Kindbettfieber: Alles, was du über Wochenbettfieber wissen musst
Als ich nach der Geburt meines ersten Kindes plötzlich hohes Fieber bekam und mich wie erschlagen fühlte, hatte ich zunächst keine Ahnung, was mit mir los war. Zum Glück kam am nächsten Tag meine Hebamme zur Nachsorge und erkannte sofort die Zeichen eines beginnenden Kindbettfiebers. Ihre schnelle Reaktion hat mir wahrscheinlich einen Krankenhausaufenthalt erspart. Das Kindbettfieber – medizinisch auch Wochenbettfieber oder Puerperalfieber genannt – ist eine Komplikation, die auch heute noch etwa zwei bis vier Prozent aller frischgebackenen Mütter betrifft. Die gute Nachricht: Rechtzeitig erkannt und behandelt, heilt es in der Regel folgenlos aus.
In diesem Artikel möchte ich dir als Mama und Redakteurin alle wichtigen Informationen zum Kindbettfieber an die Hand geben. Du erfährst, woran du es erkennst, welche Ursachen dahinterstecken, wie es behandelt wird und was du vorbeugend tun kannst. Denn auch wenn das Thema zunächst beunruhigend klingt: Mit dem richtigen Wissen kannst du im Ernstfall schnell handeln und weißt genau, wann ärztliche Hilfe nötig ist.
Was ist Kindbettfieber genau?
Kindbettfieber ist eine Infektion, die in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt auftritt. Klassischerweise spricht man von Kindbettfieber, wenn die Körpertemperatur in den ersten zehn Tagen nach der Entbindung an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 38 Grad Celsius steigt – wobei die ersten 24 Stunden nach der Geburt nicht mitgezählt werden. In dieser Zeit ist eine leicht erhöhte Temperatur nämlich durchaus normal und noch kein Alarmzeichen.
Der Begriff stammt noch aus einer Zeit, in der diese Komplikation eine der häufigsten Todesursachen junger Mütter war. Bis ins 19. Jahrhundert hinein starben in manchen Kliniken bis zu 30 Prozent der Wöchnerinnen an Kindbettfieber. Erst als der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis den Zusammenhang zwischen mangelnder Hygiene und der Erkrankung erkannte und Händedesinfektion einführte, sanken die Zahlen dramatisch. Heute ist das Kindbettfieber dank moderner Hygiene, Antibiotika und guter medizinischer Versorgung zwar seltener geworden und fast immer heilbar – unterschätzen sollte man es dennoch nicht.
Verschiedene Formen des Kindbettfiebers
Mediziner unterscheiden verschiedene Formen je nach Infektionsort:
- Endometritis: Entzündung der Gebärmutterschleimhaut – die häufigste Form
- Mastitis puerperalis: Brustentzündung im Wochenbett
- Wundinfektion: Entzündung von Geburtsverletzungen, Dammschnitten oder Kaiserschnittnarben
- Harnwegsinfekt: Blasen- oder Nierenbeckenentzündung nach der Geburt
- Thrombophlebitis: Entzündung der Beckenvenen (seltener, aber gefährlich)
Die Übergänge sind fließend, und manchmal treten auch mehrere Infektionsherde gleichzeitig auf. Wichtig zu wissen: Nicht jede Infektion im Wochenbett ist automatisch ein Kindbettfieber im engeren Sinne, aber alle erfordern Aufmerksamkeit und gegebenenfalls Behandlung.
Symptome: Woran erkenne ich ein Kindbettfieber?
Das Tückische am Kindbettfieber ist, dass die Symptome anfangs oft unspezifisch sind und leicht mit normalen Nachwehen, Milcheinschuss oder einfacher Erschöpfung verwechselt werden können. Deshalb ist es so wichtig, dass du deinen Körper in den ersten Wochen nach der Geburt aufmerksam beobachtest.
Hauptsymptome
Das wichtigste und namensgebende Symptom ist natürlich das Fieber. Dabei gilt:
- Temperatur über 38°C an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen
- Oft steigt das Fieber plötzlich und stark an
- Schüttelfrost und Schweißausbrüche können begleitend auftreten
- Die Temperatur schwankt häufig stark zwischen den Messungen
Aber Achtung: Auch ohne Fieber kann eine Infektion vorliegen! Manche Frauen haben nur leicht erhöhte Temperatur oder sogar normale Werte, zeigen aber andere deutliche Symptome.
Weitere typische Anzeichen
Neben dem Fieber solltest du auf folgende Warnsignale achten:
- Wochenfluss: Übelriechender, eitriger oder bräunlicher Ausfluss; sehr starke Blutung oder plötzliches Versiegen des Wochenflusses
- Unterleibsschmerzen: Starke, krampfartige Schmerzen im Unterbauch, die über normale Nachwehen hinausgehen
- Druckempfindlichkeit: Die Gebärmutter ist sehr berührungsempfindlich und schmerzt bei Druck
- Allgemeinzustand: Starke Abgeschlagenheit, Schwäche, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen
- Puls: Beschleunigter Herzschlag, auch in Ruhephasen
- Bei Brustentzündung: Gerötete, heiße, verhärtete und schmerzende Stellen an der Brust
- Bei Wundinfektion: Rötung, Schwellung, Nässen oder Eiterbildung an Narben oder Geburtsverletzungen
Wann sollte ich sofort reagieren?
Bei folgenden Symptomen solltest du nicht zögern und umgehend ärztliche Hilfe suchen:
- Fieber über 39°C
- Starke Unterleibsschmerzen, die sich verschlimmern
- Sehr übelriechender Wochenfluss
- Starke Blutung mit großen Blutklumpen
- Benommenheit, Verwirrtheit oder starkes Krankheitsgefühl
- Atemnot oder Schmerzen beim Atmen
- Starke einseitige Beinschmerzen oder Schwellung (Thromboseverdacht)
Vertraue hier unbedingt deinem Bauchgefühl! Lieber einmal zu viel nachfragen als eine Infektion verschleppen. Deine Hebamme, dein Frauenarzt oder im Notfall auch die Geburtsklinik sind die richtigen Ansprechpartner.
Ursachen: Wie entsteht Kindbettfieber?
Um zu verstehen, warum Kindbettfieber entsteht, müssen wir uns klarmachen, was bei einer Geburt im Körper passiert. Die Gebärmutter ist nach der Entbindung eine große, offene Wunde – besonders an der Stelle, wo die Plazenta saß. Diese Wundfläche bietet Bakterien eine ideale Eintrittspforte. Gleichzeitig ist dein Immunsystem nach Schwangerschaft und Geburt geschwächt, und dein Körper leistet Schwerstarbeit bei der Rückbildung.
Die häufigsten Infektionswege
Kindbettfieber wird meist durch Bakterien ausgelöst, die auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen:
- Aufsteigende Infektion: Bakterien wandern von der Scheide in die Gebärmutter – der häufigste Weg
- Während der Geburt: Durch vaginale Untersuchungen, lange Geburtsdauer oder vorzeitigen Blasensprung
- Gewebeverletzungen: Risse, Schnitte oder Kaiserschnittwunden bieten Eintrittspforten
- Reste in der Gebärmutter: Verbliebene Plazentareste oder Eihautreste können sich entzünden
- Milchstau: Kann zu einer Brustentzündung führen, die sich ausbreitet
Risikofaktoren für Kindbettfieber
Manche Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Kindbettfieber. Dazu gehören:
- Kaiserschnitt (höheres Infektionsrisiko als bei vaginaler Geburt)
- Lange Geburtsdauer, besonders mit vorzeitigem Blasensprung
- Viele vaginale Untersuchungen während der Geburt
- Geburtsverletzungen oder operative Eingriffe
- Manuelles Lösen der Plazenta
- Plazentareste in der Gebärmutter
- Vorbestehende Infektionen (z.B. Scheideninfektionen, Harnwegsinfekte)
- Anämie (Blutarmut) während der Schwangerschaft
- Diabetes oder andere chronische Erkrankungen
- Übergewicht
- Mangelnde Hygiene im Wochenbett
Wenn einer oder mehrere dieser Faktoren auf dich zutreffen, heißt das nicht automatisch, dass du ein Kindbettfieber bekommst. Aber es bedeutet, dass du besonders aufmerksam sein solltest und deine Hebamme oder Ärztin darüber informieren solltest.
Die häufigsten Erreger
Meist sind es Bakterien, die normalerweise auch in der gesunden Scheidenflora vorkommen, aber unter ungünstigen Bedingungen krankmachend werden können. Dazu gehören Streptokokken, Staphylokokken, E. coli-Bakterien und andere Darmbakterien. Seltener können auch Chlamydien oder andere Erreger die Ursache sein.
Diagnose: Wie wird Kindbettfieber festgestellt?
Wenn du mit Verdacht auf Kindbettfieber zum Arzt gehst, wird dieser verschiedene Untersuchungen durchführen, um die Diagnose zu sichern und die Ursache zu finden.
Körperliche Untersuchung
Zunächst wird dein Arzt oder deine Ärztin dich gründlich untersuchen:
- Temperaturmessung und Pulskontrolle
- Abtasten des Bauches und der Gebärmutter
- Beurteilung des Wochenflusses (Farbe, Geruch, Menge)
- Gynäkologische Untersuchung zur Beurteilung der Gebärmutter und eventueller Verletzungen
- Kontrolle von Narben (Kaiserschnitt, Dammschnitt)
- Untersuchung der Brust bei Verdacht auf Mastitis
- Untersuchung der Beine auf Anzeichen einer Thrombose
Laboruntersuchungen
Zur Sicherung der Diagnose und Identifikation des Erregers werden meist folgende Tests gemacht:
- Blutuntersuchung: Erhöhte Entzündungswerte (CRP, Leukozyten) bestätigen eine Infektion
- Blutkultur: Bei hohem Fieber zum Nachweis von Bakterien im Blut
- Abstrich: Vom Gebärmutterhals oder Wochenfluss zur Erregerbestimmung
- Urinuntersuchung: Zum Ausschluss eines Harnwegsinfekts
- Muttermilchuntersuchung: Bei Verdacht auf Brustentzündung
Bildgebende Verfahren
In manchen Fällen sind weitere Untersuchungen nötig:
- Ultraschall: Zur Beurteilung der Gebärmutter und zum Ausschluss von Plazentaresten oder Blutgerinnseln
- CT oder MRT: Selten nötig, nur bei Verdacht auf tiefere Infektionen oder Abszesse
Die meisten dieser Untersuchungen sind schmerzfrei und geben schnell Aufschluss über die Art und Schwere der Infektion. Auf Basis der Ergebnisse kann dann die passende Behandlung eingeleitet werden.
Behandlung: Was hilft bei Kindbettfieber?
Die gute Nachricht vorweg: Kindbettfieber lässt sich heute in den allermeisten Fällen gut und erfolgreich behandeln. Je früher die Therapie beginnt, desto unkomplizierter verläuft sie meist.
Antibiotika-Therapie
Das wichtigste Mittel gegen Kindbettfieber sind Antibiotika. In der Regel wird zunächst ein Breitband-Antibiotikum gegeben, das gegen viele verschiedene Bakterienarten wirkt. Sobald der genaue Erreger durch die Laboruntersuchungen bekannt ist, kann die Therapie gegebenenfalls angepasst werden.
Wichtig zu wissen:
- Die meisten Antibiotika sind auch in der Stillzeit erlaubt und sicher für dein Baby
- Du solltest das Antibiotikum unbedingt so lange einnehmen, wie verordnet – auch wenn du dich schon besser fühlst
- Bei schwerem Verlauf können die Antibiotika zunächst als Infusion im Krankenhaus gegeben werden
- Eine Besserung tritt meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden ein
Unterstützende Maßnahmen
Neben den Antibiotika gibt es weitere wichtige Behandlungsbausteine:
- Bettruhe: Dein Körper braucht jetzt Ruhe, um die Infektion zu bekämpfen
- Viel trinken: Mindestens zwei bis drei Liter am Tag, um Giftstoffe auszuschwemmen
- Fiebersenkende Mittel: Paracetamol oder Ibuprofen (stillverträglich) bei hohem Fieber
- Kühlung: Wadenwickel oder kühlende Umschläge können das Fieber senken
- Bei Brustentzündung: Weiterstillen oder Abpumpen, Quarkwickel, Kühlung
- Wundpflege: Bei infizierten Narben oder Geburtsverletzungen
Wann ist ein Krankenhausaufenthalt nötig?
In manchen Fällen reicht eine ambulante Behandlung nicht aus, und ein Klinikaufenthalt ist sinnvoll:
- Bei sehr hohem Fieber über 39,5°C
- Wenn die ambulante Antibiotika-Therapie nicht anschlägt
- Bei starkem Krankheitsgefühl oder Kreislaufproblemen
- Wenn Plazentareste entfernt werden müssen (Ausschabung)
- Bei Verdacht auf Sepsis (Blutvergiftung)
- Wenn eine Infusion nötig ist
Ein Krankenhausaufenthalt bedeutet nicht, dass du dein Baby nicht mehr stillen oder sehen kannst. In den meisten Kliniken gibt es Mutter-Kind-Zimmer, und das Stillen wird weiterhin unterstützt.
Spezielle Behandlungen je nach Ursache
Je nachdem, was das Kindbettfieber ausgelöst hat, können zusätzliche Maßnahmen nötig sein:
- Plazentareste: Entfernung durch Ausschabung oder Absaugung
- Abszess: Chirurgische Eröffnung und Drainage
- Mastitis: Konsequentes Entleeren der Brust, eventuell Abstillen der betroffenen Seite
- Thrombose: Blutverdünnende Medikamente
Stillen trotz Kindbettfieber – geht das?
Diese Frage beschäftigt viele Mamas, die ein Kindbettfieber entwickeln. Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Ja, du kannst und solltest sogar weiterstillen!
Hier die wichtigsten Fakten:
- Die meisten bei Kindbettfieber eingesetzten Antibiotika sind stillverträglich
- Dein Baby ist durch die Muttermilch nicht gefährdet – im Gegenteil, es bekommt über die Milch sogar Antikörper
- Bei einer Brustentzündung ist das Weiterstillen oder Abpumpen sogar wichtig, um einen Milchstau zu vermeiden
- Die Milch der entzündeten Brust ist für dein Baby unbedenklich
Natürlich gibt es Ausnahmen: Bei sehr schwerem Krankheitsgefühl oder bestimmten Antibiotika kann vorübergehendes Abpumpen und Verwerfen der Milch nötig sein. Dein Arzt wird dich darüber aufklären. In den meisten Fällen kannst du aber beruhigt weiterstillen – es ist sogar gut für deine Genesung, weil das Stillhormon Oxytocin die Rückbildung der Gebärmutter fördert.
Praktische Tipps fürs Stillen bei Kindbettfieber
- Stille im Liegen, um Kraft zu sparen
- Lass dir das Baby zum Stillen bringen, wenn du zu schwach bist
- Trinke ausreichend, um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten
- Bei Brustentzündung: Beginne mit der gesunden Seite, dann ist der Milchspendereflex schon aktiv
- Achte auf gründliche Handhygiene vor dem Stillen
Vorbeugung: So kannst du dein Risiko senken
Auch wenn sich Kindbettfieber nicht immer verhindern lässt, gibt es einige Maßnahmen, die dein Risiko deutlich senken können. Viele davon sind einfach umzusetzen und gehören eigentlich zur normalen Wochenbett-Hygiene.
Hygiene im Wochenbett
Sauberkeit ist der wichtigste Schutzfaktor:
- Hände waschen: Vor und nach jedem Toilettengang, vor dem Stillen, nach dem Windelwechseln
- Intimhygiene: Täglich duschen, den Intimbereich vorsichtig mit klarem Wasser reinigen (von vorne nach hinten)
- Binden wechseln: Wochenbettbinden alle drei bis vier Stunden wechseln, auch wenn sie noch nicht voll sind
- Keine Tampons: In den ersten sechs Wochen nur Binden verwenden, keine Tampons oder Menstruationstassen
- Saubere Kleidung: Täglich frische Unterwäsche, bei Bedarf auch mehrmals am Tag
- Keine Vollbäder: In den ersten Wochen nur duschen, keine Wannenbäder
Wundpflege und Narbenversorgung
Wenn du Geburtsverletzungen oder eine Kaiserschnittnarbe hast:
- Halte Narben und Nähte sauber und trocken
- Tupfe nach dem Toilettengang vorsichtig ab, nicht reiben
- Luftige Kleidung tragen, damit Wunden gut abheilen können
- Bei Schmerzen oder Rötung sofort die Hebamme informieren
- Sitzbäder mit Kamille oder Calendula können die Heilung fördern (nach Rücksprache mit der Hebamme)
Allgemeine Gesundheitsvorsorge
Stärke dein Immunsystem und unterstütze die Heilung:
- Ausreichend Ruhe: Schlafe, wann immer dein Baby schläft
- Gesunde Ernährung: Vitaminreich und ausgewogen essen
- Viel trinken: Mindestens zwei Liter am Tag
- Keine Überanstrengung: Haushalt und Besuch können warten
- Hilfe annehmen: Lass dir von Partner, Familie oder Freunden helfen
- Frische Luft: Kurze Spaziergänge an der frischen Luft (wenn es dein Zustand erlaubt)
Stillmanagement zur Mastitis-Vorbeugung
Um einer Brustentzündung vorzubeugen:
- Stille nach Bedarf und häufig
- Achte auf korrektes Anlegen
- Vermeide zu enge BHs oder Kleidung
- Bei Milchstau sofort handeln: häufiger stillen, kühlen, massieren
- Pflege die Brustwarzen, um Risse zu vermeiden
Nachsorge wahrnehmen
Die Hebammen-Nachsorge ist nicht nur nett, sondern wichtig:
- Nimm alle angebotenen Nachsorgetermine wahr
- Deine Hebamme kontrolliert Rückbildung, Wochenfluss und Wundheilung
- Sie erkennt Warnsignale oft früher als du selbst
- Sprich offen über Beschwerden oder Unsicherheiten
- Auch die Nachuntersuchung beim Frauenarzt nach sechs bis acht Wochen ist wichtig
Langzeitfolgen und Prognose
Eine Frage, die viele Mamas bewegt: Welche Folgen kann ein Kindbettfieber haben? Auch hier kann ich dich beruhigen: Bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung heilt ein Kindbettfieber in der Regel vollständig und folgenlos aus.
Heilungsaussichten
Die Prognose ist heute sehr gut:
- Mit Antibiotika-Behandlung klingt das Fieber meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden ab
- Nach wenigen Tagen fühlst du dich deutlich besser
- Die vollständige Genesung dauert etwa ein bis zwei Wochen
- Langzeitschäden sind bei rechtzeitiger Behandlung äußerst selten
Mögliche Komplikationen bei verspäteter Behandlung
Wird ein Kindbettfieber nicht oder zu spät behandelt, können ernsthafte Komplikationen auftreten:
- Sepsis: Blutvergiftung durch Ausbreitung der Bakterien im Blut
- Abszesse: Eitrige Einschmelzungen im Beckenbereich
- Thrombose und Embolie: Gefährliche Blutgerinnsel
- Chronische Entzündungen: Dauerhafte Unterleibsschmerzen
- Verwachsungen: Können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
Diese Komplikationen sind heute aber selten, weil die meisten Frauen rechtzeitig medizinische Hilfe suchen und Kindbettfieber ernst genommen wird.
Auswirkungen auf weitere Schwangerschaften
Viele Frauen fragen sich, ob ein durchgemachtes Kindbettfieber Auswirkungen auf weitere Schwangerschaften hat. Auch hier gibt es Entwarnung: Ein einmaliges, gut ausgeheiltes Kindbettfieber hat normalerweise keine Auswirkungen auf deine Fruchtbarkeit oder spätere Schwangerschaften. Du hast kein erhöhtes Risiko, bei einer weiteren Geburt erneut zu erkranken – es sei denn, die gleichen Risikofaktoren treten wieder auf.
Wichtig ist aber, dass du bei einer weiteren Schwangerschaft deine Ärzte und Hebammen über das frühere Kindbettfieber informierst. So können sie bei der nächsten Geburt besonders aufmerksam sein und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen ergreifen.
Häufige Fragen
Wie lange nach der Geburt kann Kindbettfieber auftreten?
Klassischerweise tritt Kindbettfieber in den ersten zehn Tagen nach der Geburt auf, kann aber auch noch bis zu sechs Wochen danach vorkommen. Die meisten Fälle zeigen sich zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Entbindung. Deshalb ist die Hebammen-Nachsorge in dieser Zeit besonders wichtig. Auch nach dem zehnten Tag solltest du bei Fieber und anderen Symptomen immer an die Möglichkeit einer Wochenbettinfektion denken.
Ist leichtes Fieber im Wochenbett immer bedenklich?
Nicht jede erhöhte Temperatur im Wochenbett ist gleich ein Kindbettfieber. In den ersten 24 Stunden nach der Geburt ist eine leicht erhöhte Temperatur bis 38°C normal und meist Ausdruck der körperlichen Anstrengung. Auch beim Milcheinschuss um den dritten Tag kann die Temperatur kurzzeitig auf bis zu 38,5°C steigen. Kritisch wird es, wenn das Fieber über 38°C an zwei aufeinanderfolgenden Tagen anhält oder weitere Symptome wie übelriechender Wochenfluss oder starke Schmerzen hinzukommen.
Kann ich Kindbettfieber auch nach einem Kaiserschnitt bekommen?
Ja, sogar mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit. Das Risiko für Kindbettfieber ist nach einem Kaiserschnitt etwa zwei- bis dreimal höher als nach einer vaginalen Geburt, weil die Operation zusätzliche Eintrittspforten für Bakterien schafft. Deshalb werden nach Kaiserschnitten oft vorbeugend Antibiotika gegeben. Achte besonders auf die Narbe: Rötung, Schwellung, Nässen oder zunehmende Schmerzen können auf eine Wundinfektion hinweisen.
Muss ich bei Kindbettfieber abstillen?
Nein, in den allermeisten Fällen kannst und solltest du sogar weiterstillen. Die meisten Antibiotika, die bei Kindbettfieber eingesetzt werden, sind stillverträglich und gehen nur in minimalen Mengen in die Muttermilch über. Dein Baby profitiert sogar von den Antikörpern in der Milch. Selbst bei einer Brustentzündung ist Weiterstillen wichtig und die Milch für dein Baby unbedenklich. Nur in sehr seltenen Fällen bei bestimmten Medikamenten kann vorübergehendes Abpumpen nötig sein – dein Arzt wird dich darüber informieren.
Wie schnell wirken Antibiotika bei Kindbettfieber?
Bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn wirken Antibiotika meist sehr schnell. In der Regel sinkt das Fieber innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der ersten Einnahme deutlich, und du fühlst dich merklich besser. Wenn nach zwei Tagen keine Besserung eintritt, solltest du unbedingt noch einmal zum Arzt, da möglicherweise ein anderes Antibiotikum nötig ist. Wichtig: Nimm das Antibiotikum trotz Besserung so lange ein, wie verordnet – meist sieben bis zehn Tage – um Rückfälle und Resistenzen zu vermeiden.
Kann ich einem Kindbettfieber vorbeugen?
Während du die Entstehung nicht hundertprozentig verhindern kannst, lässt sich das Risiko durch gute Hygiene deutlich senken. Wasche dir regelmäßig die Hände, wechsle häufig die Wochenbettbinden, dusche täglich und achte auf saubere Unterwäsche. Vermeide Vollbäder in den ersten Wochen und benutze keine Tampons. Achte auf ausreichend Ruhe, gesunde Ernährung und nimm alle Nachsorgetermine wahr. Bei Geburtsverletzungen oder Kaiserschnittnarbe ist sorgfältige Wundpflege wichtig. Wenn du stillst, achte auf korrektes Anlegen und vermeide Milchstau.
Fazit
Kindbettfieber klingt zunächst beängstigend, ist aber heute eine gut behandelbare Komplikation im Wochenbett. Das Wichtigste ist, die Warnsignale zu kennen und im Zweifelsfall lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt oder zur Hebamme zu gehen. Fieber über 38°C an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, übelriechender Wochenfluss, starke Unterleibsschmerzen oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl solltest du immer abklären lassen. Mit Antibiotika heilt Kindbettfieber in den allermeisten Fällen schnell und folgenlos aus, und du kannst in der Regel auch weiterstillen. Durch gute Hygiene, ausreichend Ruhe und die Wahrnehmung der Nachsorgetermine kannst du dein Risiko deutlich senken. Vertraue auf dein Bauchgefühl und scheue dich nicht, bei Unsicherheiten Hilfe zu suchen – deine Gesundheit ist die Grundlage dafür, dass du für dein Baby da sein kannst.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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