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Fruchtwasseruntersuchung – Amniozentese

Nadine Scheiner
17 Aug 2021
3 min.
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Die Fruchtwasseruntersuchung (lat. Amniozentese) ist eine Untersuchung, bei der sich beispielsweise Krankheiten oder Chromosomenabweichungen des Erbgutes eures ungeborenen Kindes untersuchen lassen. Diese Untersuchung wird noch in eurem Mutterleib durchgeführt und kann sogar über Infektionen und andere kindliche Fehlbildungen informieren.

Wir möchten euch in unserem Artikel über den Ablauf und die Risiken einer Fruchtwasseruntersuchung informiert und euch aufzeigen, ab wann diese überhaupt möglich ist.

Fruchtwasseruntersuchung
Von Thomas Andreas - Shutterstock

Was ist eine Fruchtwasseruntersuchung genau?

Die Amniozentese ist, wie schon erwähnt eine Untersuchung, die in eurem Mutterleib stattfindet. Bei dieser Untersuchung geht der Arzt mit Hilfe einer Hohlnadel in eure Fruchtblase, um Fruchtwasser zu entnehmen. In dieser Flüssigkeit schwimmen schließlich Zellen eures ungeborenen Babys, die man kinderleicht im Labor isolieren und anschließend in den Zellkulturen vermehren kann. Dieser Vorgang dauert in der Regel etwa 14 Tagen. Nach diesen zwei Wochen ist genetisches Material verfügbar, welches genau untersucht werden kann.

Neben den Untersuchungen auf Fehler oder anderweitige Chromosomenabweichungen wird bei einer Fruchtwasseruntersuchung zugleich das Protein Alpha-Fetoprotein und die Acetylcholinesterase untersucht. Diese beiden Werte können, sollten sie erhöht sein, ebenfalls Aufschluss über Fehlbildungen eures Kindes geben. Die Werte geben an, ob eine Fehlbildung an der Bauchwand oder Wirbelsäule eures Kindes vorhanden sind. Eine Erhöhung beider Werte führt auf Fehlbildungen in beiden Bereichen hin.

Das zweite Protein ist das AFP. Dieses Protein wird vom Dottersack und der Leber eures ungeborenen Kindes entwickelt. Ist euer Kind gesund, gelangen nur sehr geringe Mengen dieses Proteins ins Fruchtwasser. Bei schweren Fehlbildungen, wie beispielsweise ein offener Rücken (Neuralrohrdefekt) sind diese Werte sehr deutlich erhöht. Das AFP kann sogar über einen Triple-Test kontrolliert werden. Dieser Test gehört ebenfalls zu den Methoden der Pränataldiagnostik und wird bei Kindern mit einem Erkrankungsrisiko auf das Down-Syndrom häufiger eingesetzt.

An dieser Stelle ist es aber wichtig zu erwähnen, dass ihr alleine entscheidet, ob eine solche Untersuchung bei euch gemacht werden soll oder nicht.

Fruchtwasseruntersuchung wann – Wann ist diese Untersuchung empfehlenswert?

Viele Frauen fragen sich nicht nur „Wann Fruchtwasseruntersuchung?“, sondern auch, wann diese wirklich zu empfehlen ist. Schließlich handelt es sich um eine Untersuchungsmethode, die nicht bei allen Frauen durchgeführt werden muss. In der Regel wird die Amniozentese genau dann empfehlen, wenn bestimmte Gründe vorliegen, welche die folgenden sein können:

  • Schwangerschaftsalter von 35 Jahren
  • Auffälligkeiten bei der Ultraschalluntersuchung
  • Erbkrankheiten, wie Muskelerkrankungen und Stoffwechselstörungen
  • Geschwisterkind leidet an einer Chromosomenstörung
  • vorherige Schwangerschaften wiesen einen Neuralrohrdefekt auf

Sobald einer dieser Gründe besteht, wird eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt. Die Krankenkassen übernehmen dann die anfallenden Kosten.

Der beste Zeitpunkt für die Fruchtwasseruntersuchung liegt zwischen der 14. und der 19. Schwangerschaftswoche. Eine vorherige Untersuchung würde nicht den eindeutigen Befund liefern können, sodass der Zeitpunkt entscheidend ist. Außerdem kann eine zu frühe Fruchtwasseruntersuchung das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.

Welche Untersuchungen können mit einer Amniozentese gemacht werden?

Mit einer Fruchtwasseruntersuchung lassen sich die unterschiedlichsten Krankheiten ermitteln. Mit Hilfe des entnommenen Materials kann die Struktur und sogar die Anzahl der Chromosomen untersucht werden. Sollte es zu Abweichungen des Erbmaterials kommen, kann dies beispielsweise auf folgende Krankheiten verweisen:

  • Down-Syndrom (Trisomie 21)
  • Edwards-Syndrom (Trisomie 18)
  • Pätau-Syndrom (Trisomie 13)

Des Weiteren kann mittels dieses Untersuchungsverfahrens das Geschlecht eures ungeborenen Kindes ermittelt werden.
Neben dem genetischen Material ist es zugleich möglich, eine biochemische Analyse durchzuführen. Durch diese lassen sich die folgenden Krankheiten feststellen.

  • Infektionen (bspw. Toxoplasmose)
  • Defekte an der Bauchwand (Omphalozele)
  • Spaltungen an der Wirbelsäule (offener Rücken)

Vorteilhaft ist, dass man mit Hilfe der biochemischen Analyse sogar eine Blutgruppenunverträglichkeit vorzeitig erkennen kann. Selbst wenn eine Frühgeburt bevorsteht, ist es möglich, mit Hilfe des entnommenen Fruchtwassers die Lungenreifung eures Kindes zu bestimmen.

Noch sichere Ergebnisse für das Down-Syndrom bieten neben der Fruchtwasserpunktion auch eine Chorionzottenbiopsie, auch Plazentabiopsie genannt. Bei dieser Untersuchung wird etwas Zellgewebe eures Mutterkuchens entnommen. Diese Zellen werden anschließend untersucht. Auch dieses Verfahren gehört heute zur wichtigsten Pränataldiagnostik.

Amniozentese
Von H_Ko - Shutterstock

Fruchtwasseruntersuchung Ablauf - Fruchtwasseruntersuchung Schmerzen

Laut dem Gendiagnostikgesetzt ist es Pflicht, dass ihr über den Ablauf, den Nutzen und vor allem auch über die Risiken einer Fruchtwasseruntersuchung informiert werdet. Bevor es zu diesem Eingriff kommt, müsst ihr eine Unterschrift leisten.

Grundsätzlich wird eine Fruchtwasseruntersuchung ambulant in einer speziellen Klinik durchgeführt. Bevor es allerdings zu einer Fruchtwasserpunktion kommt, schaut euer Arzt, wie die Lage eures Kindes ist und markiert die Einstichstelle am Bauch. Danach wird euer Bauch erst einmal sorgfältig desinfiziert. Anschließend wird mit einer dünnen Hohlnadel in eure Bauchdecke, durch die Gebärmutterwand in eure Fruchtblase gegangen. In der Regel werden zwischen 15 und 20 Milliliter Fruchtwasser entnommen, die anschließend ins Labor gebracht werden.

Die Gesamtdauer der Fruchtwasserentnahme liegt bei fünf bis 15 Minuten. Bei der Frage, ob eine solche Untersuchung schmerzhaft ist, geben viele Frauen die Antwort Nein. In der Regel ist nicht einmal eine örtliche Betäubung notwendig. Möglich ist es allerdings schon.

Fruchtwasseruntersuchung Risiken – Die konkreten Risiken Fruchtwasseruntersuchung

Schwerwiegende Komplikationen sind bei einer Fruchtwasseruntersuchung (lat. Amniozentese) eher selten. Allerdings gibt es trotz alledem einige Risiken, die dieser Eingriff mit sich bringt. Folgende Risiken sind bekannt:

  • Fehlgeburt
  • Verletzungen an eurem ungeborenen Kind
  • Blutungen
  • Infektionen
  • Kontraktionen der Gebärmutter
  • Blasensprung

Nicht selten kommt es bei vielen Frauen daher zu der Frage „Wie lange Fehlgeburtrisiko nach Fruchtwasseruntersuchung?“ Diese ist auch mehr als berechtigt. Es gibt viele Frauen, die Angst haben eine Fruchtwasseruntersuchung Fehlgeburt zu erleiden. Man muss jedoch dazu sagen, dass das Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden ab der 16. Schwangerschaftswoche zwischen 0,4 und 1 Prozent liegt. Untersuchungen, die vor der 16. Schwangerschaftswoche stattfinden bringen ein höheres Risiko mit. Damit ihr das Risiko noch geringer halten könnt ist es für euch sehr wichtig, dass ihr euch nach dem Eingriff für zwei Tage schont.

Grundsätzlich muss jede werdende Mutter jedoch für sich selbst entscheiden, ob eine Amniozentese notwendig ist oder nicht. Fakt ist, dass es keine Garantie für ein gesundes Baby gibt. Es kann vorkommen, dass ein normaler Chromosomensatz ohne jegliche Auffälligkeiten vorliegt und auch alle weiteren Werte normal sind. Über spätere Erkrankungen, wie beispielsweise Herzfehler oder Missbildungen eures Kindes an Händen oder Füßen kann die Fruchtwasseruntersuchung nicht allein Auskunft geben. Hochwertige Ultraschalluntersuchungen müssen dann folgen.

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