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Nabelschnurblut – Was ihr damit machen könnt

Nadine Scheiner
29 Dez 2021
4 min.
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Vor einer Geburt gibt es eine Reihe von Dingen, die ihr entscheiden solltet. Zu diesen Dingen gehört auch die Frage, ob ihr Nabelschnurblut einlagern lassen oder spenden wollt.

Nabelschnurblut
Photostock by Leonardo Em via Shutterstock

Was ist Nabelschnurblut?

Im Blut eines ungeborenen Kindes finden sich Millionen Stammzellen. Stammzellen sind Zellen, die noch undifferenziert sind. Sie haben das Potential sich in alle möglichen Körperzellen auszubilden und damit bestimmte Gewebeeigenschaften anzunehmen. Das nennet man proliferationsfähig. Deshalb können aus ihnen zum Beispiel die folgenden Zelltypen werden:

  • Blutzellen
  • Zellen des Immunsystems
  • Organzellen und -gewebe

Diese besonderen Stammzellen finden sich auch im Blut, das sich nach der Geburt noch in der Nabelschnur und der Plazenta befindet. Früher wurden die Nabelschnur und die Plazenta nach der Geburt komplett entsorgt. Heutzutage können die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut gewonnen werden. Anschließend werden sie bei -186 Grad Celsius eingefroren und können so für einen späteren Einsatz eingelagert werden. Früher wurde das Material als Vollblut eingelagert.

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut haben eine Reihe von besonderen Eigenschaften. Dazu gehören die folgenden Punkte:

  • Sie können zur Heilung von Krankheiten eingesetzt werden
  • Sie verursachen weniger Abstossungsreaktionen als andere Zellen
  • Sie haben wenige alterungs- und umweltbedingte Beeinträchtigungen
  • Sie sind jung und teilungsfreudig
  • Sie sind meist frei von Viren und Bakterien
  • Sie sind einfacher verfügbar als Präparate aus Knochenmark

Wenn die Stammzellen für das Kind selbst eingesetzt werden, haben sie noch den großen Vorteil, dass sie genetisch perfekt mit den restlichen Zellen übereinstimmen.

Weil die Möglichkeit besteht, mit den Stammzellen aus dem Nabelschnurblut Krankheiten zu heilen, wird das Blut nach der Geburt entnommen. Es ist wichtig zu wissen, dass in diesem Fall das Abnabeln relativ schnell erfolgen muss. Im natürlichen Ablauf der Geburt würde nach der Geburt des Kindes die Nabelschnur langsam auspulsieren und das Blut langsam in den Körper des Kindes fließen. Erst danach würde die Plazenta geboren werden. Eine Nabelschnurblutspende kann in diesem Fall also als Nachteil betrachtet werden.

In einer Geburtsklinik wird die Nabelschnur oft durchtrennt, bevor sie auspulsiert ist. Das Auspulsieren lassen kann aber Vorteile für die Gesundheit des Kindes haben. Wenn ihr das Nabelschnurblut einlagern lassen oder spenden wollt, muss eine frühe Abnabelung erfolgen.

Welche Krankheiten können mit Nabelschnurblut behandelt werden?

Die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind vor allem zum Heilen verschiedener Krankheiten gut. Heutzutage kann man sie vor allem für die Therapie von Leukämie verwenden. Bei diesem Blutkrebs ist eine Transplantation mit Stammzellpräparaten aus den Nabelschnurbanken oft deutlich schneller verfügbar als andere Stammzellarten.

Auch angeborene und erworbene Defekte des Immunsystems können auf diese Art behandelt werden. Insgesamt kann man mit Blutstammzellen aus der Nabelschnur heutzutage über 80 Krankheiten heilen oder lindern.

Bei Patienten und Patientinnen mit einem geringen Körpergewicht reicht oft die Spende eines einzelnen Spenders oder einer Spenderin für eine Stammzelltransplantation. Für die Behandlung von Erwachsenen sind dagegen Nabelschnurbluttransplantationen mit einer Kombination aus mehreren Spenden nötig.

Der Einsatz für das Kind selbst ist limitiert. Bisher können nur einige Erkrankungen gelindert oder geheilt werden. Erbkrankheiten gehören nicht dazu, weil auch die Stammzellen den Gendefekt haben. Auch bei Blutkrebs kann die Eigenspende den Verlauf der Krankheit nicht verbessern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind die eigene Nabelschnurblutspende nutzen kann, ist heutzutage sehr gering. Wesentlich sinnvoller ist es, das Blut als Spende für Stammzellbanken freizugeben.

Wie wird Nabelschnurblut entnommen?

Am Tag der Entbindung wird euch Blut entnommen werden, wenn ihr das Nabelschnurblut spenden oder einlagern wollt. Damit werden die individuellen Oberflächenmerkmale der Blutzellen bestimmt und das Vorliegen von bestimmten Infektionskrankheiten untersucht.

Nach der Geburt wird das Baby abgenabelt. Dann kann das Blut aus dem Teil der Nabelschnur, der zur Plazenta führt, entnommen werden. Der Arzt oder die Ärztin punktiert dafür die Nabelschnurvene. Das Blut fließt in einen Plastikbeutel und der wird dann in die Blutbank gebracht. Aus der Nabelschnur können in der Regel 60 bis 200 Milliliter gewonnen werden. Die Entnahme ist weder für die Mutter noch für das Kind schmerzhaft.

Nachdem das Blut in der Blutbank angekommen ist, wird es von den Mitarbeitern überprüft. Wenn es alle Qualitätskriterien erfüllt, werden die Stammzellen komprimiert. Anschließend wird das Material bei minus 190 Grad eingefroren.

Nabelschnurblut
Lobachad via Shutterstock

Warum sollte man Nabelschnurblut einlagern?

Die Nabelschnurblutstammzellen können in der Regel für die folgenden Verwendungszwecke eingelagert werden:

  • Fremdspende zur Einlagerung in öffentlichen Nabelschnurblutbanken
  • Gerichtete Spende für einen Verwandten ersten Grades, zum Beispiel ein Geschwisterkind
  • Eigenspende oder Privatspende, das heißt für die mögliche Verwendung im Falle eigener Krankheiten des Kindes

Wie bereits beschrieben, werden Fremdspenden heute schon für einige Bereiche eingesetzt. Eine Einlagerung macht also Sinn und kann anderen Menschen helfen. Auch eine gerichtete Spende für ein Familienmitglied kann durchaus sinnvoll sein. Allerdings verliert ihr als Eltern dann alle Ansprüche.

Bis heute ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nabelschnurstammzellen sicher für das jeweilige Kind eingesetzt werden, aber noch eher gering. Einige Ärzte und Ärztinnen argumentieren auch, dass weitere Einsatzmöglichkeiten noch lange brauchen werden und es nicht sicher ist, dass die eingelagerten Nabelschnurstammzellen dann noch einsetzbar sind. Bisher ist das Einlagern daher eher eine Hoffnung auf die zukünftige Entwicklung der Medizin.

Wie lange kann Nabelschnurblut eingelagert werden?

Das Einfrieren des Nabelschnurblutes geschieht mit flüssigem Stickstoff. Eine solche Einlagerungsmöglichkeit wird als Krykonservierung bezeichnet. Auch die Kryotanks für die langfristige Lagerung werden mit flüssigem Stickstoff gekühlt. Kryokonservierte Zellen konnten bisher erst über etwa 15 Jahre untersucht werden. Über diesen Zeitraum sind sie auf jeden Fall haltbar. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass sie sich auch länger halten. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass eine Haltbarkeit von etwa 100 Jahren erreicht werden kann.

Was kostet die Einlagerung von Nabelschnurblut?

Die Einlagerungskosten unterscheiden sich zwischen den privaten Blutbanken. Der Preis variiert zwischen 1.500 und 3.000 Euro für 20 Jahre. Ist dieser Zeitraum abgelaufen, Eine Spende ist allerdings kostenlos.

Nabelschnurblut spenden – Wie geht das?

Wenn ihr euch dazu entschieden habt, das Nabelschnurblut zu spenden, solltet ihr euch eine Entbindungsklinik suchen, die mit einer öffentlichen Nabelschnurblutbank zusammen arbeitet. Diese können auch euch bezüglich möglicher Ausschlussgründe beraten. Die Frauenklinik entnimmt bei der Geburt das Blut aus der Nabelschnur. Nach dem Einlagern und der Typisierung der Gewebemerkmale wird die Spende in eine Stammzellspenderdatei eingetragen.

Wo kann man Nabelschnurblut einlagern lassen?

Anstatt das Nabelschnurblut zu spenden, könnt ihr es auch in einer privaten Blutbank, auch autologe Blutbank genannt, einlagern lassen. In diesen Instituten lagern heutzutage schon etwa 2,5 Millionen Präparate.

Eine Spende kann an verschiedene Stammzellregister gehen. Weitere Informationen könnt ihr über das deutsche Stammzellnetzwerk erhalten.

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