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Der Inkubator – Brutkasten für euer Baby

Nadine Scheiner
07 Jan 2022
4 min.
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Wahrscheinlich jeder hat in seinem Leben bereits einen Inkubator gesehen und kennt im Großen und Ganzen die Funktionen. Um euch aber noch mehr Informationen zu geben, werden wir in diesem Artikel detailliert beschreiben, wie genau dieses Gerät funktioniert, welche Funktionen es genau integriert und wann ein Baby die ersten Tage oder Wochen in einem Inkubator verbringt.

Natürlich verraten wir euch auch, was ihr als Mutter und gemeinsam als Eltern tun könnt, wenn euer Baby in einem Inkubator liegt. Ist ein Inkubator in Ländern wie Deutschland relativ „selten“ nötig und wird eher für die optimale Entwicklung der Babys eingesetzt, ist der Inkubator in vielen Ländern ein wahres Wunder, da es die Zahl der Sterblichkeit stark verringert hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Inkubatoren werden nicht nur bei Frühgeburten eingesetzt, auch bei Babys, die aus anderen Gründen einen Entwicklungsrückstand haben, kommen Inkubatoren zum Einsatz.
  • Inkubatoren sind mit sämtlichen Funktionen ausgestattet, sodass die Babys bestens versorgt sind.
  • Ein Inkubator bedeutet nicht automatisch, dass das Baby bei schlechter Gesundheit ist und sein Leben gefährdet ist.
Inkubator Baby
Fotosr52 via Shutterstock

Was ist ein Inkubator genau?

Auch wenn viele Mütter wahrscheinlich wissen, was ein Inkubator ist, möchten wir die Frage „Was ist ein Inkubator“ noch einmal klären, bevor wir erläutern, welche Funktionen moderne Geräte haben und wann ein Inkubator für Babys nötig wird.

Beim Inkubator handelt es sich um eine geschlossene Kammer, die eine Umgebung schaffen soll, die die Entwicklung der Frühchen oder „normal“ Neugeborenen förderlich sein soll. Die Kammer besteht aus transparentem Außenmaterial, hat Lufteinlässe und Fenster und ist gepolstert, um dem Baby eine geeignete Unterlage zu ermöglichen.

Darüber hinaus sind Kontrollsysteme integriert, die es ermöglichen, in Echtzeit Gewicht, Herzfrequenz, Temperatur und Gehirnfrequenz des Kindes zu kontrollieren. Das bedeutet, alle körperlichen Aktivitäten können Minute für Minute überprüft werden.

Eingesetzt wird der Inkubator, wenn ein untergewichtiges Frühchen oder anderweitig unterentwickeltes Baby Unterstützung benötigt, um den Entwicklungsprozess abzuschließen. Der Inkubator bietet dem frisch geborenen Kind in diesem Fall eine geeignete und sichere Umgebung.

Inkubatoren - Die integrierten Funktionen

Um die Entwicklung eines Babys optimal zu unterstützen, muss ein Inkubator bestimmte Funktionen mitbringen. Verschiedene integrierte Sensoren und automatische Kontrollsysteme versorgen das Baby mit Sauerstoff, Wärme und der richtigen „Raumluft“.

Temperatursteuerung: Die Temperatursteuerung wird automatisch gesteuert, indem dem Baby ein Sensor auf die Haut geklebt wird, der die Temperatur des Babys misst. Ist die Temperatur zu niedrig, gibt das Gerät Wärme ab, ist die Temperatur des Babys zu hoch, wird der Inkubator automatisch etwas runtergekühlt.

Isolierung: Eine der wichtigsten Eigenschaften ist die Kontrolle der eindringenden Luft, sodass das Baby während der Entwicklungsphase so wenig wie möglich mit Keimen und Allergenen in Kontakt kommt. Besonders wichtig ist diese Funktion bei Frühchen, da das Immunsystem oft noch nicht aktiv ist.

Feuchtigkeitssensoren: Ebenso wie die Temperatur wird die Feuchtigkeit im Inneren des Inkubators gemessen. Die richtige Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig, denn zu trockene Luft kann zur Austrocknung führen, zu feuchte Luft hingegen zu Ansammlung von Feuchtigkeit im Inkubator und schlimmsten Falls in der Lunge des Babys.

Sauerstoffquelle: Um Atemwegserkrankungen vorzubeugen und das Kind mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen, wird der Sauerstoff im Inkubator stetig kontrolliert und besonders hochgehalten. Denn Sauerstoff ist extrem wichtig für die optimale Versorgung und Entwicklung des Babys.

Unterstützte Atmung: Handelt es sich um Frühchen oder normal geborene Babys, die Probleme mit der Atmung haben, können diese beatmet werden. Dafür wird eine Art Pumpe angeschlossen und der Atmungsprozess mechanisch unterstützt.

UV-Strahlung: Das ultraviolette Licht aus dem Inkubator wird in geringen Maßen abgegeben, es dient der Aktivierung des körpereigenen Vitamin D und dem Entgegenwirken von Gelbsucht.

Außerdem wird der Herzschlag der Säuglinge kontrolliert, es kann schnell eine Blut- oder Urinprobe genommen werden, sollte der Verdacht von Komplikationen wie einer Infektion bestehen und der Säugling ist unter ständiger Beobachtung und Betreuung.

Inkubator
July Semianovich via Shutterstock

Wann kommt ein Inkubator zum Einsatz?

Ob und wann ein frisch geborenes Kind in einen Inkubator gelegt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Frühchen werden fast immer in einen Inkubator gelegt, um zumindest die ersten 2 bis 3 Tage die Körperfunktionen zu überwachen. Der Inkubator ermöglicht es zudem, geschwächte Neugeborene von den „Bedrohungen“ der Umwelt zu isolieren, die bei geschwächten Babys oft Komplikationen verursachen können.

Zu den häufigsten Fällen, in denen es notwendig ist, das Baby in einen Inkubator zu legen, sind folgende:

Wie bereits erwähnt, führt eine Frühgeburt fast immer dazu, dass ein Baby erst einmal im Inkubator beobachtet wird, um die Körper-Funktionen zu überwachen. Hat das Baby vor der Geburt nicht die 37. Schwangerschaftswoche erreicht, gilt es als Frühchen. Die Entwicklung ist noch nicht voll abgeschlossen und das Immunsystem nicht voll ausgebildet, um Entwicklungsstörungen und Komplikationen zu vermeiden, wird das Baby in einen Inkubator gelegt, bis es selbst kräftig genug ist.

Ein weiterer Grund ist ein niedriges Geburtsgewicht. Babys mit niedrigem Geburtsgewicht sind solche, die bei der Geburt weniger als 2,5 kg wiegen. Ob Frühgeburt oder „normal“ geborenen Kind, der Inkubator kontrolliert alle körpereigenen Funktionen und versorgt das Baby bis es ausreichend Gewicht hat.

Auch Babys, die Schwierigkeiten haben, ihre Temperatur zu halten, werden in einen Inkubator gelegt, denn dieser ist mit Temperatursensoren ausgestattet, um die Körpertemperatur des Babys zu regeln. Ebenso führt eine Schwäche des Immunsystems dazu, dass Ärzte und Hebammen entscheiden, das Kind erst einmal im Inkubator zu beobachten.

Weitere Gründe:

  • Knochenbrüchigkeit oder Muskelschwäche
  • Mangelnde Reifung der Lunge
  • Neurosensorisches Entwicklungsdefizit
  • Fehlen des Saugreflexes, der die Nahrungsaufnahme von selbst verhindert

Was tun, wenn euer Baby im Inkubator liegt?

Zuallererst sollten Eltern bedenken, dass ein Baby im Inkubator sehr gut versorgt ist. Die Kontrolle ist konstant und Ihre Bedürfnisse werden vollständig abgedeckt, um Probleme und Komplikationen zu vermeiden und das Baby bei der Weiterentwicklung zu unterstützen.

Darüber hinaus bedeutet die Tatsache, dass euer Baby in einem Inkubator liegt, nicht unbedingt, dass seine oder ihre Gesundheit gefährdet ist. Die Zeit im Inkubator wird oft auch als Zeit der „Anpassung an die Welt“ verwendet, sodass sich der Säugling nach der langen Zeit im Mutterleib langsam an die Welt „da draußen“ gewöhnen kann. Die medizinische oder intensivmedizinische Überwachung und Betreuung im Krankenhaus und die sofortige Behandlung des Säuglings sollte es Komplikationen geben wirkt sich schlussendlich positiv auf euer Kind aus.

Wenn ihr bei eurem Baby seid, sprecht mit ihm, sodass es eure Stimme hört und weiß, das es sicher ist und Schutz hat. Ob ihr euer Baby stillen dürft oder es statt Muttermilch mit einer anderen geeigneten Nahrung versorgt wird, ist vom Alter und dem Gesundheitszustand abhängig.

Habt Verständnis, wenn ihr nicht die ganze Zeit bei eurem Baby sein könnt, oft ist die Station in Bezug auf die Besuchszeit sehr eingeschränkt und es wird sich seitens des Krankenhauses strikt an die Regelungen gehalten, um jedes einzelne Kind zu schützen. Bleibt daher ruhig und geduldig. Im Normalfall könnt ihr recht schnell euer Baby mit nach Hause nehmen und ein ganz normales Leben führen.

Fazit: Ein Inkubator bedeutet nicht automatisch Schlechtes

Wenn eure Hebamme oder euer Arzt euch dazu rät, dass euer Baby erst einmal einige Tage im Inkubator verbringen sollte, bedeutet dies nicht automatisch, dass seine Gesundheit gefährdet ist. Möglicherweise benötigt euer Neugeborenes einfach etwas mehr Zeit, um sich an die Außenwelt zu gewöhnen, gebt ihm die Zeit und freut euch auf eine aktive und vor allem gesunde Zukunft.

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