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Verhütung nach der Geburt und in der Stillzeit

Nadine Scheiner
17 Mai 2022
5 Min.
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Die Wahl der Verhütungsmethode bereitet manchmal Kopfschmerzen. Denn das ausgewählte Verhütungsmittel soll nicht nur seinen Zweck erfüllen, sondern auch zur Frau und zu ihren Bedürfnissen passen.

Nach der Geburt stellt sich für viele Frauen nicht nur die Frage, ab wann Geschlechtsverkehr wieder möglich ist, sondern auch, ob und wie sie verhüten sollten oder besser auf Verhütungsmittel verzichten sollten, weil sie ihr Baby stillen oder nach Komplikationen bei der Geburt genäht werden musste.

Wir haben mit Müttern und Ärzten gesprochen und stellen euch heute alle erhaltenen Informationen in einem ausführlichen Artikel zur Verfügung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht jede Verhütung ist nach der Geburt geeignet, insbesondere dann, wenn ihr euer Baby stillt.
  • Die Verhütung mit Hormonen nach der Geburt ist nur bedingt geeignet.
  • Im Zweifel greift auf ein Kondom zurück, dieses ist extrem sicher und enthält keinerlei Hormone.
Verhütung nach Geburt
JLco Julia Amaral via shutterstock

Verhütung nach der Geburt - 2 bis 6 Wochen kein Geschlechtsverkehr und dann?

Grundsätzlich gilt es nach der Entbindung etwa zwei bis sechs Wochen abzuwarten bevor der erste Geschlechtsverkehr erfolgt, wobei ohnehin nur etwa 10 % aller frisch gebackenen Eltern nach der Geburt schnell Lust auf Sex haben.

Ist die Zeit jedoch verstrichen und die Lust wieder da, stellen sich viele Frauen die große Frage, ob und wie sie verhüten müssen, um nicht gleich wieder schwanger zu werden. Viele Frauen fühlen sich so kurz nach der Geburt einfach nicht bereit für eine neue Schwangerschaft und wollen kein Risiko eingehen, also fragen sie sich oft schon Tage vorher, welche Verhütungsmethode geeignet ist.

Denn nicht jedes Mittel zur Verhütung sollte auch kurz nach der Geburt verwendet werden. Glaubt aber keinesfalls der alten Legende, dass ihr während der Stillzeit nicht schwanger werden könnt, weil kein Eisprung stattfindet während die Milchproduktion stattfindet, um euer Baby mit ausreichend Muttermilch zu versorgen. Stillen dient nicht als Verhütungsmethode. Es ist wahr, dass es nicht so einfach ist während der Stillzeit schwanger zu werden, aber es ist nicht unmöglich.

Kurz gesagt, wenn ihr nicht vorhabt wieder schwanger zu werden setzt besser auf ein bewährtes Verhütungsmittel. Bei der Auswahl eines Verhütungsmittels müsst ihr allerdings verschiedene Faktoren berücksichtigen, dazu gehören:

  • Stillst ihr euer Baby noch oder füttert es mit eurer zuvor abgepumpten Muttermilch?
  • Möchten ihr euch lange Zeit nehmen, um ein weiteres Kind zu bekommen oder soll es relativ schnell weiteren Nachwuchs geben?
  • Wart ihr mit der Methode, die ihr vor der Schwangerschaft angewendet habt, zufrieden?
  • Gibt es Risikofaktoren, um eine der möglichen Methoden zur Verhütung anwenden zu können?

Ok, habt ihr euch diese Fragen gedanklich oder sogar schriftlich beantwortet und wisst, dass ihr so schnell nicht wieder schwanger werden wollt, könnt ihr euch auf die Suche nach einem für euch geeigneten Verhütungsmittel machen. Wir stellen euch im Folgenden die als sicher geltenden Verhütungsmittel vor.

Verhütung mit Präparaten

Auch in der Stillzeit anwendbar

Präservativ (Kondom)

Die beliebte Barriere-Methode schützt neben einer erneuten Schwangerschaft auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Nach der Schwangerschaft stellt ein Kondom eine sehr gute Option dar, wenn die frisch gebackene Mutter stillt oder aus anderen Gründen keine hormonelle Methode anwenden kann.

Intrauterinpessar (IUP)

Es ist eine ideale Methode für jene Mütter, die nicht vorhaben die Familienplanung schnell voranzutreiben und zügig wieder schwanger zu werden oder für jene Frauen, die gar nicht vorhaben erneut schwanger zu werden. Die IUP kann problemlos auch während des Stillens angewendet werden.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Spiralen: Die klassische Kupfer-Hormonspirale und eine andere Hormonspirale, die ein Hormon namens Levonorgestrel (ähnlich Progesteron) 5 Jahre lang kontinuierlich freisetzt. Letzteres hat die Eigenschaft, dass es nicht nur ein Verhütungsmittel ist, sondern auch die Menstruationsblutung stark reduziert.

Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass die Blutung nach einigen Monaten völlig ausbleibt.

Wichtiger Hinweis: Bei der klassischen Kupferspirale verlängert sich die Periode in der Regel etwas und wird zudem auch etwas schmerzhafter und etwas intensiver. Es ist also abzuwägen, welche Spirale besser geeignet ist.

Diaphragma

Auch ein Diaphragma kann nach der Geburt zur Verhütung eingesetzt werden. Das Scheidenpessar wird ein bis zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt und verhindert das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter. Der runde oder ovale Federring ist mit Silikon überspannt und in einem spermienhemmenden Gel getränkt, sodass der Muttermund diese nicht aufnehmen kann.

Nachteil: Das Diaphragma wirkt, nur wenn es richtig eingesetzt wird und ist nicht so sicher wie ein eine Hormonspirale, da es nicht die Fruchtbarkeit beeinflusst. Zudem besteht die Gefahr einer allergischen Reaktion, wenn die Frau allergisch gegen Silikon ist.

Die Anwendung bedingt verwendbarer Präparate

Es gibt neben den genannten Verhütungsmitteln, die absolut sicher sind und auch während des Stillens kein Problem darstellen auch Verhütungsmittel, die nur bedingt nach der Schwangerschaft eingesetzt werden sollten. Stillt eine Mutter ihr Baby, sind einige der folgenden Verhütungsmethoden besser zu vermeiden.

Pille

Es ist eine hormonelle Verhütungsmethode, die sehr angenehm ist. Mit der Pille werden die Menstruationszyklen „buchbar“ und zudem oft weniger stark und weniger schmerzhaft. Nachteile? Die Pille wird nicht empfohlen bei Rauchern über 35 Jahren und bei Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko.

Außerdem kann es zu einer Abnahme der Libido kommen. Die Pille mit Östrogenen und Gestagenen -die am häufigsten verwendeten- darf nicht während der Stillzeit eingenommen werden. Falls eine Mutter stillt und sich für die Pille entscheidet, sollte sie eine Pille einnehmen, die nur Gestagen (Progesteron) enthält, und diese kontinuierlich einnehmen, bis Sie sich entscheiden, mit dem Stillen aufzuhören.

Nachteil dieser Pille, die Zyklen sind nicht so perfekt planbar und können leichte Zwischenblutungen verursachen.

Vaginalring

Es ist eine hormonelle Verhütungsmethode, die Östrogene und Gestagene enthält. Daher wird auch der Vaginal-Ring nicht empfohlen, wenn gestillt wird. Er wird ganz einfach in die Vagina eingeführt und drei Wochen lang getragen, danach wird er entfernt, um in der vierten Woche die Periode zuzulassen. Der Vaginal-Ring funktioniert wie die Pille und reguliert die Blutungen planbar. Frauen müssen lediglich daran denken ihn einmal im Monat zu entfernen und nach einer Woche wieder einzusetzen.

Verhütungspflaster

Auch bei den Verhütungspflastern handelt es sich um eine hormonelle Methode mit Östrogenen und Gestagenen, genau wie der Vaginal-Ring oder die Pille. Jedes Pflaster hält eine Woche lang, in einem Zyklus müssen drei Pflaster geklebt werden.

Denn diese geben nur eine Woche die Hormone ab.  Vorteil? – Viele Frauen vergessen die Einnahme der Pille, weil sie sie nicht ständig vor Augen haben, das Pflaster ist am Körper 24/7 spürbar.

Implanon®

Das seit dem Jahr 2000 zugelassene Verhütungsstäbchen wird direkt unter die Haut gesetzt und gibt drei Jahre lang kontinuierlich ein dem Progesteron ähnliches Hormon ab. Es wird nach Absprache platziert, der Gynäkologe (Frauenarzt / Frauenärztin) wird es durch einen minimalen Schnitt an der Innenseite des Unterarms einsetzen.

Um es wieder zu entfernen wird nach drei Jahren ein erneuter kleiner Schnitt gesetzt und das Stäbchen entfernt. Da es sich jedoch um ein Hormon handelt, wird davon abgeraten, dass stillende Mütter, diese Präparate einsetzen. Zudem kann es Unregelmäßigkeiten bei den Zyklen verursachen.

Verhütungsmittel – Was beachten außer die Stillzeit?

Neben der Stillzeit solltet ihr bei der Auswahl des Verhütungsmittels natürlich auch mögliche Allergien oder Verletzungen durch die Geburt beachten. Denn hattet ihr zum Beispiel einen Dammschnitt oder Dammriss und dieser ist noch nicht 100 % abgeheilt, kann es sein, dass ein Kondom ohne zusätzliches Gleitmittel unangenehm wird.

Resümee: Verhütungsmittel, ja oder nein?

Unser Rat? Besprecht euch mit eurem Partner und eurem Arzt / eurer Ärztin und entscheidet dann gemeinsam, welches Verhütungsmittel am besten geeignet ist. Stillt ihr euer Baby, verwendet eventuell zwei verschiedene Verhütungsmittel, eines während ihr stillt und eines, nachdem ihr völlig aufgehört habt, euer Kind zu stillen.

Entscheidet aber nicht spontan, sondern überlegt euch genau ob und wann ihr wieder schwanger werden wollt und welche Verhütungsmittel wirklich zu eurem Lebensstil und euren Bedürfnissen passt. Wir empfehlen im Zweifel immer erst einmal ein Kondom zu verwenden, dieses schützt euch rundum und enthält keinerlei Hormone, die später auf euer Baby Einfluss nehmen könnten.

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