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Hausgeburt – die Entbindung in den eigenen vier Wänden

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 12.05.2026 Lesezeit 9 Min.
Hausgeburt – die Entbindung in den eigenen vier Wänden

Auf einen Blick

  • Eine Hausgeburt ist bei unauffälliger Schwangerschaft ab der 38. Woche möglich – 80 % verlaufen ohne Komplikationen
  • Die Kosten werden größtenteils von der Krankenkasse übernommen, nur Rufbereitschaft (150-300 €) und Geburtspool zahlst Du selbst
  • Du entbindest in vertrauter Umgebung mit durchgehender 1:1-Betreuung durch Deine Hebamme

Die Geburt Deines Babys in den eigenen vier Wänden – für viele werdende Mamas ein Traum. Kein Klinikstress, keine fremden Gesichter, nur Du, Deine Hebamme und die vertraute Atmosphäre Deines Zuhauses. Aber ist eine Hausgeburt wirklich das Richtige für Dich? Wir zeigen Dir, was Du wissen musst.

🏥 Für wen ist eine Hausgeburt geeignet?

Grundsätzlich kann jede Schwangere zu Hause entbinden, bei der es während der Schwangerschaft keine Komplikationen gab. Es gibt jedoch klare Ausschlusskriterien, die Du kennen solltest:

Wehen vor der 38. Schwangerschaftswoche

In diesem Fall gilt Dein Baby noch als Frühgeburt und die Wahrscheinlichkeit, dass es Unterstützung beim Start ins Leben braucht, ist vorhanden. Daher solltest Du bei Wehen, die vor der 38. Schwangerschaftswoche einsetzen, eine Klinik aufsuchen.

Risikoschwangerschaft

Eine Risikoschwangerschaft liegt dann vor, wenn Du beispielsweise Blutungen oder vorzeitige Wehen hast. Auch wenn die Plazenta vor dem Muttermund liegt oder andere Komplikationen vorhanden sind, ist eine Hausgeburt nicht möglich.

Überschrittener Entbindungstermin

Hebammen führen die Hausgeburt nicht mehr durch, wenn Dein Entbindungstermin um zehn oder mehr Tage überschritten wurde. In dem Fall musst Du Dich täglich im Krankenhaus vorstellen und die Entbindung auch in der Klinik durchführen. Zwischen dem dritten und zehnten Tag nach Entbindungstermin brauchst Du ein Attest des Frauenarztes, dass kein Risiko für die Hausgeburt vorliegt.

Besonderheiten bei der Schwangerschaft

Du erwartest Mehrlinge? Dein Baby liegt in Beckenendlage oder quer im Bauch? Das sind alles Aspekte, die eine Hausgeburt nicht möglich machen. Die Gefahr, dass Dir oder dem Baby etwas passiert, ist zu groß.

Tipp: Kümmere Dich rechtzeitig um eine Hebamme für die Hausgeburt. Viele Hebammen bieten die Unterstützung bei der Hausgeburt nicht an. Das heißt, bereits wenn Du von der Schwangerschaft erfahren hast, solltest Du mit der Suche beginnen.

💰 Was für Kosten kommen auf Dich zu?

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Kosten für die Hausgeburt zu großen Teilen durch die Krankenkasse übernommen. Allerdings fallen die Gebühren für die Rufbereitschaft der Hebamme für Dich an. Hier können unterschiedliche Preise aufgerufen werden. Besprich dies schon im Vorfeld mit der Hebamme. Im Schnitt liegen die Gebühren zwischen 150 und 300 Euro.

Auch die Kosten für mögliche Utensilien werden nicht von der Krankenkasse übernommen. So möchten viele werdende Mütter zu Hause gerne in einem Geburtspool entbinden. Hierbei handelt es sich um spezielle Modelle mit stabilen Seitenwänden, die in unterschiedlichen Größen zur Verfügung stehen. Der durchschnittliche Preis liegt bei 250 Euro.

✨ Welche Vorteile hat eine Hausgeburt?

Wusstest Du, dass 80 % der Geburten zu Hause ohne Probleme ablaufen? Oft wird von einem hohen Risiko gesprochen. Der Wert zeigt, dass das Risiko durchaus überschaubar ist. Zudem gibt es einige Vorteile:

  • In einer gewohnten Umgebung kannst Du besser entspannen. Eine Hausgeburt kann dabei helfen, Verkrampfungen zu verhindern.
  • Du kannst die Umgebung so gestalten, wie Du Dich wohlfühlst. Sowohl die Stärke des Lichts als auch die Ausstattung des Geburtszimmers liegen in Deinen Händen.
  • Du bekommst eine direkte Betreuung durch die Hebamme, die während der gesamten Entbindung bei Dir ist.
  • Statistisch gesehen werden bei einer Hausgeburt deutlich weniger Dammschnitte durchgeführt.

Die Geburt meines zweiten Kindes zu Hause war für mich eine ganz besondere Erfahrung. In meiner vertrauten Umgebung konnte ich mich viel besser auf die Wehen einlassen und hatte das Gefühl, die Kontrolle zu behalten.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

🔍 Welche Nachteile hat eine Hausgeburt?

Bevor Du eine endgültige Entscheidung triffst, solltest Du aber auch die Nachteile kennen:

  • Du hast weniger Möglichkeiten zur Reduzierung von Schmerzen. Eine PDA kann Dir bei der Hausgeburt nicht gelegt werden. Stattdessen wird mit der Atmung und Massagen sowie Bestärkung gearbeitet.
  • Es besteht keine Möglichkeit für einen Kaiserschnitt. Muss dieser durchgeführt werden, ist ein Transport ins Krankenhaus notwendig.
  • Es gibt keine medizinische Notfallversorgung. Im Notfall geht Zeit verloren, da Du erst in das nächste Krankenhaus gebracht werden musst.
  • Auch eine Hebamme kann an ihre Grenzen kommen. Bei einer sehr lange andauernden Geburt kann es sein, dass sie erschöpft ist.

Achtung: Auch bei einer Hausgeburt solltest Du eine Krankenhaustasche packen, die Du im Notfall direkt mitnehmen kannst. Mach Dich mit dem Gedanken vertraut, dass auch eine Hausgeburt in ein Krankenhaus führen kann.

🚨 Was passiert im Notfall?

Eine Hausgeburt wird nur dann empfohlen, wenn es Dir und Deinem Baby gut geht und die Schwangerschaft unauffällig verlaufen ist. Dennoch kann es unter der Geburt zu Komplikationen kommen. Sobald eine Gefahr für Dich oder für das Baby besteht, wird eine gute Hebamme Dich in ein Krankenhaus verlegen lassen.

Umso wichtiger ist es, dass Du eine Hebamme engagierst, der Du komplett vertraust. Das gilt auch für die Einschätzung der Hebamme, wenn sie eine Hausgeburt nicht weiter vertreten kann.

📋 Was ist bei der Hausgeburt wichtig – die Checkliste

Du hast Dich dafür entschieden, eine Hausgeburt in den Fokus zu stellen und diese in Angriff zu nehmen, wenn alles passt? Dann ist es gut, schon einige Wochen vor der Geburt eine Checkliste aufzuschreiben und alles vorzubereiten.

Gut zu wissen: Auch bei einer Hausgeburt werden Deine Papiere benötigt. Du brauchst Deinen Mutterpass und eine Krankenkassen-Karte sowie das Familienstammbuch. Denk auch an Deinen Ausweis.

💪 Fazit: Die Hausgeburt kann der ideale Start ins Leben sein

Bei einer Entbindung in den eigenen vier Wänden befindest Du Dich in einer gewohnten Umgebung. Das führt oft zu einem deutlich entspannten Gefühl. Du kannst Deinen Geburtsraum individuell vorbereiten und bekommst eine direkte Betreuung durch eine von Dir ausgewählte Hebamme. Damit hast Du ideale Grundlagen für ein besonderes Geburtserlebnis. Dennoch sollten auch die Risiken gut abgewogen werden.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich bei einer Hausgeburt Schmerzmittel bekommen?

Eine PDA ist bei der Hausgeburt nicht möglich. Deine Hebamme arbeitet stattdessen mit natürlichen Methoden wie Atemtechniken, Massagen, Positionswechseln und mentaler Unterstützung. Viele Frauen empfinden die vertraute Umgebung bereits als schmerzlindernd.

Was passiert, wenn die Geburt länger dauert als erwartet?

Deine Hebamme begleitet Dich während der gesamten Geburt. Sollte sich abzeichnen, dass die Geburt sehr lange dauert oder Komplikationen auftreten, wird sie eine Verlegung ins Krankenhaus veranlassen. Deshalb ist eine gepackte Krankenhaustasche auch bei geplanter Hausgeburt wichtig.

Wie finde ich eine Hebamme für die Hausgeburt?

Beginne so früh wie möglich mit der Suche – am besten direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest. Nicht alle Hebammen bieten Hausgeburten an. Frag bei Deiner Krankenkasse nach Listen oder suche über Hebammenverbände in Deiner Region.

Kann mein Partner bei der Hausgeburt dabei sein?

Ja, das ist sogar einer der großen Vorteile! Bei einer Hausgeburt kannst Du selbst entscheiden, wer Dich begleitet – ob Partner, eine Freundin oder andere Vertrauenspersonen. Ihr seid in Eurer gewohnten Umgebung und könnt die Geburt ganz intim erleben.

Was brauche ich alles für eine Hausgeburt?

Deine Hebamme wird Dir eine genaue Liste geben. Typischerweise brauchst Du: wasserdichte Unterlagen, saubere Handtücher, Binden, bequeme Kleidung, eventuell einen Geburtspool und natürlich alle wichtigen Dokumente wie Mutterpass und Versichertenkarte.

Ist eine Hausgeburt wirklich sicher?

Bei einer unauffälligen Schwangerschaft verlaufen 80 % der Hausgeburten ohne Komplikationen. Wichtig ist, dass Du die Ausschlusskriterien beachtest und eine erfahrene Hebamme an Deiner Seite hast, die im Notfall schnell reagiert und eine Verlegung veranlasst.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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