Die Alleingeburt – Gebären ohne fremdes Einwirken
Auf einen Blick
- Bei einer Alleingeburt verzichtest Du bewusst auf medizinische Begleitung und Hebammen
- Vorteile sind komplette Selbstbestimmung und oft weniger Geburtsverletzungen
- Risiken wie Geburtsstillstand oder Sauerstoffmangel beim Baby erfordern gründliche Vorbereitung
Dein Körper ist für die Geburt gemacht – davon sind Frauen überzeugt, die sich für eine Alleingeburt entscheiden. Sie vertrauen komplett auf ihre Instinkte und möchten die Geburt ohne fremde Eingriffe erleben. Doch was steckt wirklich hinter diesem Trend und für wen ist er geeignet?
🌸 Was ist eigentlich eine Alleingeburt?
Die Alleingeburt wird auch als Freebirthing bezeichnet und oft als eine neue Bewegung gesehen. Tatsächlich gab es aber schon vor Jahrhunderten Frauen, die ganz allein durch den Geburtsvorgang gegangen sind. Nicht immer war dies freiwillig. Normalerweise wurden Frauen in früheren Zeiten von erfahrenen anderen Frauen unterstützt. Aber auch die Alleingeburt war keine Seltenheit.
Erst in den modernen Zeiten hat sich der Fokus entwickelt, zu einer Geburt ins Krankenhaus oder in ein Geburtshaus zu gehen. Als exotisch galten schon Gebärende, die sich für eine Hausgeburt mit einer Hebamme entschieden haben. Die Alleingeburt jedoch wird immer mehr zum Trend.
Eine Schwangere entscheidet sich dabei bewusst dafür, die Geburt allein durchzuführen. Sie möchte keine Hilfe von Hebammen oder Ärzten. Teilweise dürfen der Partner oder auch die Kinder anwesend sein. Das ist aber nicht immer der Fall.
Gut zu wissen: Die grundlegende Einstellung von Alleingebärenden ist, dass ihr Körper selbst in der Lage ist, die Wehen zu bewältigen und das Kind auf die Welt zu bringen.
✨ Die Vorteile einer Alleingeburt
Warum denken Frauen darüber nach, ihr Baby ganz allein auf die Welt zu bringen? Die Geburt ist ein kraftvolles Erlebnis. Dein Körper weiß genau, wann es losgeht. Setzen die Wehen ein, übernimmt er die Führung. Die Alleingeburt bietet einige besondere Vorteile:
- Komplette Selbstbestimmung: Der wohl größte Vorteil ist, dass Du eine komplette Selbstbestimmung hast. Du hast die Möglichkeit, Dich ganz auf Dich zu konzentrieren, jede Geburtsposition einzunehmen, die Du möchtest und Dein Baby in aller Ruhe an dem Ort zu empfangen, an dem Du Dich besonders wohlfühlst.
- Weniger Geburtsverletzungen: Umfragen zeigen, dass Frauen, die allein oder bei einer Hausgeburt sehr selbstbestimmt entbinden, deutlich entspannter sind und dadurch weniger verkrampfen. Dieser Effekt sorgt dafür, dass sich die Menge an Geburtsverletzungen reduziert.
- Stärkung der Bindung: Bei einer Alleingeburt kann die Bindung zwischen Mama und Baby oder auch zwischen der ganzen Familie gestärkt werden. Das Band, das direkt nach der Entbindung besteht, wenn keine fremden Personen mit im Raum sind und eine angenehme Ruhe ist, ist besonders stark.
- Selbstbewusstsein: Auch die Frauen selbst profitieren sehr stark von einer Alleingeburt. Das Gefühl der Verbindung mit dem eigenen Körper und der Kraft der Natur ist beeindruckend und gibt viele Frauen ein ganz neues Selbstbewusstsein.
Eine Geburt ist ein zutiefst intimer Moment. Wenn Frauen sich sicher und geborgen fühlen, kann der Körper oft sein volles Potenzial entfalten – das habe ich bei beiden meinen Kindern erlebt.
⚠️ Die Risiken der Alleingeburt
Wusstet Ihr, dass die Stunde der Geburt als eine der gefährlichsten Stunden innerhalb eines Menschenlebens gilt? Wenn die Geburt nicht reibungslos abläuft, kann es zu Schäden kommen, die das gesamte Leben beeinflussen. Gerade unter der Geburt ist die Gefahr einer schlechten Sauerstoffversorgung nicht zu unterschätzen. Ist der Säugling drei Minuten oder mehr ohne Sauerstoff, nimmt das Gehirn einen erheblichen Schaden.
Die Risiken der Geburt sind einer der häufigsten Gründe dafür, dass Schwangere sich für den Weg in das Krankenhaus oder ins Geburtshaus entscheiden. Wenn Du über eine Alleingeburt nachdenkst, ist es daher besonders wichtig, dass Du die möglichen Risiken kennst:
- Keine Schmerzmittel: Natürlich haben sehr viele Frauen Babys ohne Schmerzmittel auf die Welt gebracht. Jede Geburt ist jedoch anders und es lässt sich vorher schwer einschätzen, wie Du auf die Wehen reagierst. Bei einer Alleingeburt stehen keine Schmerzmittel zur Verfügung.
- Keine Not-Eingriffe: Unter der Geburt kann es zu einem Geburtsstillstand oder auch zu einem Nabelschnurvorfall kommen. Möglicherweise ist das Baby auch zu groß für Dein Becken und bleibt darin stecken. In diesen Situationen muss schnell reagiert werden. Das ist bei einer Alleingeburt nicht möglich.
- Geburtsverletzungen und Nachgeburt: Auch wenn die Geburt ohne Probleme verläuft, kann es bei der Gebärenden zu Geburtsverletzungen, starken Nachblutungen und Problemen mit dem Kreislauf kommen. Auch hier muss schnell medizinisch reagiert werden.
Achtung: Die Grundlage für eine Alleingeburt ist eine unauffällige und gesunde Schwangerschaft. Doch auch dann kann es bei einer Geburt zu unerwarteten Komplikationen kommen. Die Möglichkeit für einen schnellen Notruf und eine sehr gute Erreichbarkeit kann Leben retten.
🏥 Die Untersuchung nach der Geburt
In Deutschland muss ein Baby nach der Entbindung untersucht werden. Die sogenannten U1 darf von Ärzten oder Hebammen durchgeführt werden. Daher solltest Du, wenn Du eine Alleingeburt planst, bereits mit einer Hebamme sprechen. Diese kommt nach der abgeschlossenen Geburt zu Dir nach Hause und untersucht mögliche Geburtsverletzungen, den Abgang der Nachgeburt sowie das Neugeborene.
💭 Das Problem mit der Fremdbestimmung
Einer der Gründe dafür, dass die Alleingeburt zu einer neuen Strömung in der Entbindungsgeschichte wird, ist die Fremdbestimmung bei der Entbindung. Viele Frauen haben die Sorge, dass sie nicht die Möglichkeit haben, die Geburt nach ihren Wünschen zu gestalten. Diese Sorge ist gar nicht so unbegründet.
Bei der Entbindung in einem Krankenhaus ist es den Hebammen und Ärzten natürlich wichtig, dass Mutter und Kind gut durch die Entbindung kommen. Dafür wird gerne auf Hilfsmittel zurückgegriffen. Nur ein Beispiel dafür ist die PDA. Durch die Gabe von Medikamenten werden die Schmerzen gelindert. Allerdings wird der werdenden Mutter damit auch die Möglichkeit genommen, auf ihre Wehen reagieren zu können.
Gut zu wissen: Umfragen zeigen, dass Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, oft keine Erstgebärenden sind. Teilweise haben sie schlechte Erfahrungen bei der Entbindung gemacht oder sie hatten das Gefühl, dass sie zu fremdbestimmt gewesen sind und ihr Geburtserlebnis dadurch beschnitten wurde.
Hinweise der Hebamme oder der Ärzte im Geburtsgeschehen sollen die Geburt schneller voranbringen. Gleichzeitig können sie aber auch den natürlichen Ablauf verhindern. Eingriffe von außen, wie der Dammschnitt oder auch die Geburt mit der Saugglocke, können die Folge der Eingriffe sein.
🔍 Für wen ist eine Alleingeburt der richtige Weg?
Immer mehr Frauen werden auf die Möglichkeit der Alleingeburt aufmerksam. Dies hängt auch damit zusammen, dass es mehr Berichte und einen vermehrten Austausch im Internet zu der Thematik gibt. Hier hat sich sogar eine richtige Community entwickelt, in der über alles gesprochen wird.
Was kann ich bei einem Geburtsstillstand tun? Was mache ich bei Blutungen? Welche Geburtsposition ist die richtige für mich? Welche Erfahrungen haben andere Frauen schon gemacht?
Wenn Du Dich hier ein wenig einliest und schaust, welche Berichte zu dieser Entbindungsart bereits online sind und welche Erfahrungen die Frauen niedergeschrieben haben, bekommst Du ein Gefühl dafür, ob eine Alleingeburt für Dich der richtige Weg sein kann.
Tipp: Bist Du Dir unsicher, ist möglicherweise die Hausgeburt mit der Betreuung einer Hebamme eine schöne Alternative. Du kannst bereits im Vorfeld besprechen, dass Du so wenig Intervention wie möglich wünschst, hast aber die Sicherheit einer erfahrenen Geburtshelferin hinter Dir. Auch Dein Partner sollte einverstanden und gut über die Risiken informiert sein.
💪 Fazit: Vor der Alleingeburt steht viel Aufklärung und Information
Bei der Alleingeburt entscheidest Du Dich bewusst dafür, komplett auf die Unterstützung von erfahrenem medizinischem Personal und Hebammen zu verzichten. Möchtest Du diesen Weg gehen ist es wichtig, dass Du Dich auf alle Eventualitäten vorbereitest. Teile Deinem Partner oder einem anderen Menschen mit, wo Du die Alleingeburt durchführen möchtest. Informiere Dich darüber, wie Du im Notfall reagieren kannst, beispielsweise bei einem Geburtsstillstand. Sei Dir bewusst, dass es bei einem unerwarteten Verlauf der Geburt zu gesundheitlichen Problemen beim Baby und auch bei Dir kommen kann.
Wichtig: Entscheidest Du Dich für die Alleingeburt, solltest Du wirklich keine Zweifel haben. Diese Zweifel können sonst ebenfalls einen Einfluss auf den Verlauf der Geburt haben, da Du möglicherweise verkrampfst.
Häufig gestellte Fragen
Ist eine Alleingeburt in Deutschland erlaubt?
Ja, eine Alleingeburt ist in Deutschland nicht verboten. Allerdings muss Dein Baby nach der Geburt die U1-Untersuchung erhalten, die von einer Hebamme oder einem Arzt durchgeführt werden muss. Es ist daher sinnvoll, bereits im Vorfeld Kontakt zu einer Hebamme aufzunehmen.
Brauche ich besondere Vorbereitung für eine Alleingeburt?
Ja, eine gründliche Vorbereitung ist unbedingt notwendig. Du solltest Dich intensiv über den Geburtsverlauf, mögliche Komplikationen und Notfallmaßnahmen informieren. Auch Dein Partner sollte gut aufgeklärt sein und wissen, wann ein Notruf abgesetzt werden muss.
Was mache ich, wenn während der Alleingeburt Komplikationen auftreten?
Bei Komplikationen wie einem Geburtsstillstand, starken Blutungen oder Anzeichen von Sauerstoffmangel beim Baby musst Du sofort den Notruf wählen. Deshalb ist es wichtig, dass Du an einem Ort gebärst, der gut erreichbar ist und Dein Partner oder eine andere Person in der Nähe ist.
Ist eine Alleingeburt auch für Erstgebärende geeignet?
Die meisten Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, haben bereits Geburtserfahrung. Als Erstgebärende kannst Du schwerer einschätzen, wie Dein Körper auf die Wehen reagiert und wie der Geburtsverlauf sein wird. Eine Hausgeburt mit Hebamme könnte hier die sicherere Alternative sein.
Kann ich bei einer Alleingeburt Schmerzmittel verwenden?
Nein, bei einer Alleingeburt stehen Dir keine medizinischen Schmerzmittel wie eine PDA zur Verfügung. Du kannst jedoch auf natürliche Methoden wie Atemtechniken, Bewegung, warme Bäder oder Entspannungsübungen zurückgreifen.
Welche Voraussetzungen sollte ich für eine Alleingeburt erfüllen?
Eine Alleingeburt sollte nur bei einer komplett unauffälligen und gesunden Schwangerschaft in Betracht gezogen werden. Du solltest absolut überzeugt von Deiner Entscheidung sein, keine Zweifel haben und Dich umfassend vorbereitet haben. Auch die Erreichbarkeit für den Notfall muss gegeben sein.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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