Beckenbodentraining in der Schwangerschaft – Übungen und was sie bringen
Auf einen Blick
- Der Beckenboden trägt Dein Baby und muss sich bei der Geburt dehnen können – gezieltes Training hilft dabei
- Leichte Übungen ab Beginn der Schwangerschaft stärken die Muskulatur und erleichtern die Geburt
- Nach der Geburt solltest Du mindestens 4 Wochen warten, bevor Du mit intensiverem Training beginnst
Vielleicht spürst Du ihn gerade zum ersten Mal bewusst: Deinen Beckenboden. Die meisten Frauen nehmen ihn erst wahr, wenn sie schwanger sind – dabei leistet er täglich Schwerstarbeit. Jetzt, wo er nicht nur Deine Organe, sondern auch Dein wachsendes Baby tragen muss, ist es Zeit, ihn kennenzulernen und sanft zu stärken.
🔍 Wo ist der Beckenboden überhaupt?
Der Beckenboden befindet sich am unteren Abschluss des Beckens. Er besteht aus vielen quer- und längslaufenden Muskelschichten, die zusammen wie eine Hängematte die Organe im Bauchraum halten. Dadurch ermöglicht der Beckenboden einen aufrechten, geraden Gang, und er sorgt für Kontinenz. Das bedeutet, dass es Dir erst durch die Beckenbodenmuskulatur möglich ist, Harn und Stuhl zu halten.
Daher ist es gut wenn Du weißt, wo sich Deine Beckenbodenmuskeln befinden und welche Aufgabe diese haben. Nicht immer hängt eine Blasenschwäche nämlich mit einer Blasenentzündung zusammen. Die Beschwerden können auch darauf basieren, dass Dein Bindegewebe an Spannkraft verliert und die Muskeln nicht mehr so stabil arbeiten können.
💪 So fühlst Du Deinen Beckenboden
Der Beckenboden ist als haltende Muskulatur erst einmal nur da. Durch seine bloße Anwesenheit hält der Beckenboden bereits alle Organe im Bauchraum und ermöglicht Dir Kontinenz. Bei jungen Menschen ist der Beckenboden auch ohne Beckenbodentraining recht fest, die Muskulatur muss nicht bewusst gesteuert werden. Wenn Du Deinen Beckenboden bewusst fühlen willst, musst Du Dich schon anstrengen:
- Setze Dich auf einen Stuhl gerade auf Dein Gesäß und presse die Fersen aneinander: Jetzt fühlst Du den hinteren Beckenboden, der sich auf der Höhe von Deinem Steißbein befindet
- Setze Dich auf einen Stuhl und presse die Fußspitzen zusammen: Jetzt fühlst Du den vorderen Beckenboden
- Rolle ein Handtuch zusammen und lege es längs auf einen Stuhl. Setze Dich darauf, so dass die Sitzbeinhöcker rechts und links neben dem Handtuch sind. Was Du jetzt spürst, ist die untere Schicht des Beckenbodens. Diese Schicht kannst Du anspannen, ähnlich wie wenn Du beim Wasserlassen kurz den Urinstrahl anhältst
Tipp: Auch auf der Toilette ist es möglich, seinen Beckenboden kennenzulernen. Halte beim Wasserlassen den Wasserstrahl gezielt ein, lasse ihn kurz wieder los und halte ihn dann wieder ein. Du merkst vielleicht ein Spannen in der Scheide und auch ein Ziehen im Bauchraum – nun hast Du Kontakt zu Deinem Beckenboden.
🤰 Was der Beckenboden in der Schwangerschaft leistet
Während der Schwangerschaft muss der Beckenboden nicht nur die Organe im Bauchraum halten, sondern auch das steigende Gewicht von Gebärmutter und Kind halten. Gleichzeitig sorgen die Hormone während der Schwangerschaft dafür, dass Bänder und Gewebe weicher und dehnbarer werden. Auch der Beckenboden ist davon betroffen. Spätestens während der Schwangerschaft, idealerweise im Rahmen eines Geburtsvorbereitungskurses, solltest Du Deinen Beckenboden bewusst wahrnehmen und ein leichtes Beckenbodentraining machen.
Stell Dir einmal vor, dass Du eine Tasche trägst. Plötzlich verlierst Du an Kraft im Arm, das Gewicht der Tasche ist aber nach wie vor vorhanden. Der Druck und die Belastung auf Deine Muskeln steigen und es wird immer schwerer, dieses Gewicht zu halten. So geht es auch dem Beckenboden in der Schwangerschaft. Eine Stärkung ist daher besonders wichtig.
✨ Diese Übungen sind in der Schwangerschaft erlaubt
Während der Schwangerschaft solltest Du natürlich kein Beckenbodentraining machen, das mit starken Erschütterungen einhergeht. Reiten und Trampolinspringen sind als Beckenbodentraining während der Schwangerschaft ungeeignet. Ein leichtes Beckenbodentraining darfst Du aber durchaus absolvieren.
Achtung: Du hast eine Risikoschwangerschaft? In dem Fall solltest Du genaue Rücksprache mit dem Frauenarzt halten, welche Übungen sich für Dich eignen.
Einfache Übungen für das regelmäßige Beckenbodentraining sind:
- Ziehe Dein Schambein zum Bauchnabel und lasse es wieder locker. Kippe dabei Dein Becken nach vorne und hinten, ohne den Oberkörper zu bewegen
- Die drei oben bereits beschriebenen Übungen zum Erfühlen des Beckenbodens können gemacht werden. Wenn Du den Beckenboden dabei anspannst und gleichmäßig weiter atmest, ist das ein ideales Beckenbodentraining
🌸 Warum Beckenbodentraining jetzt so wichtig ist
Grundsätzlich ist der Körper der Frau darauf ausgelegt, Kinder zu kriegen. Dennoch freut er sich über jede Unterstützung, die er bekommen kann. Wenn Du Dir die Frage stellst, warum Du eigentlich schon in der Schwangerschaft Beckenbodenübungen machen solltest, wenn diese danach eh gemacht werden müssen, ist die Antwort einfach: jede Stärkung der Muskeln sorgt dafür, dass Du später eben nicht so viel machen musst.
In der Schwangerschaft hast Du deutlich mehr Zeit, Dich auf Deinen Körper zu konzentrieren. Nutze diese Phase – es wird Dir die Geburt und die Zeit danach deutlich erleichtern.
Wenn Dein Baby erst einmal geboren ist, dann denkst Du vermutlich nicht direkt daran, Deinen Beckenboden zu stärken. Natürlich steht der Rückbildungskurs bevor, der auch von der Krankenkasse übernommen wird. Wenn Du jetzt aber einmal ehrlich bist, dann weißt Du vermutlich jetzt schon, dass es sehr schwer wird, die Übungen auch gezielt im Alltag zu integrieren.
In der Schwangerschaft hast Du deutlich mehr Zeit, Dich auf Deinen Körper zu konzentrieren. Das beginnt schon beim bewussten Heben und Abstellen von schwereren Sachen. Wenn Du Dich in der Schwangerschaft mit Deinem Körper beschäftigst, hast Du aber einen noch größeren Vorteil: die Geburt wird leichter für Dich. Viele Frauen verkrampfen stark unter der Geburt. Sie schaffen es nicht, ihren Beckenboden loszulassen. Spürbar leichter wird dies, wenn Du Dich mit den Muskeln bereits beschäftigt hast.
Gut zu wissen: Befragt zu dieser Thematik doch auch den Frauenarzt oder die Hebamme. Hier bekommst Du noch weitere Ratschläge zur Thematik.
📅 Ab wann und wie oft solltest Du trainieren?
Grundsätzlich empfiehlt es sich, möglichst früh damit zu beginnen, die eigene Aufmerksamkeit auf den Beckenboden zu richten. Dabei kommt es natürlich ganz darauf an, wie Du Dich fühlst. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft hast Du vielleicht ein Problem damit, einen entspannten Zustand Deines Körpers zu erreichen. Allerdings merkst Du auch hier schon, dass Du vermutlich häufiger auf die Toilette musst. Diese Veränderung kannst Du für den Start mit dem Beckenbodentraining auch schon nutzen.
Grundsätzlich ist erlaubt, was sich für Dich gut anfühlt. Lass Dir von der Hebamme für Dich passende Übungen zeigen und versuche, diese in den Alltag zu integrieren. Du wirst bald merken, dass Dir das in der Schwangerschaft vielleicht gar nicht so schwer fällt.
💪 Wie intensiv darf das Training sein?
Ein starkes Beckenbodentraining ist in der Schwangerschaft nicht angesagt. Erstens ist Muskelaufbau aufgrund der hormonellen Veränderungen nicht sehr ratsam, und zweitens sollst Du weder Dich, noch das Kind durch extremen Sport stressen. Ein leichtes Beckenbodentraining ist dagegen gut. Denn ein gut trainierter Beckenboden zieht sich nach der Geburt schneller wieder zusammen, so dass Du die üblichen Probleme nach der Schwangerschaft wie Rückenschmerzen, gebeugten Gang und leichte Inkontinenz schnell wieder loswirst.
Gerade für das Training des Beckenbodens gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Das Zusammenziehen der Gesäßseiten sowie das Anhalten beim Wasserlassen sind sanfte Möglichkeiten für ein ruhiges Training, die Dir helfen können, Deine Muskeln zu stärken.
🍼 Training nach der Geburt – wann geht's los?
Direkt nach der Geburt ist Dir wohl nicht so sehr nach Sport zumute. Das ist normal. Du solltest Deinen Körper auch nicht überlasten, denn immerhin hat er mit der Geburt eine Höchstleistung vollbracht. Beckenbodentraining sollte nach der Schwangerschaft Teil der Rückbildung sein und nicht vor der vierten Woche nach der Geburt beginnen. Denn der Beckenboden wurde während der Geburt stark gedehnt und muss sich regenerieren.
Deine Muskeln sind noch einige Zeit etwas weicher, da in Deinem Körper eine Hormonumstellung stattfindet. Lass Dir daher Zeit und gib auch Deinem Körper genau diese Zeit. Im Wochenbett wird Dich die Hebamme besuchen und Dich auch darüber informieren, was Du Dir wann wieder zumuten kannst. Gerade nach einem Kaiserschnitt braucht Dein Körper viel Ruhe.
Achtung: Starte nicht vor der vierten Woche nach der Geburt mit intensiverem Beckenbodentraining. Dein Körper braucht Zeit zur Regeneration – besonders nach einem Kaiserschnitt.
🖤 Fazit: Beckenbodentraining lohnt sich
Beckenbodentraining ist sowohl in der Schwangerschaft als auch danach wirklich wichtig, um den Körper gesund und fit zu halten. Dabei ist Beckenbodentraining keine Frage von Bodyshaping, sondern eine Frage der gesundheitlichen Prävention. Deine Hebamme oder Physiotherapeutin berät Dich diesbezüglich.
Häufig gestellte Fragen
Ab wann kann ich mit Beckenbodentraining in der Schwangerschaft beginnen?
Du kannst bereits zu Beginn der Schwangerschaft mit leichten Übungen starten. Wichtig ist, dass Du auf Dein Körpergefühl hörst und nichts erzwingst. Bei einer Risikoschwangerschaft solltest Du vorher mit Deinem Frauenarzt sprechen.
Wie oft sollte ich den Beckenboden in der Schwangerschaft trainieren?
Grundsätzlich ist erlaubt, was sich für Dich gut anfühlt. Du kannst die Übungen täglich in Deinen Alltag integrieren – zum Beispiel beim Zähneputzen oder auf der Toilette. Lass Dir von Deiner Hebamme passende Übungen zeigen.
Welche Übungen sind in der Schwangerschaft tabu?
Vermeide Sportarten mit starken Erschütterungen wie Reiten oder Trampolinspringen. Auch zu intensives Muskeltraining ist nicht ratsam. Konzentriere Dich auf sanfte, bewusste Übungen ohne Überanstrengung.
Wann darf ich nach der Geburt wieder mit Beckenbodentraining beginnen?
Warte mindestens vier Wochen nach der Geburt, bevor Du mit intensiverem Training beginnst. Dein Beckenboden braucht Zeit zur Regeneration. Im Wochenbett wird Dich Deine Hebamme beraten, wann Du wieder starten kannst.
Hilft Beckenbodentraining wirklich bei der Geburt?
Ja! Wenn Du Deinen Beckenboden kennst und bewusst anspannen und entspannen kannst, fällt es Dir unter der Geburt leichter, ihn loszulassen. Viele Frauen verkrampfen, weil sie die Muskulatur nicht bewusst steuern können.
Was passiert, wenn ich den Beckenboden nicht trainiere?
Ohne Training kann es nach der Geburt zu Problemen wie Blasenschwäche, Rückenschmerzen oder gebeugtem Gang kommen. Ein trainierter Beckenboden zieht sich nach der Geburt schneller wieder zusammen und beugt diesen Beschwerden vor.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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