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Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft erkennen und behandeln

Nadine Scheiner
12 Aug 2021
4 min.
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Eine Blinddarmentzündung ist eher selten in der Schwangerschaft, kann für Euch allerdings gefährlich werden. Besonders tückisch daran ist, dass eine Entzündung des Blinddarms mit starken Schmerzen im Unterbauch und Übelkeit verbunden ist, die in der Schwangerschaft als gängige Symptome einzuordnen sind. Demnach werden die Beschwerden oftmals mit den normalen Schwangerschaftsbeschwerden verwechselt.

Doch ab wann sollte man bei einer Blinddarmentzündung zum Arzt gehen? Was sind die ersten Anzeichen für diese Erkrankung und welche Ursachen stecken dahinter? Mit genau diesen Fragen haben wir uns in diesem Artikel befasst und möchten Euch gerne über die Anzeichen einer Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft aufklären.

Blinddarmentzündung und Schwanger
Von Greanlnw studio -Shutterstock

Blinddarmentzündung Schwangerschaft – Was steckt hinter der Erkrankung?

Eine Blinddarmentzündung (lat. Appendizitis) liegt genau dann vor, wenn der Wurmfortsatz entzündet ist. Der Wurmfortsatz befindet sich am Blinddarm und hängt sozusagen an ihm dran. Der Blinddarm selbst ist von der Entzündung nicht betroffen. Meistens kommt es zu einer Appendizitis, wenn sich Fremdkörper oder Stuhlreste zwischen dem Blinddarm und dem Wurmfortschatz befinden und diese blockieren.

In der Schwangerschaft ist eine Blinddarmentzündung erst dann gefährlich, wenn sie nicht rechtzeitig oder zu spät entdeckt ist. In der Regel bleibt die Entzündung dann ohne jegliche Folgen für Euch und Euer ungeborenes Kind. Wird die Blinddarmentzündung jedoch zu spät erkannt und behandelt, kann Lebensgefahr für Euch beide bestehen. Nimmt die Entzündungsreaktion beispielsweise am Wurmfortsatz zu, kann es zu einem Durchbruch des Organs kommen. Das bedeutet, dass Eiter und Stuhl in Eure Bauchhöhle eindringen können, was wiederum eine schwere Bauchfellentzündung auslösen kann. Ohne eine Behandlung kann auch diese Erkrankung tödlich sein. Es kann zu einem Blinddarmdurchbruch kommen, bei dem Lebensgefahr besteht.

Umso wichtiger ist es, die ersten Anzeichen einer Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft ernst zu nehmen und einen Arzt zu kontaktieren.

Die ersten Anzeichen einer Blinddarmentzündung

In der Schwangerschaft sind die ersten Anzeichen einer Blinddarmentzündung eher unspezifisch. Oftmals werden sie von Betroffenen nicht sonderlich ernst genommen und als einfache Schwangerschaftsbeschwerden gesehen. Bauchschmerzen im Bereich des Nabels sind typisch für eine Appendizitis. Im Verlaufe der Entzündung können die Schmerzen jedoch im Körper wandern. Bei Frauen, die nicht schwanger sind, wandern die Schmerzen eher in den rechten Unterbauch Bereich. Daher lassen sich die Schmerzen bei einer Blinddarmentzündung viel einfacher lokalisieren als bei schwangeren Frauen.

Neben der Wanderung des Schmerzes kann wird dieser eher als stechend und dumpf angesehen. Schwangere nehmen diese Schmerzen vor allem im Rücken wahr. Leider sind Rückenschmerzen ein häufiges Symptom in der Schwangerschaft, sodass viele Frauen nicht sofort an eine Blinddarmentzündung denken. Oftmals treten jedoch zusätzliche Symptome, wie beispielsweise Erbrechen, Übelkeit und Fieber mit auf.

Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft – Die Symptome

Schmerzen auf der rechten Seite des Bauches gehören mit zu den gängigsten Symptomen einer Blinddarmentzündung. Am Anfang Eurer Schwangerschaft können diese in den mittleren bis hin zur rechten Seite des Bauches wandern. Erst ab der 28. Schwangerschaftswoche, wenn Eure Gebärmutter größer wird, wandern die Schmerzen der Entzündung in den Oberbauch und können deutlich einfacher lokalisiert werden.

Weitere Symptome für eine Blinddarmentzündung sind die folgenden:

  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Fieber
  • Verspannungen an der Bauchdecke

Gefährlich wird eine Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft genau dann, wenn die Schmerzen plötzlich nachlassen. Meistens muss der Blinddarm dann rausoperiert werden. Sollten bei Euch Bauchschmerzen auftreten, die ihr in der Form vorher nicht kanntet, sucht den Weg zum Arzt.

Blinddarmentzündung Ultraschall
Von Serhii Bobyk - Shutterstock

Die Diagnose einer Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft

In der Regel werden Blinddarmentzündungen in der Schwangerschaft durch klinische Einschätzungen festgestellt. Der Arzt untersucht Euch und schaut, welche körperlichen Symptome mit einer Blinddarmentzündung in Verbindung setzen. Anschließend kann eine Blutuntersuchung oder eine Ultraschalluntersuchung helfen. Beide Verfahren helfen in dem Fall bei der Beweisstellung der Entzündung. Handelt es sich um einen akuten Fall werden weitere Verfahren zur Sicherung der Diagnose benutzt. Häufig entnehmen die Ärzte sogar ein Stück des Wurmfortsatzes und führen eine feingewebliche Untersuchung durch.

Die Behandlung einer Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft

Generell versuchen die Ärzte von einer Operation in der Schwangerschaft abzusehen. Schließlich stellt eine Vollnarkose währenddessen nicht nur für Euch selbst, sondern auch für Euer ungeborenes Kind. Bei einer akuten Blinddarmentzündung ist eine Operation (auch Appendektomie genannt) meistens nicht mehr vermeidbar.
In der Regel setzen die Ärzte Antibiotikatherapie gegen die Entzündung ein. Bei einem akuten Fall reichen diese jedoch nicht mehr aus.

Die Risiken bei einer Blinddarmoperation in der Schwangerschaft sind zwar niedriger als bei einem Darmdurchbruch. Trotz alledem sind sie da. Daher ist es wichtig, dass im Falle einer Operation alle Bedingungen an diese angepasst werden. Schwangere brauchen eine deutlich höhere Sauerstoffversorgung als andere Frauen. Das Blutvolumen, der Blutdruck und auch die Pulsfrequenz sind während der Schwangerschaft erhöht. Darauf muss sich das gesamte Team bei der Operation einstellen.

Generell stehen Schwangeren bei einer Blinddarmentzündung genau die gleichen Behandlungsmethoden zur Verfügung, wie Frauen, die nicht schwanger sind. Bei einer herkömmlichen Blinddarmentzündung wird die Bauchschnitttechnik oder die Schlüssellochtechnik angewandt. Bei einer Bauchschnitttechnik ist das Risiko in der Schwangerschaft jedoch deutlich geringer, sodass der Arzt sich für genau die Methode entscheidet, die für Euch und Euer Kind am risikofreisten ist.

Blinddarmentzündung Schwangerschaft
Von Africa Studio - Shutterstock

Wie lange kann eine Blinddarmentzündung dauern?

In der Schwangerschaft können sich die Symptome einer Blinddarmentzündung innerhalb weniger Stunden oder Tage verschlechtern. Meistens halten die Beschwerden, je nach Stärke der Entzündung, mehrere Tage bis hin zu Wochen an.
Sollte es jedoch zu Symptomen kommen, lasst diese bei Eurem Arzt abklären. Je eher Eure Blinddarmentzündung erkannt wird, umso schneller kann diese behandelt werden. Ist die Entzündung akut, kommt ihr um eine Operation nicht drumherum. Gerade dann ist es wichtig, dass diese ohne jeglichen Zeitverzug durchgeführt werden kann. Die Operation selbst dauert, ohne Komplikationen nicht einmal eine Stunde. Nach der Operation folgen für Euch einige Tage im Krankenhaus zur Kontrolle.

Kann man einer Blinddarmentzündung vorbeugen?

Es ist unmöglich sich vor einer Blinddarmentzündung in der Schwangerschaft zu schützen oder vorzubeugen. Fremdkörper, wie beispielsweise Kirschkerne oder Kerne einer Wassermelone solltet ihr meiden. Die Kerne können mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Blinddarmentzündung auslösen. Außerdem solltet ihr darauf achten, dass ihr Euch gesund ernährt und eine gesunde Verdauung habt. Das bedeutet, dass ihr nicht an Verstopfungen leidet und auch keinerlei Kot-Reste in Eurem Darm verbleiben. Auch das kann eine Blinddarmentzündung hervorrufen.
Hilfreich ist es, wenn ihr auf die kleinsten Anzeichen und Signales Eures Körpers in der Schwangerschaft hört. Sollte Euch etwas komisch vorkommen oder ihr unerwartet Schmerzen bekommen kontaktiert am besten Euren Arzt. Geht lieber einmal mehr zur Untersuchung als zu spät.

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