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Geburtsphasen – So läuft eine Geburt ab

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 19.05.2026 Lesezeit 13 Min.
Geburtsphasen - So läuft eine Geburt ab

Auf einen Blick

  • Eine Geburt verläuft in vier Phasen: Eröffnung, Übergang, Austreibung und Nachgeburt
  • Die Eröffnungsphase ist mit 8-14 Stunden beim ersten Kind die längste Phase
  • Jede Phase hat eigene körperliche Prozesse und emotionale Herausforderungen

Die Geburt deines Kindes ist ein Marathon, kein Sprint. Viele Stunden wirst du durchhalten müssen – und es ist völlig normal, dass du zwischendurch an deine Grenzen kommst. Wenn du weißt, was in welcher Phase auf dich zukommt, kannst du dich besser darauf einstellen und die Kontrolle behalten.

🌸 Welche Geburtsphasen gibt es?

Der Geburtsablauf lässt sich in vier unterschiedliche Phasen unterteilen. Jede hat ihre eigenen Merkmale und Herausforderungen:

  • Eröffnungsphase
  • Übergangsphase
  • Austreibungsphase oder Pressphase
  • Nachgeburtsphase

✨ Phase 1: Die Eröffnungsphase – Der lange Weg

In der Eröffnungsphase öffnet sich dein Muttermund langsam auf 10 Zentimeter. Das ist die längste Phase der Geburt. Beim ersten Kind dauert sie durchschnittlich 8 bis 14 Stunden. Hast du schon ein oder mehrere Kinder, verkürzt sich die Zeit auf etwa 6 Stunden.

Die Wehen nehmen nach und nach zu – sie kommen häufiger und halten länger an. Kurz vor der Übergangsphase liegt der Abstand nur noch bei zwei bis drei Minuten, jede einzelne Wehe dauert etwa eine Minute. Weil sich die Wehen langsam steigern, ist der genaue Geburtsbeginn nicht immer einfach festzustellen.

Dein Baby wird durch die Wehen langsam tiefer ins Becken gedrückt und erzeugt damit immer wieder Druck auf den Muttermund. So öffnet sich die Cervix Stück für Stück, bis die Öffnung groß genug ist, um den Kopf deines Babys passieren zu lassen.

Gut zu wissen: In der Eröffnungsphase springt die Fruchtblase oft. Dann können die Wehen schnell intensiver werden, weil der Druck des Köpfchens auf den Muttermund größer wird. Vor dem Sprung bildet die Flüssigkeit ein Polster auf dem Muttermund.

In einigen Fällen wird die Fruchtblase auch von der Hebamme geöffnet, um den Effekt auszunutzen. Eine stockende Geburt kann so neuen Schwung bekommen. Die Hebamme nutzt ein kleines scharfes Instrument, um die Fruchtblase anzuritzen. Für dich und dein Kind ist das völlig schmerzlos.

Welche Untersuchungen gibt es in der Eröffnungsphase?

In den meisten Fällen wirst du im Laufe der Eröffnungsphase in der Klinik oder im Geburtshaus ankommen. Dann wird die Hebamme wahrscheinlich nachsehen, wie weit der Muttermund eröffnet ist. Zusätzlich werden die Herztöne deines Kindes überprüft – das wird auch regelmäßig wiederholt.

Die Hebamme kann durch die Tastuntersuchung über die Scheide auch feststellen, wie weit sich das Köpfchen schon in den Geburtskanal geschoben hat. Auch die Drehbewegungen, die für den Geburtsvorgang notwendig sind, können so beurteilt werden.

Darüber hinaus können auch weitere Untersuchungen wichtig sein. Das umfasst zum Beispiel Blutdruck-Messungen, Blutentnahmen und das Messen der Körpertemperatur.

Zusätzliche Maßnahmen wie ein Einlauf oder andere Hygienemaßnahmen sind heutzutage nicht mehr Standard. Wenn du solche Maßnahmen wünschst, werden sie aber weiterhin gemacht.

Wie verändern sich die Gefühle in der Eröffnungsphase?

Diese längste Geburtsphase verbraucht viel Energie. Unter Umständen kannst du das Gefühl bekommen, dass du nicht mehr weitermachen kannst. Das ist jedoch völlig normal und in den meisten Fällen können die Mütter die Geburt trotzdem gut bewältigen.

Die Eröffnungsphase ist wie ein Marathon – du brauchst Durchhaltevermögen und kleine Tricks, die dir helfen. Bei meiner ersten Geburt hat mir das Umhergehen und Abstützen am meisten geholfen, bei der zweiten war es das warme Bad.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

In der Eröffnungsphase musst du möglicherweise mit Erschöpfung und starken Schmerzen rechnen. Dann ist es wichtig, dass du durchhalten kannst. Du kannst verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Schmerzen der Eröffnungswehen zu erleichtern:

  • Ändere deine Position. Viele Frauen gehen umher und stützen sich von Zeit zu Zeit an einem Möbelstück ab. Auch das Sitzen auf einem Gymnastikball oder das Liegen auf der Seite werden oft als angenehm empfunden.
  • Benutze Atem- oder Entspannungstechniken.
  • Nimm ein warmes Bad.
  • Lass dir den Rücken massieren oder eine Wärmflasche geben.
  • Bitte deine Hebamme um eine Akupunktur oder andere alternative Methoden der Schmerzlinderung.
  • Die Eröffnungsphase ist die richtige Zeit für schmerzlindernde Medikamente.
  • Darüber hinaus gibt es auch noch regionale Betäubungen wie eine Peridural-Anästhesie (PDA).
  • Auch leichte Mahlzeiten können dich durch die erste Geburtsphase hindurch helfen. Achte darauf, dass du nichts schwer Verdauliches isst.

💪 Phase 2: Die Übergangsphase – Der emotionale Tiefpunkt

Die Übergangsphase ist die kürzeste Geburtsphase. Jetzt öffnet sich der Muttermund vollständig und die Art der Wehen verändert sich. Das ist auch der Grund, warum viele Frauen jetzt einen Tiefpunkt verspüren. Sie kommen an ihre Grenzen und wollen am liebsten sofort nach Hause.

Körperlich zeigen sich unregelmäßige Wehen, die auch schnell aufeinanderfolgen können. Dadurch kann das Veratmen schwerer werden und es scheint, als wenn du die Situation weniger unter Kontrolle hast. Neben der Veränderung der Wehen können auch Übelkeit und Zittern vorkommen.

Achtung: Wenn du in der Übergangsphase das Gefühl hast, nicht mehr zu können – das ist völlig normal! Diese Phase ist kurz, aber intensiv. Gleich geht es weiter und du kannst aktiv mitpressen.

Das Wichtigste in der Übergangsphase sind Menschen, die dir Kraft geben. Eine erfahrene Hebamme wird diese Phase bei dir erkennen und dich unterstützen und Mut machen. Aber auch dein Partner kann jetzt wichtig werden. Auch das Wissen um diese Phase kann eine Unterstützung sein.

👶 Phase 3: Die Austreibungsphase – Endlich aktiv werden

Hast du die Übergangsphase überstanden, startet die Austreibungsphase, die auch als Pressphase bezeichnet wird. Bei Erstgebärenden dauert diese Phase bis zu zwei Stunden. Bei folgenden Geburten verkürzt sie sich und kann in wenigen Minuten geschafft sein.

Die Wehen in dieser Phase der Geburt sind kräftig und haben oft wieder etwas längere Abstände. Sie schieben das Kind nach und nach durch den Geburtskanal. Du kannst in dieser Phase aktiv mitschieben. Das ist für viele Frauen eine Erleichterung, weil sie dem Druck nachgeben können.

Das Köpfchen deines Kindes muss sich so drehen, dass es durch den Geburtskanal passt. Du kannst jetzt auch spüren, dass das Köpfchen immer weiter heruntergedrückt wird. In den Wehenpausen kann es auch wieder ein Stückchen zurückrutschen. Die Presswehen sollten durch deine Bauchmuskeln und deine Atmung unterstützt werden. Du kannst auch laut tönen.

Gut zu wissen: In dieser Phase kann etwas Stuhl austreten. Das liegt daran, dass der Kopf des Kindes dem Darm keinen Platz mehr lässt. Es ist völlig normal und deine Hebamme wird wissen, wie sie damit umgehen sollte.

Im Verlauf der Austreibungsphase tritt zuerst der Kopf aus dem Geburtskanal. Der Hinterkopf des Babys ist in den meisten Fällen der erste Teil des Körpers, der sichtbar wird. Dann wird zunächst der ganze Kopf geboren. Oft folgt dann eine kurze Pause und die nächste Presswehe drückt die Schultern und den Körper deines Babys aus dem Geburtskanal.

Welche Positionen kannst du in der Austreibungsphase einnehmen?

In dieser Phase nehmen die Frauen unterschiedliche Positionen ein. Die Rückenlage ist am bekanntesten, ist aber oft nicht günstig, weil du so gegen die Schwerkraft arbeiten musst. Darüber hinaus gibt es viele verschiedene Varianten.

Tipp: Leg dich nicht zu sehr auf eine bestimmte Geburtsposition fest. Viele Frauen empfinden während der Geburt anders, als sie es sich in der Schwangerschaft vorstellen konnten. Folge deinem Gefühl und besprich am besten noch in der Schwangerschaft mit deinem Partner und deiner Hebamme, welche Varianten du dir vorstellen kannst.

Welche Behandlungen finden während der Austreibungsphase statt?

Deine Hebamme wird in der Austreibungsperiode einige Male die Herztöne deines Kindes überwachen. Darüber hinaus kann die Hebamme mit einigem Druck auf den Dammbereich das Risiko eines Risses beim Durchtritt des Köpfchens reduzieren. Zusätzlich kann deine Hebamme das Kind beim Durchtritt unterstützen, wenn es nötig wird. In einigen Fällen wird auch ein Dammschnitt gemacht oder eine Saugglocke eingesetzt.

🌸 Phase 4: Die Nachgeburtsphase – Fast geschafft

Nachdem das Kind geboren wurde, ist noch nicht das Ende der Geburt erreicht. Es kommt weiterhin zu starken Wehen, die dafür sorgen, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und der Mutterkuchen geboren wird.

Das Ablösen der Plazenta erfolgt im Normalfall innerhalb von zehn Minuten. Die Hebamme kann deinen Bauch abtasten und sehen, wie weit der Prozess schon vorangeschritten ist. Die Wehen können durch das erste Stillen deines Kindes unterstützt werden und diese letzte Phase der Geburt beschleunigen. Das Saugen führt zur Ausschüttung von Oxytocin und einer Verstärkung der Wehen.

Neben der Plazenta werden auch die Eihäute aus der Gebärmutter gedrückt. Das Austreten dieser Nachgeburt ist nicht schmerzhaft, weil sie deutlich kleiner ist als das Baby. Gleichzeitig tritt oft eine gewisse Menge Blut aus. Etwa 300 Milliliter sind normal. Danach nimmt die Blutung ab und wird zum Wochenfluss.

Achtung: Die Nachgeburt sollte auf jeden Fall auf Vollständigkeit geprüft werden. Durch Reste in der Gebärmutter kann es zu Blutungen und Entzündungen kommen. Auch ein langes Verbleiben der Plazenta in der Gebärmutter kann das Risiko für starke Nachblutungen erhöhen.

In diesem Fall kann sich die Gebärmutter nicht effektiv zusammenziehen. Die Hebamme oder der Arzt können dann von außen nachhelfen oder Oxytocin während der Nachgeburtsperiode verabreichen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine Wehe in der Eröffnungsphase?

In der Eröffnungsphase dauert eine Wehe etwa 60 bis 90 Sekunden. Der Abstand zwischen den Wehen beträgt dann etwa 3 bis 5 Minuten.

Wie kannst du testen, ob es Wehen sind?

Wenn du Kontraktionen bemerkst, ist es schwer zwischen Vorwehen und den Geburtswehen zu unterscheiden. Ein Tipp, den viele Hebammen weitergeben, ist die Nutzung von Wärme. Ein warmes Bad oder eine Wärmeflasche können als Test ausreichen. Wenn die Wehen durch die Wärme abnehmen, sind es wahrscheinlich Vorwehen. Nehmen die Wehen aber zu, ist es wahrscheinlich, dass die Geburt begonnen hat.

Wie viele Wehen pro Stunde sind normal?

Vorwehen oder Übungswehen können etwa dreimal pro Stunde oder bis zu zehnmal pro Tag auftreten. Kommen die Wehen häufiger, könnte es sich schon um die ersten Geburtswehen handeln. Vor der 38. Schwangerschaftswoche solltest du in einem solchen Fall deinen Frauenarzt um Rat fragen. Während der Geburt sind bis zu 5 Wehen in 10 Minuten normal. Übersteigt die Wehenanzahl diesen Wert, sprechen Mediziner von einem Wehensturm.

Welche Geburtsposition ist in welcher Phase ideal?

Die ideale Geburtsposition ist immer die, in der du dich am wohlsten fühlst. In einigen Fällen kann deine Hebamme dir eine Empfehlung geben, um dem Kind den Weg durch den Geburtskanal zu vereinfachen. Generell sind in der Eröffnungsphase und der Übergangsphase vor allem das Herumgehen und Abstützen auf Möbelstücken beliebt. Aber auch das Sitzen auf einem Gymnastikball kann in dieser Situation als angenehm empfunden werden. In allen Geburtsphasen hilft eine aufrechte Position, weil die Schwerkraft die Geburtsarbeit unterstützt. In der Austreibungsphase werden die klassischen Geburtspositionen eingenommen – das kann die Rückenlage sein, aber oft ist eine kniende oder hockende Position besser.

Was passiert, wenn die Nachgeburt nicht vollständig ausgestoßen wird?

Wenn Reste der Plazenta in der Gebärmutter verbleiben, kann es zu Blutungen und Entzündungen kommen. Die Hebamme oder der Arzt prüfen die Nachgeburt deshalb immer auf Vollständigkeit. Falls nötig, können sie von außen nachhelfen oder Oxytocin verabreichen, damit sich die Gebärmutter effektiv zusammenzieht.

Kann ich während der Geburt essen und trinken?

Ja, besonders in der Eröffnungsphase können leichte Mahlzeiten dir helfen, Energie zu tanken. Achte darauf, dass du nichts schwer Verdauliches isst. Trinken ist während der gesamten Geburt wichtig, um den Flüssigkeitshaushalt aufrechtzuerhalten.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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