Schilddrüsenerkrankung in der Schwangerschaft
Auf einen Blick
- Schilddrüsenerkrankungen sind in der Schwangerschaft häufig und meist gut behandelbar
- Jodmangel kann zu schweren Entwicklungsstörungen beim Baby führen
- Regelmäßige Kontrollen und individuell eingestellte Medikamente schützen Mutter und Kind
Viele Frauen haben bereits vor der Schwangerschaft eine Schilddrüsenerkrankung – oft ohne es zu wissen. Gerade jetzt, wo dein Baby auf deine Hormone angewiesen ist, wird die richtige Einstellung besonders wichtig. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Betreuung und Medikation kannst du eine gesunde Schwangerschaft erleben.
🔍 Wie funktioniert deine Schilddrüse eigentlich?
Die Schilddrüse ist ein kleines Organ unterhalb deines Kehlkopfes, das eine riesige Aufgabe hat: Sie produziert Hormone, die deinen gesamten Stoffwechsel steuern. Diese Hormone beeinflussen, wie schnell dein Körper arbeitet – von der Verdauung über die Körpertemperatur bis zur Herzfrequenz.
Dein Arzt kann durch Abtasten der Schilddrüse, einen Ultraschall oder eine Blutuntersuchung feststellen, ob bei dir eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind dafür besonders wichtig.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Bei einer Unterfunktion produziert deine Schilddrüse zu wenig Hormone. Das merkst du oft an:
- Ständiger, andauernder Müdigkeit
- Verminderter Leistungsfähigkeit
- Eingeschränkter, geistiger Leistungsfähigkeit
- Trockener Haut
- Verstopfung
- Gewichtszunahme
In den meisten Fällen liegt die Hauptursache bei einer chronischen Schilddrüsenentzündung, die auch unter dem Namen Hashimoto bekannt ist. Manchmal ist die Hypothyreose auch angeboren – das zeigt sich dann bereits in den ersten Lebensmonaten deines Babys.
Achtung: Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann zu Fehl- oder Frühgeburten führen und die geistige Entwicklung deines Babys beeinträchtigen.
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Bei einer Überfunktion produziert deine Schilddrüse zu viele Hormone. Bei etwa 95 % der Betroffenen liegt die Ursache bei der Basedowschen Krankheit, einer Autoimmunerkrankung. Typische Symptome sind:
- Hoher Blutdruck
- Schweißausbrüche
- Nervosität und Unruhe
In vielen Fällen ist die Schilddrüse stark vergrößert, sodass es bei einigen Frauen zu einer Kropfbildung kommt.
🌸 Schilddrüsenerkrankung in der Schwangerschaft – Was ist wichtig?
Während und nach deiner Schwangerschaft kann es zu Erkrankungen deiner Schilddrüse kommen. Sogar eine Verdickung der Schilddrüse (Kropf genannt) ist nicht selten. Der Kropf ist von außen sichtbar und macht daher schon auf die Erkrankung aufmerksam.
Jodmangel – die unterschätzte Gefahr
Eine der häufigsten Ursachen für einen Kropf ist Jodmangel. Dieser kann besonders in deiner Schwangerschaft und auch in der Stillzeit entstehen. Jod ist ein sehr wichtiges Spurenelement, das dein Körper benötigt, um deine eigenen Schilddrüsenhormone abbauen zu können. Außerdem wird das Jod für die Entwicklung des Gehirns deines Babys benötigt.
Achtung: Jodmangel kann dazu führen, dass dein Kind geistig behindert auf die Welt kommt, unter erheblichen Wachstumsstörungen leidet oder es zu einer Fehl- oder Frühgeburt kommt.
Dein Körper kann Jod nicht selbst produzieren, sodass du es in Form von Nahrung aufnehmen musst. Als werdende Mutter und besonders in der Stillzeit ist es wichtig, die korrekte Menge an Jod zu dir zu nehmen.
Tipp: Jod ist besonders in Seefischen enthalten. Seelachs und Kabeljau gehören zu den jodhaltigsten Fischen überhaupt. Solltest du keinen Fisch essen, sprich mit deinem Arzt über eine medikamentöse Therapie.
💊 Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft
Solltest du die ersten Symptome bemerken, kontaktiere am besten sofort deinen Arzt. Eine Überfunktion (Hyperthyreose) deiner Schilddrüse kann auch für dein ungeborenes Kind gefährlich sein. Ebenso besteht das Risiko, an einer Präeklampsie (vorzeitige Plazentaablösung) zu erkranken.
In der Regel wird im ersten Trimenon mit dem Medikament Thiamazol behandelt. Bei einer manifesten Hypothyreose, im Falle eines erhöhten TSH in deiner Schwangerschaft, sollte in jedem Fall mit Levothyroxin behandelt werden.
Häufig werden Schilddrüsenhormontabletten wie Thyreostatika oder Propylthiouracil eingesetzt. Diese sind für dein Kind völlig unschädlich.
Die medikamentöse Therapie muss individuell eingestellt werden und nimmt meist einige Wochen in Anspruch. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, aber mit der richtigen Einstellung kannst du beruhigt durch die Schwangerschaft gehen.
Gut zu wissen: Die medikamentöse Therapie muss je nach Erkrankung individuell eingestellt werden, was meistens einige Wochen in Anspruch nimmt. Eine regelmäßige Untersuchung der Blutwerte und Kontrolle der Schilddrüse ist daher unumgänglich.
🍼 Schilddrüsenentzündung nach der Geburt
Etwa 9 Prozent aller Frauen erkranken nach der Geburt an einer chronischen Schilddrüsenentzündung. Eine solche Entzündung ist nur vorübergehend und auch unter dem Namen postpartale Thyreoiditis bekannt. Sie beginnt in der Regel mit einer Überfunktion des Organs, die oft über mehrere Wochen anhält und anschließend in eine Hypothyreose übergeht.
In den meisten Fällen verursacht die Entzündung nicht einmal Schmerzen, sodass sie bei den meisten Ärzten als stille Schilddrüsenentzündung bezeichnet wird.
Typische Merkmale einer stillen Schilddrüsenentzündung
- Ständige Müdigkeit
- Depressionen
- Gereiztheit
- Stimmungsschwankungen
Die Symptome ähneln sich stark denen einer Wochenbettdepression, die bei einigen Frauen nach der Geburt ihres Kindes üblich sind. Es ist daher besonders wichtig, dass du bei den ersten Anzeichen sofort mit deinem Arzt sprichst, um zu schauen, ob eine Wochenbettdepression oder vielmehr eine Schilddrüsenentzündung vorliegt.
Gut zu wissen: Eine Behandlung mit Medikamenten ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Sehr oft klingen die Beschwerden der Thyreoiditis nach einiger Zeit, beziehungsweise innerhalb eines Jahres wieder ab.
Es gibt allerdings auch Frauen, die unter besonders starken Symptomen leiden und mit der Entzündung zu kämpfen haben. Gerade dann ist es jedoch sinnvoller, auf eine medikamentöse Therapie zurückzugreifen. Lass dich dahingehend am besten von deinem Arzt beraten und besprich mit ihm, welche Symptome bei dir bestehen und überwiegen. Die richtige Therapie findest du garantiert mit deinem Arzt gemeinsam.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich mit einer Schilddrüsenerkrankung schwanger werden?
Ja, mit einer gut eingestellten Schilddrüsenerkrankung kannst du problemlos schwanger werden. Wichtig ist, dass die Medikation vor der Schwangerschaft mit deinem Arzt besprochen und optimal eingestellt wird.
Sind Schilddrüsenmedikamente in der Schwangerschaft sicher?
Ja, Medikamente wie Levothyroxin bei Unterfunktion oder Thiamazol und Propylthiouracil bei Überfunktion sind für dein Baby völlig unschädlich. Eine unbehandelte Schilddrüsenerkrankung ist dagegen gefährlich für die Entwicklung deines Kindes.
Wie viel Jod brauche ich in der Schwangerschaft?
Als werdende Mutter hast du einen erhöhten Jodbedarf. Achte auf jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch (Seelachs, Kabeljau) oder sprich mit deinem Arzt über eine Jodtablette, besonders wenn du keinen Fisch isst.
Woran erkenne ich eine Schilddrüsenerkrankung in der Schwangerschaft?
Typische Symptome sind ständige Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit, hoher Blutdruck oder Schweißausbrüche. Da diese Symptome auch zu einer normalen Schwangerschaft gehören können, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Wie oft muss ich meine Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen?
Bei einer bekannten Schilddrüsenerkrankung sollten deine Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden, besonders in den ersten Wochen nach einer Medikamenteneinstellung. Dein Arzt wird dir einen individuellen Kontrollplan erstellen.
Was ist eine postpartale Thyreoiditis?
Etwa 9 Prozent aller Frauen erkranken nach der Geburt an dieser vorübergehenden Schilddrüsenentzündung. Sie beginnt meist mit einer Überfunktion und geht dann in eine Unterfunktion über. Die Symptome ähneln einer Wochenbettdepression und klingen meist innerhalb eines Jahres wieder ab.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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