viren lebenslang in Deinem Körper. Du bist aber nicht lebenslang ansteckend, wie es beispielsweise bei HIV der Fall ist. Nur dann, wenn Du gerade eine Erstinfektion hast oder auch eine Reaktivierung, ist die Übertragung möglich. Das kann auch während der Schwangerschaft oder der Geburt der Fall sein.
Bei der Inkubationszeit wird von einem Zeitraum von vier bis hin zu 12 Wochen ausgegangen.
🏥 Was sind die Symptome einer Zytomegalie?
Normalerweise verläuft eine Infektion unbemerkt oder wird auch mit einer Erkältungskrankheit verwechselt. Mögliche Symptome sind geschwollene Lymphknoten oder auch eine erhöhte Temperatur. Vielleicht fühlst Du Dich ein wenig unwohl. Möglicherweise hast Du auch leichte Gliederschmerzen. Ein typischer Ausschlag, wie er bei einigen Herpes-Viren entsteht, ist nicht bekannt.
Achtung: Weil die Symptome so unspezifisch sind, wird eine Zytomegalie-Infektion oft gar nicht erkannt. Gerade in der Schwangerschaft ist es deshalb wichtig, bei Erkältungssymptomen wachsam zu sein.
👶 Welche Schwierigkeiten bereitet die Erkrankung in der Schwangerschaft?
Bei infizierten werdenden Müttern kann es sein, dass die Virusinfektion unbemerkt auf das Ungeborene übertragen wird. Vor allem nach einer Erstinfektion ist das Risiko einer Ansteckung des Babys sehr hoch. Hier wird von einer kongenitalen CMV-Infektion gesprochen. Hoch ist beispielsweise das Risiko für Schädigungen an den Organen. Aber auch Entwicklungsstörungen im neurologischen Bereich sind möglich. Langzeitschäden zeigen sich bei bis zu 50% der betroffenen Kinder. Wie stark die Schädigungen tatsächlich sind, hängt davon ab, wann Du Dich infizierst und wie der Verlauf der Infektion ist.
Vor allem im ersten Trimester ist eine Übertragung auf das Ungeborene besonders gefährlich, da es hier zu wichtigen neurologischen Entwicklungen kommt. Infizierte Neugeborene zeigen nicht direkt nach der Geburt Symptome. Es kann sein, dass es erst später zu Anzeichen kommt, wie einer Sehstörung oder auch Problemen mit dem Hören. Wenn in der Schwangerschaft festgestellt wird, dass Du Dich infiziert hast, dann wird Dein Baby nach der Entbindung sehr engmaschig kontrolliert.
Als Mutter weiß ich, wie beängstigend solche Diagnosen sein können. Aber denk dran: Die meisten infizierten Babys entwickeln sich völlig normal – und mit der richtigen Behandlung kannst Du die Risiken deutlich senken.
Mögliche Symptome beim Baby
Eine Infektion liegt bei etwa 1% der Neugeborenen vor und die meisten Kinder zeigen auch bei einer angeborenen Infektion keine Auffälligkeiten. Rund eines von 4.000 Kindern weist Symptome auf. Dazu gehören:
- geringes Geburtsgewicht
- Anämie
- Gelbsucht
- Blindheit
- Taubheit
- vergrößerte Leber
- vergrößerte Milz
- geringer Kopfumfang, auch als Mikrozephalie bekannt
- Krampfanfälle
- Verzögerungen bei der Entwicklung
Teilweise stellt der Gynäkologe auch schon während der Schwangerschaft Auffälligkeiten fest. Es kann sein, dass hier bereits Verkalkungen im Gehirn des Fötus zu erkennen sind oder zu viel Fruchtwasser in der Gebärmutter auffällig ist. Bei einer ersten Vermutung wird geprüft, ob Du Antikörper im Blut hast.
Achtung: Eine Übertragung der Erreger dieser Infektionskrankheit ist auch über die Muttermilch möglich. Wenn Du die Vermutung hast, dass Du Dich infiziert hast, solltest Du das daher unbedingt abklären lassen.
💪 Wie kann ich mich in der Schwangerschaft schützen?
Wusstest Du, dass rund 50% der schwangeren Frauen bereits mit dem Virus infiziert sind, eine Infektion durchlaufen haben und nun Antikörper besitzen? Das ist natürlich ein großer Vorteil, denn durch die Antikörper ist Dein Baby bereits gut geschützt.
Du hast die Möglichkeit, Dein Blut auf Antikörper untersuchen zu lassen. Allerdings musst Du die Kosten dafür selbst tragen. Wichtig ist es, dass Du in der Schwangerschaft auf Hygiene achtest. Gerade die Schmier- und Tröpfcheninfektion erfolgt schnell und unbemerkt. Daher ist es wichtig, dass Du regelmäßig Deine Hände wäschst.
Tipp: Solltest Du wechselnde Geschlechtspartner haben, ist es gut, wenn Du als Schutz für Dich und Dein Ungeborenes ein Kondom nutzt. Bist Du nicht sicher, ob Dein Geschlechtspartner infiziert ist, solltest Du auch auf Oralverkehr verzichten.
🔍 Ab wann ist Zytomegalie beim Baby nachweisbar?
Der Test auf eine mögliche Infektion mit Zytomegalie beim Neugeborenen erfolgt in den ersten zehn Lebenstagen. Allerdings gilt er als wenig aussagekräftig, da ein Nachweis der Antikörper bei Neugeborenen in 80% der Fälle nicht möglich ist. Aus diesem Grund wird auch vor allem bei Dir der Test durchgeführt. Hier wird geprüft, ob Du frische Antikörper hast. Diese sind ein Hinweis auf eine bestehende oder kürzlich durchlebte aktive Infektion. Ist dies der Fall, wird Dich der behandelnde Arzt über das weitere Vorgehen aufklären.
🏥 Wie erfolgt die Behandlung bei einer Zytomegalie?
Wurde nachgewiesen, dass Du eine aktive Infektion hast, dann erfolgt eine Behandlung. Da in der Schwangerschaft nicht mit Virostatika gearbeitet werden kann, kommen Hyperimmunglobuli zum Einsatz. Durch diese soll es zu einer passiven Immunisierung kommen. Ein besonderer Vorteil ist, dass die Immunglobuline über die Plazenta an das Ungeborene weitergegeben werden. Dadurch erfolgt auch eine Therapie des Babys, was nachhaltige Schäden verhindern kann.
Gut zu wissen: Die Therapie wurde ursprünglich für die Behandlung von immungeschwächten Menschen entwickelt. Aber auch Anwendungen in der Schwangerschaft haben sich als erfolgreich erwiesen. Eine umfangreiche Beratung geht der Behandlung voraus.
✨ Fazit: Zytomegalie kann dem Baby schaden
Die Zytomegalie ist eine Infektionskrankheit, die auf der Basis von Herpes-Viren entsteht und zu den häufigsten Infektionskrankheiten in der Schwangerschaft gehört. Gerade dann, wenn Du eine aktive Infektion im ersten Trimester der Schwangerschaft hast, besteht die Gefahr, dass es zu Entwicklungsstörungen bei Deinem Baby kommt. Grund ist, dass hier zahlreiche neurologische Vorgänge beim Embryo entstehen. Die Viren können diese Vorgänge stören und daher für dauerhafte Schäden sorgen.
Umso wichtiger ist es, dass Du auch in der Schwangerschaft gut auf Dich und Deinen Körper achtest und eine umfangreiche Hygiene berücksichtigst. Sollte die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bestehen, solltest Du auch direkt den Frauenarzt aufsuchen. Dieser kann eine Blutuntersuchung durchführen und Dich mit der korrekten Therapie behandeln. Die Behandlung wird über die Plazenta dann auch auf das Ungeborene übertragen.
Häufig gestellte Fragen
Wie merke ich, ob ich Zytomegalie habe?
Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt oder werden mit einer Erkältung verwechselt. Typische Anzeichen sind geschwollene Lymphknoten, leicht erhöhte Temperatur und Gliederschmerzen. Sicherheit gibt nur ein Bluttest beim Arzt.
Muss ich mich in der Schwangerschaft auf Zytomegalie testen lassen?
Der Test ist keine Pflicht und wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Er kann aber sinnvoll sein, um zu wissen, ob Du bereits Antikörper hast und damit geschützt bist. Sprich am besten mit Deinem Frauenarzt darüber.
Was passiert, wenn ich in der Schwangerschaft Zytomegalie bekomme?
Bei einer nachgewiesenen aktiven Infektion wirst Du mit Hyperimmunglobulin behandelt. Diese Antikörper werden über die Plazenta auch an Dein Baby weitergegeben und können Schäden verhindern. Dein Baby wird nach der Geburt engmaschig kontrolliert.
Kann ich mein Baby stillen, wenn ich Zytomegalie hatte?
Die Viren können über die Muttermilch übertragen werden. Wenn Du eine aktive Infektion hast oder hattest, solltest Du das unbedingt mit Deinem Arzt besprechen. Er wird mit Dir die beste Lösung für Dich und Dein Baby finden.
Wie kann ich mich vor Zytomegalie schützen?
Achte auf gründliche Handhygiene, besonders nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Nutze Kondome beim Geschlechtsverkehr, wenn Du Dir unsicher bist. Vermeide das Teilen von Besteck, Gläsern oder Zahnbürsten mit anderen Personen.
Wie hoch ist das Risiko, dass mein Baby Schäden davonträgt?
Bei etwa 1% der Neugeborenen liegt eine Infektion vor, aber die meisten zeigen keine Auffälligkeiten. Nur etwa eines von 4.000 Kindern weist Symptome auf. Das Risiko ist am höchsten bei einer Erstinfektion im ersten Trimester.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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