Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft & Was dagegen hilft
Auf einen Blick
- Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft sind durch Gewichtszunahme und Hormone völlig normal – etwa 50% aller Schwangeren leiden darunter
- Das Hormon Relaxin lockert Gewebe, Bänder und Gelenke zur Geburtsvorbereitung, was zu Schmerzen führen kann
- Natürliche Maßnahmen wie Physiotherapie und Akupunktur helfen oft – Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt
Dein Rücken schmerzt, die Handgelenke kribbeln und jede Bewegung fühlt sich schwerer an? Gelenkschmerzen gehören zu den häufigsten Begleitern in der Schwangerschaft. Dein Körper leistet gerade Unglaubliches – und das spürst Du manchmal deutlich. Die gute Nachricht: Du bist nicht allein damit und es gibt viele Wege, die Beschwerden zu lindern.
💪 Warum Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft so häufig sind
In Deiner Schwangerschaft sind Gelenkschmerzen garantiert nicht selten. Allein durch die körperliche Belastung, der Du ausgesetzt bist, treten Gelenkschmerzen bei vielen Frauen auf. Du darfst nicht vergessen, dass Du während Deiner Schwangerschaft zwischen 10 kg und 15 kg an Gewicht zunimmst. In Einzelfällen kann das Gewicht sogar noch höher steigen. Für Deinen Körper bedeutet dies eine extreme Belastung.
Dein Körper muss sich erst einmal an diese Last gewöhnen. Besonders Deine Gelenke, Deine Muskeln und Deine Bänder müssen mit der ständig wachsenden Belastung zurechtkommen. Dies kann somit in einigen Fällen zu Schmerzen führen. Unter starken Rückenschmerzen leiden beispielsweise 50% der schwangeren Frauen. Bei vielen von ihnen sind fortschreitende Schmerzen in den Gelenken keine Seltenheit mehr.
Gut zu wissen: Besonders schwerwiegend werden die Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Gerade durch starkes Übergewicht in der Schwangerschaft, eventuelle Vorerkrankungen und Fehlstellungen kann es zu gravierenden Schmerzen kommen.
🌸 Was Deine Hormone mit Deinen Gelenken machen
Dein Körper ist schon ab dem ersten Moment der Schwangerschaft in der Lage, die besten Bedingungen für die Entwicklung Deines Kindes zu schaffen. Dabei spielen Deine Hormone eine entscheidende Rolle, wie den gesamten Verlauf Deiner Schwangerschaft.
Einer der wichtigsten Hormone in Deinem Körper ist das Relaxin. Dieses Hormon arbeitet mit weiteren Hormonen zusammen und bereitet die Gebärmutterschleimhaut bereits auf die Aufnahme der befruchteten Eizelle vor. Bist Du nicht schwanger, steigt der Spiegel des Relaxins während Deines Zyklus stark an. Erst in der zweiten Zyklushälfte sinkt der Relaxin-Spiegel wieder ab. Im Falle einer Schwangerschaft steigt dieser weiterhin an, und zwar auch während Deiner Schwangerschaft. Erst im ersten Trimester hat er seinen Höhepunkt erreicht, also in der sogenannten Frühschwangerschaft.
Das Relaxin ist in Deiner Schwangerschaft ein wichtiges Hormon, da es das Gewebe Deines Muttermundes auf die Geburt vorbereitet. Auch die Bänder und Gelenke und das Gewebe des Beckenbodens wird durch dieses Hormon vorbereitet. Solltest Du in der Schwangerschaft an Gelenkschmerzen leiden, kann das Relaxin mitunter ein Grund dafür sein. Aufgrund der Lockerungen Deines Gewebes werden Deine Gelenke nur noch gering belastet. Das bedeutet, dass Dein Körper in der Zeit sehr stark beansprucht wird. Du darfst nicht vergessen, dass er 10 Monate lang auf Höchstleistung läuft und die Höchstleistung auch erbringen muss.
Dein Körper vollbringt gerade ein Wunder – und das spürst Du auch in den Gelenken. Die Hormone bereiten Dich auf die Geburt vor, und das ist manchmal einfach anstrengend. Gönn Dir Pausen und hör auf Deinen Körper.
🔍 Diese Gelenkbeschwerden treten am häufigsten auf
Schwangerschaftsbeschwerden sind nicht selten. Diese treten von Frau zu Frau jedoch unterschiedlich auf. Sollten jedoch die ersten Warnsymptome für Gelenkschmerzen auftreten, ist es nicht nur wichtig, diese korrekt zu lokalisieren, sondern auch etwas zu unternehmen.
Folgende Gelenkbeschwerden treten in der Schwangerschaft häufiger auf:
- Ischias-Schmerzen
- Schmerzen in den Beinen
- Schmerzen in den Armen und im Handgelenk
- Gelenkentzündungen aller Art
- Rückenschmerzen
Natürlich treten nicht alle Beschwerden in der Schwangerschaft auf. Es gibt schwangere Frauen, die keinerlei Gelenkschmerzen haben und dementsprechend nur geringe Probleme.
💧 Wassereinlagerungen und das Karpaltunnelsyndrom
Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft sind nicht selten. Viele Frauen haben Probleme mit Wasser im Körper und dadurch auch erhebliche Schmerzen. Gerade in der zweiten Schwangerschaftshälfte kommt es sehr oft zu Wassereinlagerungen, die meistens ein Grund für die wachsenden Gelenkschmerzen sind.
Einige Frauen haben sogar Probleme mit Taubheitsgefühlen in bestimmten Körperregionen oder starke Probleme mit den Handgelenken und Armen. Nicht selten handelt es sich hierbei um das sogenannte Karpaltunnelsyndrom, welches heute als einer der häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden anzusehen ist. Das Karpaltunnelsyndrom entsteht genau dann, wenn die Nervenbahnen in den Handwurzeln stark belastet werden. Dadurch kann es zu Wassereinlagerungen kommen.
Tipp: Linderung kannst Du dadurch erfahren, indem Du Deine Handgelenke und Hände nicht besonders stark belastest und auch nicht auf ihnen schläfst. Eine Ruhigstellung des betroffenen Handgelenks, beispielsweise durch eine Schiene, kann ebenfalls zu Linderung führen.
Viele Frauen schwören zudem auf Akupunktur an den betroffenen Stellen und lassen sich von einem Physiotherapeuten oder Heilpraktiker beraten. Der Besuch bei einem Arzt oder Spezialisten ist für Dich sehr wichtig, besonders wenn es zu sehr starken Schmerzen kommt. In der Regel verschreibt Dir der Arzt ein schmerzlinderndes Medikament, um Deine Nervenbahnen zu beruhigen. In den meisten Fällen sind Gelenkschmerzen und Beschwerden durch das Karpaltunnelsyndrom nach der Geburt verschwunden.
🌿 Natürliche Hilfsmittel gegen Gelenkschmerzen
In der Schwangerschaft solltest Du nicht sofort auf Medikamente zurückgreifen, ohne mit Deinem Arzt gesprochen zu haben. Gerade bei Gelenkschmerzen gibt es noch einige weitere Möglichkeiten, um diese zu lindern.
Homöopathische Mittel
Neben Medikamenten kannst Du in Deiner Schwangerschaft mit homöopathischen Mitteln vorgehen. Besonders bei Gelenkschmerzen gibt es verschiedene Produkte, die helfen können. Beispielsweise kannst Du folgende Mittel gegen Schmerzen in den Beinen einnehmen:
- Hamamelis
- Silicea
- Aesculus
In der Homöopathie gibt es zahlreiche schmerzlindernde Produkte, die in Deiner Schwangerschaft nicht schädlich sind und auf natürliche Art und Weise auf Deinen Körper wirken. Besprich dies mit Deiner Hebamme oder Deinem Arzt. Dieser kann Dir Produkte nennen, die Dir und Deinem Kind nicht schaden und trotz alledem bei Gelenkschmerzen helfen.
Gut zu wissen: Häufig kann auch Akupunktur in der Schwangerschaft hilfreich sein, um Gelenkbeschwerden und andere Schwangerschaftsprobleme beheben zu können.
💊 Medikamente gegen Gelenkschmerzen – Was ist erlaubt?
Natürlich besteht bei akuten Fällen die Möglichkeit, eine medikamentöse Behandlung zu probieren. Diese sollte jedoch nur in Absprache mit Deinem Arzt stattfinden. In der Regel gibt es verschiedene Medikamente, die Dir und Deinem ungeborenen Kind in der Schwangerschaft keinen Schaden zufügen.
Achtung: Niemals ein Schmerzmittel nehmen, ohne es mit Deinem Arzt besprochen zu haben. Gerade in der Schwangerschaft kann dies gefährlich sein.
Die drei gängigsten Schmerzmittel in der Schwangerschaft
Paracetamol
Paracetamol wird von vielen Ärzten in der Schwangerschaft empfohlen und gilt sogar als eines der sichersten Medikamente gegen akute Schmerzen. Experten sind sich jedoch nicht sicher, ob es nicht doch Risiken für das Kind gibt. Forscher fanden heraus, dass die Kinder später an Hyperaktivität, Asthma oder Hodenhochstand leiden. Ob es jedoch einen Zusammenhang mit der Einnahme von Paracetamol gibt, ist bislang unklar. In der Regel zeigt sich Paracetamol als sicheres Schmerzmittel, welches natürlich nicht dauerhaft eingenommen werden sollte.
Ibuprofen
Ibuprofen ist ein Schmerzmittel, welches erst bei einer Konzentration von 400 mg oder 600 mg wirkt. Sollte es sich um sehr starke Schmerzen handeln, muss das Ibuprofen bereits in 600 mg mehrmals am Tag eingenommen werden. Auch das ist nur mit Absprache Deines Arztes möglich. Bei allen Medikamenten solltest Du unbedingt Deinen Arzt fragen. Viele Ärzte sagen, dass Ibuprofen in der Schwangerschaft deutlich wirksamer ist als beispielsweise Paracetamol.
Opioide
Bei schweren Schmerzen, wie beispielsweise Tumorschmerzen, werden des Öfteren Opioide eingesetzt. Selbst nach einem Unfall oder einer Operation wird mit diesen Mitteln gearbeitet. Während Deiner gesamten Schwangerschaft ist es möglich, dass Dein Arzt Dir Opioide verschreibt. Sollte dies erforderlich sein und Du sehr starke Schmerzen haben, besprich auch das mit dem Arzt Deines Vertrauens.
Nicht immer sind chemische Medikamente bei Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft notwendig. Sollte es trotz alledem notwendig sein, stärkere Medikamente nehmen zu müssen, ist es sehr wichtig, sich mit Deinem Arzt abzusprechen. Dieser kann Dir einen Medikamentenplan aufstellen oder auch andere Hilfestellung für Deine Beschwerden bieten. Bei der Einnahme von Medikamenten steht die Gesundheit Deines Kindes im Vordergrund.
🍼 Gelenkschmerzen nach der Geburt – Wann wird es besser?
Bei vielen Frauen gehen die Gelenkschmerzen nach der Geburt des Kindes zurück. Es gibt aber auch Frauen, die beispielsweise an Rheuma erkranken und weiterhin mit starken Schmerzen zu kämpfen haben. Viele Frauen sprechen wiederum von Gelenkschmerzen beim Stillen. Dies muss jedoch keine rheumatische Erkrankung sein. Es kann vorkommen, dass Du nach der Schwangerschaft Beschwerden hast. Du darfst nicht vergessen, dass Dein Gewicht erst einmal wieder sinken muss. Nach der Geburt des Kindes ist es zwar schon weniger, jedoch muss Dein Körper wieder in seinen Ursprung zurückkehren.
Viele betroffene Frauen, die nach der Geburt oder beim Stillen Gelenkschmerzen haben, sprechen vor allem von Schmerzen in den Fingern und Händen. Auch Schmerzen in den Fußgelenken und Knien sind nicht selten. Diese treten morgens nach dem Aufstehen oder aber nach längeren Ruhephasen auf.
Tipp: Sollte es auch nach der Schwangerschaft zu Problemen mit Deinen Gelenken und akuten Schmerzen kommen, scheue Dich nicht, Deinen Arzt anzusprechen. In den meisten Fällen können Physiotherapien und Ergotherapien helfen, Deine Beschwerden dauerhaft zu lindern.
Es kann sogar passieren, dass Deine Schlafposition an den ständigen Verspannungen und Schmerzen schuld ist. Auch das kannst Du mit Deinem Arzt besprechen.
Häufig gestellte Fragen
Sind Gelenkschmerzen in der Schwangerschaft normal?
Ja, absolut. Etwa 50% aller Schwangeren leiden unter Gelenkschmerzen. Dein Körper trägt zusätzliches Gewicht und Hormone lockern Dein Gewebe – beides kann zu Schmerzen führen. Das ist unangenehm, aber in den meisten Fällen völlig unbedenklich.
Welche Schmerzmittel darf ich in der Schwangerschaft nehmen?
Paracetamol gilt als sicherstes Schmerzmittel in der Schwangerschaft. Auch Ibuprofen kann in Absprache mit Deinem Arzt eingenommen werden. Wichtig: Nimm niemals Medikamente ohne vorherige Rücksprache mit Deinem Arzt – auch nicht rezeptfreie.
Was kann ich selbst gegen Gelenkschmerzen tun?
Versuche es zunächst mit natürlichen Methoden: Physiotherapie, sanfte Bewegung, Akupunktur oder homöopathische Mittel können helfen. Achte auf Deine Schlafposition und vermeide einseitige Belastungen. Bei Handgelenkschmerzen hilft oft eine Schiene zur Ruhigstellung.
Was ist das Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft?
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch Wassereinlagerungen, die auf die Nervenbahnen in den Handwurzeln drücken. Es führt zu Taubheitsgefühlen und Schmerzen in Händen und Handgelenken. Die gute Nachricht: Nach der Geburt verschwinden die Beschwerden meist von selbst.
Wann sollte ich wegen Gelenkschmerzen zum Arzt?
Sprich mit Deinem Arzt, wenn die Schmerzen sehr stark sind, Dich im Alltag einschränken oder wenn Du zusätzlich Schwellungen, Rötungen oder Fieber bemerkst. Auch wenn die Schmerzen nach der Geburt nicht besser werden, solltest Du ärztlichen Rat einholen.
Verschwinden die Gelenkschmerzen nach der Geburt wieder?
Bei den meisten Frauen verschwinden die Gelenkschmerzen nach der Geburt, sobald sich der Hormonhaushalt normalisiert und das Gewicht wieder sinkt. Manche Frauen haben noch eine Weile Beschwerden, besonders beim Stillen. Sollten die Schmerzen anhalten, können Physiotherapie oder Ergotherapie helfen.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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