Hoch

Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft & Was dagegen hilft

Nadine Scheiner
21 Jan 2022
8 Min.
Mögen 0
Nicht mögen 0

Die Folge von körperlichen Belastungen sind in der Regel Gelenkschmerzen, die Euch besonders in der Schwangerschaft begleiten werden. Nicht selten kommt es bei Schwangeren zu starken Beschwerden, die alle verschiedene Faktoren mit sich bringen. Allein die Gewichtsbelastung in fortschreitender Schwangerschaft kann zu Gelenkbeschwerden führen.
Doch welche Folgen haben Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft? Welche Möglichkeiten gibt es für die Behandlung und was könnt ihr selbst tun? Mit all den Antworten auf diese offenen Fragen beschäftigen wir uns in dem nachfolgenden Artikel und klären Euch darüber auf, was ihr in der Schwangerschaft gegen Eure Gelenkschmerzen tun könnt.

Pregnancy,Problems.,Pregnant,Woman,Massaging,Her,Swollen,Foot,,Sitting,On
Prostock Studio via shutterstock

Gelenkschmerzen Schwangerschaft – Die Folgen einer starken, körperlichen Belastung

In Eurer Schwangerschaft sind Gelenkschmerzen garantiert nicht selten. Allein durch die körperliche Belastung, der ihr ausgesetzt seid, treten Gelenkschmerzen bei vielen Frauen auf. Ihr dürft nicht vergessen, dass ihr während Eurer Schwangerschaft zwischen 10 kg und 15 kg an Gewicht zunehmt. In Einzelfällen kann das Gewicht sogar noch höher steigen. Für Euren Körper bedeutet dies eine extreme Belastung. Nicht selten kommt es zu gravierenden Gelenkschmerzen, die Euch sogar im Alltag einschränken können.

Euer Körper muss sich erst einmal an diese Last gewöhnen. Besonders Eure Gelenke, Eure Muskeln und Eure Bänder müssen mit der ständig wachsenden Belastung zurechtkommen. Dies kann somit in einigen Fällen zu Schmerzen führen. Unter starken Rückenschmerzen leiden beispielsweise 50 % der Schwangeren Frauen. Bei vielen von ihnen sind fortschreitende Schmerzen in den Gelenken keine Seltenheit mehr. Besonders schwerwiegend werden die Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Gerade durch starkes Übergewicht in der Schwangerschaft, eventuellen Vorerkrankungen und Fehlstellungen kann es zu diesen gravierenden Schmerzen bei Euch kommen.

Es kommt immer darauf an, wie sich Eure Gelenkbeschwerden in der Schwangerschaft bemerkbar machen. Oftmals hängen diese sogar mit genetischen Dispositionen zusammen.

Hormone lockern das Gewebe auf – was passiert mit meinem Körper in der Schwangerschaft?

Euer Körper ist schon ab dem ersten Moment der Schwangerschaft in der Lage, die besten Bedingungen für die Entwicklung Eures Kindes zu schaffen. Dabei spiele Eure Hormone eine entscheidende Rolle, wie den gesamten Verlauf Eurer Schwangerschaft.
Einer der wichtigsten Hormone in Eurem Körper ist das Relaxin. Dieses Hormon arbeitet mit weiteren Hormonen zusammen und bereitet die Gebärmutterschleimhaut bereits auf die Aufnahme der befruchteten Eizelle vor. Seid ihr nicht Schwanger, steigt der Spiegel des Relaxins während Eures Zyklus stark an. Erst in der zweiten Zyklushälfte sinkt der Relaxin-Spiegel wieder ab. Im Falle einer Schwangerschaft steigt dieser weiterhin an, und zwar auch während Eurer Schwangerschaft. Erst im ersten Trimester hat er seinen Höhepunkt erreicht, also in der sogenannten Frühschwangerschaft.

Das Relaxin ist in Eurer Schwangerschaft ein wichtiges Hormon, da es das Gewebe Eures Muttermundes auf die Geburt vorbereitet. Auch die Bänder und Gelenke und das Gewebe des Beckenbodens wird durch dieses Hormon vorbereitet. Solltet ihr in der Schwangerschaft an Gelenkschmerzen leiden, kann das Relaxin mitunter ein Grund dafür sein. Aufgrund der Lockerungen Eures Gewebes werden Eure Gelenke nur noch gering belastet. Das bedeutet, dass Euer Körper in der Zeit sehr stark beansprucht wird. Ihr dürft nicht vergessen, dass er 10 Monate lang auf Höchstleistung läuft und die Höchstleistung auch erbringen muss.

Sollte es selbst bei der Geburt zu Problemen oder Komplikationen kommen besteht die Möglichkeit, dass ihr geburtserleichternde Maßnahmen erhaltet, die Eure Schmerzen lindern können.

Pregnant,Woman,Suffering,Accident,While,Is,Exercising,With,A,Ball
Pheelings media via Shutterstock

Welche Beschwerden treten am häufigsten in der Schwangerschaft auf?

Schwangerschaftsbeschwerden sind nicht selten. Diese treten von Frau zu Frau jedoch unterschiedlich auf. Sollten jedoch die ersten Warnsymptome für Gelenkschmerzen auftreten ist es nicht nur wichtig, diese korrekt zu lokalisieren, sondern auch etwas zu unternehmen.
Folgende Gelenkbeschwerden treten in der Schwangerschaft häufiger auf:

  • Ischias Schmerzen
  • Schmerzen in den Beinen
  • Schmerzen in den Armen und im Handgelenk
  • Gelenkentzündungen aller Art
  • Rückenschmerzen

Natürlich treten nicht alle Beschwerden in der Schwangerschaft auf. Es gibt Schwangeren Frauen, die keinerlei Gelenkschmerzen haben und dementsprechend nur geringe Probleme.

Was passiert bei starken Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft?

Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft sind nicht selten. Viele Frauen haben Probleme mit Wasser im Körper und dadurch auch erhebliche Schmerzen. Gerade in der zweiten Schwangerschaftshälfte kommt es sehr oft zu Wassereinlagerungen, die meistens ein Grund für die wachsenden Gelenkschmerzen sind. Einige Frauen haben sogar Probleme mit Taubheitsgefühlen in bestimmten Körperregionen oder starke Probleme mit den Handgelenken und Armen. Nicht selten handelt es sich hierbei um das sogenannte Karpaltunnelsyndrom, welches heute als einer der häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden anzusehen ist. Das Karpaltunnelsyndrom entsteht genau dann, wenn die Nervenbahnen in den Handwurzeln stark belastet werden. Dadurch kann es zu Wassereinlagerungen kommen.

Linderungen könnt ihr dadurch erfahren, in dem ihr Eure Handgelenke und Hände nicht besonders stark belastet und auch nicht auf ihnen schlaft. Eine Ruhigstellung des betroffenen Handgelenkt, beispielsweise durch eine Schiene kann ebenfalls zu Linderung führen. Viele Frauen schwören zudem auf Akupunktur an den betroffenen Stellen und lassen sich von einem Physiotherapeuten oder Heilpraktiker beraten. Der Besuch bei einem Arzt oder Spezialisten ist für Euch sehr wichtig, besonders wenn es zu sehr starken Schmerzen kommt. In der Regel verschreibt Euch der Arzt ein schmerzlinderndes Medikament, um Eure Nervenbahnen zu beruhigen. In den meisten Fällen sind Gelenkschmerzen und Beschwerden durch das Karpaltunnelsyndrom nach der Geburt verschwunden.

Gelenkschmerzen nach Schwangerschaft was tun? – Natürliche Hilfsmittel

In der Schwangerschaft solltet ihr nicht sofort auf Medikamente zurückgreifen, ohne mit Eurem Arzt gesprochen zu haben. Gerade bei Gelenkschmerzen gibt es noch einige weitere Möglichkeiten, um diese zu lindern. Aus diesem Grund haben wir für Euch die unterschiedlichsten, natürlichsten Hilfsmittel zusammengefasst, mit denen auch Ihr Eure Schmerzen lindern könnt.

  • Wärme hilft immer dabei, Verspannungen zu lösen. Ein warmes Bad kann beispielsweise bei dauerhaften Schmerzen helfen. Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen kann punktuell Abhilfe verschaffen. Testes es gerne aus. Die Wärme tut nicht nur Euch gut, sondern auch Euren Bändern und Gelenken.
  • In Eurer Schwangerschaft ist es zudem sehr wichtig, dass ihr Entlastung bekommt. Gebt Euren Muskeln, Bändern und Gelenken regelmäßige Pausen und überstrapaziert sie nicht. Achtet darauf, dass ihr Eure Ruhephasen in Euren Alltag mit einbindet und gezielt darauf achtet, einfach mal auszuruhen.
  • Ein Verzicht auf schwere, körperliche Arbeit ist während Eurer Schwangerschaft sehr wichtig. Schweren Tragen oder Heben solltet ihr gezielt vermeiden. Besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte ist es wichtig, dass Eure maximale Belastung bei 5 kg liegt. Sprecht dies am besten mit Eurem Arzt oder Eurer Hebamme ab.
  • Psychische Belastung und Stress können ebenfalls Verspannungen auslösen. Oftmals verstärken sie die Schmerzen auch. Seelische Entspannung sollte Euch in Eurer Schwangerschaft sehr wichtig sein. Eine gute Unterstützung dazu könnt ihr Euch in Form von Yoga oder beispielsweise Massagen holen.
  • Viel Bewegung sollte auf Eurem täglichen Tagesplan in Eurer Schwangerschaft stehen. Bewegung hilft nicht nur dabei, Euch fit zu halten, sondern Schmerzen zu lindern. Besonders Euer Rücken und Eure Gelenke werden sich durch mehr Bewegung erholen können. Ihr könnt beispielsweise auch Euren eigenen Rücken kräftigen, in dem ihr Schwimmen geht, Fahrrad fahrt oder einen anderen Ausgleichssport für Euch findet. In erster Linie ist es dabei sehr wichtig, dass Ihr regelmäßig Sport macht oder Euch bewegt.
  • Ein Stillkissen kann Euch in der Nacht unterstützen und dabei helfen, dass ihr Eure Gelenke und Beine entlastet.
  • Eine weitere gute Möglichkeit sind sogenannte Bauchtücher. Mit diesen könnt ihr auf schonende Art und Weise Euren Bauch und Euren Rücken entlasten.

Was tun gegen Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft? -Behandlung mit Medikamenten

Natürlich besteht bei akuten Fällen die Möglichkeit eine medikamentöse Behandlung zu probieren. Diese sollte jedoch nur in Absprache mit Eurem Arzt stattfinden. In der Regel gibt es verschiedene Medikamente, die Euch und Eurem ungeborenen Kind in der Schwangerschaft keinen Schaden zu führen. Es gibt drei Schmerzmittel, denen nachgesagt wird, dass sie in der Schwangerschaft keinerlei Risiken bergen. Diese möchten wir Euch in der nachfolgenden Tabelle genauer vorstellen.
Wichtig: Niemals ein Schmerzmittel nehmen, ohne es mit Eurem Arzt besprochen zu haben. Gerade in der Schwangerschaft kann dies gefährlich sein.

Schmerzmittel Beschreibung
Paracetamol Paracetamol wird von vielen Ärzten in der Schwangerschaft empfohlen und gilt sogar als einer der sichersten Medikamente gegen akute Schmerzen. Experten sind sich jedoch nicht sicher, ob es nicht doch Risiken für das Kind gibt. Forscher fanden heraus, dass die Kinder später an Hyperaktivität, Asthma oder Hodenhochstand leiden. Ob es jedoch einen Zusammenhang mit der Einnahme von Paracetamol gibt, ist bislang unklar. In der Regel zeigt sich Paracetamol als sicheres Schmerzmittel, welches natürlich nicht dauerhaft eingenommen werden sollte.
Ibuprofen Ibuprofen ist ein Schmerzmittel, welches erst bei einer Konzentration von 400 mg oder 600 mg wirkt. Sollte es sich um sehr starke Schmerzen handeln, muss das Ibuprofen bereits in 600 mg mehrmals am Tag eingenommen werden. Auch das ist nur mit Absprache Eures Arztes möglich. Bei allen Medikamenten solltet ihr unbedingt Euren Arzt fragen. Viele Ärzte sagen, dass Ibuprofen in der Schwangerschaft deutlich wirksamer ist als beispielsweise Paracetamol.
Opioide Bei schweren Schmerzen, wie beispielsweise Tumorschmerzen werden des Öfteren Opioide eingesetzt. Selbst nach einem Unfall oder einer Operation, wird mit diesen Mittel gearbeitet. Während Eurer gesamten Schwangerschaft ist es möglich, dass Euer Arzt Euch Opioide verschreibt. Sollte dies erforderlich sein und ihr sehr starke Schmerzen haben, besprecht auch das mit dem Arzt Eures Vertrauens.

 

Nicht immer sind chemische Medikamente bei Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft notwendig. Sollte es trotz alledem notwendig sein, stärkere Medikamente nehmen zu müssen ist es sehr wichtig, sich mit Eurem Arzt abzusprechen. Dieser kann Euch einen Medikamentenplan aufstellen oder auch andere Hilfestellung für Eure Beschwerden bieten. Bei der Einnahme von Medikamenten steht die Gesundheit Eures Kindes im Vordergrund.

The,Woman,Put,Her,Hands,On,Her,Knee,And,Feels
Freeograph via Shutterstock

Homöopathische Mittel in der Schwangerschaft – erlaubt?

Neben den oben genannten Medikamenten könnt ihr in Eurer Schwanger mit homöopathischen Mitteln vorgehen. Besonders bei Gelenkschmerzen gibt es verschiedene Produkte, die helfen können. Beispielsweise könnt ihr folgende Mittel gegen Schmerzen in den Beinen einnehmen:

  • Hamamelis
  • Silicea
  • Aesculus

In der Homöopathie gibt es zahlreiche schmerzlindernden Produkte, die in Eurer Schwangerschaft nicht schädlich sind und auf natürliche Art und Weise auf Euren Körper wirken. Besprecht dies mit Eurer Hebamme oder Eurem Arzt. Dieser kann Euch Produkte nennen, die Euch und Eurem Kind nicht schaden und trotz alledem bei Gelenkschmerzen helfen.
Häufig kann auch Akupunktur in der Schwangerschaft hilfreich sein, um Gelenkbeschwerden und andere Schwangerschaftsprobleme beheben zu können.

Gelenkschmerzen nach der Schwangerschaft noch ein Thema?

Bei vielen Frauen gehen die Gelenkschmerzen nach der Geburt des Kindes zurück. Es gibt aber auch Frauen, die beispielsweise an Rheuma erkranken und weiterhin mit starken Schmerzen zu kämpfen haben. Viele Frauen sprechen wiederum von Gelenkschmerzen beim Stillen. Dies muss jedoch keine rheumatische Erkrankung sein. Es kann vorkommen, dass ihr nach der Schwangerschaft Beschwerden habt. Ihr dürft nicht vergessen, dass Euer Gewicht erst einmal wieder sinken muss. Nach der Geburt des Kindes ist es zwar schon weniger, jedoch muss Euer Körper wieder in seinen Ursprung zurückkehren.

Viele Betroffene Frauen, die nach der Geburt oder beim Stillen Gelenkschmerzen haben, sprechen vor allem von Schmerzen in den Fingern und Händen. Auch Schmerzen in den Fußgelenken und Knien sind nicht selten. Diese treten morgens nach dem Aufstehen oder aber nach längeren Ruhephasen auf. Sollte es daher auch nach der Schwangerschaft zu Problemen mit Euren Gelenken und akuten Schmerzen kommen, scheut Euch nicht Euren Arzt anzusprechen. In den meisten Fällen können Physiotherapien und Ergotherapien helfen, Eure Beschwerden dauerhaft zu lindern.
Es kann sogar passieren, dass Eure Schlafposition an den ständigen Verspannungen und Schmerzen schuld ist. Auch das könnt ihr mit Eurem Arzt besprechen.

Teilen:

Kommentar schreiben

Teilen: