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Erkrankungen in der Schwangerschaft – Eine Übersicht

Nadine Scheiner
19 Jan 2022
4 min.
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Das vorherrschende Idealbild von einer Schwangeren zeigt eine strahlende gesunde Frau. Allerdings entspricht das nicht immer der Realität. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ihr durch die körperlichen Veränderungen an einer Reihe unterschiedlicher Symptome leidet. Die meisten Anzeichen sind in der Regel harmlos. Doch auch in der Schwangerschaft werdet ihr nicht von Krankheiten verschont. Einige Infektionen können für euch oder euer Kind gefährlich werden. Darüber hinaus gibt es auch schwere Erkrankungen, die durch die Schwangerschaft selbst verursacht werden. Aus diesem Grund sind die regelmäßigen Untersuchungen wichtig.

Krankheiten Schwangerschaft
KieferPix via Shutterstock

Welche Erkrankungen können in der Schwangerschaft vorkommen?

Es kann sein, dass ihr in der Schwangerschaft unter Erkrankungen und Beschwerden leidet, die direkt mit dem aktuellen Zustand zusammenhängen. Dann spricht man auch von Schwangerschaftserkrankungen. Einige Erkrankungen treten wirklich nur in der Schwangerschaft auf und werden daher als schwangerschaftsspezifische Erkrankungen bezeichnet.

Die Schwere der schwangerschaftsbedingten Erkrankungen kann sehr unterschiedlich sein. Einige können für Mutter oder Kind lebensbedrohlich werden. Es kann aber auch sein, dass euch eine Krankheit in der Schwangerschaft erwischt, die zu jedem anderen Lebenszeitpunkt auch auftreten kann. Die unterschiedlichen Krankheiten können zum Beispiel wie folgt eingeteilt werden:

  • Internistische Erkrankungen in der Schwangerschaft
  • Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft
  • Infektionen in der Schwangerschaft
  • Psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett

Internistische Erkrankungen in der Schwangerschaft

Unter dem Begriff „Internistische Erkrankungen“ werden alle Krankheiten zusammengefasst, die die inneren Organe betreffen. Dabei sind vor allem die folgenden Erkrankungen bedeutend in der Schwangerschaft:

  • Gestationsdiabetes
  • Thrombosen
  • Rhesusunverträglichkeit
  • Plazentainsuffizienz

Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt dann vor, wenn der Blutzuckerspiegel zum ersten Mal in dieser Zeit gestört ist. Allerdings müssen dazu bestimmte Werte überschritten werden. Genauso wie bei einem außerhalb der Schwangerschaft vorkommenden Diabetes spielen sowohl genetische Faktoren als auch der Lebensstil eine Rolle. Daher kommt Schwangerschaftsdiabetes in den Industrienationen öfter vor. Durch eine regelmäßige Überprüfung der Blutzuckerwerte, eine gesunde Ernährung und, in schweren Fällen, die Gabe von Insulin lässt sich der Gestationsdiabetes gut beherrschen.

Bei einer Rhesusunverträglichkeit kann die Mutter Antikörper gegen das Blut des Kindes bilden. Dazu muss die Frau die Blutgruppe Rhesus-negativ haben und das Kind muss Rhesus-positiv sein. Das ist in der Regel kein Problem für das erste Kind. In der zweiten Schwangerschaft kann es aber zu Schwierigkeiten kommen. Aus diesem Grund prüfen Frauenärzte die Blutgruppe der Schwangeren.

Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft

Unter dem Begriff Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen werden Krankheiten zusammengefasst, die vor allem durch Bluthochdruck gekennzeichnet sind. Hierunter werden vor allem die folgenden Erkrankungen zusammengefasst:

  • Präeklampsie
  • Eklampsie
  • HELLP-Syndrom

Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft wurden früher auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Zusätzlich wird oft der Begriff Gestose genutzt. Sie treten vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf. Neben dem hohen Blutdruck zeigen sich weitere Symptome. Dazu zählen:

  • Erhöhte Eiweißausscheidung
  • Oberbauchschmerzen
  • Starke Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Anfälle

Wenn ihr solche Anzeichen bei euch bemerkt, solltet ihr umgehend euren Gynäkologen oder eure Gynäkologin aufsuchen. Unbehandelt können die hypertensiven Erkrankungen eine Reihe von Komplikationen nach sich ziehen und sogar zum Tod von Mutter und Kind führen. Patientinnen, die schon vor der Schwangerschaft Bluthochdruck hatten, sollten besondere Vorsicht walten lassen.

Salmonellen in der Schwangerschaft
ChameleonsEye via Shutterstock

Infektionen in der Schwangerschaft

Die hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft machen euch empfindlich gegenüber diversen Infektionskrankheiten, weil das Immunsystem abgeschwächt ist. Potenziell gefährliche Infektionen sind unter anderem:

  • Röteln
  • Grippe
  • Windpocken
  • Ringelröteln (Parvovirus B19)
  • Toxoplasmose (Toxoplasma gondii)
  • Masern
  • Mumps
  • Hepatitis
  • Zytomegalie
  • Herpes
  • Lyme-Borreliose
  • Zikavirus
  • Scharlach

Vor der Schwangerschaft könnt ihr euren Impfstatus überprüfen lassen und fehlende Impfungen nachholen. Auch während der Schwangerschaft könnt ihr einige Impfungen bekommen, wenn ihr erst dann feststellt, dass etwas fehlt. In der Regel sind das die Impfungen, bei denen ein Totimpfstoff genutzt wird. Injektionen mit einem Lebendimpfstoff werden dagegen meist nicht in der Schwangerschaft durchgeführt.

Allerdings gibt es nicht für alle möglichen Erreger einen Impfstoff. Daher solltet ihr gängige Hygieneregeln immer gut beachten. Euer Arzt kann auch überprüfen, ob ihr schon Antikörper durch eine frühere Infektion gebildet habt. Das erfolgt mittels einer Überprüfung des Titers im Blut. Ist bereits eine Resistenz vorhanden, könnt ihr eventuell auf einige Vorsichtsmaßnahmen verzichten. Das solltet ihr aber immer mit eurem Arzt besprechen.

Viele Erkrankungen können Fehlbildungen und Organschädigungen beim Kind verursachen. Daher solltet ihr immer beim Arzt vorstellig werden, wenn ihr krank seid. Eine rechtzeitige Gabe von passenden Medikamenten, wie zum Beispiel Antibiotika, kann für eine schnelle Ausheilung sorgen, und oft Probleme verhindern.

Psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett

In der Schwangerschaft und im Wochenbett könnt ihr unter Umständen auch an psychischen Erkrankungen leiden. Dazu zählen unter anderem:

  • Wochenbettdepression
  • Wochenbettpsychose

Besonders in der sensiblen Phase des Wochenbetts kann eure Psyche sehr leiden und erkranken. Die hormonelle Umstellung und die körperliche Belastung können bei vielen Frauen in den ersten Tagen zum sogenannten „Baby Blues“ führen. Manchmal wird diese Zeit auch als Heultage bezeichnet. Sie zeigt sich durch schnelle Stimmungswechsel, eine Neigung zum Weinen und eine hohe emotionale Empfindlichkeit. Dadurch ähnelt sie einer Depression. In der Regel geht der Baby Blues aber schon nach wenigen Tagen wieder vorbei.

Eine Wochenbettdepression, in der Fachsprache postnatale Depression, tritt dagegen meist erst nach sechs bis zwölf Wochen auf. Sie ist durch verschiedene psychische und körperliche Symptome gekennzeichnet und hält länger an. Der Zustand kann sich auch negativ auf die Beziehung von Mutter und Kind auswirken. Es ist wichtig, dass ihr euch ärztliche Hilfe sucht, wenn ihr die Vermutung habt an einer Wochenbettdepression erkrankt zu sein. Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass auch die Väter von dieser psychischen Erkrankung betroffen sein können.

Davon abzugrenzen ist eine Wochenbettpsychose. Sie beginnt häufig ungefähr zwei Wochen nach der Entbindung. Dabei kann es zu depressiven und manischen Verstimmungen kommen. Auch Halluzinationen, Angst- und Wahnzustände können auftreten. Auch bei einer solchen Symptomatik ist eine schnelle Behandlung wichtig.

Fazit – Nutzt die Vorsorgeuntersuchungen

Egal ob ihr schon vor der Schwangerschaft unter Vorerkrankungen gelitten habt, oder ganz gesund wart, ihr solltet immer auch die Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Hebamme in Anspruch nehmen. Die Fachleute können eure individuellen Risikofaktoren beurteilen und euch beraten. Sie können einschätzen, ob ihr besonders auf bestimmte Symptome achten müsst, und werden auch im Ernstfall behandeln. Viele Erkrankungen in der Schwangerschaft lassen sich inzwischen gut beherrschen, wenn sie frühzeitig bemerkt werden.

FAQ - Erkrankungen in der Schwangerschaft

Welche Krankheiten sind gefährlich für Schwangere?

Für eine Schwangere und ihr Kind können verschiedene Erkrankungen problematisch sind. Das sind zum einen bestimmte Infektionen, zum anderen bestimmte Krankheiten, die durch die Belastung des Körpers in der Schwangerschaft ausgelöst werden.

Was ist eine Schwangerschaftsbedingte Erkrankung?

Unter diesem Begriff versteht man eine Krankheit, die durch eine Schwangerschaft verursacht wird.

Ist man in der Schwangerschaft anfälliger für Erkrankungen?

Ja, ihr seid in der Schwangerschaft anfälliger für Infektionen. Das Immunsystem wird durch die hormonelle Umstellung herunterreguliert.

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