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Wie verändert sich der Körper in der Schwangerschaft?

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 07.04.2026 Lesezeit 14 Min.
Wie verändert sich der Körper in der Schwangerschaft?

Auf einen Blick

  • Dein Körper verändert sich in allen Organsystemen – von Hormonen über Kreislauf bis zur Haut
  • Viele Veränderungen beginnen schon in den ersten Wochen durch das Hormon HCG
  • Die meisten Anpassungen dienen der optimalen Versorgung deines Babys

Dein Körper leistet in der Schwangerschaft Unglaubliches: Er erschafft neues Leben und passt sich dafür auf vielfältige Weise an. Manche Veränderungen spürst du sofort, andere laufen im Hintergrund ab. Hier erfährst du, was in deinem Körper passiert und warum du vielleicht mehr Schlaf brauchst als sonst.

🌸 Welche Körpersysteme sind betroffen?

Die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft umfassen wirklich alle Organsysteme. Dein Körper arbeitet auf Hochtouren, damit dein Baby optimal versorgt ist.

Diese Bereiche verändern sich:

  • Hormonhaushalt
  • Herz-Kreislauf-System
  • Atmungssystem
  • Harnsystem
  • Verdauungssystem
  • Stoffwechsel
  • Sexualorgane
  • Haut und Haare
  • Bewegungsapparat
  • Immunsystem

Einige dieser Veränderungen treten schon ganz früh im ersten Schwangerschaftsdrittel auf und werden vor allem durch die Veränderungen des Hormonsystems verursacht. Spätere Veränderungen werden dagegen auch durch die steigende Größe und das zunehmende Gewicht deines Babys verursacht.

Gut zu wissen: Durch das wachsende Kind, zusätzliche Flüssigkeiten wie das Fruchtwasser und sich verändernde Gewebe nehmen Frauen in der Schwangerschaft zum Teil deutlich zu – das ist völlig normal und wichtig.

✨ Hormone – die Dirigenten deines Körpers

Das Hormonsystem steuert alle körperlichen Prozesse und setzt in der Schwangerschaft weitere Änderungen in Gang. Diese Hormone spielen die Hauptrolle:

  • Progesteron
  • Östrogen
  • HCG
  • Nebennierenhormone
  • Schilddrüsenhormone
  • Prolaktin
  • Oxytocin

Progesteron – das Schwangerschaftshormon

Progesteron sorgt dafür, dass die hochaufgebaute Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung einer befruchteten Eizelle bereit ist. Es verbessert die Durchblutung und entspannt die Gebärmutter. Diese Effekte sorgen dafür, dass das Embryo in der Frühschwangerschaft nicht abgestoßen wird. In der Schwangerschaft steigt die Menge dieses Hormons kontinuierlich an.

HCG – der Schwangerschaftsnachweis

Das Schwangerschaftshormon HCG wird, abgesehen von bestimmten Krebserkrankungen, nur in der Schwangerschaft gebildet. Die Abkürzung steht für humanes Choriongonadotropin. Es wird schon wenige Tage nach der Befruchtung vom Embryo gebildet und stößt alle nachfolgenden körperlichen Veränderungen an. HCG ist auch das Hormon, das von Schwangerschaftstests erfasst wird.

Weitere wichtige Hormone

Die Nebennierenhormone werden verstärkt ausgeschüttet. Sie sind an der Regulation des Elektrolythaushalts und der Wasserausscheidung beteiligt. Diese müssen in der Schwangerschaft an die Veränderungen im Kreislaufsystem angepasst werden.

Zum Ende der Schwangerschaft nimmt die Menge des Hormons Prolaktin im Körper zu. Es ist unter anderem für die Bildung der Muttermilch und die Veränderung der Milchdrüsen verantwortlich. Im Laufe der Geburt wird dann auch noch das Hormon Oxytocin vermehrt ausgeschüttet. Es steuert die Entstehung von Wehen und ist damit essenziell für die Geburt. Außerdem fördert es die Bindung zwischen dir und deinem Kind.

💓 Dein Herz-Kreislauf-System läuft auf Hochtouren

Damit dein Körper den Anforderungen der Schwangerschaft gewachsen ist, muss sich auch das Herz-Kreislaufsystem anpassen. Diese Effekte treten auf:

  • Gefäßerweiterungen
  • Zunahme der Durchblutung
  • Stärkerer und härterer Puls
  • Zunahme der Blutmenge

Die Verbesserung der Durchblutung ist besonders wichtig für die Versorgung der Gebärmutter und damit auch für den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen zu deinem Embryo. Das spürst du auch als Wärmegefühl in Händen und Füßen. Im ersten Schwangerschaftsdrittel nimmt der Blutdruck ab, er stabilisiert sich aber mit der Zeit wieder auf Normalwerte.

Viele Frauen sind überrascht, wie stark sich ihr Kreislauf verändert. Wenn du dich müde fühlst oder dir schwindelig wird, gönn dir Pausen – dein Körper leistet gerade Schwerstarbeit.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Was passiert mit deinem Blut?

Es gibt verschiedene Blutwerte, die sich durch eine Schwangerschaft deutlich messbar verändern:

  • Blutvolumen: steigt an
  • Wasseranteil: steigt um 35 Prozent
  • Zahl der roten Blutkörperchen: steigt um 25 Prozent
  • Hämatokrit-Wert (Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtvolumen): nimmt ab
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit: erhöht sich
  • Gerinnungsneigung: steigt an

Die vermehrte Bildung von roten Blutkörperchen verbraucht Eisen und führt zu der sogenannten natürlichen Schwangerschaftsanämie. Diese sorgt dafür, dass die Durchblutung an der Austauschfläche im Mutterkuchen verbessert wird. Allerdings kann der Wert auch zu stark absinken und viele werdenden Mamas müssen daher zusätzliche Eisenpräparate nehmen.

Tipp: Im Laufe der Schwangerschaft können Wassereinlagerungen entstehen. Das merkst du an geschwollenen Fingern und Beinen. Beine hochlegen und ausreichend trinken helfen oft schon.

Wann solltest du aufmerksam werden?

Bei manchen Schwangeren entstehen Krampfadern und Hämorrhoiden. In einigen Fällen kann es auch zu Thrombosen kommen. Daher solltest du genau auf die Anzeichen achten und im Zweifelsfall einen Arzt aufsuchen.

Achtung: Typische Warnzeichen für eine tiefe Beinvenenthrombose sind starke Schmerzen im Bein, Schwellungen die nur in einem Bein auftreten, eine bläuliche Färbung oder Erwärmungen in einem Bein. Bei diesen Symptomen sofort zum Arzt!

🌬️ Atmung – warum du schneller außer Atem bist

Den meisten Menschen ist klar, dass Schwangere in der zweiten Schwangerschaftshälfte durch den wachsenden Bauch und das steigende Körpergewicht schlechter Luft bekommen. Die Lunge hat weniger Platz und daher nimmt das Atemvolumen ab.

Aber schon in der Frühschwangerschaft kannst du das Gefühl haben, dass du unter Atemnot leidest. Die Einatemtiefe steigt an und das eingeatmete Luftvolumen übersteigt den Sauerstoffverbrauch. Damit liegt eine Hyperventilation vor. Dies liegt wahrscheinlich an den Veränderungen der Blutwerte. Daher wirst du auch schon am Anfang der Schwangerschaft bei körperlicher Belastung mehr schnaufen als Nichtschwangere.

💧 Harnsystem – warum du ständig zur Toilette musst

Viele Schwangere sind erstaunt, wenn sich schon am Beginn der Schwangerschaft ein verstärkter Harndrang einstellt. Am Ende der Schwangerschaft ist ein verstärkter Harndrang durch den Druck der Gebärmutter auf die Blase bedingt.

In der Frühschwangerschaft sind dagegen andere Prozesse Ursache des stärkeren Harndrangs:

  • Durch das gestiegene Blutvolumen werden die Nieren stärker durchblutet
  • Die Muskeln und Gewebe sind weicher und flexibler

Diese Veränderungen führen dazu, dass mehr Zucker im Harn nachweisbar ist. Die Blase schafft es nicht mehr, die Zuckermoleküle wie gewohnt wieder ins Blut zurück zu transportieren. Eine leichte Erhöhung der Zuckerwerte im Urin ist also normal. Bei höheren Werten kann aber auch ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegen.

Tipp: Durch die weichere Muskulatur sind auch die Nierenbecken und Harnleiter oft geweitet. Daher bleibt der Urin in diesen Strukturen stehen. Das kann die Entstehung von Entzündungen begünstigen. Um dem vorzubeugen solltest du immer genug trinken.

🍽️ Verdauungssystem – von Übelkeit bis Verstopfung

Die Schwangerschaft führt auch zu einer Reihe von Veränderungen im gesamten Verdauungstrakt. Die erste Veränderung, die den meisten Menschen in den Sinn kommt, wird sicherlich die Morgenübelkeit sein, die vor allem in den ersten Monaten auftritt. Vielleicht hast du selbst eine Schwangerschaft erst durch die Übelkeit und das Erbrechen bemerkt.

Achtung: Teilweise kann das Erbrechen so schwerwiegend werden, dass eine Behandlung mit Transfusionen notwendig wird. In diesem Fall spricht man von einer Hyperemesis gravidarum, die sich in seltenen Fällen auch über eine längere Dauer zieht.

Weitere Veränderungen im Verdauungstrakt

Über die Übelkeit hinaus gibt es weitere Veränderungen, die während einer Schwangerschaft im Magen-Darm-Trakt und im Mund auftreten können:

  • Die Zusammensetzung des Speichels ändert sich
  • Es wird mehr Speichel produziert
  • Die Durchblutung der Mundschleimhaut verstärkt sich
  • Es kann Zahnfleischbluten auftreten
  • Der Magen verändert seine Lage
  • Die Säureproduktion im Magen ist in der ersten Schwangerschaftshälfte reduziert
  • Häufig tritt Sodbrennen auf
  • Der Darm wird träge, manchmal entsteht Verstopfung

Die Veränderungen im Mund können die Entstehung von Karies begünstigen, daher ist es wichtig, dass du auf deine Mundhygiene achtest. Durch eine zusätzliche Kontrolle beim Zahnarzt können entstehende Probleme schnell erkannt und behandelt werden.

Die meisten anderen Veränderungen im Magen-Darm-Trakt sind durch die wachsende Gebärmutter und die Entspannung der Muskeln bedingt. Gesunde Ernährung, Bewegung und viel Flüssigkeit können in vielen Fällen helfen.

⚡ Stoffwechsel und Leber – Energie für zwei

Dein Stoffwechsel muss sich in der Schwangerschaft anpassen, um das Baby optimal versorgen zu können. Dafür wird zum Beispiel der Zuckerstoffwechsel modifiziert. Konkret führt das zu folgenden Effekten:

  • Die Insulinwirkung wird reduziert
  • Glukose gelangt schwerer in mütterliche Zellen
  • Der Blutzuckerspiegel erhöht sich

Auch die Stoffwechselprozesse von Fetten und Proteinen verändern sich. Die Blutfette steigen an und es wird mehr Eiweiß vom Körper aufgenommen und weniger abgegeben. Aus diesen zusätzlich verfügbaren Eiweißen werden die Zelleiweiße des Kindes aufgebaut. Als Nebenwirkung ist weniger Eiweiß im Blut der Mutter vorhanden. Das begünstigt Wassereinlagerungen.

Gut zu wissen: Das Wachstum des Kindes verbraucht neben den Proteinen auch verschiedene Mineralstoffe und Elektrolyte. Aus diesem Grund hast du einen höheren Bedarf, der durch eine gesunde Ernährung gedeckt werden sollte. Nahrungsergänzungsprodukte können nach Absprache mit dem Frauenarzt zusätzlich hilfreich sein.

🌸 Sexualorgane – Vorbereitung auf das große Ereignis

Die Sexualorgane sind an der Hauptaufgabe während und nach der Schwangerschaft beteiligt. Sie müssen das Baby versorgen und es wachsen lassen. Daher machen sie auch enorme Veränderungen durch.

Deine Brust bereitet sich vor

Deine Brust stellt sich schon im ersten Trimenon auf die zukünftige Aufgabe ein. Das Drüsengewebe wächst und du merkst, dass die Brüste größer und schwerer werden. Dadurch können die Brüste empfindlicher werden. Erst im letzten Trimester stellen sich die Drüsenzellen auf die Milchbildung ein.

Die Gebärmutter wächst mit

Die Gebärmutter unterliegt in der Schwangerschaft dem größten Wandel. Ihre Größe muss sich dem wachsenden Kind anpassen. Darüber hinaus unterliegt sie zusätzlich diesen Veränderungen:

  • Die Muskelschicht wächst deutlich
  • Die Durchblutung verstärkt sich
  • Das Gewicht steigert sich von etwa 50 Gramm bis auf 1.500 Gramm
  • Neubildung der Plazenta

Die Veränderungen dienen unter anderem der Vorbereitung auf die Wehen während der Geburt.

✨ Haut und Haare – sichtbare Veränderungen

Auch von außen sind einige der Veränderungen während der Schwangerschaft sichtbar. Haut, Haare und auch die Nägel zeigen unter anderem folgende Erscheinungen:

  • Dunklere Warzenhöfe
  • Hautunreinheiten
  • Vorgewölbter Bauchnabel
  • Dehnungsstreifen
  • Stärkere Pigmentierung
  • Trockene Haut
  • Juckreiz
  • Schwangerschaftsstreifen
  • Stärkeres Wachstum von Körperhaaren
  • Auftreten von Schwangerschaftsakne

Die Linea nigra

Eine stärkere Pigmentierung der Haut kann verschiedene Körperstellen betreffen. Vor allem die Brustwarzen, Narben und die äußeren Genitalien werden dunkler. Im Laufe der Schwangerschaft kann eine dunkle Linie auf dem Bauch entstehen. Sie kann von der Schamfuge bis zum Bauchnabel reichen, oder sogar bis zum Brustbein. Die Linie wird als Linea nigra oder Linea fusca bezeichnet.

💪 Bewegungsapparat – weiche Bänder und Rückenschmerzen

In der Schwangerschaft werden die Bänder weicher, damit die Gebärmutter problemlos wachsen kann und das Gewebe bei der Geburt besser gedehnt werden kann. Das kann dazu führen, dass Rückenschmerzen entstehen. Darüber hinaus kannst du dich auch schneller verletzen.

🛡️ Immunsystem – Schutz für dein Baby

Der wachsende Embryo stellt ein fremdes Gewebe im Körper dar, weil die Hälfte der Gene vom Vater stammt. Damit das Immunsystem nicht auf diese fremden Anteile reagiert, muss es sich in der Schwangerschaft anpassen. Dafür werden spezielle Antikörper gebildet. Spürbar wird das zum Beispiel, wenn Immunerkrankungen vorliegen. Die Symptome können sich verändern.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann verändert sich die Brust in der Schwangerschaft?

Die Brust verändert sich schon ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel. Manchmal kannst du das durch ein Ziehen oder einen Druck in der Brust spüren.

Wann sind die ersten körperlichen Veränderungen in der Frühschwangerschaft spürbar und sichtbar?

Die ersten Veränderungen treten direkt nach der Befruchtung auf. Einige besonders sensible Frauen bemerken sie schon in der Woche vor dem Ausbleiben der Periode.

Warum bin ich in der Schwangerschaft so müde?

Dein Körper arbeitet auf Hochtouren, um das Baby optimal zu versorgen. Alle Organsysteme passen sich an, was enorm viel Energie kostet. Besonders am Anfang brauchen viele Schwangere daher mehr Schlaf.

Sind Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft normal?

Ja, Wassereinlagerungen sind durch die Veränderungen im Kreislaufsystem normal. Du merkst das an geschwollenen Fingern und Beinen. Bei starken einseitigen Schwellungen solltest du aber zum Arzt gehen.

Warum muss ich in der Schwangerschaft so oft zur Toilette?

Schon in der Frühschwangerschaft wird dein Harndrang stärker, weil die Nieren durch das gestiegene Blutvolumen stärker durchblutet werden und die Muskeln weicher sind. Später drückt die wachsende Gebärmutter zusätzlich auf die Blase.

Verschwinden die Veränderungen nach der Geburt wieder?

Die meisten Veränderungen bilden sich nach der Geburt zurück. Manche, wie Dehnungsstreifen oder eine veränderte Pigmentierung, können bleiben. Dein Körper braucht Zeit, um sich zu regenerieren – sei geduldig mit dir.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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