Placenta Accreta – Wenn sich die Plazenta löst
Auf einen Blick
- Placenta accreta ist eine Störung, bei der die Plazenta fest mit der Gebärmutter verwächst und sich nach der Geburt nicht von selbst lösen kann
- In etwa 75% der Fälle liegt nur eine geringe Verwachsung vor, die meist gut behandelbar ist
- Ein geplanter Kaiserschnitt minimiert die Risiken für Dich und Dein Baby erheblich
Wenn Du schwanger bist und von Placenta accreta hörst, kann das erstmal beunruhigend klingen. Doch keine Sorge: Mit der richtigen Betreuung und Vorbereitung lässt sich diese Besonderheit gut handhaben. Lass uns gemeinsam schauen, was genau dahintersteckt und wie Du Dich am besten darauf einstellen kannst.
🌸 Was ist Placenta accreta überhaupt?
Bei einer Placenta accreta handelt es sich um eine Störung der Plazentahaftung. Das bedeutet konkret: Dein Mutterkuchen verwächst sehr fest mit Deiner Gebärmutter. Das Gewebe Deines Mutterkuchens verbindet sich dabei nicht nur oberflächlich, sondern wächst auch in die Muskulatur Deines Uterus hinein.
Je nachdem, wie tief die Verwachsung reicht, unterscheiden Ärzte verschiedene Formen:
- Placenta accreta: Die Plazenta durchdringt die Gebärmutterschleimhaut (Decidua)
- Placenta increta: Das Gewebe verwächst mit der Gebärmuttermuskulatur
- Placenta percreta: Die Plazenta penetriert die gesamte Gebärmutterwand und kann sogar in andere Organe hineinwachsen
Das Problem dabei: Nach der Geburt kann sich Deine Plazenta nicht eigenständig lösen, was zu starken Blutungen führen kann.
Gut zu wissen: In etwa 75% aller Fälle ist die Plazenta nur gering in das Muskelgewebe eingewachsen. Nur bei etwa 5% der Frauen durchbricht das Gewebe die äußere Schicht der Gebärmutter.
✨ Die wichtige Rolle Deiner Plazenta
Um zu verstehen, warum eine Placenta accreta problematisch ist, schauen wir uns erstmal an, was Deine Plazenta normalerweise leistet. Dein Mutterkuchen besteht aus Deinem eigenen Gewebe und dem Gewebe Deines Kindes. Er bildet sich bereits in den ersten Schwangerschaftswochen, indem das embryonale Gewebe (Trophoblasten) in Deine Gebärmutter einwächst.
Deine Plazenta übernimmt während der Schwangerschaft lebenswichtige Aufgaben:
- Versorgung Deines Kindes mit allen wichtigen Nährstoffen
- Abtransport von Stoffwechselprodukten
- Produktion wichtiger Schwangerschaftshormone
- Stärkung Deines Immunsystems
- Schutz Deines Babys vor Schadstoffen und Keimen durch die Plazentaschranke
Bis zur Geburt wächst Deine Plazenta mit und erreicht ein Gewicht von etwa 500 Gramm bei einem Durchmesser von rund 20 Zentimetern und einer Dicke von zwei bis drei Zentimetern.
Die Plazenta ist ein faszinierendes Organ, das sich komplett auf die Bedürfnisse Deines Babys einstellt. Bei beiden meinen Schwangerschaften war ich beeindruckt, wie perfekt dieser natürliche Prozess funktioniert.
Was passiert normalerweise nach der Geburt?
Im Normalfall löst sich der Mutterkuchen direkt nach der Geburt Deines Kindes von allein ab – daher auch der Name "Nachgeburt". Durch Deine Nachwehen wird die Plazenta ausgeschieden. Anschließend verschließen sich die Blutgefäße, die Deinen Mutterkuchen mit Deinem Körper verbinden, und die Rückbildungsphase beginnt.
Bei einer Placenta accreta funktioniert dieser natürliche Ablauf nicht. Der Mutterkuchen kann nicht durch die Nachwehen ausgeschieden werden, weil er zu fest verwachsen ist.
🔍 Wie entsteht eine Placenta accreta?
Die Entwicklung Deiner Plazenta ist bei einer Placenta accreta von Beginn an gestört. Deine Gebärmutter besteht aus drei Gewebeschichten:
- Perimetrium (Serosa): Die äußere Schicht mit glattem, glänzendem Überzug
- Myometrium: Die mittlere Schicht mit glatter Muskulatur
- Endometrium: Die Gebärmutterschleimhaut, in der Schwangerschaft auch Decidua genannt
Bei einer Placenta accreta durchdringt das Plazentagewebe die Decidua und wächst in tiefere Schichten hinein.
Achtung: Eine genaue Ursache für diese Erkrankung ist nicht bekannt. Ärzte bringen eine Placenta accreta jedoch oft mit vorherigen Kaiserschnittgeburten oder anderen operativen Eingriffen an der Gebärmutter in Verbindung.
Gibt es Risikofaktoren?
In vielen Fällen ist eine Placenta accreta auch mit einer Placenta praevia verbunden. Hierbei handelt es sich um einen tiefen Ansatz der Plazenta, bei der Dein Muttermund durch dieses Organ teilweise oder ganz verdeckt wird.
🏥 Welche Symptome können auftreten?
Häufig verursacht eine Placenta accreta in Deiner Schwangerschaft keinerlei Symptome. Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel kann es bei Dir zu vaginalen Blutungen kommen – das ist nicht ungewöhnlich. Trotzdem solltest Du diese durch Deinen Arzt kontrollieren lassen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
In solchen Fällen denkt Dein Arzt möglicherweise an eine Placenta accreta oder Placenta praevia und führt eine genaue Untersuchung durch. Meistens wird die Diagnostik mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung durchgeführt. In einigen Fällen kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) helfen.
Bei Frauen mit erhöhtem Risiko wird schon vor der Geburt mittels Ultraschall geschaut, ob es zu Komplikationen kommen kann.
Tipp: Häufig bestehen keinerlei Gefahren für Dich oder Dein ungeborenes Kind. Sollte es vor Deinem Geburtstermin zu sehr starken Blutungen kommen, kann es jedoch sein, dass Deine Schwangerschaft vorzeitig per Kaiserschnitt beendet werden muss.
Wann erhärtet sich der Verdacht?
Während Deiner Geburt kann sich der Verdacht auf eine Placenta accreta erhärten. In der Regel bestätigt sich der Verdacht, wenn folgende Punkte eintreten:
- Der Mutterkuchen wird 30 Minuten nach der Geburt nicht ausgestoßen
- Der Mutterkuchen lässt sich nicht mit den Händen der Ärzte von Deiner Gebärmutter lösen
- Bei dem Versuch, Deine Plazenta zu entfernen, kommt es zu sehr starken Blutungen
💪 Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Wird bei Dir eine Placenta accreta diagnostiziert, empfehlen die Ärzte in den meisten Fällen einen Kaiserschnitt. Dieser soll die Risiken für Dich und Dein Kind minimieren. Schließlich kann es bei einer normalen Geburt aufgrund der Placenta accreta zu sehr starken Blutungen oder sogar zu einem verzögerten Geburtsverlauf kommen.
Ist eine natürliche Geburt möglich?
Solltest Du Dein Kind trotzdem auf natürlichem Wege zur Welt bringen wollen, erfordert dies in den meisten Fällen einen Eingriff. In solchen Fällen wird Dein Mutterkuchen manuell gelöst. Eine Ausschabung Deiner Gebärmutter (Kürettage) ist meist ebenfalls notwendig.
Selbst wenn es bei Dir zu einer starken Form der Placenta accreta kommt, ist eine natürliche Geburt möglich – allerdings nur dann, wenn Dein Geburtskanal nicht durch eine Placenta praevia verschlossen ist.
📅 Wie sieht es mit Folgeschwangerschaften aus?
Viele Frauen haben Angst, dass es aufgrund der Placenta accreta zu schweren Folgen in der Schwangerschaft kommen kann. In vielen Fällen raten die Ärzte daher schon von Beginn an zu einem Kaiserschnitt, um alle weiteren Problematiken und Komplikationen ausschließen zu können.
Gut zu wissen: In einer Folgeschwangerschaft muss sich dieses Problem nicht wiederholen. Wichtig ist, dass Du bei Deinen Vorsorgeuntersuchungen schaust, wie der Mutterkuchen liegt, um eventuelle Risiken zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Ist eine Placenta accreta gefährlich für mein Baby?
In den meisten Fällen besteht keine direkte Gefahr für Dein ungeborenes Kind. Die Hauptrisiken betreffen vor allem Dich als Mutter durch mögliche starke Blutungen nach der Geburt. Mit der richtigen medizinischen Betreuung und einem geplanten Kaiserschnitt lassen sich diese Risiken gut minimieren.
Kann ich trotz Placenta accreta eine natürliche Geburt haben?
Eine natürliche Geburt ist grundsätzlich möglich, erfordert aber meist einen manuellen Eingriff zur Lösung der Plazenta und möglicherweise eine Ausschabung. Die meisten Ärzte empfehlen jedoch einen geplanten Kaiserschnitt, um die Risiken für Dich zu minimieren.
Wie merke ich, ob ich eine Placenta accreta habe?
Häufig verursacht eine Placenta accreta während der Schwangerschaft keine Symptome. Manchmal können vaginale Blutungen im letzten Schwangerschaftsdrittel auftreten. Die Diagnose wird meist durch Ultraschalluntersuchungen oder MRT gestellt, besonders wenn Du zu einer Risikogruppe gehörst.
Werde ich bei einer weiteren Schwangerschaft wieder eine Placenta accreta haben?
Nein, in einer Folgeschwangerschaft muss sich dieses Problem nicht wiederholen. Wichtig ist, dass Du bei Deinen Vorsorgeuntersuchungen besonders darauf achtest, wie der Mutterkuchen liegt, um eventuelle Risiken frühzeitig zu erkennen.
Was passiert, wenn die Placenta accreta erst während der Geburt festgestellt wird?
Wenn sich der Mutterkuchen 30 Minuten nach der Geburt nicht von selbst löst oder bei Lösungsversuchen starke Blutungen auftreten, wird die Diagnose meist während der Geburt gestellt. In diesem Fall werden die Ärzte sofort entsprechende Maßnahmen ergreifen, um Deine Sicherheit zu gewährleisten.
Erhöht ein vorheriger Kaiserschnitt mein Risiko für eine Placenta accreta?
Ja, Ärzte bringen eine Placenta accreta oft mit vorherigen Kaiserschnittgeburten oder anderen operativen Eingriffen an der Gebärmutter in Verbindung. Auch wenn die genaue Ursache nicht bekannt ist, scheinen Narben an der Gebärmutter das Risiko zu erhöhen.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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