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Placenta Accreta – Wenn sich die Plazenta löst

Nadine Scheiner
25 Jan 2022
5 Min.
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Der Begriff Placenta accreta ist in der Schwangerschaft nicht selten. Hierbei handelt es sich um eine Störung der Plazentahaftung, bei der euer Mutterkuchen sehr fest mit der Gebärmutter verwächst.  Genauer genommen verbindet sich das Gewebe eures Mutterkuchens mit eurer Gebärmutter. Außerdem verwächst sie in die Muskulatur des Uterus. Diese Form ist unter anderem unter dem Begriff Placenta increta bekannt. Penetriert sich die Placenta mit der Gebärmutterhalsmuskulatur wird dies Placenta percreta genannt. Das bedeutet für euch, dass sich eure Plazenta nach der Geburt nicht eigenständig lösen kann. Dies führt zu sehr starken Blutungen.

Damit ihr euch informieren könnt, was Placenta accreta bedeutet und was genau dahinter steckt, möchten wir euch in diesem Artikel genauer beschreiben.

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Betty Ray via Shutterstock

Welche Aufgaben übernimmt die Plazenta in eurer Schwangerschaft?

Eure Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, besteht aus eurem (also dem mütterlichen) und dem Gewebe eures Kindes. Die Plazenta bildet sich bereits in den ersten Wochen eurer Schwangerschaft. Dies geschieht, in dem das embryonale Gewebe (auch Trophoblasten genannt) in eure Gebärmutter einwächst. Der Mutterkuchen ist dazu da, um euer Kind bis zur Geburt mit sämtlichen Nährstoffen zu versorgen. Außerdem stellt die Plazenta den Abtransport verschiedener Stoffwechselprodukte sicher.

Der Mutterkuchen übernimmt allerdings noch einige weitere Aufgaben in eurer Schwangerschaft. Schließlich ist er dazu da, um auch die wichtigen Hormone in eurer Schwangerschaft zu produzieren und gleichzeitig euer Immunsystem zu stärken. Die sogenannte Plazentaschranke schützt euer ungeborene Kind vor sämtlichen Schadstoffen und Keimen und verhindert dadurch eine schwere Erkrankung. Eure Plazenta wächst in den Schwangerschaftswochen mit. Sie hat zum Zeitpunkt er Geburt eures Kindes gerade einmal ein Gewicht von rund 500 Gramm. Sie hat einen Durchmesser von etwa 20 Zentimeter und ist gerade einmal zwei oder drei Zentimeter dick.

Die Plazenta ist wie ein weiteres Organ in eurem Körper. Der Unterschied zu anderen Organen liegt jedoch darin, dass sie nicht nur ihr eigenes Wachstum selbst steuern kann, sondern die Funktionsfähigkeit auf die Bedürfnisse eures ungeborenen Kindes abstimmt. Im Normalfall löst sich der Mutterkuchen direkt nach der Geburt eures Kindes von allein ab. Die Plazenta wird daher nicht nur Mutterkuchen genannt, sondern auch Nachgeburt. Die Nachgeburt wird durch eure Nachwehen ausgeschieden. Anschließend verschließen sich die Blutgefäße, die euren Mutterkuchen mit eurem Körper verbinden. Danach beginnt sofort die Abheilungs- beziehungsweise die Rückbildungsphase. Bei einer Placenta accreta ist es nicht möglich, den Mutterkuchen durch die Nachwehen auszuscheiden. Warum dies der Fall ist und was es bedeutet, an einer Placenta accreta zu leiden, möchten wir euch im nachfolgenden Teil des Artikels erklären.

Was bedeutet der Begriff Placenta Accreta genau?

Die Entwicklung eurer Plazenta ist bei einer Placenta accreta von Beginn an gestört. Das bedeutet, dass eure Plazenta nicht nur in die Gebärmutter einwächst, sondern auch in die Muskulatur des Uterus. Eure Gebärmutter in insgesamt drei Gewebeschichten unterteilt: In die äußere Schicht (glatter und glänzender Überzug, auch Perimetrium oder Serosa genannt), in die mittlere Schicht (glatte Muskulatur des sogenannten Myometriums) und in die Gebärmutterschleimhaut, auch Endometrium genannt.
In eurer Schwangerschaft selbst wird die Gebärmutterschleimhaut oftmals mit dem Begriff „Decidua oder Dezidua betitelt. Liegt also eine Placenta accreta vor, bedeutet dies, dass euer Plazentagewebe die Decidua durchdrungen hat.

Mittlerweile liegen in etwa 75 Prozent aller Fälle eine Placenta accreta vor. Bei vielen dieser Fälle ist die Plazenta jedoch nur gering in das Muskelgewebe eingewachsen. In 20 Prozent der Fälle verwächst das Gewebe in einem größeren Ausmaß in das Myometrium hinein. Bei etwa 5 Prozent der Frauen durchbricht das Plazentagewebe die äußere Schicht der Gebärmutter und wuchert somit in andere Organe über. Oftmals in die Blase. Anhand dieser Zahlen ist deutlich zu erkennen, dass es sich bei vielen Frauen nur um eine geringe Verwachsung handelt.

Die Folgen einer Placenta accreta sind jedoch schwerwiegender. Eure Plazenta kann sich bei einer solchen Erkrankung nicht vollständig lösen. Auch können sich die Blutgefäße nicht von allein schließen. Das bedeutet, dass nach der Geburt eine offene Wunde entsteht, die einen starken Blutverlust hervorrufen kann.

Welche Ursachen stecken hinter einer Placenta accreta?

Eine genaue Ursache für diese Erkrankung ist nicht bekannt. Jedoch bringen Ärzte eine Placenta accreta oftmals mit Kaiserschnittgeburten in Verbindung. Sogar andere operative Eingriffe an eurer Gebärmutter können für die Entstehung verantwortlich sein. Das kann allerdings auch eine Anomalie.
In vielen Fällen ist diese auch mit einer Placenta praevia verbunden. Hierbei handelt es sich um einen tiefen Ansatz der Plazenta, bei der euer Muttermund durch dieses Organ in Teilen oder sogar ganz verdeckt wird. Daraus könnt ihr schließen, dass es bisher keine Forschungen für die genauen Ursachen gibt.

Welche Symptome treten bei einer Placenta accreta auf?

Häufig verursacht eine Placenta accreta in eurer Schwangerschaft keinerlei Symptome. Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel ist es völlig normal, dass es bei euch zu vaginalen Blutungen kommen kann. Diese solltet ihr trotz alledem durch euren Arzt kontrollieren lassen. In solchen Fällen denkt der Arzt in der Regel an einer Placenta accreta oder einer Placenta praevia und führt dementsprechend eine genaue Untersuchung durch. Meistens wird eine solche Diagnostik mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung gemacht. In einigen Fällen kann auch eine Magnetresonanztomografie (kurz: MRT) helfen. Bei Frauen, die ein erhöhtes Risiko für eine Placenta accreta haben, wird schon vor der Geburt des Kindes mittels Ultraschall geschaut, ob es zu Komplikationen kommen kann.

Häufig bestehen dadurch keinerlei Gefahren für euch oder euer ungeborenes Kind. Sollte es trotz alledem, vor eurem Geburtstermin zu sehr starken Blutungen kommen kann es passieren, dass eure Schwangerschaft vorzeitig beendet werden muss. Das bedeutet, dass euer Kind per Kaiserschnitt auf die Welt kommen wird. Ein geplanter Kaiserschnitt wird auch Schnittgeburt oder Schnittentbindung genannt. Eine solche vorzeitige Schwangerschaft hängt jedoch von der reife und der Lebensfähigkeit Eures Kindes ab.

Während eurer Geburt kann sich der Verdacht auf eine Placenta accreta erhärten. In der Regel bestätigt sich der Verdacht, wenn folgende Punkte eintreten:

  • Der Mutterkuchen wird 30 Minuten nach der Geburt nicht ausgestoßen.
  • Der Mutterkuchen lässt sich nicht mit den Händen der Ärzte von eurer Gebärmutter lösen.
  • Bei dem Versuch eure Plazenta zu entfernen kommt es zu sehr starken Blutungen.

Diese drei Punkte deuten nach der Geburt eures Kindes daraufhin, dass es sich um eine Plazenta accreta handelt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Plazenta accreta?

Wird bei euch eine Placenta accreta diagnostiziert, empfehlen die Ärzte in den meisten Fällen einen Kaiserschnitt. Dieser soll die Risken für euch und euer Kind minimieren. Schließlich kann es bei einer normalen Geburt, aufgrund der Placenta accreta zu sehr starken Blutungen oder sogar zu einem verzögertem Geburtsverlauf kommen. Genau diese Risiken sollen durch den Kaiserschnitt (Schnittgeburt) minimiert werden. Sollte jedoch eine Placenta praevia vorliegen ergibt sich eine die Entscheidung aus beiden Diagnosen.

Solltet ihr euer Kind trotz alledem auf einem natürlichen Wege zur Welt bringen wollen, erfordert dies in den meisten Fällen einen Eingriff. In solchen Fällen wird euer Mutterkuchen manuell gelöst. Eine Ausschabung eurer Gebärmutter, auch Kürettage genannt, ist in den meisten Fällen ebenfalls notwendig. Selbst wenn es bei euch zu einer starken Form der Placenta accreta kommt, ist eine natürliche Geburt möglich. Allerdings auch nur dann, wenn Euer Geburtskanal nicht durch eine Placenta praevia verschlossen ist.

Kann es durch die Placenta accreta zu Spätfolgen kommen?

Viele Frauen haben Angst, dass es aufgrund der Placenta accreta zu schweren Folgen in der Schwangerschaft kommen kann. In vielen Fällen raten die Ärzte daher schon von Beginn an zu einem Kaiserschnitt, um eben alle weiteren Problematiken und Komplikationen ausschließen zu können. In einer Folgeschwangerschaft muss sich dieses Problem jedoch nicht wiederholen. Wichtig ist, dass ihr bei euren Vorsorgeuntersuchungen schaut, wie der Mutterkuchen liegt, um eventuelle Risiken zu vermeiden.

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