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Rhesusunverträglichkeit – Wenn sich die Blutgruppe von Mama und Baby nicht vertragen

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 27.04.2026 Lesezeit 7 Min.
Rhesusunverträglichkeit – Wenn sich die Blutgruppe von Mama und Baby nicht vertragen

Auf einen Blick

  • Eine Rhesusunverträglichkeit entsteht, wenn Du Rh-negativ bist und Dein Baby Rh-positiv – betrifft etwa 15% aller Schwangerschaften
  • Die Anti-D-Prophylaxe in der 28. und 30. Schwangerschaftswoche schützt Dein Baby zuverlässig vor Komplikationen
  • Für Deine erste Schwangerschaft besteht meist kein Risiko – kritisch wird es erst bei Folgeschwangerschaften ohne Prophylaxe

Vielleicht hast Du schon von Deiner Hebamme oder Frauenärztin gehört, dass Du Rh-negativ bist. Keine Sorge – das klingt erst mal beunruhigender, als es ist. Dank moderner Vorsorge können wir heute eine Rhesusunverträglichkeit zwischen Dir und Deinem Baby sicher verhindern. Lass uns gemeinsam anschauen, was genau dahintersteckt und wie Du Dich und Dein Baby schützen kannst.

🔍 Was bedeutet Rhesusunverträglichkeit eigentlich?

Der Rhesusfaktor ist ein Eiweißmerkmal auf Deinen roten Blutkörperchen. Etwa 85 Prozent aller Menschen tragen dieses Merkmal – sie sind Rhesus-positiv (Rh-positiv). Die restlichen 15 Prozent, zu denen Du vielleicht gehörst, sind Rhesus-negativ (Rh-negativ).

Eine Unverträglichkeit entsteht genau dann, wenn Du als werdende Mutter Rh-negativ bist und Dein Baby Rh-positiv. Kritisch wird es erst, wenn das Blut Deines Babys in Deinen Blutkreislauf gelangt – zum Beispiel bei der Geburt, bei einer Fehlgeburt, einem Schwangerschaftsabbruch oder bei operativen Eingriffen am Uterus. Auch minimale Blutungen an der Plazenta können einen Kontakt auslösen.

Gut zu wissen: Nur etwa 1,5 Prozent aller Rh-negativen Mütter entwickeln tatsächlich Rhesus-Antikörper. Das Risiko ist also relativ gering.

Dein Körper würde dann Antikörper gegen das "fremde" Blut bilden – allerdings langsam und in geringer Zahl. Für Dein erstes Kind ist das meist ungefährlich. Problematischer wird es bei einer Folgeschwangerschaft: Dann reagiert Dein Immunsystem deutlich schneller und heftiger, weil es bereits sensibilisiert ist.

🏥 Welche Symptome können bei Deinem Baby auftreten?

Wird eine Rhesusunverträglichkeit nicht behandelt, kann Dein Baby verschiedene Gesundheitsprobleme entwickeln. Die häufigste Folge ist eine Anämie – also Blutarmut.

Der kleine Körper reagiert auf die Zerstörung der roten Blutkörperchen mit verstärkter Blutbildung. Dadurch können sich Milz und Leber vergrößern. Die Blutgefäße drücken dann stark auf die Leber, was zu Wassereinlagerungen führen kann. Gleichzeitig gelangt durch die Zerstörung der Blutkörperchen viel Bilirubin ins Blut Deines Kindes – die typische Neugeborenengelbsucht entsteht.

Achtung: In sehr seltenen, schweren Fällen kann es zu Wassereinlagerungen am ganzen Körper, Hirnschädigungen oder Organschäden kommen. Im schlimmsten Fall besteht Lebensgefahr für das ungeborene Kind.

💪 So wird eine Rhesusunverträglichkeit behandelt

Die gute Nachricht: Heutzutage rechnen Ärzte kaum noch mit einem schweren Verlauf. Wurden in Deinem Körper jedoch bereits Antikörper gefunden, ist es für eine Rhesusprophylaxe leider zu spät. Dann werden Dein Gesundheitszustand und der Deines Kindes engmaschig überwacht.

Überwachung während der Schwangerschaft

Dazu gehören regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, bei denen kontrolliert wird:

  • Wie viel Bilirubin sich in Deinem Fruchtwasser befindet (per Ultraschall)
  • Ob Milz oder Leber Deines Babys vergrößert sind
  • Nach der Geburt: Das Nabelschnurblut auf Anämie

Die Rhesusprophylaxe ist eine der größten Errungenschaften der Schwangerschaftsvorsorge. Ich habe selbst erlebt, wie beruhigend es ist zu wissen, dass mein Baby durch eine einfache Spritze geschützt ist.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Behandlung nach der Geburt

Bei einer leichten Form reicht eine genaue Kontrolle nach der Geburt aus. Dein Baby bekommt dann meist eine Lichttherapie – das blaue Licht hilft dabei, das Bilirubin aufzuspalten und auszuscheiden. In schwereren Fällen kann eine Bluttransfusion notwendig werden, die sogar schon während der Schwangerschaft gegeben werden kann.

✨ Die Rhesusprophylaxe – Dein sicherer Schutz

Die Rhesusprophylaxe verhindert, dass Dein Körper überhaupt Antikörper bildet. Sie funktioniert mit einer Spritze, die Anti-D-Immunglobuline enthält.

Wann bekommst Du die Spritze?

Die Prophylaxe wird Dir angeboten, wenn:

  • Du Rh-negativ bist
  • In Deinem Blut noch keine Rhesus-Antikörper nachweisbar sind
  • Du Dich zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche befindest

Tipp: Leidest Du bereits in der Schwangerschaft unter stärkeren Blutungen, bekommst Du die Spritze häufiger – etwa alle sechs Wochen statt nur zweimal. Dein Arzt wird das mit Dir besprechen.

Was passiert nach der Geburt?

Direkt nach der Geburt wird eine Nabelschnurblutprobe entnommen, um die Blutgruppe Deines Kindes zu bestimmen. Ist Dein Baby Rh-positiv, bekommst Du innerhalb von 72 Stunden nochmals eine Spritze mit Anti-D-Immunglobulin. Danach ist keine weitere Therapie mehr nötig.

Ist Dein Baby ebenfalls Rh-negativ, brauchst Du diese zusätzliche Spritze nicht – es besteht kein Risiko für eine Unverträglichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Bin ich bei meiner ersten Schwangerschaft gefährdet?

Nein, bei der ersten Schwangerschaft besteht in der Regel kein Risiko für Dein Baby. Die Antikörperbildung erfolgt langsam und in geringer Zahl. Kritisch wird es erst bei Folgeschwangerschaften, wenn Dein Immunsystem bereits sensibilisiert ist – deshalb ist die Prophylaxe so wichtig.

Ist die Anti-D-Spritze gefährlich für mein Baby?

Nein, die Anti-D-Prophylaxe ist sicher und wird seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Die Immunglobuline schützen Dein Baby, indem sie verhindern, dass Dein Körper Antikörper bildet. Nebenwirkungen sind extrem selten.

Was passiert, wenn ich die Prophylaxe-Spritze verpasse?

Sprich sofort mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin. Je nach Zeitpunkt kann die Spritze noch nachgeholt werden. Nach der Geburt hast Du 72 Stunden Zeit für die Gabe – diese Frist solltest Du unbedingt einhalten.

Muss ich die Prophylaxe bei jeder Schwangerschaft wiederholen?

Ja, die Rhesusprophylaxe muss bei jeder Schwangerschaft erneut durchgeführt werden, wenn Du Rh-negativ bist und Dein Baby Rh-positiv sein könnte. Nur so bist Du und Dein Baby bei jeder Schwangerschaft geschützt.

Woher weiß ich, ob ich Rh-negativ bin?

Deine Blutgruppe und Dein Rhesusfaktor werden bei der ersten Schwangerschaftsvorsorge bestimmt. Das gehört zu den Standarduntersuchungen. Dein Mutterpass zeigt Dir dann, ob Du Rh-positiv oder Rh-negativ bist.

Kann ich trotz Rhesusunverträglichkeit stillen?

Ja, absolut! Die Rhesusunverträglichkeit hat keinen Einfluss aufs Stillen. Die Antikörper werden nicht über die Muttermilch übertragen, und Dein Baby kann ganz normal gestillt werden.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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