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Bauchschmerzen in der Schwangerschaft – Mögliche Ursachen und hilfreiche Tipps

Nadine Scheiner
29 Dez 2021
6 min.
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Bauchschmerzen sind ein Symptom, dass häufiger in der Schwangerschaft auftreten kann. In den meisten Fällen entsteht ein unangenehmes Ziehen oder ein schmerzhafter Druck durch die großen körperlichen Veränderungen, die schwangere Frauen durchmachen. Gerade bei starken oder plötzlich einsetzenden Bauch- und Unterleibsschmerzen können aber auch ernsthafte Erkrankungen die Ursache sein. Ihr findet hier Tipps, wie ihr euch Verhalten solltet, welche Gründe es für Bauchschmerzen in der Schwangerschaft gibt und welche Tipps euch Linderung verschaffen können.

Bauchschmerzen in der Schwangerschaft
Prostock-studio via Shutterstock

Wie fühlen sich Bauchschmerzen in der Schwangerschaft an?

Bauchschmerzen können in der Schwangerschaft mit sehr unterschiedlichen Empfindungen auftreten. Unter den Beschreibungen findet man zum Beispiel folgende Wortwahl:

  • Stechend
  • Ziehend
  • Pochend
  • Stumpf
  • Krampfartig
  • Ziepen

Alleine diese Bandbreite der Empfindungen macht deutlich, wie oft Bauchschmerzen in der Schwangerschaft auftreten und wie unterschiedlich sie sein können.

Warum können in der Schwangerschaft Bauchschmerzen auftreten?

Oftmals werden die Bauchschmerzen durch die Veränderungen der Schwangerschaft hervorgerufen. Relativ harmlose Ursachen für die Schmerzen sind unter anderem:

  • Einnistung der befruchteten Eizelle
  • Wachstum der Plazenta
  • Ziehen der Mutterbänder
  • Dehnungsschmerzen im Bereich der Bauchdecke
  • Verdauungsbeschwerden
  • Platzmangel
  • Ein retrovertierter, das heißt abgeknickter, Uterus

Besonders häufig nehmen Schwangere das Ziehen der Mutterbänder als unangenehm wahr. Diese Strukturen bestehen aus Muskelsträngen, die die Gebärmutter in ihrer Lage stabilisieren. Durch das enorme Wachstum des Uterus werden diese Bänder und Muskeln stark belastet. Die Anpassung an die Belastung zeigt sich besonders häufig im zweiten Trimester. Besonders oft sind die Krämpfe und das Ziehen auf der rechten Seite des Bauches zu spüren, weil die Gebärmutter sich dorthin neigt. Mutterbandschmerzen können im Laufe der Schwangerschaft Rückenschmerzen nach sich ziehen, weil das Gewicht des Kindes die Gebärmutter nach vorne zieht.

Auch Verdauungsbeschwerden können euch in der Schwangerschaft enorm zu schaffen machen. Schon in der Frühschwangerschaft wird der Darm träge, was zu Verstopfungen und Blähungen führen kann. Darüber hinaus werden die Funktionen von Magen und Darm auch durch den zunehmenden Platzmangel behindert, was ebenfalls Bauch- und Magenschmerzen auslösen kann.

In einigen Fällen können Bauchschmerzen und Rückenschmerzen auch durch Sex ausgelöst werden. Das Empfinden ändert sich durch die stärkere Durchblutung aufgrund der Schwangerschaftshormone im Unterleib. Viele Frauen erleben dadurch einen intensiveren Orgasmus. Es kann unter Umständen allerdings auch sein, dass ihr ihn eher als schmerzhaft erlebt. Das ist aber normalerweise ungefährlich.

Sind es Bauchschmerzen oder Wehen?

Gerade in der ersten Schwangerschaft kann es auch sein, dass ihr Vorwehen als Bauchschmerzen interpretiert. Die ersten Übungswehen treten schon ab der 20. Schwangerschaftswoche auf. Wenn ihr Wehen habt, wird der Bauch zusätzlich zu den krampfartigen Schmerzen hart werden. In den späteren Wochen der zweiten Schwangerschaftshälfte kann es auch zu Senkwehen kommen, die das Kind Richtung Becken schieben. Vorwehen sind oft auch schmerzlos und treten unregelmäßig auf.

Wenn ihr euch unsicher seid, ob eure Kontraktionen Übungs- oder Senkwehen sind, könnt ihr euren Arzt oder eure Ärztin um Rat fragen. Auch eine Hebamme kann euch helfen. In einigen Fällen wirken sich die Wehen auch schon vorzeitig auf den Gebärmutterhals und den Muttermund aus. Echte Geburtswehen treten im Gegensatz zu Vorwehen regelmäßig auf. Bei einer Ultraschalluntersuchung kann ein Arzt die Länge des Gebärmutterhalses messen. Diese nimmt bei echten Wehen als erstes ab.

Was hilft bei harmlosen Bauchschmerzen?

Bei leichten Bauchschmerzen, die durch das Wachstum der Gebärmutter oder durch die Belastung des Verdauungstrakts verursacht werden, können unterschiedliche Hausmittel hilfreich sein.

  • Vermeidet Stress
  • Trinkt ausreichend und vor allem Wasser oder ungesüßte Tees
  • Esst ausgewogen
  • Esst mehrere kleine Portionen
  • Nehmt ein warmes Bad
  • Massiert den Bauch sanft
  • Nutzt eine Wärmflasche

Wenn ihr auf Wärme durch ein Bad oder eine Wärmflasche setzt, solltet ihr darauf achten, dass es nicht zu heiß wird. Das Wasser sollte eine Temperatur von 40 Grad nicht übersteigen. Nutzt die Wärme nur kurz.

In der fortgeschrittenen Schwangerschaft kann das Gewicht des Kindes der Auslöser für Schmerzen im beanspruchten Gewebe sein. Hier könnt ihr mit Bauchtüchern und Stützbändern für Erleichterung sorgen.

Welche gefährlichen Ursachen gibt es für Bauchschmerzen in der Schwangerschaft?

In einigen Fällen sind Bauchschmerzen in der Schwangerschaft ein Anzeichen für gefährlichere Erkrankungen und Zustände. Dazu zählen unter anderem:

  • Fehlgeburt oder Frühgeburt
  • Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter
  • Einklemmung von Darmgewebe in einem Nabelbruch
  • Gebärmutterriss
  • Plazentaablösung
  • HELLP-Syndrom

In der Frühschwangerschaft solltest du bei starken Schmerzen abklären lassen, ob es zu einer ektopen Schwangerschaft gekommen ist. Dieser Begriff bezeichnet alle Schwangerschaften, in denen sich der Embryo außerhalb der Gebärmutter eingenistet hat. Dazu zählen die folgenden Schwangerschaftskomplikationen:

  • Bauchhöhlenschwangerschaft
  • Eileiterschwangerschaft
  • Eierstockschwangerschaft
  • Gebärmutterhalsschwangerschaft

Bei einer solchen Komplikation kann das Kind im Normalfall nicht ausgetragen werden. Vor allem eine Eileiterschwangerschaft kann auch schnell lebensgefährlich für die Mutter werden. Wächst der Embryo im Eileiter reißt dieser und es kommt zu starken inneren Blutungen. Dies geschieht meist zwischen der 8. Und 10 Schwangerschaftswoche. Aus diesem Grund ist es auch ratsam, einen Schwangerschaftstest zu machen, wenn plötzliche und starke Unterbauchschmerzen ohne bekannte Schwangerschaft auftreten.

Zur Abklärung und Behandlung einer extrauterinen Schwangerschaft muss häufig eine Operation durchgeführt werden. In einigen Fällen reicht eine Laparoskopie aus. Bei dieser OP werden nur kleine Schnitte gemacht, durch die die Instrumente in den Bauchraum eingebracht werden. In schwierigen Fällen kann auch ein größerer Bauchschnitt nötig sein. So eine OP wird Laparotomie genannt. Auch wenn in einigen Fällen der betroffene Eileiter oder Eierstock entfernt werden muss, so ist die Fruchtbarkeit oft nur teilweise eingeschränkt und nach dem Abheilen könnt ihr weiter an der Erfüllung eures Kinderwunsches arbeiten.

Ein Nabelbruch ist in der Schwangerschaft nicht ungewöhnlich und verursacht meist keine Beschwerden. Auch unter der Geburt entstehen selten Probleme. Komplikationen kann es aber geben, wenn sich ein Teil des Darms in dem Bruch einklemmt. Das zeigt sich durch Schmerzen oder bläuliche Verfärbungen. Dann ist eine schnelle Behandlung notwendig.

Starke Oberbauchschmerzen im letzten Schwangerschaftsdrittel können ein Anzeichen für ein HELLP-Syndrom sein. Dabei sind die Leberfunktion und die Blutgerinnung gestört. Ein HELLP-Syndrom kann sich innerhalb kurzer Zeit zu einem lebensgefährlichen Zustand entwickeln. Daher solltet ihr Schmerzen im Oberbauch nicht ignorieren und einen Frauenarzt oder eine Klinik aufsuchen.

Generell ist es wichtig, dass ihr einen Arzt aufsucht, wenn zu den Bauchschmerzen weitere Symptome dazu kommen. Das können zum Beispiel die folgenden Zustände sein:

  • Scheidenblutungen
  • Ungewöhnlich gefärbter oder riechender Scheidenausfluss
  • Schüttelfrost
  • Fieber
  • Erbrechen, Übelkeit oder Durchfall
  • Allgemeines Unwohlsein
  • Kreislaufbeschwerden
  • Sehstörungen
  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
Bauchschmerzen Schwangerschaft
Leszek Glasner via Shutterstock

Ursachen für Bauchschmerzen, die unabhängig von einer Schwangerschaft sind

Auch außerhalb einer Schwangerschaft kann starkes Bauchweh ein Anzeichen für eine ernste Erkrankung sein, da im Bauchraum viele wichtige Organe liegen. Es ist also ratsam plötzliche, starke oder langanhaltende Beschwerden abzuklären. Ursachen für Bauchschmerzen sind unter anderem:

  • Entzündung der Eileiter oder Eierstöcke
  • Verdrehung des Eierstocks
  • Zysten und Myome
  • Eileiterabszess
  • Eierstockkrebs
  • Blinddarmentzündung
  • Gallenblasenentzündung
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Darmerkrankungen
  • Harnsteine

Fazit – Bauchschmerzen in der Schwangerschaft sind häufig harmlos

Bauchschmerzen in der Schwangerschaft sind ein häufig auftretendes Phänomen. Sie haben aber meist harmlose Ursachen, die mit den Veränderungen im Körper zusammenhängen. In einigen Fällen liegt dem Unwohlsein aber eine gefährliche Erkrankung zu Grunde. Daher solltet ihr vor allem bei plötzlichen und starken Schmerzen mit zusätzlichen Symptomen zu einem Arzt oder in eine Klinik gehen und es abklären lassen.

FAQ - Bauchschmerzen Schwangerschaft

Wann solltet ihr bei Bauchschmerzen in der Schwangerschaft zum Arzt gehen?

Generell macht es immer Sinn, wenn ihr Beschwerden abklärt, die zum ersten Mal auftreten, plötzlich einsetzen, besonders stark sind oder lange anhalten. Auch bei zusätzlichen Symptomen wie Fieber, Blutungen, Übelkeit oder Erbrechen ist ärztlicher Rat notwendig.

Was könnt ihr gegen Bauchschmerzen in der Schwangerschaft tun?

Ihr könnt unterschiedliche sanfte Hausmittel nutzen. Ruhe, genügend Flüssigkeit und gesunde Ernährung sind oft hilfreich. Wärme kann auch gut helfen, aber ihr solltet keine große Hitze nutzen. Die Einnahme von Schmerzmitteln solltet ihr mit eurem Gynäkologen oder eurer Gynäkologin absprechen.

Ab wann können Bauchschmerzen in der Schwangerschaft auftreten?

Die ersten Bauchschmerzen in der Schwangerschaft können schon in der Zeit zwischen der Befruchtung und dem Ausbleiben der Regelblutung auftreten. Als Ursache kommen hier die Einnistung und eine erste Dehnung der Mutterbänder in Frage. Diese Beschwerden könnt ihr vor allem im Unterbauch spüren.

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