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Hypnobirthing – sanft und selbstbestimmt entbinden

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 17.03.2026 Lesezeit 13 Min.
Hypnobirthing – sanft und selbstbestimmt entbinden

Auf einen Blick

  • Hypnobirthing nutzt Selbsthypnose-Techniken, um Ängste abzubauen und die Geburt entspannter zu erleben
  • Studien zeigen: Die Geburtsdauer kann um bis zu 2 Stunden verkürzt werden, 50% statt 80% berichten von sehr starken Schmerzen
  • Ein Kurs sollte mindestens 3 Monate vor dem Geburtstermin beginnen und dauert etwa 12 Stunden

Die Angst vor der Geburt kennen viele von uns – und genau diese Angst kann den Geburtsverlauf erschweren. Hypnobirthing setzt genau hier an: Mit speziellen Entspannungstechniken lernst du, Ängste abzubauen und selbstbestimmt zu gebären. Was dahintersteckt und wie es funktioniert, erfährst du hier.

🌸 Was ist die Idee hinter Hypnobirthing?

Die Idee für das Hypnobirthing hat ihren Ursprung in den USA in den 1980er Jahren. Die Methode, wie sie auch heute bekannt ist, wurde durch Marie F. Mongan ins Leben gerufen. Allerdings hat die Entwicklerin ihre Methode auf der Basis der Thesen von Grantly Drick-Read entwickelt. Read war ein englischer Geburtshelfer, der Thesen rund um die Geburt entwickelt hat. Eine dieser Thesen war, dass viele Frauen in Bezug auf den Geburtsverlauf bereits Schmerzen erwarten. Es bilden sich Ängste aus und die Frauen verkrampfen. Dadurch können sie bei der Geburt nicht entspannen.

Normalerweise ist der natürliche Geburtsvorgang so konzipiert, dass die Gebärende sowie das Baby gemeinsam arbeiten. Frauen, die Angst vor dem Geburtsschmerz haben, können sich nicht auf die Zeichen ihres Körpers konzentrieren. Es kann bis zu einem Geburtsstillstand kommen oder auch zu einer Not-Situation, sodass ein Kaiserschnitt notwendig wird. Dieser Effekt ist auch nicht nur bei Erstgebärenden der Fall. Wer schon ein Geburtserlebnis hatte, das vielleicht sogar traumatisch war, hat diese Geburtserfahrung immer im Kopf.

Gut zu wissen: Mit der Entwicklung der Methode wollte die Amerikanerin einen Teufelskreis durchbrechen, der viele Frauen vor der Entbindung stark belastet. Die Grundlage ist der systemische Abbau von bereits bestehenden Sorgen und Ängsten.

💪 Wie funktioniert Selbsthypnose bei der Geburt?

Das Hypnobirthing ist nicht wie eine klassische Hypnose zu verstehen. Wenn du dich entscheidest, diese Geburtsmethode möglicherweise umsetzen zu wollen, ist ein Geburtsvorbereitungskurs zu empfehlen. Dabei reicht nicht eine Teilnahme an den klassischen Geburtsvorbereitungskursen. Hier wird die Thematik nur kurz angeschnitten. Es gibt spezielle Kurse durch ausgebildete Kursleiter.

Es erfolgt die Vermittlung von Techniken aus dem Bereich der Selbsthypnose. Diese speziellen Entspannungstechniken sollen dabei helfen, einen schmerzarmen Geburtsvorgang zu durchleben. Die Techniken können dich dabei helfen, einen Zustand der Tiefenentspannung zu erreichen und die Anspannung loszulassen.

Tipp: Falls du dir Sorgen darüber machst, dass die Entspannungsübungen dafür sorgen, dass du die Geburtsphase verpasst, können wir dich beruhigen. Die Entspannungsmethoden sind so zusammengestellt, dass du durch Affirmationen und eine spezielle Atmung tiefenentspannt wirst. Ein Trancezustand, wie bei anderen Hypnosetechniken, wird nicht angestrebt.

Die gezielten Entspannungsübungen werden dir in der speziellen Geburtsvorbereitung erklärt. Mit Visualisierungstechniken und speziellen Atemtechniken erreichst du möglicherweise einen besonderen Zustand in Bezug auf das Schmerzempfinden. Es gibt Schwangere, die dann nicht einmal mehr Schmerzmittel zum Gebären brauchten.

Inwieweit du eine schmerzfreie Geburt erleben kannst, lässt sich natürlich so klar nicht sagen. Fakt ist aber, dass es beim Hypnobirthing und den dazugehörigen Entspannungsmethoden darum geht, selbstbestimmt gebären und dich auf die Geburt konzentrieren zu können. Die Muskelentspannung, eine Berührungsmassage oder auch die Arbeit gegen die Angst ist schon in Hinblick auf die Geburt selbst sehr erfolgreich.

Die erlernten Entspannungstechniken sind nicht nur für die Geburt wertvoll – auch im Wochenbett haben mir die Übungen geholfen, mit Nachwehen und der neuen Situation besser umzugehen.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Auch nach der Geburt profitierst du

Übrigens: Auch nach der Geburt kannst du noch vom Hypnobirthing profitieren. Es hat sich gezeigt, dass viele Frauen, die mit dieser Methode gearbeitet haben, schneller wieder fit wurden und eine sehr enge Bindung zum Baby aufbauen konnten. Die erlernten Hilfsmittel sind für dich eine Begleitung durch das Wochenbett. Nachwehen sind nur eines der Beispiele dafür, dass dein Körper auch nach der Entbindung noch arbeitet.

📚 Was lernst du in den Hypnobirthing Kursen?

Wenn du dich für einen der Kurse anmeldest, wirst du durch die Kursleiterin lernen, wie du Ängste und Unsicherheiten besser umwandeln kannst. Ziel ist es, dir Selbstvertrauen zu geben. Es ist ganz normal, dass du dir vielleicht auch negative Gedanken in Bezug auf die Geburt machst. Wird das Baby durch den Geburtskanal passen? Was habe ich für ein Schmerzempfinden? Teilweise steigern sich die Ängste stark.

Du erhältst in den Kursen wichtige Informationen rund um die Geburt. Die Kursteilnehmerinnen können alle Fragen stellen. In einer friedlichen Umgebung wird dir gezeigt, wie du eine Muskelentspannung erreichst, aber auch, wie du gegen mögliche Panikattacken vorgehen kannst. Gearbeitet wird mit:

  • Positiven Suggestionen
  • Atemtechniken
  • Entspannungstechniken
  • Berührungsmassage

Tipp: Dein Partner ist ein wichtiger Geburtsbegleiter. Neben dem Klinikpersonal erhältst du durch ihn Unterstützung. Daher wird es von den Trainerinnen sehr gern gesehen, dass der Partner auch mit in den Kurs zum Hypnobirthing kommt. Gerade die Berührungsmassage ist eine große Hilfe bei der Entspannung.

📅 Ab wann sollte ein Kurs zum Hypnobirthing besucht werden?

Anders als bei einem klassischen Geburtsvorbereitungskurs ist es bei einem Kurs für das Hypnobirthing so, dass er ruhig auch schon früher durchgeführt werden sollte. Auch in den frühen Schwangerschaftswochen kann der Kurs für dich schon hilfreich sein. Mindestens drei Monate vor dem geplanten Entbindungstermin wird empfohlen, die Teilnahme zu beginnen. Der Kurs dauert normalerweise 12 Stunden. Er kann sowohl als Einzelkurs als auch in der Gruppe durchgeführt werden. Teilweise wird auch ein Wochenendkurs angeboten.

Achtung: Wichtig ist, dass du dir Zeit für die Übungen auch zu Hause nimmst. Das heißt, wenn du den Kurs belegt hast, wirst du auch darum gebeten, zu Hause weiter zu üben. Mit dem Verinnerlichen der Übungen fällt es dir leichter, unter der Geburt auf die Zeichen deines Körpers zu reagieren.

🖤 Warum wirkt sich Angst auf die Geburt aus?

Man könnte meinen, dass die Geburt sich nicht aufhalten lässt, wenn sie erst einmal in Gang ist. Das ist aber nicht immer der Fall. Starke Ängste haben eine Wirkung auf deinen Körper. Um das besser nachvollziehen zu können, möchten wir das näher erklären. Wenn du Angst hast, dann spannt sich dein Körper an. Er ist immer in der Position, schnell reagieren zu können. Dadurch sind die Muskeln verkrampft. Wenn sich dein Körper in Verteidigungshaltung befindet, lenkt dein Körper seine Aufmerksamkeit auf diese Thematik. Er wird dafür sorgen, dass unwichtige Funktionen erst einmal reduziert werden. Die Versorgung des Unterleibs gehört in dem Fall zu den unwichtigen Funktionen. Blut, das bisher noch in die Gebärmutter gelenkt wurde, wird in eine andere Richtung geleitet.

Für die Geburt selbst ist das jedoch ein Problem. Die Gebärmutter wird dadurch deutlich verspannter, die Wehen lassen möglicherweise nach und der Muttermund öffnet sich nicht oder nur sehr langsam. Die Ängste und der Stress wirken sich zudem auf dein Baby aus. Wenn dein Körper gegen die Geburt arbeitet, wird der Geburtsvorgang auch für dein Baby deutlich schwerer.

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Beim Hypnobirthing geht es darum, bereits vor der Geburt dir bewusst zu machen, dass Schmerzen nicht im Fokus stehen. Teilweise sind es auch nur kleine Veränderungen, die dir dabei helfen können, mehr zu entspannen. Ein Beispiel dafür ist die Wortwahl. Entscheide dich dafür, Wehen anders zu bezeichnen. Es gibt noch weitere Begriffe, wie die Kontraktionen. Probiere es bewusst aus. Mit dieser Bezeichnung werden Kontraktionen nicht mehr direkt mit Schmerzen in Verbindung gebracht.

✨ Wie erfolgreich ist das Hypnobirthing?

In der Theorie klingen die Ideen wunderbar, doch wie sieht es eigentlich in der Praxis aus? Wie gut funktioniert das Hypnobirthing wirklich? Es gibt bereits eine Studie zu dem Thema, die genau diese Frage aufgreift. Durchgeführt wurde die Studie durch die Universität Tübingen in einer Zusammenarbeit mit dem Institut für die Hypnosetherapie aus Westfalen. Interessant ist beispielsweise der Aspekt der Geburtsdauer. Frauen, die zum ersten Mal ein Baby bekommen, hatten mit dem Hypnobirthing einen verkürzten Geburtsvorgang um rund zwei Stunden.

Die Teilnehmer der Studie wurden gefragt, wie stark sie die Schmerzen unter der Geburt empfunden haben. Die Gruppe, die unter Hypnobirthing entbunden hat, hatte einen Wert von 50 % bei den Angaben von sehr starken Schmerzen. Frauen, die ohne Hypnobirthing entbunden haben, haben zu 80 % von starken Schmerzen gesprochen.

Gut zu wissen: Aber auch hier ist es noch einmal wichtig darauf zu verweisen, dass es beim Hypnobirthing auch um die Übung geht. Die Teilnehmerinnen der Studie haben den Geburtsvorgang in Wiederholung durchgespielt und sich auf die einzelnen möglichen Situationen vorbereitet. Dadurch konnten sie unter der Geburt direkt reagieren.

🏥 Wie wird Hypnobirthing aus der Sicht von Kliniken gesehen?

Es gibt immer wieder Erfahrungen von Frauen, die mit der Hilfe von Hypnobirthing entbunden haben und damit positive Erfahrungen hatten. Allerdings finden wir es wichtig, alle Seiten anzusehen. Auch aus den Kliniken kommt ein Feedback. Das Klinikpersonal sowie die Geburtshelfer erfahren normalerweise schon im Geburtsvorbereitungsgespräch, dass mit Hilfe von Hypnobirthing entbunden werden soll. So kann sich darauf eingestellt werden.

Die Erfahrungen sind unterschiedlich, häufig aber auch durchaus negativ geprägt. So wird unter anderem berichtet, dass viele Frauen, die vorher einen Kurs besucht haben, bestimmte Vorstellungen von der Geburt hatten und den Empfehlungen des Personals gegenüber nicht aufgeschlossen genug gewesen sind. Das kann zu Dissonanzen im Kreißsaal führen und sich ebenfalls negativ auf den Geburtsvorgang auswirken.

Achtung: Suggestion wird durch Personal in einer Klinik nicht komplett abgelehnt. Das Hypnobirthing ist allerdings eine Form der Entbindung, die noch immer zu den besonderen Varianten gehört. Es ist wichtig, dass hier beide Seiten offen für verschiedene Varianten sind. Daher solltest du in einem Geburtsgespräch immer offen über deine Wünsche sprechen, dich aber auch den Hinweisen von Hebammen und Ärzten gegenüber ebenfalls offen zeigen.

Häufig gestellte Fragen

Ist Hypnobirthing eine Art Trance oder Schlaf?

Nein, beim Hypnobirthing erreichst du einen Zustand der Tiefenentspannung, aber keinen Trancezustand wie bei klassischer Hypnose. Du bist die ganze Zeit bei Bewusstsein und kannst aktiv auf die Geburt reagieren.

Kann ich mit Hypnobirthing wirklich schmerzfrei gebären?

Eine Garantie für eine schmerzfreie Geburt gibt es nicht. Studien zeigen aber, dass Frauen mit Hypnobirthing deutlich weniger starke Schmerzen empfinden (50% statt 80% berichten von sehr starken Schmerzen). Manche Frauen brauchen sogar keine Schmerzmittel mehr.

Wie viel Zeit muss ich für die Vorbereitung einplanen?

Der Kurs selbst dauert etwa 12 Stunden und sollte mindestens 3 Monate vor dem Geburtstermin beginnen. Wichtig ist aber auch, dass du dir regelmäßig Zeit für Übungen zu Hause nimmst, um die Techniken zu verinnerlichen.

Sollte mein Partner beim Kurs dabei sein?

Ja, das wird sehr empfohlen! Dein Partner ist ein wichtiger Geburtsbegleiter und kann dich besonders bei der Berührungsmassage unterstützen. Wenn er die Techniken kennt, kann er dir während der Geburt besser helfen.

Was, wenn die Klinik Hypnobirthing kritisch sieht?

Sprich im Geburtsvorbereitungsgespräch offen über deinen Wunsch, mit Hypnobirthing zu entbinden. Wichtig ist, dass du dich den Empfehlungen des Klinikpersonals gegenüber ebenfalls offen zeigst. Eine gute Zusammenarbeit zwischen dir und dem Team ist entscheidend für einen positiven Geburtsverlauf.

Hilft Hypnobirthing auch nach der Geburt?

Ja! Viele Frauen berichten, dass sie die erlernten Entspannungstechniken auch im Wochenbett nutzen – etwa bei Nachwehen oder um mit der neuen Situation besser umzugehen. Zudem zeigt sich oft eine sehr enge Bindung zum Baby.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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