Fruchtwasseruntersuchung – Amniozentese
Auf einen Blick
- Die Fruchtwasseruntersuchung findet idealerweise zwischen der 14. und 19. Schwangerschaftswoche statt
- Der Eingriff dauert 5-15 Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft
- Das Fehlgeburtsrisiko liegt ab der 16. SSW bei 0,4-1 Prozent
Du bist über 35 oder hattest auffällige Ultraschallbefunde? Dann hat Dir Dein Arzt vielleicht eine Fruchtwasseruntersuchung empfohlen. Wir erklären Dir, was bei diesem Eingriff passiert, wann er sinnvoll ist und welche Risiken Du kennen solltest – damit Du eine informierte Entscheidung treffen kannst.
🔍 Was ist eine Fruchtwasseruntersuchung genau?
Die Amniozentese ist eine Untersuchung, die in Deinem Mutterleib stattfindet. Bei dieser Untersuchung geht der Arzt mit Hilfe einer Hohlnadel in Deine Fruchtblase, um Fruchtwasser zu entnehmen. In dieser Flüssigkeit schwimmen Zellen Deines ungeborenen Babys, die man im Labor isolieren und anschließend in Zellkulturen vermehren kann. Dieser Vorgang dauert in der Regel etwa 14 Tagen. Nach diesen zwei Wochen ist genetisches Material verfügbar, welches genau untersucht werden kann.
Neben den Untersuchungen auf Fehler oder anderweitige Chromosomenabweichungen wird bei einer Fruchtwasseruntersuchung zugleich das Protein Alpha-Fetoprotein und die Acetylcholinesterase untersucht. Diese beiden Werte können, sollten sie erhöht sein, Aufschluss über Fehlbildungen Deines Kindes geben. Die Werte zeigen an, ob eine Fehlbildung an der Bauchwand oder Wirbelsäule Deines Kindes vorhanden ist. Eine Erhöhung beider Werte führt auf Fehlbildungen in beiden Bereichen hin.
Gut zu wissen: Das AFP-Protein wird vom Dottersack und der Leber Deines ungeborenen Kindes entwickelt. Ist Dein Kind gesund, gelangen nur sehr geringe Mengen dieses Proteins ins Fruchtwasser. Bei schweren Fehlbildungen, wie beispielsweise einem offenen Rücken (Neuralrohrdefekt), sind diese Werte sehr deutlich erhöht.
Das AFP kann sogar über einen Triple-Test kontrolliert werden. Dieser Test gehört ebenfalls zu den Methoden der Pränataldiagnostik und wird bei Kindern mit einem Erkrankungsrisiko auf das Down-Syndrom häufiger eingesetzt.
An dieser Stelle ist es aber wichtig zu erwähnen, dass Du alleine entscheidest, ob eine solche Untersuchung bei Dir gemacht werden soll oder nicht.
📅 Wann ist eine Fruchtwasseruntersuchung empfehlenswert?
Viele Frauen fragen sich nicht nur „Wann Fruchtwasseruntersuchung?", sondern auch, wann diese wirklich zu empfehlen ist. Schließlich handelt es sich um eine Untersuchungsmethode, die nicht bei allen Frauen durchgeführt werden muss. In der Regel wird die Amniozentese genau dann empfohlen, wenn bestimmte Gründe vorliegen:
- Schwangerschaftsalter von 35 Jahren
- Auffälligkeiten bei der Ultraschalluntersuchung
- Erbkrankheiten, wie Muskelerkrankungen und Stoffwechselstörungen
- Geschwisterkind leidet an einer Chromosomenstörung
- vorherige Schwangerschaften wiesen einen Neuralrohrdefekt auf
Sobald einer dieser Gründe besteht, wird eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt. Die Krankenkassen übernehmen dann die anfallenden Kosten.
Tipp: Der beste Zeitpunkt für die Fruchtwasseruntersuchung liegt zwischen der 14. und der 19. Schwangerschaftswoche. Eine vorherige Untersuchung würde nicht den eindeutigen Befund liefern können. Außerdem kann eine zu frühe Fruchtwasseruntersuchung das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.
🏥 Welche Untersuchungen können mit einer Amniozentese gemacht werden?
Mit einer Fruchtwasseruntersuchung lassen sich die unterschiedlichsten Krankheiten ermitteln. Mit Hilfe des entnommenen Materials kann die Struktur und sogar die Anzahl der Chromosomen untersucht werden. Sollte es zu Abweichungen des Erbmaterials kommen, kann dies beispielsweise auf folgende Krankheiten verweisen:
- Down-Syndrom (Trisomie 21)
- Edwards-Syndrom (Trisomie 18)
- Pätau-Syndrom (Trisomie 13)
Des Weiteren kann mittels dieses Untersuchungsverfahrens das Geschlecht Deines ungeborenen Kindes ermittelt werden.
Biochemische Analyse – weitere Erkenntnisse
Neben dem genetischen Material ist es zugleich möglich, eine biochemische Analyse durchzuführen. Durch diese lassen sich die folgenden Krankheiten feststellen:
- Infektionen (bspw. Toxoplasmose)
- Defekte an der Bauchwand (Omphalozele)
- Spaltungen an der Wirbelsäule (offener Rücken)
Vorteilhaft ist, dass man mit Hilfe der biochemischen Analyse sogar eine Blutgruppenunverträglichkeit vorzeitig erkennen kann. Selbst wenn eine Frühgeburt bevorsteht, ist es möglich, mit Hilfe des entnommenen Fruchtwassers die Lungenreifung Deines Kindes zu bestimmen.
Gut zu wissen: Noch sichere Ergebnisse für das Down-Syndrom bieten neben der Fruchtwasserpunktion auch eine Chorionzottenbiopsie, auch Plazentabiopsie genannt. Bei dieser Untersuchung wird etwas Zellgewebe Deines Mutterkuchens entnommen. Diese Zellen werden anschließend untersucht. Auch dieses Verfahren gehört heute zur wichtigsten Pränataldiagnostik.
💉 Ablauf der Fruchtwasseruntersuchung – Tut das weh?
Laut dem Gendiagnostikgesetz ist es Pflicht, dass Du über den Ablauf, den Nutzen und vor allem auch über die Risiken einer Fruchtwasseruntersuchung informiert wirst. Bevor es zu diesem Eingriff kommt, musst Du eine Unterschrift leisten.
So läuft die Untersuchung ab
Grundsätzlich wird eine Fruchtwasseruntersuchung ambulant in einer speziellen Klinik durchgeführt. Bevor es allerdings zu einer Fruchtwasserpunktion kommt, schaut Dein Arzt, wie die Lage Deines Kindes ist und markiert die Einstichstelle am Bauch. Danach wird Dein Bauch erst einmal sorgfältig desinfiziert. Anschließend wird mit einer dünnen Hohlnadel in Deine Bauchdecke, durch die Gebärmutterwand in Deine Fruchtblase gegangen. In der Regel werden zwischen 15 und 20 Milliliter Fruchtwasser entnommen, die anschließend ins Labor gebracht werden.
Die meisten Frauen beschreiben die Fruchtwasseruntersuchung als unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Der Gedanke daran ist oft schlimmer als der Eingriff selbst.
Die Gesamtdauer der Fruchtwasserentnahme liegt bei fünf bis 15 Minuten. Bei der Frage, ob eine solche Untersuchung schmerzhaft ist, geben viele Frauen die Antwort Nein. In der Regel ist nicht einmal eine örtliche Betäubung notwendig. Möglich ist es allerdings schon.
⚠️ Risiken der Fruchtwasseruntersuchung
Schwerwiegende Komplikationen sind bei einer Fruchtwasseruntersuchung (lat. Amniozentese) eher selten. Allerdings gibt es trotz alledem einige Risiken, die dieser Eingriff mit sich bringt. Folgende Risiken sind bekannt:
- Fehlgeburt
- Verletzungen an Deinem ungeborenen Kind
- Blutungen
- Infektionen
- Kontraktionen der Gebärmutter
- Blasensprung
Achtung: Das Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden liegt ab der 16. Schwangerschaftswoche zwischen 0,4 und 1 Prozent. Untersuchungen, die vor der 16. Schwangerschaftswoche stattfinden, bringen ein höheres Risiko mit. Damit Du das Risiko noch geringer halten kannst, ist es für Dich sehr wichtig, dass Du Dich nach dem Eingriff für zwei Tage schonst.
Grenzen der Untersuchung
Grundsätzlich musst Du für Dich selbst entscheiden, ob eine Amniozentese notwendig ist oder nicht. Fakt ist, dass es keine Garantie für ein gesundes Baby gibt. Es kann vorkommen, dass ein normaler Chromosomensatz ohne jegliche Auffälligkeiten vorliegt und auch alle weiteren Werte normal sind. Über spätere Erkrankungen, wie beispielsweise Herzfehler oder Missbildungen Deines Kindes an Händen oder Füßen kann die Fruchtwasseruntersuchung nicht allein Auskunft geben. Hochwertige Ultraschalluntersuchungen müssen dann folgen.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Fruchtwasseruntersuchung?
Der optimale Zeitpunkt liegt zwischen der 14. und 19. Schwangerschaftswoche. Eine frühere Untersuchung würde keinen eindeutigen Befund liefern und das Fehlgeburtsrisiko erhöhen.
Ist eine Fruchtwasseruntersuchung schmerzhaft?
Die meisten Frauen empfinden den Eingriff als nicht schmerzhaft. Eine örtliche Betäubung ist in der Regel nicht notwendig, kann aber auf Wunsch durchgeführt werden. Der gesamte Eingriff dauert nur 5-15 Minuten.
Wie hoch ist das Fehlgeburtsrisiko nach einer Fruchtwasseruntersuchung?
Ab der 16. Schwangerschaftswoche liegt das Risiko einer Fehlgeburt zwischen 0,4 und 1 Prozent. Bei Untersuchungen vor der 16. SSW ist das Risiko höher. Wichtig ist, dass Du Dich nach dem Eingriff zwei Tage lang schonst.
Welche Krankheiten können durch eine Amniozentese erkannt werden?
Die Untersuchung kann Chromosomenabweichungen wie Down-Syndrom (Trisomie 21), Edwards-Syndrom (Trisomie 18) und Pätau-Syndrom (Trisomie 13) erkennen. Außerdem können Infektionen, Defekte an der Bauchwand und Spaltungen an der Wirbelsäule (offener Rücken) festgestellt werden.
Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn bestimmte Gründe vorliegen: Schwangerschaftsalter ab 35 Jahren, Auffälligkeiten bei der Ultraschalluntersuchung, Erbkrankheiten in der Familie, ein Geschwisterkind mit Chromosomenstörung oder wenn vorherige Schwangerschaften einen Neuralrohrdefekt aufwiesen.
Kann die Fruchtwasseruntersuchung alle Fehlbildungen erkennen?
Nein, die Fruchtwasseruntersuchung hat ihre Grenzen. Sie kann keine Garantie für ein gesundes Baby geben. Über spätere Erkrankungen wie Herzfehler oder Missbildungen an Händen oder Füßen kann sie nicht allein Auskunft geben. Dafür sind zusätzliche hochwertige Ultraschalluntersuchungen notwendig.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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