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Mehrlingsschwangerschaft – Was ist zu tun?

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 15.04.2026 Lesezeit 13 Min.
Mehrlingsschwangerschaft – Was ist zu tun?

Auf einen Blick

  • Mehrlingsschwangerschaften entstehen durch mehrere befruchtete Eizellen – oft nach künstlicher Befruchtung
  • Engmaschige ärztliche Kontrolle ist wichtig: Ab der 28. Woche alle 14 Tage zur Vorsorge
  • Frühgeburten sind häufiger – meist um die 37. Schwangerschaftswoche

Die Nachricht „Du bekommst Zwillinge – oder sogar Drillinge!" kann überwältigend sein. Freude mischt sich mit Unsicherheit: Was bedeutet das für Deinen Körper? Welche Risiken gibt es? Wir zeigen Dir, was bei einer Mehrlingsschwangerschaft auf Dich zukommt und wie Du Dich bestmöglich vorbereiten kannst.

👶 Wie entsteht eine Mehrlingsschwangerschaft?

Die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Der Grund dafür liegt jedoch nicht bei einer normalen Geburt, sondern vielmehr an der steigenden Anzahl der künstlichen Befruchtungen. In Deutschland werden bei einer künstlichen Befruchtung drei befruchtete Eizellen eingesetzt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft enorm.

Mehrlingsschwangerschaften entstehen also aufgrund der Anzahl der Embryonen. Oftmals tritt eine beliebige Kombination aus eineiigen Zwillingen und aus zweieiigen Zwillingen auf. Über ein Drittel der Mehrlingsschwangerschaften sind monozygote, sprich eineiige Zwillinge. Jeder Zwilling hat dann eine eigene Zottenhaut, was im Fachjargon auch dichorial genannt wird.

Zweieiige Zwillinge

Zweieiige Zwillinge sind Geschwister, die in den meisten Fällen gleichzeitig zur Welt kommen. Diese Kinder entstehen aus zwei verschiedenen Eizellen, die entweder gleichzeitig oder nacheinander befruchtet wurden. Zweieiige Zwillinge können unterschiedliche Geschlechter haben, sind sich in ihrem Charakter und Wesen jedoch sehr ähnlich. Jedes Deiner Kinder einer zweieiigen Mehrlingsgeburt hat eine besondere Verbindung zu Deinem Körper.

Eineiige Zwillinge

Bei eineiigen Zwillingen ist dies jedoch anders. Die Zwillinge bilden sich aus nur einer einzigen Eizelle und einem Spermium. Schon wenige Tage nach der Befruchtung spaltet sich eine zweite Keimzelle und nistet sich zusammen mit der ursprünglichen Eizelle in Deiner Gebärmutter ein. Eineiige Zwillinge haben nicht nur das gleiche Geschlecht, sondern auch die gleiche Blutgruppe und die gleichen Erbanlagen. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Erbgleichheit.

Gut zu wissen: Im Falle einer Mehrlingsschwangerschaft – egal ob Drillinge, Vierlinge, Fünflinge, Sechslinge oder Siebenlinge – kann eine Kombination aus eineiigen und zweieiigen Zwillingen bestehen.

🔍 Welche Faktoren begünstigen eine Mehrlingsschwangerschaft?

Die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften steigt nach einer Hormonbehandlung an. Viele Paare, deren Kinderwunsch lange Zeit unerfüllt bleibt, führen eine Kinderwunschbehandlung durch. Die vorher verabreichten Hormone stimulieren die Eierstöcke der Frau, sodass nicht nur eine Eizelle, sondern gleich mehrere Eizellen heranreifen. Dadurch finden zugleich mehrere Eisprünge statt, was zur Folge hat, dass gleich mehrere Eizellen befruchtet werden können.

Besonders die IVF-Methode (In-vitro-Fertilisation) führt des Öfteren zu Mehrlingsschwangerschaften. Genauso verhält es sich mit einer Zwillingsschwangerschaft.

🌸 Woran erkenne ich eine Mehrlingsschwangerschaft?

Eine Mehrlingsschwangerschaft hat in der Regel dieselben Anzeichen wie eine Einlingsschwangerschaft auch. Folgende Anzeichen sind identisch:

  • Die Werte für das Schwangerschaftshormon HCG sind erhöht
  • Morgenübelkeit
  • Erbrechen in den ersten Schwangerschaftswochen

Die folgenden Anzeichen deuten bereits auf eine Mehrlingsschwangerschaft hin:

  • Besonders hohe Gewichtszunahme in der 1. bis 12. Schwangerschaftswoche
  • Bauchumfang deutlich größer als bei Einlingsschwangerschaft
  • Vergrößerte Gebärmutter, die von der Gynäkologin ertastbar ist (Untersuchung mit dem Ultraschall zeigt es ebenfalls deutlich)

Ab wann sieht man eine Mehrlingsschwangerschaft?

Um die Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft stellen zu können, ist die klassische Ultraschall-Untersuchung wichtig. Der Fachbegriff dafür ist Sonografie. Dieser wird zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche gemacht. In einigen Ausnahmefällen ist es möglich, die Sonografie bereits zwischen der 6. und 7. Woche zu machen. In einigen Fällen lassen sich die Mehrlingsschwangerschaften bereits durch vorsichtiges Abtasten feststellen. Mit einer Sonografie hingegen können sogar schon die ersten Körperteile des Kindes erkannt werden. Auch die ersten Kindesbewegungen werden dann deutlich.

Bei einer Mehrlingsschwangerschaft ist die engmaschige Betreuung durch Deine Gynäkologin besonders wichtig. Vertraue auf Dein Bauchgefühl und melde Dich bei jeder Veränderung – lieber einmal zu viel als zu wenig.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

📅 Wie oft muss ich zur Vorsorge?

Das medizinische Labor und die Kontrolle Deiner Blutgruppe sowie eine komplette körperliche Untersuchung gehören zu den allgemeinen Vorsorgen dazu. Bei einer Mehrlingsschwangerschaft ist die medizinische Betreuung deutlich höher. Das bedeutet, dass Du Dich öfter an Deinen Gynäkologen wenden solltest, vor allem wenn Du merkst, dass etwas nicht stimmt.

Generell besteht bei Mehrlingsschwangerschaften ein erhöhtes Risiko auf Komplikationen. Die häufige ärztliche Kontrolle ist daher sehr wichtig. Ab der 28. Schwangerschaftswoche musst Du alle 14 Tage zu einer Vorsorgeuntersuchung. Dies ist bei einer normalen Schwangerschaft nicht der Fall. Ab diesem Zeitpunkt wird jedoch genau kontrolliert, ob sich Deine Kinder alle gleich und vor allem gut entwickeln und wie Dein Allgemeinzustand ist.

Tipp: Führe ein Schwangerschaftstagebuch, in dem Du Beschwerden, Fragen und Auffälligkeiten notierst. So vergisst Du bei den häufigen Terminen nichts Wichtiges.

⚠️ Welche Komplikationen können auftreten?

In Deiner Schwangerschaft kann es grundsätzlich zu Beschwerden kommen. Doch auch bei einer Mehrlingsschwangerschaft kann es vorkommen, dass die Beschwerden mal höher, mal geringer ausfallen. Auf die folgenden Beschwerden musst Du Dich bei Deiner Schwangerschaft einstellen:

  • Häufiges Erbrechen und andauernde Übelkeit
  • Deutliche Gewichtszunahme
  • Rückenschmerzen aufgrund der Gewichtszunahme
  • Atemlosigkeit (Mehrlinge können auf Lunge drücken)
  • Innere Unruhe
  • Rastlosigkeit

Bei diesen Komplikationen handelt es sich oftmals um die Schwangerschaftskomplikationen, die grundsätzlich auftreten können. Eine gesunde und gute Entwicklung der Kinder bei einer Mehrlingsschwangerschaft hängt nicht nur vom vorhandenen Platz ab, sondern auch von der Versorgung mit Sauerstoff und den lebensnotwendigen Nährstoffen. Komplikationen, die bei Deiner Mehrlingsschwangerschaft entstehen können, betreffen nicht selten die Nabelschnur, die Nährstoffversorgung oder die Plazenta.

Ebenso kommt es deutlich öfter zu Frühgeburten. Gerade in der 37. Schwangerschaftswoche kommt es des Öfteren zu einer Frühgeburt.

Mögliche medizinische Komplikationen im Überblick

Plazentainsuffizienz: Hierbei handelt es sich um eine chronische Störung der Plazenta, bei der die Durchblutung unzureichend ist. Eine Schädigung Deines Fötus ist dadurch möglich.

Größenwachstum ist vermindert: Im Falle einer sogenannten Hypotrophie kann es passieren, dass Dein Fötus schrumpft.

Schädigungen (neurologische Sicht): Durch eine verminderte Zufuhr von Sauerstoff oder weiteren Nährstoffen kann es passieren, dass es zu neurologischen Schädigungen kommt.

Schwangerschaftsbeschwerden: Beschwerden wie beispielsweise unstillbares Brechen, hoher Blutdruck oder Stoffwechselstörungen können Komplikationen bei der Schwangerschaft hervorrufen.

Risiko einer Frühgeburt: Mehrlingsschwangerschaften haben ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten.

Fehlgeburt: Bei einer Fehlgeburt, auch Abort genannt, ist Dein Kind nicht mehr lebensfähig. Häufig endet die Schwangerschaft dann in der 23. Schwangerschaftswoche.

Achtung: Vermeide Stress und besonders körperliche Anstrengungen. Dadurch kannst Du vorzeitige Wehen verhindern. Sollte es trotz alledem zu vorzeitigen Wehen kommen, gibt es bestimmte Medikamente oder Wehenhemmer, die Dein Arzt Dir verschreiben kann.

🏥 Welche Komplikationen können bei der Geburt auftreten?

Bei der Geburt kann es ebenfalls zu einigen Risiken kommen, die Deine Mehrlingsschwangerschaft betreffen. Die verlängerte Eröffnungsphase während der Geburt kann bis auf 12 Stunden ansteigen. Neben dieser kann es passieren, dass es zu einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta kommt. Ebenso kann es passieren, dass es zu starken Nachblutungen nach der Geburt kommt. Dabei zieht sich die Muskulatur Deiner Gebärmutter nicht mehr richtig zusammen.

Es ist wichtig, dass Du Dich über die Risiken und Komplikationen bei einer Mehrlingsschwangerschaft informierst und mit einem Arzt besprichst, was passieren kann, um die Risiken weitestgehend zu minimieren.

Hilfe durch einen Geburtsplan

Bei einer Mehrlingsgeburt besteht die Möglichkeit, einen genauen Geburtsplan zu erstellen. Dieser hat das Ziel, dass die Entwicklung Deiner ungeborenen Kinder gefördert wird, und zwar so lange, wie Du als Mutter und Deine Kinder gesund sind. Es gibt einige wichtige Faktoren, die in einem solchen Geburtsplan beschrieben werden. Diese drehen sich rund um die Geburt und die Entbindung Deiner Kinder. Dort werden auch Informationen festgehalten, die eine Schmerzbehandlung während der Entbindung betreffen. Es kann schließlich zu einem erschwerten Geburtsvorgang kommen, sodass es zu einem Kaiserschnitt (lat. Sectio Caesarea) kommt.

Gut zu wissen: Du darfst nicht vergessen, dass eine Mehrlingsgeburt nicht immer nach genauem Plan verläuft. Aus dem Grund ist es wichtig, in Deinem Geburtsplan alles zu dokumentieren, was Deiner geplanten Entbindung im Weg stehen kann.

💪 Wie kann ich Komplikationen vorbeugen?

Bei einer Mehrlingsschwangerschaft kommt es zu einer erhöhten körperlichen Belastung. Vielen Frauen helfen beispielsweise Entspannungsübungen. Autogenes Training, verschiedene Atemübungen, Akupunktur und sogar Yoga sind einige der Entspannungsmöglichkeiten, die schwangeren Frauen helfen. Gerade im letzten Drittel der Schwangerschaft ist es sehr wichtig, dass Du Dich körperlich schonst. Eine zu schwere Belastung oder viel Anstrengung können teilweise vorzeitige Wehen auslösen.

Schwangerschaftsstreifen vorbeugen

Viele Frauen möchten gleichzeitig starken Schwangerschaftsstreifen vorbeugen. Besonders bei einer Mehrlingsschwangerschaft können starke Risse entstehen, da sich die Haut deutlich mehr dehnt als beispielsweise bei einer Einlingsschwangerschaft. Es empfiehlt sich daher in jedem Fall, die besonders beanspruchten Körperregionen wie beispielsweise den Bauch, die Hüfte und die Brüste immer wieder mit etwas Öl einzumassieren. Durch das Öl wird Deine Haut nicht nur gepflegt, sondern auch das Bindegewebe kann dadurch elastischer werden.

Gesunde Ernährung und Flüssigkeit

Ebenso relevant ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Achte in Deiner Mehrlingsschwangerschaft auf eine gute Zufuhr von Jod, Eisen und Kalzium. Außerdem ist es besonders wichtig, sehr viel Wasser zu trinken. Achte auf einen hohen Flüssigkeitsgehalt und schone Dich in Deiner Mehrlingsschwangerschaft, um Risiken und Komplikationen von Beginn an zu minimieren oder gar komplett zu vermeiden.

Tipp: Massiere Deinen Bauch, Deine Hüfte und Deine Brüste täglich mit einem guten Öl. Das pflegt die Haut und kann Schwangerschaftsstreifen vorbeugen.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann sieht man im Ultraschall, dass es Mehrlinge sind?

Die Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft erfolgt meist zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche per Ultraschall (Sonografie). In Ausnahmefällen ist dies bereits zwischen der 6. und 7. Woche möglich.

Wie oft muss ich bei einer Mehrlingsschwangerschaft zur Vorsorge?

Ab der 28. Schwangerschaftswoche musst Du alle 14 Tage zur Vorsorgeuntersuchung – deutlich häufiger als bei einer Einlingsschwangerschaft. Die engmaschige Kontrolle ist wichtig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Kommt es bei Mehrlingen häufiger zu Frühgeburten?

Ja, Mehrlingsschwangerschaften haben ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten. Viele Mehrlinge kommen bereits um die 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Deshalb ist körperliche Schonung besonders wichtig.

Welche Beschwerden sind bei Mehrlingen stärker als bei Einlingen?

Typische Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Rückenschmerzen und Atemlosigkeit können bei Mehrlingsschwangerschaften deutlich stärker ausfallen. Auch die Gewichtszunahme ist meist höher und der Bauchumfang größer.

Kann ich bei Mehrlingen normal entbinden oder brauche ich einen Kaiserschnitt?

Beides ist möglich. Ein Geburtsplan hilft, die beste Entbindungsmethode für Deine Situation zu planen. Allerdings kann es bei Mehrlingen häufiger zu einem Kaiserschnitt kommen, wenn Komplikationen auftreten oder die Geburt erschwert ist.

Was kann ich tun, um Komplikationen vorzubeugen?

Vermeide Stress und körperliche Anstrengung, achte auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Jod, Eisen und Kalzium, trinke ausreichend Wasser und nutze Entspannungstechniken wie Yoga oder Atemübungen. Regelmäßige Ölmassagen können zudem Schwangerschaftsstreifen vorbeugen.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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