Medikamente in der Stillzeit – Was bei der Einnahme beachten
Auf einen Blick
- Die meisten Medikamente sind in der Stillzeit erlaubt – Beipackzettel sind oft zu vorsichtig formuliert
- Paracetamol und Ibuprofen sind als Schmerzmittel unbedenklich, auch lokale Betäubung beim Zahnarzt ist kein Problem
- Embryotox der Charité Berlin bietet wissenschaftlich fundierte Informationen zu Medikamenten in der Stillzeit
Du stillst und brauchst ein Medikament? Viele Mamas sind verunsichert, weil Beipackzettel oft vom Stillen abraten. Die gute Nachricht: Die meisten Arzneimittel sind erlaubt – wenn Du weißt, wo Du verlässliche Infos findest und was Du beachten musst.
🔍 Wo finde ich verlässliche Informationen zu Medikamenten in der Stillzeit?
Es ist gar nicht so einfach, gute und aktuelle Informationen zu Medikamenten in der Stillzeit zu finden. Auch viele Ärzte wissen nicht immer Bescheid. Vor allem, wenn Du zu einem Allgemeinmediziner, Facharzt oder Zahnarzt musst, kann die Frage nach den richtigen Medikamenten nicht immer gut beantwortet werden.
Das liegt vor allem daran, dass in der Stillzeit – und auch in der Schwangerschaft – keine geregelten Tests mit neuen Medikamenten gemacht werden können. Um sich abzusichern, stellen viele Hersteller von Arzneimitteln in den Beipackzetteln auch nur die vorsichtigsten Empfehlungen zusammen. Richtest Du Dich nur nach diesen Informationen, kann es sein, dass keine Medikamente übrig bleiben, die Du in der Stillzeit nutzen kannst.
Gut zu wissen: Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin (Embryotox) sammelt wissenschaftliche Daten auf Basis von Berichten stillender Frauen und gibt fundierte Empfehlungen heraus.
Daher macht es Sinn, wenn Du Dich bei einer guten Informationsquelle möglichst selbst informierst. Eine gute Möglichkeit ist das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Du kannst es unter dem Begriff „Embryotox" finden.
Das Institut der Charité sammelt wissenschaftliche Daten, die unter anderem auf den Berichten von schwangeren und stillenden Frauen beruhen. Aufgrund der wissenschaftlichen Auswertungen dieser Daten gibt das Institut Empfehlungen heraus.
Achtung: Ändere Deine Medikation nicht ohne Dich mit Deinen Ärzten abzusprechen! Embryotox berät Dich und Deine Ärzte auch individuell.
💊 Welche Medikamente darf ich in der Stillzeit nehmen?
Generell solltest Du möglichst nur die Medikamente nehmen, die nicht in die Muttermilch übergehen. Dann bist Du auf der sicheren Seite und Dein Kind bekommt nichts von dem Wirkstoff ab. Zusätzlich sind die Arzneimittel unbedenklich, die auch für einen Säugling eingesetzt werden können.
Bis ein Wirkstoff sich auf Dein Kind auswirken kann, muss er zunächst aus Deinem Blut in die Milch übergehen. Zusätzlich muss er dann noch über den Magen-Darm-Trakt des Babys aufgenommen werden können und ins kindliche Blut gelangen.
Diese Vorgänge sind komplex und werden durch viele Einzelheiten beeinflusst. Daher ist die Einschätzung auch nicht immer ganz einfach.
⏱️ Wie lange dauert es, bis Medikamente in der Muttermilch ankommen?
Die Frage, wann und in welcher Menge Arzneistoffe in der Muttermilch ankommen, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Dabei hängt die Konzentration vor allem von diesen Punkten ab:
- Konzentration im mütterlichen Blut
- Molekülgröße der Wirkstoffe
- gibt es fettlösliche Bestandteile
- Bindung an Bestandteile des mütterlichen Blutes
Hohe Arzneimittelkonzentrationen in der Muttermilch werden vor allem erreicht, wenn die Konzentration im mütterlichen Blutplasma hoch ist, die Moleküle klein sind, es fettlösliche Bestandteile gibt und diese frei im Blut der Mutter vorkommen.
👶 Hängt es auch vom Kind ab, welche Medikamente möglich sind?
Schon direkt nach der Geburt sind Neugeborene nicht mehr so empfindlich wie ein Fötus. Der Stoffwechsel ist aktiv und kann mit vielen Stoffen umgehen.
Trotzdem ist der Einsatz von Medikamenten in der Stillzeit nicht einfach. Die Organe arbeiten bei einem Säugling noch nicht so gut wie bei Erwachsenen und auch die Proteinbindung im Plasma ist geringer. Dadurch wirken Medikamente oft stärker.
Vor allem Frühgeborene und Neugeborene reagieren empfindlicher auf Medikamente. Bei vollgestillten Kindern solltest Du die Einnahme besonders sorgfältig mit Deinem Arzt abwägen.
Weil sich Kinder unterschiedlich entwickeln, lässt sich auch nicht immer voraussagen, wie ein Säugling reagiert. Vor allem Frühgeborene und Neugeborene sind oft empfindlicher. Auch die Trinkmenge hat einen großen Einfluss. Vor allem bei vollgestillten Kindern solltest Du mit Deinem Arzt die Einnahme von Medikamenten gut abwägen.
💪 Welche Schmerzmedikamente darf ich in der Stillzeit nehmen?
Besonders wichtig sind für viele Menschen Medikamente gegen Schmerzen. Migräne, Kopfschmerzen oder Zahnschmerzen können auch in der Stillzeit auftreten. Diese musst Du aber nicht tapfer aushalten. Die Einnahme von Paracetamol und Ibuprofen ist auch in dieser Zeit möglich. Auch eine lokale Betäubung beim Zahnarzt ist kein Problem.
🍽️ Welche Medikamente gegen Verdauungsbeschwerden darf ich nehmen?
Wenn Du leichte Probleme mit der Verdauung hast, kannst Du zunächst versuchen, ob eine Ernährungsumstellung hilfreich ist. Hilft auch gesunde Ernährung nichts, solltest Du mit Deinem Arzt passende Medikamente aussuchen. Und auch akute Beschwerden wie Erbrechen oder Durchfall können durchaus mit Arzneimitteln gelindert werden.
🤧 Welche Medikamente helfen gegen Erkältungen?
Bei einer Erkältungskrankheit kannst Du Dich oft gut mit der Nutzung von isotoner Kochsalzlösung helfen. Diese kann zum Beispiel als Inhalationsmittel oder als Nasenspülung verwendet werden. Einige Medikamentenhersteller bieten auch steril abgepackte Lösungen an.
Tipp: Achte bei Erkältungsmitteln darauf, ein Monopräparat einzunehmen. Kombinationsprodukte sind eher nicht ratsam.
Zusätzlich kann ein Schmerzmittel die schlimmsten Symptome lindern. Hier solltest Du aber darauf achten, ein Monopräparat einzunehmen. Kombinationsprodukte sind eher nicht ratsam.
Wenn ein Antibiotikum nötig ist, wird Dein Arzt Dir oft Penicillin verschreiben. Zusätzlich gibt es andere Antibiotika, die eingesetzt werden können.
✨ Was muss ich bei der Einnahme von Medikamenten beachten?
Bei leichten Erkrankungen in der Stillzeit kannst Du vor der Einnahme von Arzneimitteln erstmal versuchen, die Symptome mit Hausmitteln zu lindern. Allerdings haben Hausmittel auch immer Grenzen und auch die Homöopathie ist nicht immer eine gute Alternative. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirkung homöopathischer Mittel nicht.
Im Zweifel hilft Dir Dein Arzt oder Deine Ärztin auch den Einsatz von Hausmitteln zu planen. Auf jeden Fall solltest Du vermeiden, auf eigene Faust Medikamente einzusetzen. Der Arzt oder Apotheker wird Dich zu Produkten raten, die gut kontrolliert sind und bei denen das Kosten-Nutzen-Verhältnis passend ausfällt.
Achtung: Nimm Veränderungen bei Deinem Kind ernst, wenn Du Medikamente einnimmst – dazu gehören ungewohntes Trinkverhalten, stärkere Unruhe oder auffallende Schlappheit. Besprich das mit Deinem Arzt.
In jedem Fall solltest Du Veränderungen bei Deinem Kind ernstnehmen, wenn Du Medikamente einnimmst. Dazu gehört zum Beispiel ungewohntes Trinkverhalten, stärkere Unruhe oder auffallende Schlappheit. Dann solltest Du mit Deinem Arzt besprechen, ob die Veränderung durch Deine Medikamente bedingt sein kann, oder ob etwas anderes in Frage kommt.
🚫 Bei welchen Medikamenten darf ich nicht stillen?
Wenn Du zusammen mit Deinem Arzt keine Hausmittel und keine unbedenklichen Medikamente zur Linderung finden kannst, kann auch das Abstillen nötig werden. Vor allem der dauerhafte Einsatz von stärkeren Arzneimitteln kann das nötig werden lassen. Zu den Mitteln, die sich nicht mit dem Stillen vereinbaren lassen, gehören vor allem diese Stoffe:
- bestimmte Psychopharmaka und Antiepileptika, vor allem Präparate mit Lithium, Lamotrigin oder Benzodiazepinen
- Desinfektionsmittel mit Jod, wenn sie großflächig eingesetzt werden müssen
- jodhaltige Medikamente, wie zum Beispiel bestimmte Kontrastmittel
- Opioide
- Radionuklide
- Zytostatika, die vor allem bei Krebs- oder Autoimmunerkrankungen genutzt werden
Aber auch bei diesen Substanzen ist nicht immer ein vollständiges Abstillen nötig. Vor allem, wenn ein Medikament nur einmalig oder über wenige Tage eingesetzt wird, kann eine Stillpause reichen. Wichtig ist dann ein regelmäßiges Abpumpen, damit die Milchbildung nicht abnimmt. Die belastete Milch muss allerdings weggeschüttet werden und das Kind sollte künstliche Säuglingsnahrung bekommen.
Gut zu wissen: Deine Gesundheit sollte nicht hinter dem Stillen zurückstehen. Eine gesunde Mutter ist für das Kind immer wichtiger – und es gibt viele Möglichkeiten, das Stillen mit Medikamenten zu vereinbaren.
In jedem Fall sollte Deine Gesundheit nicht hinter dem Stillen zurückstehen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich das Stillen mit Medikamenten vereinbaren lässt. Aber eine gesunde Mutter ist für das Kind immer wichtiger.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich bei jedem Medikament abstillen?
Nein, die meisten Medikamente sind in der Stillzeit erlaubt. Beipackzettel sind oft übervorsichtig formuliert. Informiere Dich bei Embryotox oder sprich mit Deinem Arzt über stillverträgliche Alternativen.
Welche Schmerzmittel darf ich beim Stillen nehmen?
Paracetamol und Ibuprofen sind in der Stillzeit unbedenklich. Auch eine lokale Betäubung beim Zahnarzt ist kein Problem. Du musst Schmerzen nicht aushalten.
Wo finde ich verlässliche Informationen zu Medikamenten in der Stillzeit?
Embryotox der Charité Berlin ist die beste Anlaufstelle. Das Institut sammelt wissenschaftliche Daten von stillenden Frauen und gibt fundierte Empfehlungen. Du findest es online unter „Embryotox".
Kann ich bei einer Erkältung Medikamente nehmen?
Ja, isotone Kochsalzlösung zum Inhalieren oder als Nasenspülung ist unbedenklich. Zusätzlich kannst Du Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen nehmen. Achte auf Monopräparate statt Kombinationsprodukte. Bei Bedarf kann Dein Arzt auch stillverträgliche Antibiotika wie Penicillin verschreiben.
Woran erkenne ich, ob mein Baby auf meine Medikamente reagiert?
Achte auf Veränderungen wie ungewohntes Trinkverhalten, stärkere Unruhe oder auffallende Schlappheit. Besprich solche Auffälligkeiten sofort mit Deinem Arzt, um abzuklären, ob sie mit Deinen Medikamenten zusammenhängen könnten.
Gibt es Medikamente, bei denen ich wirklich abstillen muss?
Nur wenige Medikamente erfordern ein Abstillen – dazu gehören bestimmte Psychopharmaka, Zytostatika, Opioide oder jodhaltige Kontrastmittel. Oft reicht aber auch eine Stillpause von wenigen Tagen. Pumpe dann regelmäßig ab, um die Milchbildung aufrechtzuerhalten, und schütte die Milch weg.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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