Schwindel in der Schwangerschaft: Ursachen & was hilft
Auf einen Blick
- Schwindel in der Schwangerschaft ist weit verbreitet und betrifft etwa 50–75 % aller werdenden Mütter – meist harmlos, aber manchmal Warnsignal.
- Häufigste Ursachen: niedriger Blutdruck, Blutzuckerschwankungen, hormonelle Veränderungen und das wachsende Gewicht des Babys, das Blutgefäße abdrückt.
- Sofort zum Arzt bei Schwindel mit starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Blutungen oder Bewusstlosigkeit – das können Anzeichen für Präeklampsie oder andere Komplikationen sein.
- Hilfe bringen: langsames Aufstehen, regelmäßige kleine Mahlzeiten, ausreichend Trinken, lockere Kleidung und gezielte Entspannungspausen.
Dir wird plötzlich schwummrig, wenn du aus dem Bett aufstehst, oder die Welt dreht sich, während du im Supermarkt stehst? Schwindel in der Schwangerschaft kennen viele werdende Mamas – und meist stecken harmlose Anpassungsprozesse deines Körpers dahinter. In diesem Ratgeber erfährst du, warum Schwindel entsteht, wann du aufmerksam werden solltest und welche Tipps dir wirklich helfen.
🔍 Was ist Schwindel in der Schwangerschaft?
Schwindel – medizinisch „Vertigo" oder „Dizziness" – beschreibt das Gefühl, dass sich alles um dich dreht, du benommen bist oder gleich umkippen könntest. In der Schwangerschaft ist dieses Symptom besonders häufig: Dein Körper leistet Unglaubliches, um dein Baby zu versorgen, und dabei kommt es zu zahlreichen Veränderungen im Herz-Kreislauf-System, im Stoffwechsel und im Hormonhaushalt.
Schwindel kann in allen drei Trimestern auftreten, zeigt sich aber besonders oft im ersten und zweiten Trimester. Viele Frauen berichten von kurzen Schwindelattacken beim Aufstehen, nach längerem Stehen oder in überhitzten Räumen. Meist ist das lästig, aber ungefährlich – dennoch solltest du die Signale deines Körpers ernst nehmen und bei bestimmten Warnsignalen ärztlichen Rat einholen.
🌟 Ursachen: Warum wird mir schwindelig?
Die Gründe für Schwindel in der Schwangerschaft sind vielfältig und oft miteinander verknüpft. Hier sind die häufigsten Auslöser:
Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
Dein Körper produziert in der Schwangerschaft bis zu 50 % mehr Blut, um dein Baby optimal zu versorgen. Gleichzeitig weiten sich die Blutgefäße durch das Hormon Progesteron. Das Ergebnis: Der Blutdruck sinkt oft, besonders im ersten und zweiten Trimester. Wenn du dann schnell aufstehst, sackt das Blut in die Beine, und dein Gehirn bekommt kurzzeitig zu wenig Sauerstoff – dir wird schwindelig oder schwarz vor Augen.
Blutzuckerschwankungen
Dein Baby zapft rund um die Uhr deine Energiereserven an. Isst du zu wenig, zu selten oder sehr zuckerhaltig, schwankt dein Blutzuckerspiegel stark. Ein plötzlicher Abfall (Hypoglykämie) führt zu Schwindel, Zittern, Schwäche und manchmal auch Schweißausbrüchen. Besonders morgens nach dem Aufwachen oder zwischen den Mahlzeiten tritt dieses Phänomen auf.
Vena-Cava-Kompressionssyndrom
Ab dem zweiten Trimester kann dein wachsender Uterus die große Hohlvene (Vena cava inferior) abdrücken, wenn du auf dem Rücken liegst. Diese Vene transportiert sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen. Wird sie zusammengedrückt, sinkt der Blutdruck schlagartig, und dir wird schwindelig, übel oder du fühlst dich benommen. Die Lösung: auf der linken Seite schlafen.
Hormonelle Veränderungen
Progesteron, hCG und andere Schwangerschaftshormone beeinflussen deinen gesamten Kreislauf. Sie sorgen dafür, dass sich Blutgefäße weiten, der Herzschlag beschleunigt und der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Diese Umstellung kann vorübergehend zu Kreislaufproblemen und Schwindelgefühlen führen.
Eisenmangel und Anämie
Dein Körper braucht jetzt deutlich mehr Eisen, um das zusätzliche Blutvolumen mit Sauerstoff zu versorgen. Reicht die Eisenzufuhr nicht aus, entwickelt sich eine Anämie (Blutarmut). Typische Symptome: Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit und eben Schwindel. Dein Frauenarzt kontrolliert regelmäßig deine Blutwerte.
Flüssigkeitsmangel (Dehydration)
Schwangere brauchen mehr Flüssigkeit – mindestens 2–3 Liter täglich. Trinkst du zu wenig, verdickt sich das Blut, der Kreislauf wird träge, und Schwindel kann die Folge sein. Besonders bei Übelkeit und Erbrechen im ersten Trimester oder an heißen Tagen ist ausreichendes Trinken essentiell.
Überhitzung und Sauerstoffmangel
Überfüllte Räume, heiße Sommertage, lange heiße Bäder – all das kann deinen Kreislauf überfordern. Die Blutgefäße weiten sich noch mehr, der Blutdruck sinkt, und dir wird schwindelig. Auch zu enge Kleidung kann die Durchblutung beeinträchtigen.
💗 Nadines Empfehlung
Nadine Scheiner
Bei beiden Schwangerschaften hatte ich immer eine kleine Notfall-Tüte dabei: Traubenzucker, Nüsse, eine Wasserflasche und ein kleines Handtuch zum Kühlen. Das hat mir oft geholfen, wenn mir plötzlich schwindelig wurde. Mein wichtigster Tipp: Nimm die Signale deines Körpers ernst und gönn dir Pausen – auch wenn der Alltag stressig ist. Dein Baby profitiert davon, wenn es dir gut geht!
📊 Die verschiedenen Formen von Schwindel
Nicht jeder Schwindel fühlt sich gleich an. Die Art des Schwindels kann Hinweise auf die Ursache geben:
4 Hauptformen von Schwindel in der Schwangerschaft
moms.deOrthostatischer Schwindel (Lagerungsschwindel)
Das ist die mit Abstand häufigste Form in der Schwangerschaft. Du liegst oder sitzt, stehst dann schnell auf – und plötzlich wird dir schwarz vor Augen, die Knie werden weich, und du musst dich festhalten. Ursache ist der plötzliche Blutdruckabfall beim Lagewechsel. Meist vergeht das Gefühl nach wenigen Sekunden.
Drehschwindel (Vertigo)
Hier dreht sich alles um dich herum, als würdest du Karussell fahren. Drehschwindel kann durch Probleme im Innenohr (z. B. gutartiger Lagerungsschwindel) ausgelöst werden, aber auch durch Migräne oder – seltener – neurologische Ursachen. In der Schwangerschaft ist er weniger häufig als orthostatischer Schwindel.
Benommenheitsschwindel
Du fühlst dich „wie neben dir", alles erscheint unwirklich, du bist nicht ganz bei der Sache. Dieser diffuse Schwindel tritt oft bei Erschöpfung, Stress, Schlafmangel oder auch bei Angststörungen auf. In der Schwangerschaft kann er durch die hormonellen Umstellungen verstärkt werden.
Schwankschwindel
Du hast das Gefühl, der Boden schwankt unter dir, als wärst du auf einem Boot. Schwankschwindel kann bei Durchblutungsstörungen, Verspannungen der Halswirbelsäule oder auch bei Innenohrproblemen auftreten.
⏰ Schwindel in den verschiedenen Schwangerschaftsphasen
Schwindel kann dich in jedem Trimester begleiten, aber die Ursachen und die Häufigkeit variieren:
Erstes Trimester (1.–12. Woche)
In den ersten Wochen stellt sich dein Körper massiv um. Die Hormone schießen in die Höhe, dein Blutvolumen steigt, die Blutgefäße weiten sich. Gleichzeitig kämpfen viele Frauen mit Übelkeit und Erbrechen, was zu Flüssigkeitsmangel und niedrigem Blutzucker führen kann. Schwindel ist in dieser Phase sehr häufig – oft in Kombination mit Müdigkeit und Übelkeit.
Zweites Trimester (13.–27. Woche)
Viele Frauen fühlen sich jetzt besser, die Übelkeit lässt nach. Allerdings wächst dein Baby jetzt schnell, und dein Uterus beginnt, auf Blutgefäße zu drücken. Der Blutdruck ist oft noch niedrig. Schwindel tritt vor allem beim schnellen Aufstehen oder nach längerem Stehen auf. Auch das Vena-Cava-Syndrom kann jetzt beginnen.
Drittes Trimester (28. Woche bis Geburt)
Dein Bauch ist jetzt groß und schwer. Das Vena-Cava-Syndrom wird häufiger, besonders wenn du auf dem Rücken liegst. Auch der erhöhte Energiebedarf und möglicher Eisenmangel können Schwindel auslösen. Viele Frauen berichten von Schwindel nach längerem Stehen oder in der Badewanne. Wichtig: Achte jetzt besonders auf Warnsignale wie Kopfschmerzen oder Sehstörungen – das können Hinweise auf Schwangerschaftshochdruck oder Präeklampsie sein.
🚨 Wann sollte ich zum Arzt?
Gelegentlicher leichter Schwindel ist in der Schwangerschaft normal. Es gibt aber Situationen, in denen du unbedingt ärztlichen Rat einholen solltest:
| Warnsignal | Mögliche Ursache | Handlung |
|---|---|---|
| Schwindel mit starken Kopfschmerzen, Sehstörungen (Flimmern, Ausfälle) | Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung), Bluthochdruck | Sofort zum Arzt / Notaufnahme |
| Schwindel mit Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht | Schwerer Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Blutzuckerentgleisung | Notarzt rufen (112) |
| Schwindel mit vaginaler Blutung oder starken Bauchschmerzen | Fehlgeburt, Eileiterschwangerschaft, Plazentaablösung | Sofort zum Arzt / Notaufnahme |
| Anhaltender Schwindel über Stunden oder Tage | Anämie, Infektionen, neurologische Probleme | Zeitnah Frauenarzt kontaktieren |
| Schwindel mit Herzrasen, Atemnot, Brustschmerzen | Herzprobleme, Lungenembolie (selten) | Sofort zum Arzt / Notaufnahme |
| Schwindel mit starkem Erbrechen und Gewichtsverlust | Hyperemesis gravidarum (schwere Schwangerschaftsübelkeit) | Frauenarzt kontaktieren |
| Schwindel nach einem Sturz oder Unfall | Gehirnerschütterung, innere Verletzungen | Sofort zum Arzt |
Wichtig: Vertraue deinem Bauchgefühl! Wenn dir etwas nicht richtig vorkommt oder du dir unsicher bist, kontaktiere lieber einmal zu viel als zu wenig deine Hebamme oder deinen Frauenarzt. Sie sind dafür da, dich zu beraten und zu beruhigen.
🔬 Diagnose: Wie findet der Arzt die Ursache?
Wenn du wegen Schwindel zum Arzt gehst, wird er zunächst ein ausführliches Gespräch mit dir führen (Anamnese). Wichtige Fragen sind:
- Wann tritt der Schwindel auf? (Beim Aufstehen, nach dem Essen, in bestimmten Situationen?)
- Wie fühlt sich der Schwindel an? (Drehend, schwankend, benommen?)
- Wie lange dauert er?
- Gibt es Begleitsymptome? (Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen, Herzrasen?)
- Wie ist deine Ernährung? Trinkst du genug?
- Hattest du schon vor der Schwangerschaft Kreislaufprobleme?
Körperliche Untersuchung
Der Arzt wird deinen Blutdruck messen – idealerweise im Liegen, Sitzen und Stehen (Schellong-Test), um orthostatische Probleme zu erkennen. Er hört dein Herz ab, prüft deinen Puls und schaut, ob du blass bist (Hinweis auf Anämie).
Blutuntersuchung
Ein großes Blutbild zeigt, ob du genug rote Blutkörperchen hast (Hämoglobin-Wert) und ob deine Eisenspeicher gefüllt sind (Ferritin-Wert). Auch der Blutzuckerspiegel kann gemessen werden. Bei Verdacht auf Präeklampsie werden Leber- und Nierenwerte sowie die Eiweißausscheidung im Urin kontrolliert.
Weitere Untersuchungen
Je nach Verdacht können weitere Tests sinnvoll sein:
- EKG (Elektrokardiogramm): Überprüfung der Herzfunktion
- Ultraschall: Kontrolle des Babys und der Plazenta
- Langzeit-Blutdruckmessung: Bei Verdacht auf Bluthochdruck
- HNO-ärztliche Untersuchung: Bei Verdacht auf Innenohrprobleme
- Neurologische Untersuchung: Bei anhaltendem Drehschwindel oder neurologischen Symptomen
💊 Behandlung: Was hilft gegen Schwindel?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen sind keine Medikamente nötig – einfache Maßnahmen helfen oft schon sehr gut:
Bei niedrigem Blutdruck
- Langsam aufstehen: Setze dich erst an die Bettkante, warte ein paar Sekunden, dann erst aufstehen
- Kompressionsstrümpfe: Sie verhindern, dass das Blut in den Beinen versackt
- Ausreichend trinken: Mindestens 2–3 Liter täglich, bei Hitze mehr
- Salzreich essen: Salz bindet Wasser im Körper und erhöht das Blutvolumen (nach Rücksprache mit dem Arzt!)
- Wechselduschen: Kalt-warme Güsse trainieren die Blutgefäße
- Bewegung: Regelmäßige, moderate Bewegung stärkt den Kreislauf
Bei Blutzuckerschwankungen
- Regelmäßig essen: 5–6 kleine Mahlzeiten statt 3 große
- Komplexe Kohlenhydrate: Vollkornprodukte, Haferflocken, Hülsenfrüchte halten den Blutzucker stabil
- Eiweiß kombinieren: Nüsse, Joghurt, Käse zu jeder Mahlzeit
- Notfall-Snack: Traubenzucker, Banane oder Müsliriegel für unterwegs
- Zuckerhaltige Getränke meiden: Sie lassen den Blutzucker schnell steigen und wieder fallen
Bei Eisenmangel
- Eisenreiche Ernährung: Rotes Fleisch, Linsen, Kichererbsen, Spinat, Haferflocken
- Vitamin C kombinieren: Verbessert die Eisenaufnahme (Orangensaft zum Müsli)
- Eisenpräparate: Nur nach ärztlicher Verordnung und Dosierung
- Kaffee und Tee meiden: Sie hemmen die Eisenaufnahme – besser 1–2 Stunden Abstand zu den Mahlzeiten
Bei Vena-Cava-Syndrom
- Linksseitenlage: Entlastet die Hohlvene optimal
- Seitenschläferkissen: Unterstützt bequemes Seitenschlafen
- Oberkörper erhöht: Bei Rückenlage (z. B. beim Ultraschall) Oberkörper leicht hochlagern
- Sofort Lage wechseln: Wenn dir beim Liegen schwindelig wird
Bei Überhitzung
- Kühle Räume aufsuchen: Klimaanlage, Ventilator, Schatten
- Lockere Kleidung: Atmungsaktive Stoffe, keine engen Bünde
- Kühle Fußbäder: Erfrischen und regen den Kreislauf an
- Heiße Bäder meiden: Maximal 38 Grad, nicht länger als 15 Minuten
Tipp: Leg dir eine „Schwindel-Notfalltasche" zu: Wasserflasche, Traubenzucker, Nüsse, ein kleines Handtuch zum Kühlen und eine Liste mit Notfallnummern. So bist du unterwegs gut vorbereitet.
🛡️ Vorbeugung: So beugst du Schwindel vor
Mit einigen einfachen Gewohnheiten kannst du Schwindelattacken oft vermeiden oder zumindest seltener machen:
Allgemeine Tipps
- Ausreichend trinken: 2–3 Liter Wasser, Tee oder Saftschorlen täglich
- Regelmäßig essen: Keine langen Pausen zwischen den Mahlzeiten
- Langsam aufstehen: Immer erst hinsetzen, dann aufstehen
- Frische Luft: Regelmäßig lüften, Spaziergänge an der frischen Luft
- Bewegung: Schwangerschaftsyoga, Schwimmen, Spaziergänge – alles, was dir guttut
- Stress reduzieren: Pausen einplanen, Entspannungstechniken lernen
- Ausreichend schlafen: 7–9 Stunden pro Nacht, Mittagsschlaf wenn möglich
Ernährungstipps
- Frühstücke immer – auch wenn dir übel ist (trockene Kekse, Toast)
- Vollkornprodukte bevorzugen (Vollkornbrot, Naturreis, Haferflocken)
- Eiweiß zu jeder Mahlzeit (Joghurt, Quark, Nüsse, Eier, Fisch, Fleisch)
- Eisenreiche Lebensmittel einbauen
- Auf stark gewürzte, fettige Speisen verzichten (können Übelkeit verstärken)
- Ingwertee gegen Übelkeit (in Maßen, max. 2–3 Tassen täglich)
Kreislauftraining
- Wechselduschen: Beginne warm, ende kalt – von den Füßen aufwärts
- Bürstenmassagen: Trockenbürsten regt die Durchblutung an
- Fußgymnastik: Kreisen, Strecken, Beugen – auch im Sitzen möglich
- Venengymnastik: Beine hochlegen, Füße kreisen lassen
- Schwimmen: Ideal für den Kreislauf und entlastet gleichzeitig die Gelenke
🏥 Besondere Situationen und Komplikationen
Manchmal steckt hinter Schwindel mehr als „nur" ein niedriger Blutdruck. Hier sind wichtige Komplikationen, die du kennen solltest:
Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung)
Präeklampsie ist eine ernste Komplikation, die meist nach der 20. Schwangerschaftswoche auftritt. Typische Symptome sind Bluthochdruck, Eiweiß im Urin, starke Kopfschmerzen, Sehstörungen (Flimmern, Ausfälle), Schwindel, Oberbauchschmerzen und plötzliche starke Wassereinlagerungen. Unbehandelt kann Präeklampsie für Mutter und Kind gefährlich werden. Bei Verdacht sofort zum Arzt!
Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
Wenn dein Körper in der Schwangerschaft nicht genug Insulin produziert, steigt der Blutzuckerspiegel. Paradoxerweise können sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte (nach Insulin-Gabe) Schwindel auslösen. Gestationsdiabetes wird meist zwischen der 24. und 28. Woche durch einen Zuckerbelastungstest diagnostiziert.
Hyperemesis gravidarum
Das ist extreme Schwangerschaftsübelkeit mit unstillbarem Erbrechen. Betroffene Frauen verlieren viel Flüssigkeit und Elektrolyte, was zu Schwindel, Schwäche und Kreislaufproblemen führt. Hier ist oft eine stationäre Behandlung mit Infusionen nötig.
Herzrhythmusstörungen
In der Schwangerschaft arbeitet dein Herz deutlich mehr – das Herzminutenvolumen steigt um 30–50 %. Bei manchen Frauen treten dadurch Herzrhythmusstörungen auf, die Schwindel, Herzstolpern oder Herzrasen verursachen können. Meist sind sie harmlos, sollten aber abgeklärt werden.
Eileiterschwangerschaft
In den ersten Wochen kann Schwindel in Kombination mit einseitigen Unterleibsschmerzen und Blutungen auf eine Eileiterschwangerschaft hinweisen – ein medizinischer Notfall. Die befruchtete Eizelle nistet sich außerhalb der Gebärmutter ein, meist im Eileiter.
Als ich in meiner ersten Schwangerschaft einmal im Supermarkt fast umgekippt wäre, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, auf seinen Körper zu hören. Seitdem habe ich immer Wasser und einen Snack dabei – und ich schäme mich nicht, mich hinzusetzen, wenn mir schwindelig wird. Dein Körper leistet gerade Unglaubliches, sei nachsichtig mit dir!
🧘♀️ Erste Hilfe bei akutem Schwindel
Wenn dich plötzlich eine Schwindelattacke erwischt, helfen diese Sofortmaßnahmen:
- Hinsetzen oder hinlegen: Sofort! Setz dich hin, bevor du umkippst. Wenn möglich, leg dich hin und lagere die Beine hoch (außer im letzten Trimester auf dem Rücken).
- Kopf zwischen die Knie: Im Sitzen den Kopf zwischen die Knie nehmen (soweit der Bauch das zulässt) – das bringt Blut ins Gehirn.
- Tief durchatmen: Langsam und tief durch die Nase ein, durch den Mund aus. Das beruhigt und verbessert die Sauerstoffversorgung.
- Etwas essen/trinken: Ein Glas Wasser, Traubenzucker, eine Banane oder ein paar Nüsse stabilisieren den Kreislauf.
- Frische Luft: Fenster öffnen oder nach draußen gehen, enge Kleidung lockern.
- Kühlen: Kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen, kühles Tuch in den Nacken.
- Nicht allein bleiben: Bitte jemanden, bei dir zu bleiben, bis es dir besser geht.
- Langsam wieder aufstehen: Erst hinsetzen, ein paar Minuten warten, dann vorsichtig aufstehen.
Notfall: Wenn der Schwindel nicht nachlässt, du ohnmächtig wirst, starke Schmerzen oder Blutungen hast, rufe sofort den Notarzt (112) oder lass dich in die Notaufnahme bringen!
🤰 Schwindel nach der Geburt
Auch nach der Entbindung kann Schwindel noch auftreten. Häufige Ursachen im Wochenbett sind:
- Blutverlust bei der Geburt: Kann zu Anämie führen
- Hormonumstellung: Dein Körper stellt sich wieder um
- Schlafmangel und Erschöpfung: Die ersten Wochen mit Baby sind anstrengend
- Stillhormone: Können den Kreislauf beeinflussen
- Flüssigkeitsmangel: Besonders beim Stillen brauchst du viel Flüssigkeit
- Zu schnelles Aufstehen: Nach längerem Liegen oder Sitzen
Die meisten Tipps zur Vorbeugung gelten auch im Wochenbett: ausreichend trinken, regelmäßig essen, langsam aufstehen, Hilfe annehmen und Ruhepausen einlegen. Wenn der Schwindel anhält oder sehr stark ist, sprich mit deiner Hebamme oder deinem Arzt – möglicherweise brauchst du Eisenpräparate oder andere Unterstützung.
📋 Schwindel-Tagebuch: Dokumentiere deine Symptome
Wenn du häufiger unter Schwindel leidest, kann ein Symptom-Tagebuch sehr hilfreich sein. Notiere:
- Datum und Uhrzeit
- Was hast du gerade gemacht? (Aufgestanden, Sport, Essen, Duschen...)
- Wie hat sich der Schwindel angefühlt? (Drehend, schwankend, benommen...)
- Wie lange hat er gedauert?
- Gab es Begleitsymptome? (Übelkeit, Kopfschmerzen, Herzrasen...)
- Was hast du vorher gegessen und getrunken?
- Wie hast du geschlafen?
- Besondere Umstände? (Stress, Hitze, enge Räume...)
Diese Aufzeichnungen helfen deinem Arzt, Muster zu erkennen und die Ursache einzugrenzen. Oft zeigt sich zum Beispiel, dass der Schwindel immer nach langen Pausen ohne Essen auftritt – dann weißt du, dass regelmäßigere Mahlzeiten helfen.
❓ Häufige Fragen
Ist Schwindel in der Schwangerschaft gefährlich?
In den meisten Fällen ist Schwindel in der Schwangerschaft harmlos und eine normale Begleiterscheinung der körperlichen Veränderungen. Gefährlich wird es, wenn Schwindel mit Warnsignalen wie starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Blutungen, Bewusstlosigkeit oder anhaltenden Beschwerden einhergeht. Dann solltest du umgehend ärztlichen Rat einholen. Auch die Sturzgefahr durch Schwindel ist nicht zu unterschätzen – schütze dich und dein Baby, indem du dich bei Schwindel sofort hinsetzt.
Was hilft schnell gegen Schwindel in der Schwangerschaft?
Sofortmaßnahmen sind: Hinsetzen oder hinlegen, Beine hochlagern, tief durchatmen, etwas essen oder trinken (besonders etwas Zuckerhaltiges wie Traubenzucker oder eine Banane), frische Luft und kühles Wasser über die Handgelenke laufen lassen. Langfristig helfen regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Trinken, langsames Aufstehen und lockere Kleidung.
In welchem Trimester ist Schwindel am häufigsten?
Schwindel kann in allen drei Trimestern auftreten, ist aber besonders häufig im ersten und zweiten Trimester. Im ersten Trimester sind die hormonellen Umstellungen und oft auch Übelkeit und Erbrechen die Hauptursachen. Im zweiten Trimester sinkt der Blutdruck oft am stärksten. Im dritten Trimester kommt das Vena-Cava-Syndrom hinzu, wenn der große Bauch auf Blutgefäße drückt.
Kann Schwindel ein Zeichen für eine Fehlgeburt sein?
Schwindel allein ist kein typisches Anzeichen für eine Fehlgeburt. Warnsignale für eine Fehlgeburt sind vor allem vaginale Blutungen (von leicht bis stark), krampfartige Unterleibsschmerzen und das Nachlassen von Schwangerschaftssymptomen. Wenn Schwindel zusammen mit Blutungen oder starken Schmerzen auftritt, solltest du sofort einen Arzt aufsuchen. Bei einer Eileiterschwangerschaft können Schwindel, einseitige Unterleibsschmerzen und Blutungen gemeinsam auftreten – auch das ist ein Notfall.
Darf ich Medikamente gegen Schwindel nehmen?
In der Schwangerschaft solltest du keine Medikamente ohne Rücksprache mit deinem Arzt einnehmen – auch keine rezeptfreien. Die meisten Schwindelformen lassen sich mit nicht-medikamentösen Maßnahmen gut behandeln. Nur wenn eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung vorliegt (z. B. schwere Anämie, Bluthochdruck), wird dein Arzt geeignete, in der Schwangerschaft sichere Medikamente verschreiben. Bei Eisenmangel können Eisenpräparate nötig sein, bei niedrigem Blutdruck manchmal pflanzliche Kreislaufmittel – aber immer nur nach ärztlicher Verordnung.
Kann ich durch Schwindel meinem Baby schaden?
Der Schwindel selbst schadet deinem Baby in der Regel nicht. Dein Körper ist so eingerichtet, dass er dein Baby auch bei kurzfristigem niedrigem Blutdruck weiter versorgt. Gefährlich kann allerdings ein Sturz durch Schwindel werden – deshalb ist es so wichtig, dass du dich bei Schwindel sofort hinsetzt oder festhältst. Wenn Schwindel durch eine ernste Grunderkrankung wie Präeklampsie, schwere Anämie oder Gestationsdiabetes verursacht wird, kann diese unbehandelt dem Baby schaden – deshalb sollten anhaltende oder starke Beschwerden immer abgeklärt werden.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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