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Geburtseinleitung – Pro & Contra

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 19.05.2026 Lesezeit 10 Min.
Geburtseinleitung - Pro & Contra

Auf einen Blick

  • 25-30% aller Geburten in Deutschland werden heute eingeleitet – Tendenz steigend
  • Eine Einleitung kann medizinisch notwendig sein oder bei Terminüberschreitung erfolgen
  • Die Entscheidung sollte individuell und in Ruhe mit Hebamme und Arzt getroffen werden

Dein Baby lässt auf sich warten und der errechnete Termin ist längst vorbei? Oder gibt es medizinische Gründe, die Geburt einzuleiten? Viele Schwangere stehen vor dieser Entscheidung und fragen sich: Was bedeutet das für mich und mein Kind? Hier erfährst du alles über Methoden, Gründe und was wirklich für oder gegen eine Geburtseinleitung spricht.

🔍 Wie läuft eine Geburtseinleitung ab?

Bei einer Geburtseinleitung werden meist medikamentöse oder mechanische Verfahren genutzt. Zu den eingesetzten Medikamenten gehören vor allem Präparate mit Oxytocin oder Prostaglandinen. Oxytocin wird oft als Tropf verabreicht. Es kann auch unter der Geburt als wehenverstärkendes Arzneimittel gegeben werden.

Prostaglandine werden als Tabletten, Vaginalzäpfchen oder als Gele, die in der Nähe des Muttermundes platziert werden, verabreicht. Ein oft benutztes Mittel ist Misoprostol, beziehungsweise Misodel oder Cytotec. Auch Propess wird oft genutzt. Oft bekommst du als Schwangere zunächst eine kleine Dosis und musst einige Stunden abwarten, ob eine Wirkung auftritt. Danach können weitere Dosen gegeben werden. Wenn auch nach mehreren Anwendungen keine Wirkung eintritt, können deine Ärzte unter Umständen auch zu einem Tag Pause raten, bevor ein neuer Versuch gestartet wird.

Mechanische Methoden der Einleitung

Zu den mechanischen Methoden der Geburtseinleitung gehören diese Behandlungen:

  • Eipollösung
  • Intrazervikaler Ballonkatheter
  • Eröffnung der Fruchtblase

Bei der Eipollösung wird die äußere Hülle der Fruchtblase vom Muttermundrand gelöst. Das kann schmerzhaft sein, aber oft können medikamentöse Methoden vermieden werden. Mit einem Ballonkatheter wird die Zervix gedehnt. Auch das kann schmerzhaft sein, aber den Einsatz von Medikamenten verringern. Eine Eröffnung der Fruchtblase, die auch als Blasensprengung bezeichnet wird, ist dagegen schmerzlos. Bei dieser Methode wird die Fruchtblase mit einem scharfen Instrument angeritzt. Durch die geöffnete Fruchtblase kann aber das Risiko für Infektionen ansteigen.

Gut zu wissen: Ein reifer Muttermund ist weich und oft schon teilweise geöffnet – in dieser Situation wirken wehenauslösende Medikamente am besten.

📅 Wie lange dauert es nach einer Einleitung bis zur Geburt?

Wie lange du nach der Einleitung noch auf dein Kind warten musst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn dein Körper gut auf die Mittel und Methoden anspricht, können schon innerhalb weniger Stunden die Geburtswehen beginnen. In einigen Fällen klappt das aber auch nicht so gut und du musst eventuell weitere Medikamente nehmen. Manchmal kann sich eine Einleitung über mehrere Tage hinziehen.

Wann wird nach dem Entbindungstermin eingeleitet?

Wie lange du nach dem errechneten Termin mit einer Geburtseinleitung warten kannst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Diese sollten natürlich immer individuell auf deine Situation gesehen gegeneinander abgewogen werden. Manchmal haben Geburtskliniken aber interne Richtlinien, dass sie nach einer bestimmten Zahl von Tagen eine Einleitung anstreben. Das können zum Beispiel 7 oder 10 nach dem Entbindungstermin sein. Du solltest dich immer bei deinen behandelnden Kliniken und Ärzten erkunden, wie die Vorgehensweise üblicherweise ist.

Tipp: Frag in deiner Geburtsklinik nach den internen Richtlinien zur Einleitung – so weißt du frühzeitig, ab wann eine Einleitung empfohlen wird.

Wie häufig kommt eine Geburtseinleitung vor?

Die Zahl der eingeleiteten Geburten in Deutschland ist in den letzten Jahren gestiegen. Inzwischen ist das bei etwa 25 bis 30 Prozent der Geburten der Fall.

✨ Welche Gründe sprechen für eine Geburtseinleitung?

Für die Einleitung der Geburt gibt es verschiedene Gründe. Dazu gehören vor allem diese Indikationen:

  • Erkrankung der Mutter
  • schlechte Versorgung des Kindes
  • vorzeitiger Blasensprung
  • deutliches Überschreiten des errechneten Geburtstermins

Erkrankungen der Mutter

Wenn du unter einer Erkrankung leidest, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft steht, kann auch eine Einleitung vor dem Geburtstermin nötig werden. Zu diesen Erkrankungen gehören zum Beispiel Diabetes, Nierenbeckenentzündungen und allen voran Gestosen. Gerade die letzte Erkrankung kann im Extremfall nur durch das Beenden der Schwangerschaft geheilt werden.

Versorgung des Kindes gefährdet

Auch wenn es dir als Mutter gut geht, kann eine Einleitung zum Wohle deines Kindes nötig werden. Das ist der Fall, wenn die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen über die Plazenta nicht mehr ausreichend vorhanden ist. Diese Notsituationen können in einem CTG oder einem Ultraschall entdeckt werden. Im Ultraschall kann zum Beispiel eine fehlende Menge an Fruchtwasser oder eine besonders starke Verkalkung der Plazenta auffallen.

Die Entscheidung für oder gegen eine Einleitung ist sehr individuell. Nimm dir Zeit, lass dir alle Methoden erklären und triff dann die Entscheidung, die sich für dich richtig anfühlt.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Vorzeitiger Blasensprung

Bei einem vorzeitigen Blasensprung muss nicht immer sofort mit einer Einleitung begonnen werden. Wenn es dem Kind gut geht, kannst du vielleicht noch auf das natürliche Einsetzen der Wehen warten. In so einem Fall ist es aber meist dringend nötig, mit einem Antibiotikum aufsteigenden Infektionen vorzubeugen. Diese Medikamente werden oft über einen Tropf verabreicht. Auf jeden Fall ist eine gute Überwachung durch eine Hebamme oder einen Arzt notwendig.

Überschreitung des Geburtstermins

Wenn du den errechneten Geburtstermin überschreitest, ist das noch kein genereller Grund für eine Einleitung. Selbst wenn es zu einer Übertragung kommt, der Geburtstermin also um mehr als 14 Tage überschritten wird, muss das Kind noch nicht gefährdet sein. Nicht umsonst ist der Geburtstermin nur eine rechnerische Annährung an die durchschnittliche Dauer einer menschlichen Schwangerschaft. Darüber hinaus gibt es auch immer wieder Fälle, in denen der Termin nicht richtig berechnet wurde.

Du solltest dich bei einer Überschreitung des Termins eng überwachen lassen und mit deiner Hebamme und deinem Arzt beraten. Es gibt einige Gründe, die für eine Einleitung sprechen, aber du kannst oft noch einige Tage abwarten. Hier ist eine individuelle Abwägung von Risiken und Nutzen sehr wichtig.

Gut zu wissen: Neben körperlichen Gründen kann eine Geburtseinleitung auch für die Seele und Psyche hilfreich sein. Alleine die Aussicht, dass etwas getan wird, kann erleichternd sein – sollte aber nicht der einzige Grund für die Entscheidung sein.

⚠️ Was spricht gegen eine Geburtseinleitung?

Eine Geburtseinleitung hat nicht nur positive Seiten und alle Medikamente haben auch Nebenwirkungen. Einer der großen negativen Faktoren ist die Erfahrung vieler Frauen, die eine eingeleitete Geburt haben. In vielen Fällen wird die Einleitung als unangenehm beschrieben und die Wehen im Geburtsprozess als besonders schmerzhaft. Auch eine Überstimulation durch das Wehenmittel und ein darauf folgender Wehensturm ist möglich. Deshalb bekommen viele Frauen nach einer Einleitung auch eine Periduralanästhesie (PDA).

Darüber hinaus gibt es je nach Einleitungsmethode unterschiedliche Kontraindikationen. Oft werden weitere Eingriffe nötig und das Risiko für einen Kaiserschnitt steigt an. Darüber hinaus kann zum Beispiel ein Tropf die Bewegungsmöglichkeiten stark einschränken. Auch die oft genutzte Überwachung durch ein CTG kann einschränkend sein.

Achtung: Viele Frauen empfinden eingeleitete Wehen als deutlich schmerzhafter als spontan einsetzende Wehen. Eine PDA kann dann hilfreich sein.

💪 Wann ist eine Geburtseinleitung sinnvoll?

Die Abwägung der Risiken und Nutzen einer Geburtseinleitung ist höchst individuell und sollte mit Ruhe und Bedacht vorgenommen werden. Es ist wichtig, dass du dich gut beraten lässt und alle deine Fragen beantwortet werden. Lass dir die unterschiedlichen Methoden und deinen Muttermundsbefund gut erklären und erbitte dir, wenn möglich, Bedenkzeit. Dann kannst du eine Entscheidung treffen, die zu dir und deiner Situation passt.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es nach der Einleitung bis zur Geburt?

Das ist sehr unterschiedlich. Wenn dein Körper gut anspricht, können die Wehen schon nach wenigen Stunden beginnen. In anderen Fällen kann sich die Einleitung über mehrere Tage hinziehen und weitere Medikamente werden nötig.

Ist eine Geburtseinleitung schmerzhafter als eine spontane Geburt?

Viele Frauen empfinden eingeleitete Wehen als intensiver und schmerzhafter. Deshalb entscheiden sich viele nach einer Einleitung für eine PDA. Auch mechanische Methoden wie die Eipollösung oder der Ballonkatheter können schmerzhaft sein.

Ab wann wird nach dem Geburtstermin eingeleitet?

Das hängt von der jeweiligen Klinik und deiner individuellen Situation ab. Viele Kliniken haben interne Richtlinien und leiten etwa 7 bis 10 Tage nach dem errechneten Termin ein. Frag am besten frühzeitig nach der Vorgehensweise in deiner Klinik.

Wann funktioniert eine Geburtseinleitung am besten?

Eine Einleitung mit Medikamenten funktioniert am besten, wenn dein Körper bereits bereit für die Geburt ist. Das erkennst du an einem reifen Muttermund – er ist dann weich und oft schon teilweise geöffnet.

Muss ich nach einem vorzeitigen Blasensprung sofort einleiten?

Nicht unbedingt. Wenn es deinem Kind gut geht, kannst du oft noch auf natürliche Wehen warten. Wichtig ist dann aber eine Antibiotikagabe zur Vorbeugung von Infektionen und eine engmaschige Überwachung durch Hebamme oder Arzt.

Steigt durch eine Einleitung das Risiko für einen Kaiserschnitt?

Ja, das Risiko für weitere Eingriffe und auch für einen Kaiserschnitt kann bei einer Geburtseinleitung erhöht sein. Deshalb ist eine gute Aufklärung und individuelle Abwägung so wichtig.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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