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Eileiterschwangerschaft – Anzeichen, Gefahren und Behandlung

Nadine Scheiner
20 Jan 2022
7 Min.
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Eine Schwangerschaft ist ein großes Ereignis im Leben. Damit verbunden sind viele verschiedene Gefühle, Hoffnungen und Wünsche. Mit einem bestehenden Kinderwunsch herrscht sicher auch große Freude bei euch. Leider läuft eine Schwangerschaft jedoch nicht immer ohne Komplikationen ab. Eine der schwersten Komplikationen in den ersten Schwangerschaftswochen ist das Vorliegen einer Eileiterschwangerschaft.

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Was ist eine Eileiterschwangerschaft?

Unter dem Begriff der Eileiterschwangerschaft versteht man eine Komplikation in der Frühschwangerschaft, bei der sich die befruchtete Eizelle nicht an der richtigen Stelle eingenistet hat. Im Normalfall erfolgt die Befruchtung der Eizelle im Eileiter. Die Eizelle ist nach dem Eisprung vom Eileiter aufgenommen worden und die Samenzelle sind von der Vagina über den Uterus bis zum Ort der Befruchtung gewandert.

 

Nach der Verschmelzung der Zellen wird die Eizelle durch kleinste Flimmerhärchen in Richtung der Gebärmutter weiter transportiert, während die ersten Zellteilungen stattfinden. Im Uterus angekommen kann sich der kleine Embryo dann in die Gebärmutterschleimhaut einnisten. Am Ort der Einnistung entsteht die Plazenta, die Mutter und Kind verbindet und für den Austausch der Nährstoffe sorgt.

 

Bei einer Eileiterschwangerschaft läuft dieser Prozess nicht wie normal ab. Die befruchtete Eizelle gelangt nicht bis in die Gebärmutterhöhle. Daher findet die Einnistung im Eileiter statt. Mediziner sprechen auch von einer Tubargravidität.

 

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Welche Anzeichen gibt es für eine Eileiterschwangerschaft?

Am Anfang der Eileiterschwangerschaft erlebt eine Frau in den meisten Fällen die gleichen Symptome wie bei einer intakten Schwangerschaft. Zu diesen zählen unter anderem:

 

  • Ausbleiben der Periode
  • Übelkeit
  • Spannungsgefühle in der Brust
  • Ein positiver Schwangerschaftstest

 

Oftmals ist der Wert des Schwangerschaftshormons auch vergleichbar mit dem in einer intakten Schwangerschaft. In einigen Fällen kann aber ein langsamerer Anstieg beobachtet werden. Im Verlauf der Frühschwangerschaft können bei einer Eileiterschwangerschaft zusätzliche Beschwerden wie Blutungen und krampf- oder wehenartige Schmerzen im Unterbauch auftreten.

 

Es ist jedoch wichtig zu bemerken, dass auch bei einer intakten Schwangerschaft Unterbauchschmerzen und Schmierblutungen auftreten können. Wird die Eileiterschwangerschaft erst spät entdeckt kann es zu einer Tubarruptur kommen. Das bedeutet, dass der Eileiter einreißt. In diesem Stadium haben Schwangere starke und oft einseitige Schmerzen. Zusätzlich können die Frauen eine Blutung und Kreislaufbeschwerden erleiden. Auch Rückenschmerzen sind möglich.

 

Ab wann die Symptome auftreten, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Der Eileiter ist nicht überall gleich weit. Besonders im Bereich kurz vor der Gebärmutterhöhle ist er sehr eng. Wenn das Embryonalgewebe dagegen im geräumigen Eileitertrichter, der Ampulle eingenistet ist, kann es sich weiter entwickeln als an anderen Stellen. Generell treten starke Schmerzen und Blutungen in der 6. Bis 9. Schwangerschaftswoche auf. Diese Symptome können sich plötzlich zeigen oder über einen längeren Zeitraum im Schwangerschaftsverlauf immer mehr zunehmen.

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Welche Ursachen gibt es für eine Eileiterschwangerschaft?

Die genauen Ursachen für das Entstehen einer Eileiterschwangerschaft sind nicht immer eindeutig auszumachen. Wissenschaftliche Studien konnten aber im Laufe der Zeit einige mögliche Gründe ausmachen. Die Forschung ist hier allerdings noch nicht an einem Endpunkt angekommen und es gibt noch einige Unklarheiten, die in weiteren Untersuchungen geklärt werden müssten. Bisher gehen Mediziner und Forscher von den folgenden Ursachen aus:

 

  • Der Eileiter ist undicht
  • Der Eileiter weist Fehlbildungen auf
  • Die Gebärmutter ist nicht in der richtigen Lage
  • Es gab frühere Bauchoperationen
  • Es gab eine künstliche Befruchtung
  • Es erfolgte eine Verhütung mit der Spirale
  • Es gab inzwischen ausgeheilte Eileiterentzündungen
  • Es gab eine frühere Eierstockentzündung
  • Es liegt eine Endometriose vor
  • Es gab bereits eine Fehlgeburt
  • Die Schwangere ist Raucherin

 

Generell wird von einer Schädigung der Eileiter ausgegangen. Das können Verklebungen, Verwachsungen oder Narben aufgrund von Operationen und Infektionen sein. Oder es gibt angeborene anatomische Besonderheiten.

 

Weil die genauen Ursachen nicht immer einfach ausgemacht werden können, kann eine Eileiterschwangerschaft im Vorfeld nicht sicher verhindert werden. Es kann aber hilfreich sein, wenn Entzündungen und Infektionen im Bereich der Eileiter möglichst schnell behandelt werden. Dann kann das Risiko von Verklebungen reduziert werden. Wenn ein Verdacht vorliegt, kann die Eileiterdurchlässigkeit geprüft und Vernarbungen behandelt werden.

Welche Gefahren birgt eine Eileiterschwangerschaft?

Die Folgen einer Eileiterschwangerschaft können gravierend sein. Unerkannt kann sie für die Mutter lebensgefährlich werden. Das liegt vor allem daran, dass die wachsende Frucht im Laufe der ersten Schwangerschaftswochen zu groß für den Eileiter wird. Das Gewebe reißt ein und es kommt zu starken Blutungen. Dieses Ereignis wird in der medizinischen Fachsprache als Tubarruptur bezeichnet. Der erhebliche Blutverlust kann zu Kreislaufproblemen führen und unbehandelt mit dem Tod der Frau enden.

 

Ab wann eine Eileiterschwangerschaft gefährlich wird, hängt von der genauen Position des Schwangerschaftsgewebes im Eileiter ab. In der Nähe des Eierstockes ist etwas mehr Platz als in der Nähe der Gebärmutter. Allgemein lässt sich sagen, dass es etwa in der sechsten bis neunten Woche zu Schmerzen kommt und eine Ruptur droht.

 

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann eine Eileiterschwangerschaft zu Komplikationen für den weiteren Kinderwunsch führen. Oft muss der betroffene Eileiter entfernt werden, was zu Funktionseinbußen führt. In einigen Fällen benötigen betroffene Frauen bei einem weiteren Kinderwunsch die Hilfe einer Kinderwunschklinik.

 

Darüber hinaus kann es auch zu weiteren Verwachsungen kommen und das Risiko für eine weitere Eileiterschwangerschaft ist erhöht. Das ist vor allem auch dann der Fall, wenn der betroffene Eileiter erhalten werden konnte.

Ab wann ist eine Eileiterschwangerschaft erkennbar?

Grundsätzlich lässt sich eine Eileiterschwangerschaft über die auftretende Symptomatik nicht eindeutig diagnostizieren. Im fortgeschrittenen Stadium kann ein erfahrener Gynäkologe oder eine Gynäkologin die Fruchtanlage im Eileiter ertasten. Darüber hinaus können Unterleibsschmerzen und eine Blutung weitere Hinweise im typischen Krankheitsbild sein.

 

Bei einem Verdacht wird die Frauenärztin oder der Frauenarzt weitere Untersuchungen durchführen. Dazu wird meist der HCG-Wert im Blut bestimmt und eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Oft werden die Werte zur Überwachung auch im Abstand von zwei bis drei Tagen noch ein zweites Mal ermittelt. So kann der behandelnde Mediziner den Verlauf des Schwangerschaftshormons beurteilen. Der Anstieg ist bei einer Eileiterschwangerschaft oft geringer als bei einer intakten Schwangerschaft.

 

Eine Eileiterschwangerschaft kann erst durch ein Ultraschallbild eindeutig diagnostiziert werden. Dabei ist die Gebärmutter meist leer oder es befindet sich nur eine Pseudofruchthülle ohne Embryo im Uterus. In vielen Fällen kann die Embryonalanlage dann im Eileiter dargestellt werden.

 

Wenn die Ultraschalluntersuchungen kein klares Bild ergeben, kann eine Bauchspiegelung zur Abklärung in einer Klinik gemacht werden. Bei diesem Eingriff, der auch Laparoskopie genannt wird, werden die medizinischen Instrumente über kleine Schnitte in der Bauchdecke in den Bauchraum eingeführt.

Wie wird eine Eileiterschwangerschaft behandelt?

Wenn bei euch eine Eileiterschwangerschaft diagnostiziert wurde, muss in der Regel eine Behandlung mit Medikamenten oder eine Operation durchgeführt werden. Unter Umständen kann es zu einem natürlichen Schwangerschaftsabbruch kommen, wenn der Embryo rasch aufgrund der mangelhaften Versorgung abstirbt. In der Fachsprache sprechen Spezialisten von einem Tubarabort.

 

Wenn die Eileiterschwangerschaft früh entdeckt wird, kann eine medikamentöse Therapie erfolgreich sein. Hierzu werdet ihr zum Beispiel das Medikament Methotrexat verabreicht bekommen. Das Medikament hemmt das Wachstum der befruchteten Eizelle und führt dazu, dass sie abstirbt. Dann kann euer Körper das Gewebe abstoßen. Auch nach einer Operation kann Methotrexat eingesetzt werden, wenn der Verdacht auf zurückgebliebenes Gewebe besteht. Aufgrund der Wirkung der Medikamente müsst ihr nach der Behandlung mit einer erneuten Schwangerschaft etwa sechs bis zwölf Monate warten. Hierzu wird euch euer Arzt beraten.

 

Wenn bei Patientinnen schon starke Schmerzen und Blutungen auftreten, kann eine Bauchoperation in der Regel nicht verhindert werden. Auch bei einer weit fortgeschrittenen Eileiterschwangerschaft kann meist nicht auf die Wirkung von Medikamenten gewartet werden. Bei der Operation wird im günstigsten Fall das Schwangerschaftsgewebe aus dem Eileiter entfernt. In komplizierten Fällen muss dagegen eine Salpingektomie durchgeführt werden. Das bedeutet, dass der betroffene Eileiter entfernt werden muss.

 

In einigen Fällen kann auch eine abwartende Therapie mit der Hoffnung auf einen natürlichen Abbruch erfolgen. Das ist jedoch nur möglich, wenn die Eileiterschwangerschaft bei euch früh entdeckt wurde. Ihr werdet aber laufend überwacht, damit ein kritischer Zustand nicht übersehen wird.

 

Nach jeder Art der Behandlung sollte in der Nachsorge noch über einige Zeit der Verlauf des HCG-Wertes beobachtet werden. Die Kontrolle sollte so lange durchgeführt werden, bis das Hormon nicht mehr nachweisbar ist. Erst dann könnt ihr und euer Arzt sicher sein, dass kein Schwangerschaftsgewebe mehr vorhanden ist.

 

Wie unterscheidet sich eine Eileiterschwangerschaft von einer Bauchhöhlenschwangerschaft?

Neben dem Begriff der Eileiterschwangerschaft gibt es auch noch den Begriff der Bauchhöhlenschwangerschaft. Falls ihr euch jetzt fragt, was eine Bauchhöhlenschwangerschaft ist, könnt ihr im folgenden Abschnitt eine Antwort und wichtige Infos finden.

 

Beide Wörter beschreiben jeweils eine Form der extrauterinen Schwangerschaft. Das bedeutet, dass sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter eingenistet hat. Die Gebärmutter wird in der Fachsprache auch als Uterus bezeichnet. Weitere Fachbegriffe für eine Bauchhöhlenschwangerschaft sind:

 

  • Abdominalgravidität
  • Abdominalschwangerschaft
  • Peritonealgravidität

 

Bei einer Extrauteringravidität (EUG) kann die Einnistung an verschiedenen Stellen erfolgen. Dazu gehören der Eileiter und die Bauchhöhle. Aber auch am Eierstock, in der Gebärmutterwand, am Darm oder im Gebärmutterhals kann der Embryo sich einnisten. Von einer EUG sind etwa 2 Prozent der Schwangeren betroffen. Eine Bauchhöhlenschwangerschaft kann auch nach einer Gebärmutterentfernung oder einer Sterilisation auftreten.

 

Der Embryo stirbt in der Bauchhöhle oft ab, bevor es zu Beschwerden kommen kann. Das geschieht, weil keine ausreichende Versorgung des Kindes aufgebaut werden kann. Die Gewebe im Bauchraum sind im Gegensatz zur Gebärmutterschleimhaut nicht für diesen Zweck spezialisiert. Im Bauchraum ist mehr Platz als im Eileiter, daher kommt es oft nicht zu den gleichen Schmerzen wie bei einer Eileiterschwangerschaft.

 

Wenn der Embryo nicht von selbst abstirbt, ist eine Bauchhöhlenschwangerschaft trotz des Platzes mit vielen Risiken verbunden. Mögliche Folgen sind innere Blutungen oder Entzündungen. Darüber hinaus kann die Plazenta mit den inneren Organen verwachsen. Das Überleben des Kindes ist äußerst unwahrscheinlich.

 

Weil auch eine Bauchhöhlenschwangerschaft die gleichen Anzeichen und Symptome verursacht wie eine normale Schwangerschaft, kann sie oft erst beim ersten Ultraschall entdeckt werden. Wenn euer Arzt oder eure Ärztin bei dieser Untersuchung keine Fruchtanlage in der Gebärmutter entdecken kann, wird er oder sie im restlichen Bauchraum nach dem Embryo suchen.

 

FAQ

Wie fühlt man sich bei einer Eileiterschwangerschaft?

Zunächst fühlt ihr euch wie bei einer intakten Schwangerschaft. Später können Schmerzen dazu kommen.

 

Ab wann entstehen bei einer Eileiterschwangerschaft Schmerzen?

Bei einer Eileiterschwangerschaft können ab der sechsten Woche Schmerzen auftreten.

 

Wann kann man eine Eileiterschwangerschaft feststellen?

Eine ektope Schwangerschaft kann eindeutig festgestellt werden, wenn sie im Ultraschallbild sichtbar wird.

 

Wo sind die Schmerzen bei einer Eileiterschwangerschaft lokalisiert?

Bei einer Eileiterschwangerschaft entstehen oft einseitige Schmerzen im Unterbauch.

 

Was wird beim Vorliegen einer Eileiterschwangerschaft gemacht?

Beim Vorliegen einer Eileiterschwangerschaft erfolgt eine engmaschige Überwachung. Zusätzlich können Medikamente gegeben oder eine Operation durchgeführt werden.

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