moms.de

Verhütung nach der Geburt und in der Stillzeit

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 11.04.2026 Lesezeit 9 Min.
Verhütung nach der Geburt und in der Stillzeit

Auf einen Blick

  • Nach der Geburt solltest Du 2-6 Wochen mit Geschlechtsverkehr warten – danach ist Verhütung wichtig, auch in der Stillzeit
  • Stillen schützt NICHT sicher vor einer Schwangerschaft, auch wenn der Eisprung oft ausbleibt
  • Kondome und Kupferspiralen sind jederzeit sicher, hormonelle Methoden mit Östrogen solltest Du beim Stillen meiden

Du hast gerade Dein Baby bekommen und fragst Dich, wann und wie Du wieder verhüten sollst? Viele frischgebackene Mamas fühlen sich unsicher: Welche Methode passt jetzt zu mir – gerade wenn ich stille oder nach einem Dammriss noch nicht ganz fit bin? Wir haben mit Müttern und Ärzten gesprochen und zeigen Dir, welche Verhütungsmittel nach der Geburt wirklich sicher und geeignet sind.

🍼 Warum Verhütung nach der Geburt so wichtig ist

Grundsätzlich gilt: Nach der Entbindung solltest Du etwa zwei bis sechs Wochen abwarten, bevor Du wieder Geschlechtsverkehr hast. Nur etwa 10 % aller frisch gebackenen Eltern haben so schnell wieder Lust auf Sex – aber wenn die Lust zurückkehrt, stellt sich die große Frage: Wie verhüte ich jetzt am besten?

Viele Frauen fühlen sich so kurz nach der Geburt einfach nicht bereit für eine neue Schwangerschaft und wollen kein Risiko eingehen. Denn nicht jedes Verhütungsmittel ist kurz nach der Geburt geeignet.

Achtung: Glaube nicht der alten Legende, dass Du während der Stillzeit nicht schwanger werden kannst! Stillen dient NICHT als sichere Verhütungsmethode. Es ist zwar schwieriger schwanger zu werden, aber keinesfalls unmöglich.

🔍 Diese Fragen helfen Dir bei der Wahl

Bevor Du Dich für ein Verhütungsmittel entscheidest, solltest Du Dir folgende Fragen stellen:

  • Stillst Du Dein Baby noch oder fütterst es mit abgepumpter Muttermilch?
  • Möchtest Du Dir lange Zeit nehmen für ein weiteres Kind oder soll es relativ schnell weiteren Nachwuchs geben?
  • Warst Du mit der Methode vor der Schwangerschaft zufrieden?
  • Gibt es Risikofaktoren, die bestimmte Verhütungsmethoden ausschließen?

✨ Diese Verhütungsmittel sind auch beim Stillen sicher

Präservativ (Kondom)

Die beliebte Barriere-Methode schützt nicht nur vor einer erneuten Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Nach der Schwangerschaft ist ein Kondom eine sehr gute Option, wenn Du stillst oder aus anderen Gründen keine hormonelle Methode anwenden kannst.

Tipp: Hattest Du einen Dammschnitt oder Dammriss und ist dieser noch nicht 100 % abgeheilt, verwende zusätzlich ein Gleitmittel – das macht das Kondom angenehmer.

Intrauterinpessar (Spirale)

Die Spirale ist eine ideale Methode für Mütter, die nicht vorhaben schnell wieder schwanger zu werden – oder für Frauen, die gar keine weitere Schwangerschaft mehr planen. Die Spirale kann problemlos auch während des Stillens angewendet werden.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Spiralen:

  • Kupferspirale: Die klassische Variante ohne Hormone – allerdings verlängert sich die Periode meist etwas und wird oft schmerzhafter und intensiver
  • Hormonspirale: Setzt das Hormon Levonorgestrel (ähnlich Progesteron) 5 Jahre lang kontinuierlich frei. Sie reduziert die Menstruationsblutung stark – oft bleibt die Blutung nach einigen Monaten völlig aus

Ich rate vielen Mamas zur Spirale, wenn sie länger verhüten möchten. Du musst an nichts denken und bist trotzdem sicher geschützt – gerade im oft chaotischen Alltag mit Baby ein echter Vorteil.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Diaphragma

Auch ein Diaphragma kann nach der Geburt zur Verhütung eingesetzt werden. Das Scheidenpessar wird ein bis zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt und verhindert das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter. Der runde oder ovale Federring ist mit Silikon überspannt und in einem spermienhemmenden Gel getränkt, sodass der Muttermund diese nicht aufnehmen kann.

Achtung: Das Diaphragma wirkt nur, wenn es richtig eingesetzt wird, und ist nicht so sicher wie eine Hormonspirale. Zudem besteht die Gefahr einer allergischen Reaktion, wenn Du allergisch gegen Silikon bist.

💊 Hormonelle Verhütung – was geht beim Stillen?

Es gibt neben den genannten Verhütungsmitteln auch hormonelle Methoden, die nur bedingt nach der Schwangerschaft eingesetzt werden sollten. Stillst Du Dein Baby, sind einige der folgenden Verhütungsmethoden besser zu vermeiden.

Die Pille

Die Pille ist eine hormonelle Verhütungsmethode, die sehr angenehm ist. Mit der Pille werden die Menstruationszyklen planbar und zudem oft weniger stark und weniger schmerzhaft.

Wichtig beim Stillen: Die Pille mit Östrogenen und Gestagenen – die am häufigsten verwendete – darfst Du nicht während der Stillzeit einnehmen. Falls Du stillst und Dich für die Pille entscheidest, solltest Du eine Pille einnehmen, die nur Gestagen (Progesteron) enthält, und diese kontinuierlich einnehmen, bis Du mit dem Stillen aufhörst.

Gut zu wissen: Die reine Gestagen-Pille macht die Zyklen nicht so perfekt planbar und kann leichte Zwischenblutungen verursachen. Außerdem wird die Pille nicht empfohlen bei Raucherinnen über 35 Jahren und bei Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko.

Vaginalring

Der Vaginalring ist eine hormonelle Verhütungsmethode, die Östrogene und Gestagene enthält. Daher wird auch der Vaginal-Ring nicht empfohlen, wenn Du stillst. Er wird ganz einfach in die Vagina eingeführt und drei Wochen lang getragen, danach wird er entfernt, um in der vierten Woche die Periode zuzulassen.

Der Vaginal-Ring funktioniert wie die Pille und reguliert die Blutungen planbar. Du musst lediglich daran denken, ihn einmal im Monat zu entfernen und nach einer Woche wieder einzusetzen.

Verhütungspflaster

Auch bei den Verhütungspflastern handelt es sich um eine hormonelle Methode mit Östrogenen und Gestagenen, genau wie der Vaginal-Ring oder die Pille. Jedes Pflaster hält eine Woche lang, in einem Zyklus müssen drei Pflaster geklebt werden, denn diese geben nur eine Woche die Hormone ab.

Vorteil: Viele Frauen vergessen die Einnahme der Pille, weil sie sie nicht ständig vor Augen haben – das Pflaster ist am Körper 24/7 spürbar.

Implanon® (Verhütungsstäbchen)

Das seit dem Jahr 2000 zugelassene Verhütungsstäbchen wird direkt unter die Haut gesetzt und gibt drei Jahre lang kontinuierlich ein dem Progesteron ähnliches Hormon ab. Dein Gynäkologe wird es durch einen minimalen Schnitt an der Innenseite des Unterarms einsetzen.

Um es wieder zu entfernen, wird nach drei Jahren ein erneuter kleiner Schnitt gesetzt und das Stäbchen entfernt. Da es sich jedoch um ein Hormon handelt, wird davon abgeraten, dass stillende Mütter diese Präparate einsetzen. Zudem kann es Unregelmäßigkeiten bei den Zyklen verursachen.

💪 So triffst Du die richtige Entscheidung

Besprich Dich mit Deinem Partner und Deinem Arzt oder Deiner Ärztin und entscheidet dann gemeinsam, welches Verhütungsmittel am besten geeignet ist. Stillst Du Dein Baby, verwende eventuell zwei verschiedene Verhütungsmittel: eines während Du stillst und eines, nachdem Du völlig aufgehört hast, Dein Kind zu stillen.

Entscheide aber nicht spontan, sondern überlege Dir genau, ob und wann Du wieder schwanger werden willst und welches Verhütungsmittel wirklich zu Deinem Lebensstil und Deinen Bedürfnissen passt.

Tipp: Im Zweifel empfehlen wir immer erst einmal ein Kondom zu verwenden. Dieses schützt Dich rundum und enthält keinerlei Hormone, die später auf Dein Baby Einfluss nehmen könnten.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann kann ich nach der Geburt wieder Geschlechtsverkehr haben?

Grundsätzlich solltest Du etwa zwei bis sechs Wochen nach der Entbindung abwarten, bevor Du wieder Geschlechtsverkehr hast. Dein Körper braucht diese Zeit, um sich zu erholen – besonders wenn Du genäht werden musst.

Kann ich während der Stillzeit schwanger werden?

Ja, Du kannst während der Stillzeit schwanger werden! Auch wenn es schwieriger ist und der Eisprung oft ausbleibt – Stillen ist KEINE sichere Verhütungsmethode. Verlasse Dich nicht darauf und verwende ein bewährtes Verhütungsmittel.

Welche Verhütungsmittel darf ich beim Stillen NICHT verwenden?

Alle hormonellen Verhütungsmittel, die Östrogene enthalten, solltest Du beim Stillen meiden. Dazu gehören die klassische Kombi-Pille, der Vaginalring und das Verhütungspflaster. Diese können die Milchproduktion beeinflussen.

Was ist die sicherste Verhütung direkt nach der Geburt?

Kondome und die Spirale (Kupfer- oder Hormonspirale) sind die sichersten Methoden direkt nach der Geburt. Beide kannst Du auch problemlos beim Stillen verwenden und sie enthalten keine Östrogene.

Kann ich die Pille nehmen, wenn ich stille?

Ja, aber nur die reine Gestagen-Pille (Mini-Pille), die kein Östrogen enthält. Die normale Kombi-Pille mit Östrogen und Gestagen darfst Du während der Stillzeit nicht einnehmen. Sprich mit Deinem Frauenarzt oder Deiner Frauenärztin über die richtige Option.

Was muss ich nach einem Dammschnitt bei der Verhütung beachten?

Wenn Du einen Dammschnitt oder Dammriss hattest und dieser noch nicht 100 % abgeheilt ist, kann ein Kondom ohne zusätzliches Gleitmittel unangenehm sein. Verwende am besten ein Gleitmittel, um die Heilung nicht zu stören und Schmerzen zu vermeiden.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

Mehr über Nadine →