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Schwangerschaft nach Krebserkrankung

Nadine Scheiner
30 Dez 2021
5 Min.
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Ob in jungen Jahren oder schon etwas älter. Immer mehr Menschen erkranken an Krebs und ein harter Kampf gegen eine schreckliche Krankheit steht Betroffenen bevor. Auch wenn eine Krebserkrankung für jeden Menschen der wahrgewordene Alptraum ist, bekommen vor allem auch Frauen mit Kinderwunsch Angst, dass nach der Behandlung bzw. der Chemotherapie der Kinderwunsch auf der Strecke bleibt und die Chance schwanger zu werden gleich 0 ist. Wir wollen in diesem Ratgeber Mut machen, zeigen, welche Möglichkeiten ihr habt und erklären, was in eurem Körper vor sich geht.

Kinderwunsch nach Krebserkrankung – wie schwanger werden?

Vor allem die jungen Frauen, die sich eine Familie wünschen und sich fest vorgenommen haben, später einmal Mama zu werden, werden von der Diagnose Krebs hart getroffen. Allerdings steigen von Jahr zu Jahr die Heilungschancen bei einer Krebserkrankung und damit auch die Chance, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Das bedeutet also nicht, dass ihr bei jeder Krebsbehandlung direkt unfruchtbar werdet.

Es gibt schließlich unterschiedliche Möglichkeiten schwanger zu werden. Ob ihr auf natürlichem Weg schwanger werden könnt oder mithilfe von einer künstlichen Befruchtung, ist dabei immer abhängig von der jeweiligen Erkrankung selbst und auch der Körper reagiert sehr individuell auf eine Behandlung.

Wichtig: Eine Schwangerschaft nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung gestaltet sich allerdings immer schwerer als bei einer gesunden Frau. Das bedeutet aber nicht, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleibt!

Der Körper der Frau wird durch die Chemo sowie die Strahlen- und Hormontherapie hart beansprucht und stark geschwächt. Leider werden auch die gesunden Körperzellen, welche für die Fruchtbarkeit wichtig sind, mit angegriffen.

Zusätzlich kann die Fruchtbarkeit durch die Einnahme unterschiedlicher Medikamente negativ beeinflusst werden. Des Weiteren kommt es auch immer darauf an, um welche Art von Krebserkrankung es sich handelt. Frauen sind vor allem von

  • Einer Brustkrebserkrankung
  • Krebserkrankung der Eierstöcke bzw. Eierstockkrebs

betroffen.

Wie stark die einzelnen Zellen geschädigt werden, ist abhängig von der individuellen Dosis der Krebsmedikamente. Hinzu kommt natürlich auch das Alter der Frau. Je älter ihr seid, desto höher ist leider auch das Risiko, durch eine Krebsbehandlung unfruchtbar zu werden. Der Grund liegt in der Tatsache, dass mit dem Alter auch die Anzahl der Eizellen abnimmt, wobei die Anzahl dieser durch die Chemotherapie zusätzlich gemindert wird.

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Photographee.eu via Shutterstock

Unterschiedliche Methoden, um die Fruchtbarkeit nach einer Krebserkrankung zu behalten

Im Folgenden möchten wir euch unterschiedliche Methoden vorstellen, mit welchen ihr euren Kinderwunsch unter Umständen erfüllen könnt.

Eizellen einfrieren – Social Freezing

Bevor die Krebsbehandlung gestartet wird, solltet ihr unbedingt mit eurem Arzt über euren Kinderwunsch reden. Wenn ihr nach der Therapie schwanger werden möchtet, habt ihr unter anderem die Möglichkeit, eure befruchteten Eizellen im Vorfeld einfrieren zu lassen. Laut Statistik liegt nun die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau nach einer Krebsbehandlung schwanger wird, bei bis zu 50 Prozent. Eine Chance bzw. Maßnahme, die ihr auf jeden Fall in Betracht ziehen solltet.

Wenn ihr keinen Partner habt, ist das auch kein Problem. In diesem Fall bleibt euch die Möglichkeit, dass ihr unbefruchtete Eizellen einfrieren lasst. Allerdings besteht bei dieser Variante der Nachteil, dass eine begleitende Hormontherapie notwendig ist, um bei euch gesunde Eizellen zu entnehmen. Diese Therapie dauert ca. zwei Wochen. Wichtig dabei ist, dass während dieser Zeit keine aggressive Krebstherapie durchgeführt wird. Des Weiteren müssen nun eure Ärzte entscheiden, ob die Chemo- oder Strahlentherapie so lange warten kann.

Eierstockgewebe einfrieren

In einigen Fällen bleibt leider keine Zeit für eine Hormontherapie, sodass direkt mit der Chemo begonnen werden muss. Ihr könnt in diesem Fall Eierstockgewebe samt den darin enthaltenen unreifen Eizellen einfrieren lassen. Dieses wird nach erfolgreicher Krebsbehandlung wieder in den Eierstock verpflanzt. Hier gilt allerdings: Je jünger die Patientin ist, desto größer ist auch die Chance, dass das Gewebe erfolgreich übertragen werden kann und wieder „anwächst“. Die Eizellen können dabei bei Erfolg heranwachsen, sodass die reife Eizelle später auf natürlichem Weg durch Spermien befruchtet werden kann.

Anti Hormone einnehmen

Es besteht die Möglichkeit, dass ihr eure Eierstöcke für die Dauer der Krebstherapie in eine Art Tiefschlaf zu versetzen. Dabei besteht der Sinn darin, die Eizellen nicht zu schädigen. Hierbei nehmt ihr Anti-Hormone ein, durch welche die Eizellen in euren Eierstöcken erst gar nicht heranreifen und somit auch nicht beschädigt werden.

Die Eierstöcke verlegen

Was sich erst komisch anhört, wird gerne durchgeführt, um die Eierstöcke vor der aggressiven Behandlung der Krebserkrankung zu schützen. Bei dieser Methode werden die Eierstöcke der Krebspatienten verlegt. Beliebt ist dabei die Verlegung in den Beckenbereich, wo sie vor der Bestrahlung geschützt sind. Nach erfolgreicher Therapie können diese nun an den Ursprungsort zurückgelegt werden. Bei dieser Methode solltet ihr euch aber darüber bewusst sein, dass bei einem solchen Eingriff auch die Eileiter durchtrennt werden könnten.

Welche Methode für euch die beste ist, um auch nach einer Krebsbehandlung schwanger zu werden, solltet ihr immer individuell mit eurem Arzt besprechen und euch bewusst darüber sein, dass es ganz alleine eure Entscheidung ist!

Der richtige Zeitpunkt für die Schwangerschaft

Eine Krebserkrankung samt der passenden Therapie sind sehr anstrengend für euren Körper. Im Anschluss solltet ihr euch Zeit nehmen, um Energie und Kraft zu tanken, denn auch die Strapazen einer Schwangerschaft sind nicht unterschätzen. Das Risiko eines Rückfalls besteht leider auch nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung und auch die Wahrscheinlichkeit, eine Fehlgeburt zu erleiden, sind direkt im Anschluss der Therapie höher, weil der Körper einfach noch sehr schwach ist.

Euer Körper braucht nun auf jeden Fall eine Pause, um sich zu erholen und neue Kraft zu tanken. Experten sind daher der festen Überzeugung, dass betroffene Frauen nach Beendigung der Therapie zwei Jahre warten sollten.

Gut zu wissen: Früher waren Mediziner der festen Überzeugung, dass aufgrund der hormonellen Veränderung bei einer Schwangerschaft das Risiko eines Rückfalls der Erkrankung erhöht wäre. Allerdings wurde diese Meinung nie wissenschaftlich belegt und somit längst revidiert.

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Fertilitätserhalt - Vorkehrungen vor Therapiebeginn treffen

Frauen, die an Krebs erkrankt sind und sich noch Kinder wünschen, sollten schon vor dem Beginn der Krebstherapie das Gespräch mit ihrem Gynäkologen oder dem Onkologen suchen. Es ist nämlich sehr wichtig, dass ihr den Ärzten unmissverständlich klar macht, dass ihr aktuell noch einen großen Kinderwunsch habt. Stellt also die Frage, inwieweit die Krebstherapie eure Fruchtbarkeit beeinflusst.

Durch die Wahl der Präparate bzw. Medikamente, dessen Dosierung und Vorkehrungsmaßnahmen, wie dem Einfrieren der Eizellen, kann man nun versuchen, die Fruchtbarkeit zu erhalten.

Stillen nach dem Brustkrebs

Brustkrebs ist die am häufigsten auftretende Krebserkrankung bei Frauen und verläuft sehr unterschiedlich. Zahlreiche Frauen machen sich nach dieser Erkrankung große Sorgen, dass sie nach der Geburt das Baby nicht stillen können. Die gute Nachricht vorweg. Nach der erfolgreichen Krebstherapie ist es grundsätzlich möglich, dass ihr euer Baby stillt und ihr braucht keinerlei Angst haben, dass ein gesundheitliches Risiko für euren Schatz besteht.

Wir und viele Experten sind sogar der festen Überzeugung, dass euch beiden das Stillen gut tun wird. Der positive Effekt des Stillens auf die Mutter und das Kind ist dabei nicht zu unterschätzen. Allerdings ist es immer von individuellen Umständen abhängig, ob eine Frau ihr Baby stillen kann oder nicht. So spielt auch die Art einer eventuellen Operation bei Brustkrebs eine wichtige Rolle. Auch die Menge vom entfernten Gewebe und der Größe des Tumors sind wichtig. So ist es möglich, dass die Milchbildung sowie auch die Milchabgabe an das Kind an der betroffenen Brust beeinträchtigt ist.

FAQ – die häufigsten Fragen

Im Anschluss wollen wir euch nochmal die häufigsten Fragen rund um das Thema Schwangerschaft nach der Krebserkrankung geben.

Frage 1: Wie lange nach Krebserkrankung mit Schwangerschaft warten?

Antwort: Einen pauschalen Zeitraum gibt es nicht. Ärzte raten ihren Patientinnen aber dazu, mindesten 1 bis 2 Jahre zu warten, damit sich der Körper auch wirklich erholen kann. Außerdem ist das Risiko für einen Rückfall sowie eine Fehlgeburt dann geringer.

Frage 2: Stellt eine vorherige Krebserkrankung ein Risiko für das Baby in der Schwangerschaft dar?

Antwort 2: Es gibt keinerlei wissenschaftliche Beweise dafür, dass Kinder, welche von einer Mutter mit vorheriger Krebserkrankung geboren wurden, ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen haben. Also nein, es besteht kein höheres Risiko für euer Baby.

Frage 3: Kann man das Baby nach Brustkrebs stillen?

Antwort 3: Je nach operativem Eingriff oder nach der Menge des entfernten Gewebes kann es beim Stillen des Kindes zu Problemen der Milchabgabe oder der Milchbildung kommen. Die meisten Frauen können ihre Kinder aber trotzdem stillen und es besteht auch nicht das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung eures Lieblings!

Frage 4: Ist das Risiko eines Rückfalls der Krebserkrankung mit einer Schwangerschaft höher?

Antwort 4: Eine Schwangerschaft erhöht das Risiko eines Rezidivs nicht. Wichtig dabei ist aber, dass die Behandlung der Krebserkrankung komplett abgeschlossen wurde.

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