Symphysenlockerung und Symphysenschmerzen – das ist für euch wichtig
Auf einen Blick
- Die Symphyse verbindet die beiden Beckenhälften und kann sich in der Schwangerschaft um 3-4 mm weiten
- Symphysenschmerzen zeigen sich beim Treppensteigen, Umdrehen im Bett und Gehen – oft mit Ausstrahlung in Beine und Rücken
- Eine natürliche Geburt ist meist möglich, die Beschwerden bilden sich nach der Entbindung in der Regel innerhalb von 6 Monaten zurück
Jede Bewegung schmerzt, das Umdrehen im Bett wird zur Qual und beim Treppensteigen zieht es heftig im Becken? Viele Schwangere kennen diese Beschwerden – doch wenn die Schmerzen sehr stark werden, kann eine Symphysenlockerung dahinterstecken. Hier erfahrt ihr, woran ihr sie erkennt und was euch wirklich hilft.
🔍 Was und wo ist die Symphyse?
Die Symphyse ist die Schambeinfuge und verbindet die beiden vorderen Hälften des Beckens miteinander. Sie ist komplett aus Knorpeln. Wenn ihr euch ein wenig konzentriert, dann könnt ihr die Symphyse sogar richtig gut ertasten. Sie ist besonders wichtig, wenn es um die Entbindung und den Halt des Babys geht. So wird die Symphyse zur Stabilisierung des Beckens benötigt. Das hohe Gewicht des Babys sowie die zunehmende Größe der Gebärmutter würden sonst für eine Instabilität im Becken sorgen, wenn die Hälften nicht miteinander verbunden werden.
Schwangerschaftshormone sorgen dafür, dass die Sehnen, Bänder und die Knorpel weicher werden. Hier wird oft das Relaxin genannt. Nach der Schwangerschaft erfolgt dann zwar wieder eine Stabilisierung im Beckenbereich. Erst einmal spüren aber viele Frauen die Symphyse und das Schambein deutlich.
Gut zu wissen: In der Schwangerschaft gehen viele Veränderungen in eurem Körper vor. Die hormonelle Umstellung sorgt dafür, dass das Bindegewebe weicher wird und sich die Muskeln lockern. Das kann bis in die Faserknorpel vordringen.
🌸 Wann wird von einer Symphysenlockerung gesprochen?
Normalerweise wird dieser Bereich von Becken und Darmbein bei den Untersuchungen durch den Frauenarzt gar nicht weiter beachtet. Es ist klar, dass eine Schwangerschaft den Beckenboden belastet und bis zu einem gewissen Grad sind auch Schmerzen normal. Nicht normal ist es aber, wenn ihr sehr starke Schmerzen bekommt. In dem Fall wird der Frauenarzt prüfen, ob eine Symphysenlockerung vorliegt.
In der Schwangerschaft verändert sich der Spalt ein wenig und wird größer. Der Unterschied liegt bei 3 – 4 mm. Normalerweise erreicht er damit eine Breite von rund 7 – 8 mm. Das reicht für den Beckenbereich aus, um noch eine ausreichende Stabilisierung zu haben. Liegt der Spalt darüber, wird von einer starken Symphysenlockerung oder auch einer Symphysenspaltung gesprochen.
💪 Wie erkenne ich Symphysenschmerzen?
Wenn Ihr Symphysenschmerzen habt, dann werdet ihr sie normalerweise erkennen. Das ist die einhellige Meinung von Frauen, die davon betroffen sind oder waren. Die Schmerzen zeigen sich bei den verschiedensten Bewegungen:
- Treppensteigen
- Umdrehen im Bett
- Schuhe anziehen
- Gehen
- Sitzen
Sie sind rund um den Beckenring zu spüren. Der Bereich fühlt sich an, als läge hier eine große Instabilität vor. Ihr habt das große Bedürfnis nach Schonung und möchtet euch eigentlich aus der Seitenlage gar nicht mehr wegbewegen. Sehr typisch ist in dem Fall auch der Watschelgang. Automatisch versucht ihr, das Becken und das Iliosakralgelenk zu schonen.
Bei meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich selbst mit Symphysenschmerzen zu kämpfen. Jede Treppenstufe war eine Herausforderung – aber mit gezielter Schonung und einem Symphysengurt wurde es deutlich besser.
Sehr oft strahlen die Schmerzen bis in die Beine aus. Auch Rückenschmerzen sind keine Seltenheit. Jede Bewegung wird unangenehm und ihr stützt den Bauch ab, um den Druck vom Becken zu nehmen.
Typische Anzeichen einer Symphysenlockerung
- Ihr habt sehr starke Schmerzen am Schambein
- Eure Hüfte oder Eure Leiste machen sich immer wieder bemerkbar
- Im unteren Rückenbereich habt ihr zunehmende Rückenschmerzen
- Ihr fühlt euch beim Laufen sehr schwerfällig und habt Schmerzen
- Ihr könnt eure Beine nicht mehr gut spreizen
Achtung: Eines oder mehrere der Symptome treffen zu? Je früher ihr das prüfen lasst, umso besser ist es. Wenn die Schmerzen jedoch stark zunehmen, solltet ihr euren Frauenarzt auf eine Symphysenlockerung ansprechen.
✨ Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Gerade dann, wenn die Schmerzen nicht mehr nachlassen, ist es wichtig, dass eine mögliche Behandlung erfolgt. Wenn es vielleicht nicht eure erste Schwangerschaft ist, ihr in vorangegangenen Schwangerschaften aber bereits genau diese Probleme hattet, dann könnt ihr das auch schon früher beim Frauenarzt ansprechen und hier vielleicht sogar vorbeugend Therapiemöglichkeiten in Betracht ziehen, wie einen Symphysengurt.
Was könnt ihr selbst tun?
Schonung ist hier tatsächlich ein sehr wichtiger Begriff. Vermeidet ruckartige Bewegungen und zu schnelles Umdrehen. Das belastet den Bereich zusätzlich. Stützt im Liegen euren Bauch mit einem Stillkissen ab und findet eine Position im Sitzen, die schmerzfrei ist. Teilweise kann es sich hierbei auch um den Schneidersitz handeln. Dieser sollte aber nicht zu lange ausgeführt werden. Bemerkt ihr ein Ausstrahlen in Richtung der Bandscheiben, sollten auch diese entlastet werden.
Tipp: Stützt im Liegen euren Bauch mit einem Stillkissen ab – das nimmt Druck vom Becken und kann die Schmerzen deutlich lindern. Auch beim Umdrehen im Bett hilft es, wenn ihr beide Beine zusammenhaltet.
👶 Welche Form der Entbindung ist mit einer Symphysenlockerung möglich?
Grundsätzlich könnt ihr auch mit einer Symphysenlockerung auf natürlichem Weg entbinden. Das Risiko, dass es zu einer Symphysensprengung oder einer Symphysenruptur kommt ist da, aber sehr gering. Je größer die Lockerung ist, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Becken dem Druck der Geburt nicht standhält. Daher ist es wichtig, dass ihr dem Frauenarzt von euren Schmerzen berichtet und über die Möglichkeiten für die Entbindung sprecht. In sehr ausgeprägten Fällen wird euch dann möglicherweise zu einem Kaiserschnitt geraten.
Einige Frauen berichten jedoch auch davon, dass eine Wassergeburt die Schmerzen an der Symphyse deutlich verringert hat und sie sich ganz auf den Vorgang der Geburt konzentrieren konnten.
Gut zu wissen: Eine Wassergeburt kann die Schmerzen an der Symphyse deutlich verringern – viele Frauen berichten, dass sie sich im Wasser besser auf die Geburt konzentrieren konnten.
🌸 Was passiert nach der Entbindung?
Ist euer Baby erst einmal auf der Welt, beginnt euer Körper langsam mit der Rückbildung. Die Hormone verändern sich und die Muskeln werden wieder fester. In dem Zusammenhang lassen die Schmerzen an der Symphyse häufig nach. Innerhalb eines halben Jahres sollte die Überdehnung keine Probleme mehr bereiten. Bei sehr ausgeprägten Fällen kann es aber auch länger dauern.
Grundsätzlich ist es wichtig, dass ihr euch mit der Thematik rund um das Beckenbodentraining beschäftigt. Dieses könnt ihr übrigens auch schon während der Schwangerschaft durchführen. Es stärkt den Beckenboden und hilft euch, die Muskulatur besser ansteuern zu können. Das kann auch zu einer Linderung der Schmerzen verhelfen oder sogar eine Heilung nach der Geburt noch unterstützen.
Häufig gestellte Fragen
Wann sollte ich mit Symphysenschmerzen zum Arzt gehen?
Wenn die Schmerzen sehr stark werden, beim Treppensteigen, Umdrehen im Bett oder Gehen kaum noch auszuhalten sind oder in die Beine ausstrahlen, solltet ihr euren Frauenarzt ansprechen. Er kann prüfen, ob eine Symphysenlockerung vorliegt und eine passende Therapie anordnen.
Kann ich mit einer Symphysenlockerung normal entbinden?
Ja, grundsätzlich ist eine natürliche Geburt auch mit Symphysenlockerung möglich. Das Risiko einer Symphysensprengung ist sehr gering. Bei sehr ausgeprägten Fällen wird euch der Arzt möglicherweise zu einem Kaiserschnitt raten – besprecht die Möglichkeiten am besten frühzeitig.
Wie lange dauern die Beschwerden nach der Geburt an?
Nach der Entbindung beginnt die Rückbildung und die Hormone verändern sich. Innerhalb eines halben Jahres sollten die Beschwerden in der Regel verschwunden sein. Bei sehr ausgeprägten Fällen kann es auch länger dauern. Beckenbodentraining unterstützt die Heilung.
Was ist der Unterschied zwischen normalen Beckenschmerzen und einer Symphysenlockerung?
Bis zu einem gewissen Grad sind Schmerzen im Beckenbereich in der Schwangerschaft normal. Bei einer Symphysenlockerung wird der Spalt zwischen den Beckenhälften jedoch größer als 7-8 mm und die Schmerzen sind deutlich stärker – oft mit Ausstrahlung in Beine und Rücken.
Hilft ein Symphysengurt wirklich?
Ja, ein Symphysengurt kann sehr hilfreich sein, besonders wenn ihr schon in einer früheren Schwangerschaft Probleme hattet. Er stabilisiert das Becken und kann die Schmerzen deutlich lindern. Sprecht mit eurem Frauenarzt über diese Therapiemöglichkeit.
Kann ich Beckenbodentraining schon während der Schwangerschaft machen?
Ja, Beckenbodentraining könnt ihr auch schon während der Schwangerschaft durchführen. Es stärkt den Beckenboden, hilft euch die Muskulatur besser anzusteuern und kann zu einer Linderung der Schmerzen beitragen. Nach der Geburt unterstützt es zusätzlich die Heilung.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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