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Muttermilch – Alles was ihr über sie wissen wollt

Nadine Scheiner
21 Jun 2022
8 Min.
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Sie steckt voller Vitamine, Mineralien und Nährstoffe, die euer Baby schützen und nähern, wusstet ihr, aber auch dass sich die Konzentration der Inhaltsstoffe der Milch im Laufe der Stillzeit verändert? Als erste Nahrung eures Babys könnt ihr davon ausgehen, dass die Inhaltsstoffe eurer Muttermilch alle wichtigen Grundnährstoffe wie Fette, Proteine und Kohlenhydrate sowie Wasser für die Hydration enthalten. Aber Muttermilch ist keine normale Nahrung, da sie mehr als die Ernährung eures neugeborenen Kindes übernimmt.

In unserem Artikel erfahrt ihr, wie sich Muttermilch zusammensetzt, wie sich im Laufe der Zeit ihre Zusammensetzung verändert und welchen Einfluss sie wirklich auf euer Baby hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Muttermilch verändert sich im Laufe des Stillens und passt sich somit immer den Bedürfnissen eures Babys an.
  • Muttermilch hat großen Einfluss auf die emotionale, psychische und physische Entwicklung der gestillten Säuglinge.
  • Muttermilch und das Stillen mit dieser wirkt positiv auf die Gesundheit der Mutter und den Säugling aus.

Was ist Muttermilch und woraus besteht sie?

Die Muttermilch besteht aus Millionen von Zellen, dazu gehören Blutkörperchen, die Immunsystem und Abwehr fördern, und Stammzellen, die die Entwicklung und -heilung der Organe unterstützen. Hinzukommen aber viele weitere Bestandteile, die starken Einfluss auf euer Baby nehmen.

Muttermilch enthält neben den genannten Bestandteilen Tausende Proteine, die die Entwicklung und das Wachstum eures Babys unterstützen, das Immunsystem aktivieren und Gehirnneuronen entwickeln und schützen. Alle Proteine in der Muttermilch bestehen aus Aminosäuren.

Zudem enthält eure Milch mehr als 20 Verbindungen dieser Art. Einige von ihnen, Nukleotide genannt, erhöhen nachts ihren Spiegel und beeinflussen nach neuestem wissenschaftlichem Stand mit großer Wahrscheinlichkeit den Schlaf eures Babys.

Hinzukommt Muttermilch Zucker, denn eure Milch enthält mehr als 200 komplexe Zucker namens Oligosaccharide, die als Präbiotika wirken und die „guten Bakterien“ im Darm eures neugeborenen Babys ernähren. Sie verhindern auch, dass Infektionen in den Kreislauf gelangen, und verringern das Gehirnhautentzündungsrisiko.

Damit jedoch nicht genug, es kommen mehr als 40 Enzyme hinzu. Die Enzyme in eurer Milch unterstützen das Verdauungs- und Immunsystem eures Babys und ermöglichen die Aufnahme von Ferrum. Außerdem kommen Wachstumshormone dazu, die eine gute Entwicklung unterstützen und Bereiche wie den Darm, die Blutgefäße, das Nervensystem und Drüsen beeinflussen.

Neben der Produktion von Hormonen über die Drüsen wird euer Baby auch über die Milch der Mutter mit verschiedenen Hormonen versorgt. Diese „intelligenten Chemikalien“ senden Nachrichten zwischen Gewebe und Organe, um deren ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Einige helfen, den Appetit und das Schlafverhalten eures Babys zu regulieren und sogar die Beziehung zwischen euch zu stärken.

Hinzukommen Mineralstoffe und Vitamine, Antikörper, langkettige Fettsäuren, 1400 verschiedene Mikro-RNA-Moleküle und noch viele weitere Stoffe und Substanzen, die euer Baby auf allen Ebenen bei der Entwicklung unterstützt.

Wie verändern sich die Muttermilch Nährwerte während der Stillzeit?

Die Zusammensetzung der Milch verändert sich mit der Stillzeit. Die einzelnen Inhaltsstoff-Konzentration vom Körper der Mutter stets den Bedürfnissen des Babys und deren Alter angepasst, sodass sich die Konzentration von Nährstoffen, Zucker, Vitaminen, Mineralstoffen und allen anderen Inhaltsstoffen stetig verändert. Bereits in den ersten Tagen verändert sich die Muttermilch erstmalig:

Die ersten Tage: Kolostrum

Die Erstmilch, die eure Brüste nach der Geburt produzieren, wird Kolostrum genannt. Diese dickflüssige, schleimige Muttermilch wird oft als „flüssiges Gold“ bezeichnet, nicht nur wegen ihrer gelben oder orangen Farbe, sondern auch wegen ihrer enormen Bedeutung für die Pflege und den Schutz eures sehr verletzlichen Babys.

Anfangs produziert ihr sehr kleine Mengen, zwischen 40 und 50 ml über einen Zeitraum von etwa 24 Stunden, aber da euer Baby einen Magen von der Größe einer Murmel hat, ist dies alles, was es braucht. Kolostrum ist sehr leicht verdaulich und was dem Kolostrum an Quantität fehlt, übertrifft es an Qualität.

Die Folgewochen: Übergangsmilch

In der ersten Woche eures Säuglings, etwa vom zweiten bis vierten Tag nach der Entbindung, ändert sich die Menge der produzierten Muttermilch. Möglicherweise stellt ihr fest, dass eure Brüste größer und praller sind. Diese Veränderung wird als „Aufsteigen“ der Milch bezeichnet.

Am Tag 3 nimmt euer Baby normalerweise alle 24 Stunden 300 bis 400 ml Milch zu sich, und am 5. Tag wird es auf 500 bis 800 ml ansteigen, sodass es keine Überraschung ist, dass die Milchproduktion extrem ansteigt und eure Brüste viel größer werden.

Zwischen dem 5. und 14. Tag wird eure Milch Übergangsmilch genannt. Wie der Name vermuten lässt, findet die Umwandlung von Kolostrum zu „reife Milch“ statt. Sie wird cremiger in Farbe und Konsistenz und erhöht auch ihren Fett-, Kalorien- und Laktose-Gehalt, was sie zur idealen Nahrung für ein schnelles Wachstum eures Babys macht.

Ihr könnt sicher sein, dass die Milch immer noch reich an wichtigen Antikörper, Zellen, „guter“ Bakterien und nützlicher bioaktiver Stoffe ist, die euch und eurem Baby helfen, gesund zu bleiben.

Ab Woche 4 nach der Schwangerschaft: reife Milch

Wenn euer Säugling 4 Wochen alt ist, ist eure Muttermilch voll ausgereift ist, ist die Muttermilch satt gefüllt mit Proteinen, Zuckern, Mineralstoffen und Vitaminen sowie einer großen Anzahl bioaktiver Komponenten wie Hormone, Wachstumsproteine, Enzyme und Zellen, die das Wachstum und die Entwicklung eures Babys unterstützen.

Nach vier Wochen bleiben die Nährstoff- und Inhaltsstoffgehalte der reifen Milch normalerweise ziemlich konstant. Die Zusammensetzung der Muttermilch kann sich jedoch von Tag zu Tag und von Mahlzeit zu Mahlzeit leicht verändern.

Wenn ihr oder euer Baby beispielsweise krank seid, bildet euer Körper Antikörper, um diese spezifische Krankheit zu bekämpfen, und diese Antikörper werden Teil eurer Milch. Es sollte auch beachtet werden, dass, wenn euer Baby beginnt, die Welt um sich herum zu erkunden und Spielzeug in den Mund nimmt, der Gehalt an schützenden Enzymen in der Milch, die Bakterien bekämpfen, ansteigt. Diese Variation der Muttermilch zeigt seine Anpassung an die sich ändernde Bedürfnisse.

Was sind Anfangsmilch und Endmilch?

Ihr werden möglicherweise feststellen, dass eure Milch am Ende des Stillens dicker und cremiger ist. Dies liegt daran, dass der Fettgehalt während des Stillens aufgrund der Durchläufe der Milch, die sich durch die Brust bewegt, allmählich ansteigt. Sie wird oft als „Endmilch“ bezeichnet, während die erste, Muttermilch wässrig ist und als die Ausgangsmilch bezeichnet wird.

Diese beiden Begriffe könnten vermuten lassen, dass es einen Wechsel zwischen den beiden gibt, aber dies ist nicht der Fall. Die Anpassung der Muttermilch während einer Mahlzeit ist ein allmählicher Vorgang und beide „Milchsorten“ sind wichtige Bestandteile einer vollwertigen Ernährung und reich an Proteinen, Mineralstoffen, Zucker und Vitaminen.

Der Gehalt an Fett der Milch hängt mit der Entleerung der Brust zusammen. Die Brüste sind anfangs einiger Mahlzeiten voller (Milch mit einem niedrigeren Fettgehalt) und zu Beginn anderer Mahlzeiten (Milch mit einem höheren Fettgehalt) leerer. Macht euch also nicht zu viele Gedanken über die Anfangsmilch und die Endmilch. Während 24 Stunden am Tag wird euer Baby jeden Tag eine ähnliche Menge an Fett und anderen Nährstoffen zu sich nehmen.

Die Muttermilch- Zusammensetzung nach sechs Monaten

Ihr fragt euch vielleicht, was mit der Milch passiert, wenn ihr das Stillen verlängert. Kann euer Körper monatelang oder sogar jahrelang weiterhin hochwertige reife Milch produzieren? Die Antwort ist, eindeutig „Ja!“ unterschätzt nicht die Fähigkeiten eurer Brüste.

Obwohl geraten wird, mit Beginn des sechsten Monats eures Babys mit der Einführung fester Nahrung beginnen, um die Reserven einiger Nährstoffe für euer Baby zu stärken, wie z. B. Eisen, wird eure Milch weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Ernährung sein.

Wenn euer Baby beispielsweise sieben Monate alt ist, macht die Muttermilch immer noch 93 % seiner Kalorien aus. Selbst zwischen 11 und 16 Monaten wird etwa die Hälfte der täglichen Kalorienaufnahme eures Babys aus eurer Milch stammen. Ihr und euer Baby könnt also noch viel länger die Vorteile des Stillens genießen.

Achtet während der gesamten Stillzeit jedoch darauf, dass ihr eure Brust und eure Brustwarzen pflegt und vor Entzündungen schützt. In der Regel gilt, hört auf euren Körper und beobachtet die Milchproduktion, euer Baby und die Entwicklung der Stillzeit, wie groß ist der Anteil des Stillens an die gesamten Mahlzeiten pro Tag.

Der Körper einer Frau und der Körper des Babys sind im Normalfall aufeinander abgestimmt und passe sich automatisch den Bedürfnissen beider an.

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