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Kindbettfieber (Puerperalfieber) – Symptome und Behandlung

Nadine Scheiner
19 Jan 2022
4 min
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Kinderbettfieber auch unter dem medizinischen Begriff Puerperalfieber ist eine Infektion, die bei Frauen nach der Geburt auftreten kann. Verursacht wird Kinderbettfieber durch Verletzungen der Scheide, Geburtskanal oder der Gebärmutter während der Geburt. In der Vergangenheit gehörte Puerperalfieber zu den häufigsten Ursachen für den Tod der Mutter nach der Geburt.

Im 21. Jahrhundert können postpartale Infektionen gut behandelt werden und führen extrem selten zum Tod. Die Behandlung mit Antibiotika kann die Häufigkeit sowie die Schwere des Kinderbettfiebers kontrolliert und reduziert werden.

Im Nachfolgenden findet ihr die typischen Symptome, bekannte Risikofaktoren und mögliche Therapien, sodass ihr im Fall der Fälle gut vorbereitet seid.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinderbettfieber kann heute viel besser und schneller behandelt werden und wird in der Regel schnell auskuriert.
  • Das zügige Mitteilen der Symptome gegenüber dem Arzt, der Hebamme oder direkt in einem Krankenhaus ist von größter Bedeutung.
  • Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko, an Kinderbettfieber zu erkranken erhöhen.
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Was ist Kindbettfieber?

Kinderbettfieber wird definiert als lokale septische Entzündung, die im Wochenbett als Folge von Verletzungen und Wunden auftritt, die im Genitaltrakt durch Schwangerschaft und Geburt verursacht wird.

Nach der Geburt wird regelmäßig die Temperatur der frisch gebackenen Mutter gemessen, um eine Änderung der Temperatur schnellstmöglich festzustellen. Wird bei mindestens zwei Messungen im Abstand von 6 Stunden ausgenommen die ersten 24 Stunden nach der Geburt eine Temperatur gleich oder höher von 38 °C festgestellt, gilt dies als Kinderbettfieber und wird schnellstmöglich behandelt.

Obwohl Häufigkeit und Schwere dieser Infektionen seit der Einführung von Antibiotika stark abgenommen haben, stellen sie unerkannt immer noch ein großes klinisches Problem dar.

Kinderbettfieber Symptome - Darauf solltet ihr achten

Fieber ist offensichtlich das Hauptsymptom von Puerperalfieber. Es gibt jedoch auch andere Symptome, die darauf hinweisen, dass eine Frau an Kinderbettfieber erkrankt ist. Zu den allgemeinen Anzeichen und Symptomen gehören auch Blässe, kalter Schweiß, Übelkeit und Erbrechen, Schüttelfrost und Bauchschmerzen.

Weitere Anzeichen sind ein anhaltender, schneller Herzrhythmus (Tachykardie), typischer vaginaler Ausfluss (Lochia), der unangenehm riecht und im Übermaß austritt. Des Weiteren können Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein ein Anzeichen für Kinderbettfieber sein.

Typische Ursachen für Kinderbettfieber

Im Allgemeinen sind Wochenbettinfektionen die Folge mangelnder Hygiene in der Betreuung während der Geburt oder im Wochenbett, es kann aber auch vorkommen, dass ein Teil der Plazenta (Nachgeburt) in der Gebärmutter verblieben ist und zu Komplikationen führt.

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Die Lokalisierungen und Varianten von Kinderbettfieber

Es gibt verschiedene Varianten des Kinderbettfiebers, diese ist nicht nur von der Lokalisierung der auslösenden Infektion abhängig, sondern auch von der Ursache, die zur Infektion geführt hat. Aufgeteilt werden die Infektionen in vier verschiedene Hauptvarianten und mehrere Unterformen.

Puerperale Endometritis

Es handelt sich um eine bakterielle Infektion im Inneren der Gebärmutter, insbesondere im Endometrium, wo die Plazenta während der 9 Monate der Schwangerschaft verankert war. Neben Fieber verursacht diese Form oft Unterleibsschmerzen, eine vergrößerte und schmerzhafte Gebärmutter, anhaltende Blutungen und übel riechenden Ausfluss (Lochia).

Chirurgische Wundinfektion

Die chirurgische Wundinfektion kann sich entweder aus der Episiotomie bei der vaginalen Entbindung oder durch den Bauchschnitt eines Kaiserschnitts ergeben. Im Allgemeinen tritt sie bei etwa 5 % der Geburten auf, beginnend in den ersten 7 Tagen nach der Entbindung. Die Mikroorganismen, die die Infektion verursachen, stammen normalerweise von der Haut wie beispielsweise Staphylococcusaureus. Es ist sehr wichtig, die Wunden gut zu pflegen, um das Risiko einer Infektion zu vermeiden.

Mastitis puerperalis

Bei der Mastitis puerperalis handelt es sich um eine Entzündung der weiblichen Brustdrüse. Die Entzündungen entstehen in der Regel in der 2. Woche bis in die 4. Woche, durch die im Speichel des Babys enthaltenen Streptokokken und Anaerobier kann ebenfalls eine Infektion ausgelöst werden, die zu Fieber und anderen Beschwerden führt. Für die erfolgreiche Therapie ist eine breitflächige antibiotische Behandlung notwendig.

Harnwegsinfektionen

Auch Harnwegsinfektionen können Kinderbettfieber verursachen, wenn dies im Zusammenhang mit dem Katheter der Epiduralanästhesie steht. Es ist möglich, dass mit dem Katheter Bakterien eindringen, die Infektionen verursachen. In der Regel tritt die Infektion 2 bis 5 Tage nach der Geburt auf.

Weitere Ursachen:

  • Pyelonephritis
  • Zystitis
  • Thrombophlebitis

Kinderbettfieber auslösende Bakterien

Wie bereits erwähnt, sind die häufigsten Mikroorganismen, die Kindbettfieber verursachen, solche, die in der Vaginal-Flora, auf der Haut oder in der Darmflora vorkommen. Dazu gehören:

  • Streptococcus agalactiae
  • Streptococcus pyogenes
  • Staphylococcus Aureus
  • Escherichia coli

Puerperalfieber Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko stark erhöhen können an Kinderbettfieber zu erkranken. Die Risikofaktoren können nicht nur in Zusammenhang mit der vorhergegangenen Krankheitsgeschichte und dem körperlichen Allgemeinzustand der schwangeren Frau stehen, oft gibt es auch einen Zusammenhang der Infektion mit dem

Intrinsische Risikofaktoren Extrinsische Faktoren
Langwierige Geburt instrumenteller Geburtshilfe
vorhergehende Harnwegs- oder Vaginalinfektionen Manuelle Entfernung der Plazenta
Fettleibigkeit Notkaiserschnitt
Anämie oder Unterernährung Unreine Krankenhäuser
Vorzeitiges Platzen der Fruchtblase
Geschlechtsverkehr kurz vor der Geburt
Vorerkrankungen am Unterleib oder Muttermund

 

Es sollte beachtet werden, dass nicht alle Frauen mit einer dieser Krankheiten an Kinderbettfieber erkranken. Um eine Infektion zu vermeiden, ist während der Schwangerschaft und nach der Geburt eine intensive Hygiene im Intimbereich besonders wichtig.

Kinderbettfieber Behandlung

Die Behandlung von Kinderbettfieber sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Im Normalfall werden Antipyretika und Schmerzmittel verschrieben, um das Fieber zu senken und die Schmerzen zu lindern. Im Anschluss erfolgt eine Therapie mit Antibiotika, diese sind für die Behandlung unerlässlich, da sie gegen die infektiösen Mikroorganismen wirken.

Wenn der spezifische Erreger nicht bekannt ist, wird ein Breitbandantibiotikum wie Amoxicillin verwendet. Abhängig vom Erfolg der Behandlung wird die Therapie beibehalten oder das Antibiotika modifiziert, sodass eine schnellstmögliche Besserung des Zustandes der frisch gebackenen Mutter ersichtlich wird.

Zudem ist es wichtig, im Wochenbett eine gute Intimhygiene aufrechtzuerhalten. Am besten wascht und desinfiziert ihr die äußeren Genitalien mindestens 2- bis 3-mal täglich. Die schwersten Fälle von Wochenbettinfektionen erfordern eine Krankenhauseinweisung der Frau. Sucht im Zweifelsfall also eure/n Arzt/Ärztin auf und fragt um Rat.

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Resümee: Ist Puerperalfieber eine ernste Erkrankung?

Auf jeden Fall handelt es sich bei Kinderbettfieber um eine ernst zu nehmende Krankheit. Die Infektionskrankheit kann nicht nur Fieber auslösen, sondern zu einer Sepsis führen, wenn die Bakterien oder Keime in die Blutbahn geraten.

Solltet ihr die genannten Symptome an euch bemerken und sogar in Zusammenhang mit einer bekannten Ursache stellen können, ist zu empfehlen, sofort eure Hebamme, euren Arzt oder sogar ein Krankenhaus aufzusuchen. Kinderbettfieber kann heute sehr gut und zügig behandelt werden, wenn es frühzeitig erkannt wird.

Nehmt daher selbst Strich 38 °C 24 Stunden bis 6 Wochen nach der Geburt nicht auf die leichte Schulter und geht lieber einmal mehr zum Arzt. Achtet zudem auf eine sehr gute Intimhygiene, fragt am besten in der Drogerie oder Apotheke nach speziellen Intimpflegeprodukten.

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