FFTS – das Zwillingstransfusionssyndrom
Auf einen Blick
- FFTS betrifft 8-15% aller eineiigen Zwillingsschwangerschaften mit gemeinsamer Plazenta
- Unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei 80-100%, mit Lasertherapie überleben 70% beide Babys
- Engmaschige Ultraschallkontrollen ab der 16. SSW ermöglichen frühzeitige Erkennung
Wenn Du eineiige Zwillinge erwartest, die sich eine Plazenta teilen, hast Du vielleicht schon vom Zwillingstransfusionssyndrom gehört. Diese Schwangerschaftskomplikation klingt beängstigend – und ja, sie ist ernst. Aber es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten, und mit engmaschiger Überwachung stehen die Chancen gut, dass beide Babys gesund zur Welt kommen.
🔍 Was ist das Fetofetale Transfusionssyndrom?
Beim FFTS (auch Fetofetales Transfusionssyndrom oder Zwillingstransfusionssyndrom genannt) gerät der Blutaustausch zwischen Deinen Zwillingen aus dem Gleichgewicht. Die Babys sind über Blutgefäße auf der gemeinsamen Plazenta miteinander verbunden – und genau hier entsteht das Problem.
Man spricht von einem Donor (Spender) und einem Akzeptor (Empfänger). Der Donor gibt zu viel Blut ab, der Akzeptor erhält zu viel. Betroffen sind etwa 8% bis 15% aller Zwillingsschwangerschaften mit eineiigen Zwillingen, die sich eine Plazenta teilen. Erkannt wird das Syndrom meist erst ab der 16. Schwangerschaftswoche.
Achtung: FFTS kann nur bei eineiigen Zwillingen auftreten, die sich eine Plazenta teilen. Hat jedes Baby eine eigene Plazenta, besteht keine Gefahr für diese Komplikation.
💪 Was genau bewirkt das FFTS?
Die Auswirkungen auf beide Babys sind unterschiedlich, aber beide sind gefährdet:
- Der Spender-Zwilling hat zu wenig Blut, produziert weniger Harn und hat dadurch zu wenig Fruchtwasser
- Der Empfänger-Zwilling erhält zu viel Blut, produziert zu viel Harn und schwimmt in zu viel Fruchtwasser
- Ohne Behandlung entwickelt sich eine Herzschwäche – bei einem oder beiden Kindern
- Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Babys im Mutterleib sterben, liegt unbehandelt bei 80-100%
🌸 Wie erkenne ich das Fetofetale Transfusionssyndrom?
Wenn Du mit Zwillingen schwanger bist, finden normalerweise ab der 16. Schwangerschaftswoche alle zwei Wochen Vorsorgeuntersuchungen statt. Damit wird eine erhöhte Fruchtwassermenge schnell erkannt.
Achte auf diese Anzeichen und wende Dich sofort an Deinen Gynäkologen oder Deine Hebamme, wenn Dir etwas auffällig vorkommt – bereits ein einzelnes Symptom kann wichtig sein.
Tipp: Vertraue Deinem Bauchgefühl. Wenn sich Deine Schwangerschaft plötzlich anders anfühlt oder Dein Bauch sehr schnell wächst, lass das lieber einmal zu viel als zu wenig abklären.
🏥 Die Diagnose des Zwillingstransfusionssyndroms
Bei einer Zwillingsschwangerschaft wird Dir vermutlich empfohlen, eine Ultraschalluntersuchung zwischen der 9. und 12. Schwangerschaftswoche bei einem Pränatal-Diagnostiker vornehmen zu lassen. Dieser prüft unter anderem:
- Ob die Zwillinge jeweils einen eigenen Mutterkuchen haben
- Oder ob beide über eine Plazenta versorgt werden
- Ob möglicherweise eine Plazentainsuffizienz vorliegt
Wenn sich beide Babys eine Plazenta teilen, erfolgen alle zwei Wochen Ultraschalluntersuchungen, um ein FFTS frühzeitig zu erkennen.
Die engmaschigen Kontrollen bei Zwillingsschwangerschaften sind kein Grund zur Panik, sondern eine wichtige Absicherung. Je früher ein FFTS erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen für beide Babys.
✨ Kann das FFTS behandelt werden?
Ja, und die Erfolgschancen sind gut! Es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten durch eine spezielle Lasertherapie. Wichtig zu wissen: Der Eingriff wird nicht durch Deinen Frauenarzt durchgeführt, sondern in speziellen Zentren.
Die Erfolgsquoten
- In 70% der Fälle werden beide Kinder gerettet
- In 92% der Fälle wird mindestens ein Kind gerettet
So läuft die Lasertherapie ab
Über die Fetoskopie werden die Blutgefäße auf der Plazenta dargestellt. Durch Deine Bauchdecke wird ein sogenanntes Fetoskop eingeführt. Die behandelnden Ärzte können die Gefäßanastomosen auf der Plazenta erkennen – das sind die Verbindungen, die das FFTS auslösen.
Mit dem Laser werden diese Blutgefäße dann verödet. Zusätzlich wird mit einer Hohlnadel Fruchtwasser aus der Fruchthöhle des Empfänger-Babys entnommen.
Gut zu wissen: Früher wurde versucht, den Kreislauf durch wiederkehrende Punktionen der Fruchtblase zu regulieren. Wegen zu hoher Risiken und geringerer Erfolgsquoten wird heute hauptsächlich die Lasertherapie eingesetzt.
Achtung: Eine Operation während der Schwangerschaft erhöht immer das Risiko für eine Frühgeburt und Fehlgeburt. Nach der Operation wirst Du daher noch engmaschiger untersucht.
👶 Tragen meine Kinder Schaden davon?
Das Fetofetale Transfusionssyndrom stellt für beide Babys eine große Gefahr dar, wenn es unbehandelt bleibt. Bei einer Behandlung durch die Lasertechnik steigen die Chancen deutlich, dass beide Kinder gerettet werden können.
Wird das Syndrom erst nach der 28. Schwangerschaftswoche erkannt, kann es auch passieren, dass direkt ein Kaiserschnitt durchgeführt wird.
Mögliche Langzeitfolgen
Kinder, die während der Schwangerschaft vom FFTS betroffen waren, haben häufiger mit Entwicklungsproblemen zu kämpfen. Die Gründe sind vielseitig:
- Mögliche Gehirnschädigungen durch die Blutarmut
- Hirnschäden können auftreten
- Herzversagen tritt auch nach der Geburt häufiger auf
- Die Sterblichkeit nach der Geburt ist tendenziell höher als bei Zwillingen ohne FFTS
Es ist gut möglich, dass Deine Babys nach der Entbindung durch den Kinderarzt noch engmaschiger kontrolliert werden. Auffälligkeiten zeigen sich aber möglicherweise auch erst nach einigen Jahren.
Tipp: Bist Du betroffen, solltest Du Dich umfangreich über die Erkrankung und auch die möglichen Folgen informieren. Sprich ruhig mit Deiner Hebamme – möglicherweise kann sie Dich an Eltern vermitteln, die ebenfalls eine Schwangerschaft mit FFTS hinter sich haben und Dir aus erster Hand berichten können.
Häufig gestellte Fragen
Kann FFTS auch bei zweieiigen Zwillingen auftreten?
Nein, das Zwillingstransfusionssyndrom kann nur bei eineiigen Zwillingen auftreten, die sich eine Plazenta teilen. Hat jedes Baby eine eigene Plazenta, besteht keine Gefahr für diese Komplikation.
Ab wann kann man FFTS erkennen?
Das Fetofetale Transfusionssyndrom wird meist erst ab der 16. Schwangerschaftswoche erkannt. Deshalb finden bei Zwillingsschwangerschaften ab diesem Zeitpunkt alle zwei Wochen Ultraschalluntersuchungen statt.
Wie gefährlich ist die Lasertherapie für mich und meine Babys?
Jede Operation während der Schwangerschaft birgt Risiken wie Frühgeburt oder Fehlgeburt. Allerdings sind die Erfolgsquoten der Lasertherapie sehr gut: In 70% der Fälle werden beide Kinder gerettet, in 92% mindestens ein Kind. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei 80-100%.
Werden meine Kinder nach einem FFTS normal entwickelt sein?
Kinder, die vom FFTS betroffen waren, haben häufiger mit Entwicklungsproblemen zu kämpfen. Mögliche Gehirnschädigungen durch die Blutarmut, Hirnschäden oder Herzprobleme können auftreten. Auffälligkeiten zeigen sich manchmal erst nach einigen Jahren. Deine Babys werden nach der Geburt engmaschig kontrolliert.
Wo kann ich mich behandeln lassen, wenn FFTS diagnostiziert wird?
Die Lasertherapie wird nicht durch Deinen Frauenarzt durchgeführt, sondern in speziellen Zentren. Dein Gynäkologe wird Dich an ein entsprechendes Perinatalzentrum überweisen, das auf die Behandlung des Zwillingstransfusionssyndroms spezialisiert ist.
Was passiert, wenn FFTS erst sehr spät erkannt wird?
Wird das Syndrom erst nach der 28. Schwangerschaftswoche erkannt, kann es passieren, dass direkt ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, um die Babys zu retten. Die Entscheidung hängt vom Schweregrad und dem Zustand beider Kinder ab.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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