Die sanfte Geburt – der selbstbestimmte und sanfte Weg zum Baby
Auf einen Blick
- Sanfte Geburt nutzt Atem- und Entspannungstechniken, um Schmerzen zu reduzieren und Ängste abzubauen
- Aufrechte Geburtspositionen (Hocke, Stehen, Sitzen) unterstützen den natürlichen Geburtsverlauf durch die Schwerkraft
- Vorbereitung beginnt schon Monate vor der Geburt durch spezielle Kurse und Übungen
Viele Frauen beschreiben die Geburt als emotionalen Wirbelsturm voller Schmerzen und Ängste. Die sanfte Geburt bietet dir einen selbstbestimmten Weg, bei dem du durch gezielte Techniken und Vorbereitung die Kontrolle behältst und dich auf die natürliche Kraft deines Körpers verlassen kannst.
💫 Was ist die Idee hinter einer sanften Geburt?
Die sanfte Geburt ist eine Geburtsart, die ursprünglich durch den Franzosen Frederick Leboyer entwickelt wurde. Heute wird der Begriff auch oft für Hypnobirthing verwendet. Mit diesem Ansatz sollst du schon bei der Vorbereitung auf die Entbindung von Ängsten befreit werden und dich besser auf die Entwicklungen einlassen können.
Gut zu wissen: Die sanfte Geburt ist kein klassischer Geburtsvorbereitungskurs, sondern eine ergänzende Methode, die du zusätzlich nutzen kannst.
Die Ziele einer sanften Geburt und der dafür entwickelten Techniken sind vielseitig:
Schmerzreduktion durch Entspannungstechniken
Bei der sanften Geburt wird mit Techniken gearbeitet, die dir dabei helfen, gegen deine Schmerzen zu arbeiten. Hier kommt auch die Technik des Hypnobirthings zum Einsatz. Durch Techniken für die Selbsthypnose sowie eine spezielle Atmung bekommst du Werkzeuge an die Hand, die du einsetzen kannst. Dabei wird vor allem der Zustand der Tiefenentspannung angestrebt. Teilweise kannst du so sogar Flow-Zustände erreichen.
Vorgehen gegen Geburtsängste
Ängste vor der Geburt sind keine Seltenheit. Möglicherweise hast du schon eine oder mehrere Geburten gehabt und vielleicht sogar ein Trauma durchlebt. Vielleicht hast du aber auch so starke Ängste vor der Geburt, dass es sich zu einer Panik auswächst. Durch die Ängste wird teilweise der Vorgang der Geburt beeinflusst. Möglicherweise öffnet sich der Muttermund nur sehr langsam, du verkrampfst oder hast so eine starke Panik, dass du sogar kollabierst. Mit Unterstützung deiner Gedanken und Vorstellungen kannst du gegen deine Ängste arbeiten und so die Durchführung einer sanften Geburt unterstützen.
Stärkung des eigenen Selbstvertrauens
Auf eine sanfte Geburt kannst du nicht hoffen, du musst sie selbst herbeiführen. Das klingt möglicherweise einfach, es ist aber auch mit Arbeit verbunden. Entspannungs- und Atemtechniken sind in diesem Zusammenhang ebenso wichtig wie ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Mit der Unterstützung deiner Hebamme oder auch eines speziellen Kurses, beispielsweise für Hypnobirthing, lässt sich das Selbstbewusstsein ebenfalls steigern. Durch das Wissen rund um deine eigenen Kräfte kannst du die Geburt positiv beeinflussen.
Vertrauen in deinen Körper
Dein Körper und auch dein Baby sind für die Geburt vorbereitet. Sie arbeiten eng miteinander zusammen. Eine sichere Bindung zum Ungeborenen ist eine der wichtigsten Grundlagen rund um die sanfte Geburt. Bei der sanften Geburt wird unter anderem darauf gesetzt, dass du ein besonderes Gespür für deinen Körper und dein Baby hast. Unter anderem soll mit der sanften Geburt dafür gesorgt werden, dass die Geburt an sich schneller vorangeht, ein Dammschnitt verhindert werden kann und auch nach der Geburt die Erholungszeit verkürzt wird.
🧠 Die Kraft der Gedanken bei der sanften Geburt
Es gibt spezielle Kurse für werdende Eltern, bei denen dir die sanfte Geburt nähergebracht wird. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Geburtsvorbereitungskurs. Diesen kannst du zusätzlich noch belegen. Bei einem Kurs rund um die sanfte Geburt wird genauer auf den Prozess der Geburt und deine möglichen Ängste eingegangen. Du lernst mehr darüber, welche Aufgaben die Geburtshelfer haben und wie eine Geburt ablaufen kann.
Tipp: Nimm deinen Partner mit zum Kurs – er lernt dort wichtige Unterstützungstechniken wie die Berührungsmassage, die dir während der Geburt helfen können.
Zusätzlich dazu gibt es verschiedene Techniken, die dir an die Hand gegeben werden. Dazu gehören die positive Suggestion, Techniken für die Atmung und die Entspannung. Für deinen Partner werden Tipps rund um die Unterstützung zur Entspannung gegeben. Dazu gehört auch die Berührungsmassage.
Bei einer sanften Geburt ist es für dich wichtig, dass du einen ruhigen Partner als Geburtsbegleiter an deiner Seite hast. Natürlich gehört dazu die Hebamme. Aber auch dein Partner selbst kann dich optimal unterstützen, wenn er die richtigen Werkzeuge hat.
🌸 Die Bedeutung der Geburtsposition
Allein die Kraft der Gedanken ist noch nicht ausreichend, wenn es darum geht, eine sanfte Geburt anzustreben. Einen wichtigen Einfluss auf den Verlauf kann auch die Geburtsposition nehmen. Viele Jahrzehnte lang wurden die Frauen gebeten, sich für die Entbindung in die Position auf den Rücken zu legen. Das galt als eine schnelle und effektive Methode, die vor allem einen sehr praktischen Aspekt hatte. Doch es hat sich gezeigt, dass andere Geburtspositionen für eine sanfte Geburt deutlich besser geeignet sind.
Die aufrechte Position war für mich bei beiden Geburten ein Gamechanger. Ich hatte das Gefühl, aktiv mitarbeiten zu können und nicht nur passiv zu liegen – das hat mir enorm viel Kraft gegeben.
Die aufrechte Position gilt als optimale Haltung für eine sanfte Geburt. Du wirst dabei durch die Erdanziehungskraft bei der Entbindung unterstützt. Abhängig davon, welche Position für dich besonders angenehm ist, kannst du dich hinstellen oder auch hinsetzen. Viele Frauen gehen gerne in die Hocke und arbeiten mit einem Seil.
In einem guten Kreißsaal werden dir unterschiedliche Varianten für die Position angeboten. Du kannst dich in eine Wanne setzen oder den Geburtshocker in Anspruch nehmen. Durch die aufrechte Körperhaltung wird auch der Uterus aufgerichtet. Das Baby kann besser in das Becken und in den Geburtskanal rutschen.
Durch die aufrechte Position kann die Gebärmutter zudem besser arbeiten. Das heißt, die Kontraktionen nehmen zu und wirken sich schneller auf den Muttermund aus. Das kann den Vorgang der Geburt beeinflussen.
Achtung: Du als Gebärende solltest entscheiden können, welche Position für dich angenehm ist. Unter der Geburt verlieren viele Frauen einen großen Teil ihres Selbstbewusstseins und lassen sich fremdbestimmen. Dein Partner kann hier eine wichtige Hilfe sein und deine Wünsche an die Geburtshelfer weitergeben.
💪 Die aktive Geburtsvorbereitung bei der sanften Geburt
Tiefenentspannung ist für die sanfte Geburt ein wichtiger Aspekt. Zusätzlich zu den Übungen, diese zu erreichen, kannst du auch eine aktive Geburtsvorbereitung weiter in den Fokus rücken. Die sanfte Geburt beginnt daher oft schon Monate vor der eigentlichen Entbindung.
Wenn du zu den Frauen gehörst, die bereits in der Schwangerschaft Ängste vor der Geburt entwickeln, bist du damit nicht allein. Problematisch ist eher, wenn diese Ängste zu einem Teufelskreis führen. So kann die Entbindung selbst beeinflusst werden. Die Atmung ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um die Sauerstoffversorgung deines Körpers geht. Sauerstoff ist wichtig für einen klaren Kopf und auch für dein Baby. Zudem ist ein ausreichender Gehalt an Sauerstoff gut für die Entspannung.
Atemtechniken erlernen
Die Atemtechniken kannst du dir von deiner Hebamme zeigen lassen oder auch in einem Kurs zur sanften Geburt erlernen. Nimm dir die Zeit und lass dir zeigen, welche Therapien sich schon bewährt haben.
Entspannungsübungen praktizieren
Gleiches gilt für Übungen rund um die Entspannung und die Auflösung von Verspannungen. Verspannungen und Beschwerden können die Geburt verzögern. Wenn du Schmerzen hast, solltest du wissen, welche Übungen für Lockerungen sorgen können. Teilweise eignen sich Übungen aus dem Yoga-Bereich.
Tipp: Nimm dir vor der Geburt sehr viel Zeit für Gespräche mit der Hebamme und auch für das Geburtsvorbereitungsgespräch im Geburtshaus oder im Krankenhaus. Notiere dir die Fragen, die du hast – etwa zum Kaiserschnitt, zum Vorgehen bei einem Geburtsstillstand oder bei sehr starken oder deutlich nachlassenden Kontraktionen.
⚖️ Auch die sanfte Geburt hat Grenzen
Eine sanfte Geburt ist natürlich das Optimum. Allerdings ist es uns wichtig, dich umfassend zu informieren. Auch die sanfte Geburt ist nicht immer eine Lösung, die sich umsetzen lässt. Grundsätzlich können Atem- und Entspannungstechniken sehr gut dabei helfen, die Schmerzen unter der Geburt zu lindern. Aber auch in diesen Fällen kann es zu einem unerwarteten Verlauf kommen. Daher ist es wichtig, dass du dennoch offen dafür bist, dass die Hebamme oder auch die Ärzte im Kreißsaal dir und deinem Baby helfen möchten.
Es ist nicht ganz einfach, die richtige Balance zu finden. Es ist dein gutes Recht, optimal informiert zu sein und das gilt auch für die Zeit während der Geburt. Frag ruhig nach, warum dir Empfehlungen gegeben werden.
Achtung: Geburtshelfer haben die Erfahrung gemacht, dass der Geburtsvorgang auch dann beeinflusst werden kann, wenn die Gebärende sich anderen Wegen gegenüber verschließt. Bleib offen für medizinische Unterstützung, wenn sie nötig wird.
Du solltest gut informiert sein, gleichzeitig aber an dich glauben.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen sanfter Geburt und Hypnobirthing?
Die sanfte Geburt wurde ursprünglich von Frederick Leboyer entwickelt und umfasst verschiedene Techniken für eine selbstbestimmte Geburt. Hypnobirthing ist eine spezielle Form der sanften Geburt, die vor allem mit Selbsthypnose und Tiefenentspannung arbeitet. Heute werden beide Begriffe oft synonym verwendet.
Wann sollte ich mit der Vorbereitung auf eine sanfte Geburt beginnen?
Die Vorbereitung auf eine sanfte Geburt beginnt idealerweise schon Monate vor der eigentlichen Entbindung. So hast du genug Zeit, die Atem- und Entspannungstechniken zu erlernen und zu üben. Spezielle Kurse kannst du meist ab dem zweiten Trimester besuchen.
Kann ich eine sanfte Geburt auch im Krankenhaus haben?
Ja, eine sanfte Geburt ist auch im Krankenhaus möglich. Wichtig ist, dass du dich vorher im Geburtsvorbereitungsgespräch informierst, welche Möglichkeiten es gibt – etwa verschiedene Geburtspositionen, Geburtswanne oder Geburtshocker. Ein guter Kreißsaal bietet dir verschiedene Optionen an.
Welche Rolle spielt mein Partner bei der sanften Geburt?
Dein Partner spielt eine sehr wichtige Rolle als ruhiger Geburtsbegleiter. Er kann dich mit Berührungsmassagen unterstützen, dir bei den Atemtechniken helfen und deine Wünsche an die Geburtshelfer weitergeben, wenn du selbst gerade nicht dazu in der Lage bist. Deshalb ist es sinnvoll, dass er dich zu den Vorbereitungskursen begleitet.
Was ist, wenn die sanfte Geburt nicht wie geplant verläuft?
Auch bei bester Vorbereitung kann es zu einem unerwarteten Geburtsverlauf kommen. Wichtig ist, dass du offen bleibst für medizinische Unterstützung, wenn sie nötig wird. Die erlernten Techniken helfen dir trotzdem, ruhiger und entspannter zu bleiben. Frag nach, warum dir bestimmte Empfehlungen gegeben werden – es ist dein gutes Recht, informiert zu sein.
Welche Geburtsposition ist am besten für eine sanfte Geburt?
Die aufrechte Position gilt als optimal für eine sanfte Geburt, da die Erdanziehungskraft dich unterstützt. Das kann Stehen, Sitzen, Hocken oder auch die Position am Geburtshocker sein. Wichtig ist, dass du selbst entscheidest, welche Position sich für dich am angenehmsten anfühlt. Durch die aufrechte Haltung kann dein Baby besser ins Becken rutschen und die Gebärmutter arbeitet effektiver.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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