Akupunktur in der Schwangerschaft – Was sie bewirken kann
Auf einen Blick
- Akupunktur kann Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Rückenschmerzen und Schlafstörungen lindern
- Ab der 36. SSW verkürzt geburtsvorbereitende Akupunktur die Eröffnungsphase bei Erstgebärenden um bis zu 20%
- Kosten liegen bei 20-80 Euro pro Sitzung – manche Krankenkassen übernehmen die Behandlung
Übelkeit, Rückenschmerzen, Schlafprobleme – die Schwangerschaft ist wunderschön, aber auch anstrengend für deinen Körper. Viele Medikamente sind tabu, doch du musst nicht einfach durchhalten. Akupunktur kann dir helfen, Beschwerden zu lindern und deinen Körper sanft auf die Geburt vorzubereiten.
🔍 Was ist Akupunktur?
Glaubt man der traditionellen chinesischen Medizin, so wird dein Körper von Qi durchströmt. Dabei handelt es sich um den Fluss der Lebensenergie. Es gibt verschiedene Diagramme, welche zeigen, wo genau diese entlang gehen. Durch die Akupunktur und dem Setzen von feinen Nadeln sollen diese Energieströme von außen beeinflusst werden. Das ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn der Qi-Fluss an einer bestimmten Stelle gestört ist.
💉 Wie läuft die Akupunktur ab?
Dein Körper hat mehr als 360 Akupunkturpunkte. Bei einer einzelnen Akupunktursitzung werden bis zu 15 einzelne Akupunkturpunkte stimuliert. Welche das sind, hängt dabei individuell von deinen Beschwerden ab.
Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass du im Vorfeld alles bis in das kleinste Detail mit deinem Arzt besprichst und deine Beschwerden beschreibst. So kann dieser einen Behandlungsplan erstellen. Während der Therapie werden die einzelnen Akupunkturpunkte mit feinen Nadeln stimuliert. Die Akupunkturnadeln haben einen sehr kleinen Durchmesser, welcher zwischen 0,2 bis 0,4 mm beträgt, sodass du die Einstichstelle kaum merkst.
Gut zu wissen: Eine Akupunktur tut nicht weh. Die Nadeln bleiben 20 bis 30 Minuten stecken – die meisten Frauen empfinden die Behandlung als sehr entspannend.
Nachdem die Nadeln an den bestimmten Stellen gesetzt wurden, bleiben diese 20 bis 30 Minuten stecken. Es kann aber sein, dass du folgende Nebenwirkungen bemerkst:
- Kribbeln
- Taubheitsgefühl
- Brennen
- Schweregefühl
- Kreislaufprobleme
👶 Ab wann Akupunktur in der Schwangerschaft?
Mit der Akupunktur kannst du bereits bei der Familienplanung bzw. deinem Kinderwunsch beginnen. Ob durch die Akupunktur aber die Empfängnis oder die Fruchtbarkeit beeinflusst werden kann, ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Aber es scheint, dass durch diese vor allem bei der Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut nachgeholfen werden kann und viele sind ebenso der festen Überzeugung, dass die Akupunktur die Qualität der Spermien steigert.
Akupunktur bei Kinderwunsch:
- Zur besseren Eizellenreifung
- Zur Steigerung der Spermienqualität
- Als Unterstützung, damit sich die befruchtete Eizelle besser in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann
- Als Begleitung bei der künstlichen Befruchtung (IVF/ICSI, intrauterine Insemination)
🌸 Akupunktur gegen Schwangerschaftsbeschwerden
Viele Frauen leiden während der Schwangerschaft an unterschiedlichen Schwangerschaftsbeschwerden, wie zum Beispiel Schmerzen in den Beinen, Rückenschmerzen, Krämpfen oder Übelkeit. Hier ist jede Frau sehr individuell, was ebenso auf die verschiedenen Beschwerden zutrifft. Die Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden gestaltet sich jedoch als sehr schwierig.
So kann zum Beispiel nicht jedes Medikament eingenommen werden und Frauenärzte tun sich nicht ohne Grund schwer damit, verschiedene Medikamente als Heilmethode einzusetzen. Eine Rücksprache mit deinem Arzt sollte aber auch bei der Akupunktur in jedem Fall erfolgen. Da der Körper durch die Veränderung der Hormone jedoch viel zu verarbeiten hat, ist es wichtig, dass du ihn unterstützt. Beschwerden in der Schwangerschaft gehören also bei den meisten Frauen einfach dazu.
Tipp: Sprich mit deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme über Akupunktur, bevor du Medikamente nimmst. Viele Beschwerden lassen sich sanft und ohne Nebenwirkungen für dein Baby behandeln.
Akupunktur bei Schwangerschaftsbeschwerden erfreut sich an einer immer weiter wachsenden Beliebtheit und das nicht ohne Grund. Zu den typischen Beschwerden, die durch die Akupunktur behandelt werden können, zählen unter anderem Folgende:
- Übelkeit und Erbrechen
- Sodbrennen
- Migräne und Kopfschmerzen
- Rückenschmerzen in unterschiedlichen Bereichen des Rückens
- Spezielle Behandlung vom Ischias
- Wassereinlagerungen
- Beckenschmerzen
- Schlafstörungen
- Angst und Depressionen
Ich habe selbst in beiden Schwangerschaften Akupunktur genutzt – vor allem gegen die Rückenschmerzen im letzten Trimester. Es war für mich eine wunderbare Auszeit und hat mir wirklich geholfen, entspannter zu bleiben.
✨ Die geburtsvorbereitende Akupunktur
Die Akupunktur kommt nicht nur bei Beschwerden während der Schwangerschaft zum Einsatz. Du kannst die Akupunktur als Behandlung in Anspruch nehmen, um dich und deinen Körper auf die Geburt des Babys vorzubereiten. Bei der geburtsvorbereitenden Akupunktur handelt es sich um ein besonderes Verfahren, welches erst ab der 36. Schwangerschaftswoche begonnen wird.
Achtung: Beginne mit der geburtsvorbereitenden Akupunktur wirklich erst ab der vollendeten 36. SSW. Die Behandlung kann Wehen auslösen – das ist nach diesem Zeitpunkt unbedenklich, aber vorher zu früh für dein Baby.
Es ist dabei sehr wichtig, erst zu diesem späten Zeitpunkt anzufangen. Die Behandlung soll deinen Körper nämlich auf die bevorstehende Geburt vorbereiten. Dabei solltest du unbedingt wissen, dass durch die Akupunktur auch Wehen ausgelöst werden können, was nach der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche allerdings nicht schlimm für dein Baby ist.
Bis die Geburt einsetzt wird eine Sitzung pro Woche empfohlen. Einige Hebammen raten auch zu zwei Behandlungen, dessen Anzahl aber nicht überschritten werden sollte. Die Akupunktur soll dabei die Reifung vom Muttermund unterstützen.
Gut zu wissen: Die Mannheimer Studie belegt, dass die geburtsvorbereitende Akupunktur die Eröffnungsphase der Geburt bei Erstgebärenden um bis zu 20 Prozent verkürzt sowie die Wehen-Koordination verbessert.
Wo werden die Nadeln gesetzt?
Bei dieser Akupunkturbehandlung werden während der Sitzung ca. vier Akupunkturpunkte auf jeder Seite behandelt. Die meisten Hebammen bzw. Fachärzte gehen dabei gleich vor und setzen die Akupunkturnadeln an folgenden Punkten:
- Unterhalb von deinem Knie
- Am oberen Seitenbereich von deiner Wade
- Am Innenknöchel
- An der Außenseite von deinem Knie
- Viele Akupunkteure setzen zur Entspannung noch eine Akupunkturnadel am Kopf
Was bewirkt die geburtsvorbereitende Akupunktur?
- So soll die Angst vor der Geburt genommen werden
- Der Körper wird auf die bevorstehende Geburt vorbereitet
- Eröffnungsphase kann bei Erstgebärenden bis zu 20% verkürzt werden
- Die Wehen-Koordination kann verbessert werden
- Reifung des Muttermunds wird unterstützt
- Ausbleibende Wehen können so ausgelöst werden
💪 Die Akupunktur während der Geburt
Was vielleicht zu Anfang etwas seltsam klingt, wird mittlerweile von vielen Hebammen in Geburtshäusern oder im Krankenhaus selbst angeboten. Die Akupunktur während der Geburt. Während der Geburt soll mit Hilfe der Akupunktur der Schmerz gelindert werden. Außerdem sind sich Hebammen sicher, dass so auch die Abfolge der Wehen verbessert werden kann. Eine schnellere Eröffnung vom Muttermund kann dadurch ebenfalls erfolgen.
Gut zu wissen: Durch eine Kölner Studie wurde nachgewiesen, dass durch die Akupunktur während der Geburt sowohl zur Stimulation als auch zur Abschwächung der Wehen eingesetzt werden kann.
Wer durch die Akupunktur seine Wehen stimulieren möchte, kann somit auch unter Umständen auf den gefürchteten Wehentropf verzichten. Bei einem „Wehensturm" kann die Akupunktur für eine Linderung sorgen, sodass du endlich mal wieder durchatmen kannst. Damit die Behandlung auch wirklich Wirkung zeigt, ist es wichtig, dass du still hältst und dich auf diese Heilmethode einlässt. Auch das Drehen der Nadeln kann die Wirkung nochmals unterstützen. Durch die Stimulation der Meridianpunkte am Bauch sowie am Rücken können viele werdende Mütter sich besser beruhigen und zwischendurch etwas entspannen, um neue Kraft zu tanken.
Wirkung während der Geburt:
- Verkürzung der eigentlichen Geburtsdauer
- Verkürzung der Eröffnungsphase
- Schmerzlinderung
- Wehentätigkeit kann in der Abfolge verbessert werden
- Wehen lassen sich sowohl stimulieren als auch lindern
- Du kannst während der Entbindung besser entspannen
🌸 Die Akupunktur nach der Geburt
Wenn du die Akupunkturbehandlung vor der Geburt und während der Geburt bereits als wohltuend empfunden hast, kann sie dir auch nach der Geburt helfen. So setzen viele Hebammen diese ein, um die Plazentaablösung zu unterstützen. Auch zur Schmerzlinderung bei den Nachwehen wird von vielen Ärzten eine solche Behandlung empfohlen.
Während du im Wochenbett bist, kann durch die Behandlung die Rückbildung unterstützt werden. Zusätzlich behandeln Hebammen hier Naht- und Hämorrhoidalbeschwerden.
👩⚕️ Wer macht die Akupunktur?
Die Akupunktur rund um die Bereiche Schwangerschaft, Kinderwunsch, Geburt und Co. werden vor allem von Hebammen, Heilpraktikern und Ärzten angeboten. Wichtig ist allerdings, dass du schaust, dass sie auch entsprechend in dem Bereich Akupunktieren von Schwangeren ausgebildet sind. Viele Hebammen haben zum Beispiel eine Akupunktur-Jahresausbildung absolviert, kennen die Meridianen Punkte und wissen genau, welche Nadel wo gesetzt werden müssen, um die gewünschte Wirkung auszulösen.
Tipp: Frag deine Hebamme oder deinen Frauenarzt nach einer Empfehlung für einen qualifizierten Akupunkteur. Achte darauf, dass die Person eine spezielle Ausbildung für Schwangere hat.
💰 Die Kosten der Akupunktur
Bis heute übernehmen viele Krankenkassen die Kosten für das Akupunktieren, allerdings leider noch längst nicht alle. Aus diesem Grund solltest du auf jeden Fall vorher nachfragen. Einige Hebammen haben die Akupunktur auch fest im Programm und bieten diese innerhalb ihrer Betreuung ihrer Patientinnen an.
Wer alles selbst bezahlen muss, sollte mit Kosten zwischen 20 und 80 Euro pro Sitzung sowie bis zu 150 Euro für die Anamnese, also der Erstellung von deinem individuellen Behandlungsplan einplanen.
Häufig gestellte Fragen
Tut Akupunktur in der Schwangerschaft weh?
Nein, Akupunktur tut nicht weh. Die Nadeln sind sehr dünn (0,2-0,4 mm) und du spürst den Einstich kaum. Manche Frauen berichten von einem leichten Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schweregefühl – das ist völlig normal und zeigt, dass die Behandlung wirkt.
Ab wann darf ich mit geburtsvorbereitender Akupunktur beginnen?
Beginne erst ab der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche mit der geburtsvorbereitenden Akupunktur. Die Behandlung kann Wehen auslösen – das ist nach diesem Zeitpunkt unbedenklich, aber vorher zu früh für dein Baby. Bis zur Geburt wird eine Sitzung pro Woche empfohlen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Akupunktur?
Viele, aber noch nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten für Akupunktur in der Schwangerschaft. Frag am besten vorher bei deiner Krankenkasse nach. Manche Hebammen bieten Akupunktur auch im Rahmen ihrer regulären Betreuung an. Privat zahlst du zwischen 20 und 80 Euro pro Sitzung.
Kann Akupunktur wirklich die Geburt verkürzen?
Ja, das ist wissenschaftlich belegt. Die Mannheimer Studie zeigt, dass geburtsvorbereitende Akupunktur die Eröffnungsphase bei Erstgebärenden um bis zu 20 Prozent verkürzen kann. Auch die Wehen-Koordination wird verbessert.
Welche Schwangerschaftsbeschwerden kann Akupunktur lindern?
Akupunktur kann bei vielen typischen Schwangerschaftsbeschwerden helfen: Übelkeit und Erbrechen, Sodbrennen, Migräne, Rückenschmerzen, Ischias, Wassereinlagerungen, Beckenschmerzen, Schlafstörungen sowie Angst und Depressionen. Sprich mit deinem Arzt oder deiner Hebamme über deine individuellen Beschwerden.
Kann Akupunktur beim Kinderwunsch helfen?
Viele Paare nutzen Akupunktur bereits bei der Familienplanung. Ob sie die Fruchtbarkeit direkt beeinflusst, ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Aber es gibt Hinweise, dass Akupunktur die Einnistung der befruchteten Eizelle unterstützen und die Eizellenreifung sowie Spermienqualität verbessern kann. Auch als Begleitung bei künstlicher Befruchtung wird sie eingesetzt.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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