Erkrankungen in der Schwangerschaft – Eine Übersicht
Auf einen Blick
- Schwangere sind durch hormonelle Veränderungen anfälliger für Infektionen und bestimmte Erkrankungen
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu behandeln
- Viele schwangerschaftsbedingte Erkrankungen lassen sich heute gut beherrschen, wenn sie rechtzeitig entdeckt werden
Das Bild der strahlenden, gesunden Schwangeren entspricht nicht immer der Realität. Dein Körper macht gerade eine enorme Veränderung durch – und das kann dich anfälliger für verschiedene Erkrankungen machen. Die gute Nachricht: Mit regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen und dem richtigen Wissen bist du gut geschützt.
🔍 Welche Arten von Erkrankungen können auftreten?
In der Schwangerschaft kannst du unter Erkrankungen leiden, die direkt mit deinem aktuellen Zustand zusammenhängen – sogenannte Schwangerschaftserkrankungen. Einige treten wirklich nur in der Schwangerschaft auf und werden als schwangerschaftsspezifische Erkrankungen bezeichnet. Andere Krankheiten können dich auch zu jedem anderen Lebenszeitpunkt erwischen.
Die Schwere dieser Erkrankungen kann sehr unterschiedlich sein – von harmlos bis lebensbedrohlich für dich oder dein Kind. Die wichtigsten Kategorien sind:
- Internistische Erkrankungen in der Schwangerschaft
- Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft
- Infektionen in der Schwangerschaft
- Psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft und im Wochenbett
🏥 Internistische Erkrankungen – Was betrifft die inneren Organe?
Unter internistischen Erkrankungen werden alle Krankheiten zusammengefasst, die deine inneren Organe betreffen. Besonders bedeutend in der Schwangerschaft sind:
- Gestationsdiabetes
- Thrombosen
- Rhesusunverträglichkeit
- Plazentainsuffizienz
Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt vor, wenn dein Blutzuckerspiegel zum ersten Mal in dieser Zeit gestört ist und bestimmte Werte überschritten werden. Wie bei einem normalen Diabetes spielen sowohl genetische Faktoren als auch dein Lebensstil eine Rolle. Daher kommt Schwangerschaftsdiabetes in den Industrienationen häufiger vor.
Tipp: Durch regelmäßige Überprüfung der Blutzuckerwerte, eine gesunde Ernährung und in schweren Fällen die Gabe von Insulin lässt sich der Gestationsdiabetes gut beherrschen.
Rhesusunverträglichkeit
Bei einer Rhesusunverträglichkeit kann dein Körper Antikörper gegen das Blut deines Kindes bilden. Das passiert, wenn du die Blutgruppe Rhesus-negativ hast und dein Kind Rhesus-positiv ist. In der Regel ist das kein Problem für das erste Kind, in der zweiten Schwangerschaft kann es aber zu Schwierigkeiten kommen. Aus diesem Grund prüfen Frauenärzte die Blutgruppe der Schwangeren.
💪 Hypertensive Erkrankungen – Wenn der Blutdruck steigt
Unter hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen werden Krankheiten zusammengefasst, die vor allem durch Bluthochdruck gekennzeichnet sind. Früher wurden sie auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet, oft wird auch der Begriff Gestose genutzt. Sie treten vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf.
Zu den wichtigsten hypertensiven Erkrankungen gehören:
- Präeklampsie
- Eklampsie
- HELLP-Syndrom
Symptome, auf die du achten solltest
Neben dem hohen Blutdruck zeigen sich weitere Symptome:
- Erhöhte Eiweißausscheidung
- Oberbauchschmerzen
- Starke Kopfschmerzen
- Sehstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Anfälle
Achtung: Wenn du solche Anzeichen bei dir bemerkst, solltest du umgehend deinen Gynäkologen oder deine Gynäkologin aufsuchen. Unbehandelt können hypertensive Erkrankungen eine Reihe von Komplikationen nach sich ziehen und sogar zum Tod von Mutter und Kind führen.
Gut zu wissen: Wenn du schon vor der Schwangerschaft Bluthochdruck hattest, solltest du besondere Vorsicht walten lassen und engmaschig kontrolliert werden.
🦠 Infektionen – Dein Immunsystem ist geschwächt
Die hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft machen dich empfindlich gegenüber diversen Infektionskrankheiten, weil dein Immunsystem abgeschwächt ist. Potenziell gefährliche Infektionen sind unter anderem:
- Röteln
- Grippe
- Windpocken
- Ringelröteln (Parvovirus B19)
- Toxoplasmose (Toxoplasma gondii)
- Masern
- Mumps
- Hepatitis
- Zytomegalie
- Herpes
- Lyme-Borreliose
- Zikavirus
- Scharlach
Ich rate allen werdenden Mamas: Lasst vor der Schwangerschaft euren Impfstatus checken. Das gibt dir ein beruhigendes Gefühl und schützt dein Baby von Anfang an.
So schützt du dich und dein Baby
Vor der Schwangerschaft kannst du deinen Impfstatus überprüfen lassen und fehlende Impfungen nachholen. Auch während der Schwangerschaft kannst du einige Impfungen bekommen, wenn du erst dann feststellst, dass etwas fehlt. In der Regel sind das die Impfungen, bei denen ein Totimpfstoff genutzt wird. Injektionen mit einem Lebendimpfstoff werden dagegen meist nicht in der Schwangerschaft durchgeführt.
Allerdings gibt es nicht für alle möglichen Erreger einen Impfstoff. Daher solltest du gängige Hygieneregeln immer gut beachten. Dein Arzt kann auch überprüfen, ob du schon Antikörper durch eine frühere Infektion gebildet hast. Das erfolgt mittels einer Überprüfung des Titers im Blut. Ist bereits eine Resistenz vorhanden, kannst du eventuell auf einige Vorsichtsmaßnahmen verzichten. Das solltest du aber immer mit deinem Arzt besprechen.
Achtung: Viele Erkrankungen können Fehlbildungen und Organschädigungen beim Kind verursachen. Daher solltest du immer beim Arzt vorstellig werden, wenn du krank bist. Eine rechtzeitige Gabe von passenden Medikamenten, wie zum Beispiel Antibiotika, kann für eine schnelle Ausheilung sorgen und oft Probleme verhindern.
🖤 Psychische Erkrankungen – Du bist nicht allein
In der Schwangerschaft und im Wochenbett kannst du unter Umständen auch an psychischen Erkrankungen leiden. Dazu zählen unter anderem:
- Wochenbettdepression
- Wochenbettpsychose
Baby Blues – Die ersten Tage nach der Geburt
Besonders in der sensiblen Phase des Wochenbetts kann deine Psyche sehr leiden und erkranken. Die hormonelle Umstellung und die körperliche Belastung können bei vielen Frauen in den ersten Tagen zum sogenannten „Baby Blues" führen. Manchmal wird diese Zeit auch als Heultage bezeichnet. Sie zeigt sich durch schnelle Stimmungswechsel, eine Neigung zum Weinen und eine hohe emotionale Empfindlichkeit. Dadurch ähnelt sie einer Depression. In der Regel geht der Baby Blues aber schon nach wenigen Tagen wieder vorbei.
Wochenbettdepression (Postnatale Depression)
Eine Wochenbettdepression tritt dagegen meist erst nach sechs bis zwölf Wochen auf. Sie ist durch verschiedene psychische und körperliche Symptome gekennzeichnet und hält länger an. Der Zustand kann sich auch negativ auf die Beziehung von Mutter und Kind auswirken.
Tipp: Es ist wichtig, dass du dir ärztliche Hilfe suchst, wenn du die Vermutung hast, an einer Wochenbettdepression erkrankt zu sein. Übrigens: Auch die Väter können von dieser psychischen Erkrankung betroffen sein.
Wochenbettpsychose
Davon abzugrenzen ist eine Wochenbettpsychose. Sie beginnt häufig ungefähr zwei Wochen nach der Entbindung. Dabei kann es zu depressiven und manischen Verstimmungen kommen. Auch Halluzinationen, Angst- und Wahnzustände können auftreten. Auch bei einer solchen Symptomatik ist eine schnelle Behandlung wichtig.
✨ Fazit – Nutze die Vorsorgeuntersuchungen
Egal ob du schon vor der Schwangerschaft unter Vorerkrankungen gelitten hast oder ganz gesund warst – du solltest immer auch die Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Hebamme in Anspruch nehmen. Die Fachleute können deine individuellen Risikofaktoren beurteilen und dich beraten. Sie können einschätzen, ob du besonders auf bestimmte Symptome achten musst, und werden auch im Ernstfall behandeln. Viele Erkrankungen in der Schwangerschaft lassen sich inzwischen gut beherrschen, wenn sie frühzeitig bemerkt werden.
Häufig gestellte Fragen
Welche Krankheiten sind gefährlich für Schwangere?
Für dich und dein Kind können verschiedene Erkrankungen problematisch sein. Das sind zum einen bestimmte Infektionen, zum anderen bestimmte Krankheiten, die durch die Belastung deines Körpers in der Schwangerschaft ausgelöst werden – wie Präeklampsie, HELLP-Syndrom oder Gestationsdiabetes.
Was ist eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung?
Unter diesem Begriff versteht man eine Krankheit, die durch eine Schwangerschaft verursacht wird. Dazu gehören zum Beispiel Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie oder die Wochenbettdepression.
Bin ich in der Schwangerschaft anfälliger für Erkrankungen?
Ja, du bist in der Schwangerschaft anfälliger für Infektionen. Dein Immunsystem wird durch die hormonelle Umstellung herunterreguliert. Das ist ein natürlicher Prozess, damit dein Körper das Baby nicht abstößt – macht dich aber empfindlicher gegenüber Krankheitserregern.
Wann sollte ich bei Symptomen sofort zum Arzt?
Bei starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen, plötzlichen Schwellungen oder anhaltendem Erbrechen solltest du umgehend deinen Arzt kontaktieren. Diese Symptome können auf ernsthafte Erkrankungen wie Präeklampsie hinweisen.
Kann ich mich während der Schwangerschaft impfen lassen?
Ja, einige Impfungen sind auch während der Schwangerschaft möglich – vor allem solche mit Totimpfstoffen. Impfungen mit Lebendimpfstoffen werden dagegen meist nicht in der Schwangerschaft durchgeführt. Am besten lässt du deinen Impfstatus schon vor der Schwangerschaft überprüfen.
Was kann ich selbst tun, um Erkrankungen vorzubeugen?
Achte auf gute Hygiene, eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Nimm alle Vorsorgeuntersuchungen wahr, lass deinen Impfstatus checken und sprich offen mit deinem Arzt über alle Symptome und Sorgen. Frühzeitige Erkennung ist der beste Schutz.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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