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Bluttest in der Schwangerschaft – Welche gibt es?

Nadine Scheiner
23 Jul 2021
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Über das Blut können Ärzte viele Dinge untersuchen. Daher werden bei der Diagnose verschiedener Krankheiten oft Blutproben entnommen und im Labor untersucht. Auch in der Schwangerschaft kann das Blut wichtige Informationen liefern. Welche Tests zu welchem Zeitpunkt durchgeführt werden können und wann sie sinnvoll sind, könnt ihr im folgenden Text nachlesen.

Welche Bluttests können in der Schwangerschaft durchgeführt werden?

Euer Blut kann eurem Arzt oder eurer Ärztin in der Schwangerschaft viele Informationen zu eurem eigenen Gesundheitszustand liefern. Aber die Blutwerte können auch die Gesundheit eures Kindes widerspiegeln.

Mit eurem Blut werden am häufigsten die folgenden Informationen untersucht:

  • Die Schwangerschaft kann festgestellt werden
  • Die Blutgruppe der Mutter kann bestimmt werden
  • Der Verlauf des HCG-Werts kann überprüft werden
  • Resistenzen gegen Infektionskrankheiten können überprüft werden
  • Krankheiten können diagnostiziert werden
  • Beim Kind können Trisomien und andere genetische Besonderheiten oder Behinderungen untersucht werden (pränatale Bluttests)

Einige dieser Untersuchungen sind Teil der normalen Schwangerschaftsvorsorge. Andere werden dagegen aufgrund von Verdachtsdiagnosen durchgeführt, oder weil ihr zu den Risikoschwangeren gehört. Und ein letzter Teil kann auf euren Wunsch hin durchgeführt werden.

Der HCG-Wert im Blut

Bereits sechs bis neun Tage nach der Befruchtung kann über den HCG-Wert im Blut eine Schwangerschaft sicher festgestellt werden. Die Abkürzung HCG steht für Beta-Humanes Choriongonadotropin. Dieses Hormon wird von der Plazenta gebildet und ist daher im Normalfall nur in der Schwangerschaft vorhanden. Deshalb wird es auch Schwangerschaftshormon genannt. Aus diesem Grund basieren auch alle Schwangerschaftstests auf dem Nachweis von HCG. Ein Bluttest zur Bestimmung des HCG-Wertes ist vor allem in besonderen Situationen sinnvoll:

  • Bei einem Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft
  • Wenn eine Schwangerschaft früh festgestellt werden muss (bevor ein Urintest genutzt werden kann)
  • Beim Verdacht auf eine Fehlgeburt
  • Um den Verlauf einer Fehlgeburt zu überprüfen
  • Um fehlentwickelte Schwangerschaften auszuschließen

Um eine Schwangerschaft festzustellen, reicht eine einzige Blutentnahme aus. Das ist sogar schon vor dem Ausbleiben der Periode und damit früher als ein Urinstreifentest möglich. Für die Überprüfung anderer Dinge muss aber oft der Verlauf bestimmt werden. In den ersten Wochen steigt der HCG-Wert stetig an.

Weicht die Entwicklung stark von den üblichen Werten ab, gibt das Hinweise auf das Vorliegen von Fehlentwicklungen. Beispiele für solche Fehlentwicklungen sind Blasenmole, Fehlgeburt oder extrauterine Schwangerschaft. Aber auch eine Mehrlingsschwangerschaft kann ein Grund für einen sehr hohen HCG-Wert sein.

Ein Befund bei der Bestimmung des HCG-Werts wird in den meisten Fällen zusätzlich durch eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter abgesichert. Beide Untersuchungen ergeben dann zusammen ein gutes Bild über den Schwangerschaftsverlauf in der frühen Phase.

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Blutentnahme zu Beginn der Schwangerschaft

Am Anfang der Schwangerschaft wird euch bei eurem Frauenarzt oder eurer Frauenärztin Blut abgenommen. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung werden in der Regel im Mutterpass notiert. In den Mutterschaftsrichtlinien sind bei dieser Untersuchung folgende Laboruntersuchungen vorgesehen:

  • Bestimmung der Blutgruppe
  • Bestimmung des Rhesus-Faktors
  • Bestimmung von Antikörper-Titern
  • Bestimmung des Hämoglobinwertes

Besonders die Bestimmung des Rhesus-Faktors ist wichtig, um einer möglichen Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind vorzubeugen. Wenn die Mutter Rhesus-negativ ist, wird zu bestimmten Zeitpunkten eine Spritze zur Vorbeugung von Problemen gegeben.

Mit der Bestimmung der verschiedenen Antikörper-Titer kann euer Arzt bestimmen, ob ihr gegen gewisse Krankheiten immun seid, oder nicht. Besonders wichtig ist das in Bezug auf das Rötelnvirus. Eine Infektion in der Schwangerschaft kann beim Kind zu Fehlbildungen führen. Besteht keine Immunität müsst ihr besonders vorsichtig im Umgang mit Kleinkindern sein. Ähnliches gilt für Toxoplasmose, Zytomegalie und Ringelröteln.

Auch das frühe Entdecken anderer Krankheiten kann wichtig sein. Sollte eine Infektion mit einem bestimmten Krankheitserreger vorliegen, kann euer Arzt oder eure Ärztin die richtige Behandlung einleiten. Es ist wichtig zu wissen, dass einige Infektionen auch ohne Symptome auftreten können. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem:

  • Chlamydien
  • Lues Infektion (Syphilis)
  • HIV
  • Hepatitis B

Nicht alle Antikörpertests werden von der Krankenkasse übernommen. Bei einigen müsst ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit die Kosten bezahlt werden. Andere Tests müsst ihr in jedem Fall selbst bezahlen. Am besten erkundigt ihr euch bei eurem Arzt oder eurer Krankenkasse welche Labortests als Kassenleistung übernommen werden.

Was sind pränatale Bluttests?

Mit pränatalen Bluttests lassen sich die Gene des Babys untersuchen. Im Blut der Mutter finden sich winzige Bruchstücke der DNA des Kindes. Diese stammen aus dem Mutterkuchen, der zum Teil aus kindlichen Zellen besteht.

Die kleinen DNA-Stücke können im Blut untersucht werden und es kann eine Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Trisomien oder Monosomien bestimmt werden. Die Fehlverteilungen der Chromosomen können erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben. Durch die Bluttests können Aussagen über die folgenden Erkrankungen getroffen werden:

  • Trisomie 21 (Downsyndrom)
  • Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)
  • Trisomie 13 (Pätau-Syndrom)
  • Klinefelter-Syndrom
  • Turner-Syndrom
  • Triple-X-Syndrom
  • XYY-Syndrom

Die letzten vier Syndrome sind Variationen in der Anzahl der Geschlechtschromosomen. Mit den Früherkennungstests kann auch eine Geschlechtsbestimmung erfolgen.

Bei allen diesen Syndromen werden übermäßig viele Teile der jeweiligen Chromosomen im Blut der Mutter gefunden, weil die Chromosomen statt in doppelter in dreifacher Anzahl in den kindlichen Zellen vorliegen.

Auch eine sogenannte Mikrodeletion kann von einigen Schwangerschaftsfrühtests erfasst werden. Unter dem Begriff verstehen Fachleute, dass ein kleiner Teil eines Chromosoms fehlt. In diesem Fall geht es um die 22q11.2 Mikrodeletion, die das DiGeorge-Syndrom auslöst.

Nach der Blutentnahme aus eurer Armvene dauert es in der Regel einige Tage bis zwei Wochen, bis ihr ein Ergebnis erhaltet. Die Untersuchung von Trisomie 21 erreicht in den meisten Tests eine Erkennungsrate von 99 Prozent, bei anderen Syndromen liegt der Wert meist niedriger.

Wann können die pränatalen Bluttests durchgeführt werden?

Die Blutanalyse kann ab der zehnten Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Diese Tests werden Schwangeren meist in bestimmten Fällen angeboten. Dazu zählen die folgenden Umstände:

  • Auffälliges Ergebnis im Ersttrimesterscreening
  • Eine Chromosomen-Abweichung bei einer früheren Schwangerschaft oder in der Familie
  • Wenn die Schwangere älter als 35 ist und damit zur Risikogruppe gehört

Allerdings sind die Bluttests noch nicht standardmäßig in den Leistungen der Krankenkassen eingeschlossen. Ob die Kosten übernommen werden, variiert stark. Euer Arzt kann der Krankenkasse in manchen Fällen auch eine besondere Begründung vorlegen.

Vor- und Nachteile von pränatalen Bluttests

Die Blutuntersuchung auf Chromosomenanomalien hat Vorteile und Nachteile. Die wichtigsten Vorteile liegen in den folgenden Punkten:

  • Kein Risiko für das Baby
  • Frühere Durchführung als bei anderen Tests möglich

Ein großer Nachteil der pränatalen Bluttests ist die Notwendigkeit von Folgeuntersuchungen im Falle eines positiven Ergebnisses. Nur dann kann bestätigt oder widerlegt werden, ob wirklich eine Chromosomenabweichung vorliegt. Denn es gibt immer auch die Möglichkeit eines falsch positiven Ergebnisses. Als Folgeuntersuchung wird in der Regel eine der folgenden Untersuchungen durchgeführt:

  • Chorionzottenbiopsie (Plazentapunktion, bzw. Plazentabiopsie)
  • Amniozentese (Fruchtwasserpunktion)

Die Plazenta- und Fruchtwasseruntersuchungen bergen ein gewisses Risiko für eine Fehlgeburt. Daher ist es gut, wenn sie zumindest in Teilen durch einen einfachen Bluttest ersetzt werden können.

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Maria Sbytova - Shutterstock

Was passiert nach einem pränatalen Bluttest?

Bevor ihr als werdende Eltern einen pränatalen Bluttest macht, solltet ihr euch überlegen, was ihr mit dem Ergebnis der Pränataldiagnostik anfangen wollt. Auf ein positives Ergebnis folgt nämlich auch die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch.

Es ist wichtig zu wissen, dass eine vorliegende Trisomie noch keinen Rückschluss darauf gibt, wie schwer das Ungeborene wirklich betroffen ist. Viele der Erkrankungen können auch in milden Formen vorkommen und das Leben des Kindes ist nur wenig beeinträchtigt.

Aus diesem Grund solltet ihr vor einem Bluttest eine Beratung bei speziell geschulten Fachleuten wahrnehmen. Diese können euch die Konsequenzen der Erkrankungen genauer erläutern und euch eure möglichen Optionen nach dem Test aufzeigen.

Die Frage nach den Möglichkeiten der Pränataldiagnostik ist auch eine gesellschaftlich wichtige Diskussion. Viele Experten befürchten, dass sie mit einem verstärkten Druck auf werdende Eltern einhergeht, einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen, wenn das Kind von einer Chromosomenstörung betroffen ist.

Fazit – Entscheidet euch bewusst

Viele Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft sorgen für eine bessere Versorgung von Mutter und Kind. Einige Untersuchungen, im speziellen die pränatalen Bluttests, können jedoch schwerwiegende Folgen haben. Lasst euch daher immer gut und ausführlich beraten. Entscheidet nicht sofort, ob ihr eine Untersuchung machen lassen wollt, sondern gebt euch Zeit.

FAQ

Was kostet ein Schwangerschaftsbluttest?

Wenn ihr einen Bluttest auf Chromosomen-Abweichungen machen wollt, müsst ihr den in der Regel selbst bezahlen. Übliche Preise liegen zwischen 130 und 540 Euro. Die Beratung und Blutentnahme müssen oft noch zusätzlich bezahlt werden.

Was wird mit einem Bluttest in der Schwangerschaft untersucht?

Mit einem Bluttest können in der Schwangerschaft verschiedene Dinge untersucht werden. Am Anfang wird meist die Blutgruppe getestet und die Resistenzen auf bestimmte Krankheiten untersucht. Im Laufe der Schwangerschaft können weitere Tests hinzukommen.

Wann wird ein Bluttest in der Schwangerschaft durchgeführt?

Wann eine Blutentnahme für einen Test erfolgen muss, hängt davon ab, was untersucht wird.

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