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Nabelschnurblut – Was ihr damit machen könnt

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 01.04.2026 Lesezeit 10 Min.
Nabelschnurblut – Was ihr damit machen könnt

Auf einen Blick

  • Nabelschnurblut enthält wertvolle Stammzellen, die über 80 Krankheiten behandeln können
  • Du kannst es kostenlos spenden oder privat für 1.500-3.000 € einlagern lassen
  • Die Entnahme erfolgt nach der Geburt schmerzfrei aus der abgenabelten Nabelschnur

Nach der Geburt deines Babys steht eine wichtige Entscheidung an: Was passiert mit dem Nabelschnurblut? Früher wurde es einfach entsorgt – heute wissen wir, dass es wertvolle Stammzellen enthält, die Leben retten können. Ob Spende oder private Einlagerung: Hier erfährst du alles, was du wissen musst.

🔍 Was ist Nabelschnurblut eigentlich?

Im Blut deines ungeborenen Kindes finden sich Millionen Stammzellen. Stammzellen sind Zellen, die noch undifferenziert sind – sie haben das Potential, sich in alle möglichen Körperzellen auszubilden und damit bestimmte Gewebeeigenschaften anzunehmen. Das nennt man proliferationsfähig.

Aus ihnen können zum Beispiel die folgenden Zelltypen werden:

  • Blutzellen
  • Zellen des Immunsystems
  • Organzellen und -gewebe

Diese besonderen Stammzellen finden sich auch im Blut, das sich nach der Geburt noch in der Nabelschnur und der Plazenta befindet. Früher wurden die Nabelschnur und die Plazenta nach der Geburt komplett entsorgt. Heutzutage können die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut gewonnen werden. Anschließend werden sie bei -186 Grad Celsius eingefroren und können so für einen späteren Einsatz eingelagert werden.

Gut zu wissen: Wenn die Stammzellen für dein Kind selbst eingesetzt werden, haben sie den großen Vorteil, dass sie genetisch perfekt mit den restlichen Zellen übereinstimmen.

Was macht Nabelschnurblut-Stammzellen so besonders?

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut haben eine Reihe von besonderen Eigenschaften:

  • Sie können zur Heilung von Krankheiten eingesetzt werden
  • Sie verursachen weniger Abstoßungsreaktionen als andere Zellen
  • Sie haben wenige alterungs- und umweltbedingte Beeinträchtigungen
  • Sie sind jung und teilungsfreudig
  • Sie sind meist frei von Viren und Bakterien
  • Sie sind einfacher verfügbar als Präparate aus Knochenmark

Achtung: Wenn du das Nabelschnurblut einlagern lassen oder spenden möchtest, muss die Nabelschnur relativ schnell durchtrennt werden. Das verhindert das natürliche Auspulsieren, bei dem das Blut langsam in den Körper deines Babys fließt – was eigentlich Vorteile für die Gesundheit haben kann.

🏥 Welche Krankheiten können damit behandelt werden?

Die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind vor allem zum Heilen verschiedener Krankheiten gut. Heutzutage kann man sie vor allem für die Therapie von Leukämie verwenden. Bei diesem Blutkrebs ist eine Transplantation mit Stammzellpräparaten aus den Nabelschnurbanken oft deutlich schneller verfügbar als andere Stammzellarten.

Auch angeborene und erworbene Defekte des Immunsystems können auf diese Art behandelt werden. Insgesamt kann man mit Blutstammzellen aus der Nabelschnur heutzutage über 80 Krankheiten heilen oder lindern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind die eigene Nabelschnurblutspende nutzen kann, ist heute noch sehr gering. Eine Spende für andere kann dagegen schon jetzt Leben retten – das finde ich einen wichtigen Gedanken.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Für wen reicht eine Spende?

Bei Patienten und Patientinnen mit einem geringen Körpergewicht reicht oft die Spende eines einzelnen Spenders oder einer Spenderin für eine Stammzelltransplantation. Für die Behandlung von Erwachsenen sind dagegen Nabelschnurbluttransplantationen mit einer Kombination aus mehreren Spenden nötig.

Gut zu wissen: Der Einsatz für dein Kind selbst ist limitiert. Erbkrankheiten können nicht behandelt werden, weil auch die Stammzellen den Gendefekt haben. Auch bei Blutkrebs kann die Eigenspende den Verlauf der Krankheit nicht verbessern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind die eigene Nabelschnurblutspende nutzen kann, ist heutzutage sehr gering. Wesentlich sinnvoller ist es, das Blut als Spende für Stammzellbanken freizugeben.

💉 Wie wird Nabelschnurblut entnommen?

Am Tag der Entbindung wird dir Blut entnommen werden, wenn du das Nabelschnurblut spenden oder einlagern möchtest. Damit werden die individuellen Oberflächenmerkmale der Blutzellen bestimmt und das Vorliegen von bestimmten Infektionskrankheiten untersucht.

Der Ablauf nach der Geburt

  1. Nach der Geburt wird dein Baby abgenabelt
  2. Der Arzt oder die Ärztin punktiert die Nabelschnurvene im Teil, der zur Plazenta führt
  3. Das Blut fließt in einen Plastikbeutel
  4. Der Beutel wird in die Blutbank gebracht

Aus der Nabelschnur können in der Regel 60 bis 200 Milliliter gewonnen werden. Die Entnahme ist weder für dich noch für dein Kind schmerzhaft.

Tipp: Nachdem das Blut in der Blutbank angekommen ist, wird es von den Mitarbeitern überprüft. Wenn es alle Qualitätskriterien erfüllt, werden die Stammzellen komprimiert und bei minus 190 Grad eingefroren.

🌸 Warum sollte man Nabelschnurblut einlagern?

Die Nabelschnurblutstammzellen können in der Regel für die folgenden Verwendungszwecke eingelagert werden:

  • Fremdspende zur Einlagerung in öffentlichen Nabelschnurblutbanken
  • Gerichtete Spende für einen Verwandten ersten Grades, zum Beispiel ein Geschwisterkind
  • Eigenspende oder Privatspende, das heißt für die mögliche Verwendung im Falle eigener Krankheiten des Kindes

Wie bereits beschrieben, werden Fremdspenden heute schon für einige Bereiche eingesetzt. Eine Einlagerung macht also Sinn und kann anderen Menschen helfen. Auch eine gerichtete Spende für ein Familienmitglied kann durchaus sinnvoll sein. Allerdings verlierst du als Elternteil dann alle Ansprüche.

Bis heute ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nabelschnurstammzellen sicher für das jeweilige Kind eingesetzt werden, aber noch eher gering. Einige Ärzte und Ärztinnen argumentieren auch, dass weitere Einsatzmöglichkeiten noch lange brauchen werden und es nicht sicher ist, dass die eingelagerten Nabelschnurstammzellen dann noch einsetzbar sind. Bisher ist das Einlagern daher eher eine Hoffnung auf die zukünftige Entwicklung der Medizin.

📅 Wie lange kann Nabelschnurblut eingelagert werden?

Das Einfrieren des Nabelschnurblutes geschieht mit flüssigem Stickstoff. Eine solche Einlagerungsmöglichkeit wird als Kryokonservierung bezeichnet. Auch die Kryotanks für die langfristige Lagerung werden mit flüssigem Stickstoff gekühlt.

Kryokonservierte Zellen konnten bisher erst über etwa 15 Jahre untersucht werden. Über diesen Zeitraum sind sie auf jeden Fall haltbar. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass sie sich auch länger halten. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass eine Haltbarkeit von etwa 100 Jahren erreicht werden kann.

💰 Was kostet die Einlagerung von Nabelschnurblut?

Die Einlagerungskosten unterscheiden sich zwischen den privaten Blutbanken. Der Preis variiert zwischen 1.500 und 3.000 Euro für 20 Jahre. Ist dieser Zeitraum abgelaufen, fallen weitere Kosten an.

Tipp: Eine Spende ist allerdings kostenlos – und hilft anderen Menschen sofort.

💝 Nabelschnurblut spenden – Wie geht das?

Wenn du dich dazu entschieden hast, das Nabelschnurblut zu spenden, solltest du dir eine Entbindungsklinik suchen, die mit einer öffentlichen Nabelschnurblutbank zusammenarbeitet. Diese können dich auch bezüglich möglicher Ausschlussgründe beraten.

Die Frauenklinik entnimmt bei der Geburt das Blut aus der Nabelschnur. Nach dem Einlagern und der Typisierung der Gewebemerkmale wird die Spende in eine Stammzellspenderdatei eingetragen.

🏦 Wo kann man Nabelschnurblut einlagern lassen?

Anstatt das Nabelschnurblut zu spenden, kannst du es auch in einer privaten Blutbank, auch autologe Blutbank genannt, einlagern lassen. In diesen Instituten lagern heutzutage schon etwa 2,5 Millionen Präparate.

Eine Spende kann an verschiedene Stammzellregister gehen. Weitere Informationen kannst du über das deutsche Stammzellnetzwerk erhalten.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Entnahme von Nabelschnurblut schmerzhaft?

Nein, die Entnahme ist weder für dich noch für dein Baby schmerzhaft. Das Blut wird aus der bereits abgenabelten Nabelschnur entnommen, nachdem dein Kind geboren ist.

Kann mein Kind später die eigenen Stammzellen nutzen?

Die Wahrscheinlichkeit ist derzeit noch sehr gering. Erbkrankheiten können damit nicht behandelt werden, da die Stammzellen denselben Gendefekt haben würden. Auch bei Blutkrebs hilft die Eigenspende nicht. Für andere Menschen kann deine Spende aber schon heute Leben retten.

Was ist der Unterschied zwischen Spende und privater Einlagerung?

Bei einer Spende gibst du das Nabelschnurblut kostenlos an eine öffentliche Blutbank ab – es kann dann für jeden passenden Patienten weltweit verwendet werden. Bei privater Einlagerung zahlst du 1.500-3.000 Euro und das Blut bleibt für dein Kind reserviert.

Kann ich das Nabelschnurblut auspulsieren lassen und trotzdem spenden?

Nein, das geht leider nicht. Für die Entnahme muss die Nabelschnur relativ schnell durchtrennt werden. Das natürliche Auspulsieren, bei dem das Blut langsam in den Körper deines Babys fließt, ist dann nicht möglich.

In welcher Klinik kann ich Nabelschnurblut spenden?

Nicht alle Kliniken arbeiten mit öffentlichen Nabelschnurblutbanken zusammen. Am besten informierst du dich schon während der Schwangerschaft, welche Entbindungsklinik in deiner Nähe Nabelschnurblutspenden ermöglicht.

Wie lange sind die eingefrorenen Stammzellen haltbar?

Gesichert sind bisher etwa 15 Jahre. Experten schätzen aber, dass die Stammzellen bei der Kryokonservierung mit flüssigem Stickstoff bis zu 100 Jahre haltbar sein könnten.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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