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Kindbettfieber (Puerperalfieber) – Symptome und Behandlung

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 13.04.2026 Lesezeit 10 Min.
Kindbettfieber (Puerperalfieber) - Symptome und Behandlung

Auf einen Blick

  • Kindbettfieber ist eine bakterielle Infektion nach der Geburt, die durch Verletzungen im Genitaltrakt entsteht
  • Fieber ab 38°C (gemessen 24 Std. bis 6 Wochen nach der Geburt) gilt als Warnsignal und sollte sofort ärztlich abgeklärt werden
  • Mit Antibiotika lässt sich die Infektion heute sehr gut behandeln – früher war sie eine häufige Todesursache bei Müttern

Du hast gerade dein Baby bekommen und plötzlich steigt deine Temperatur? Das kann mehr sein als nur Erschöpfung. Kindbettfieber (medizinisch: Puerperalfieber) ist eine Infektion, die nach der Geburt auftreten kann – und die du unbedingt ernst nehmen solltest. Die gute Nachricht: Heute lässt sie sich sehr gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

🔍 Was ist Kindbettfieber genau?

Kindbettfieber wird als lokale septische Entzündung definiert, die im Wochenbett als Folge von Verletzungen und Wunden auftritt, die im Genitaltrakt durch Schwangerschaft und Geburt verursacht werden.

Nach der Geburt wird regelmäßig deine Temperatur gemessen, um Veränderungen schnellstmöglich festzustellen. Wird bei mindestens zwei Messungen im Abstand von 6 Stunden (ausgenommen die ersten 24 Stunden nach der Geburt) eine Temperatur gleich oder höher von 38 °C festgestellt, gilt dies als Kindbettfieber und wird schnellstmöglich behandelt.

Obwohl Häufigkeit und Schwere dieser Infektionen seit der Einführung von Antibiotika stark abgenommen haben, stellen sie unerkannt immer noch ein großes klinisches Problem dar.

Achtung: In der Vergangenheit gehörte Puerperalfieber zu den häufigsten Ursachen für den Tod der Mutter nach der Geburt. Im 21. Jahrhundert können postpartale Infektionen jedoch gut behandelt werden und führen extrem selten zum Tod.

🌸 Symptome – Darauf solltest du achten

Fieber ist offensichtlich das Hauptsymptom von Puerperalfieber. Es gibt jedoch auch andere Symptome, die darauf hinweisen, dass du an Kindbettfieber erkrankt bist.

Zu den allgemeinen Anzeichen und Symptomen gehören:

  • Blässe
  • Kalter Schweiß
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schüttelfrost
  • Bauchschmerzen
  • Anhaltender, schneller Herzrhythmus (Tachykardie)
  • Typischer vaginaler Ausfluss (Lochia), der unangenehm riecht und im Übermaß austritt
  • Kopfschmerzen
  • Allgemeines Unwohlsein

💡 Typische Ursachen für Kindbettfieber

Im Allgemeinen sind Wochenbettinfektionen die Folge mangelnder Hygiene in der Betreuung während der Geburt oder im Wochenbett. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Teil der Plazenta (Nachgeburt) in der Gebärmutter verblieben ist und zu Komplikationen führt.

🏥 Die verschiedenen Formen von Kindbettfieber

Es gibt verschiedene Varianten des Kinderbettfiebers, diese sind nicht nur von der Lokalisierung der auslösenden Infektion abhängig, sondern auch von der Ursache, die zur Infektion geführt hat. Aufgeteilt werden die Infektionen in vier verschiedene Hauptvarianten und mehrere Unterformen.

Puerperale Endometritis

Es handelt sich um eine bakterielle Infektion im Inneren der Gebärmutter, insbesondere im Endometrium, wo die Plazenta während der 9 Monate der Schwangerschaft verankert war. Neben Fieber verursacht diese Form oft Unterleibsschmerzen, eine vergrößerte und schmerzhafte Gebärmutter, anhaltende Blutungen und übel riechenden Ausfluss (Lochia).

Chirurgische Wundinfektion

Die chirurgische Wundinfektion kann sich entweder aus der Episiotomie bei der vaginalen Entbindung oder durch den Bauchschnitt eines Kaiserschnitts ergeben. Im Allgemeinen tritt sie bei etwa 5 % der Geburten auf, beginnend in den ersten 7 Tagen nach der Entbindung. Die Mikroorganismen, die die Infektion verursachen, stammen normalerweise von der Haut wie beispielsweise Staphylococcusaureus.

Tipp: Es ist sehr wichtig, die Wunden gut zu pflegen, um das Risiko einer Infektion zu vermeiden. Frag in der Drogerie oder Apotheke nach speziellen Intimpflegeprodukten.

Mastitis puerperalis

Bei der Mastitis puerperalis handelt es sich um eine Entzündung der weiblichen Brustdrüse. Die Entzündungen entstehen in der Regel in der 2. Woche bis in die 4. Woche. Durch die im Speichel des Babys enthaltenen Streptokokken und Anaerobier kann ebenfalls eine Infektion ausgelöst werden, die zu Fieber und anderen Beschwerden führt. Für die erfolgreiche Therapie ist eine breitflächige antibiotische Behandlung notwendig.

Harnwegsinfektionen

Auch Harnwegsinfektionen können Kinderbettfieber verursachen, wenn dies im Zusammenhang mit dem Katheter der Epiduralanästhesie steht. Es ist möglich, dass mit dem Katheter Bakterien eindringen, die Infektionen verursachen. In der Regel tritt die Infektion 2 bis 5 Tage nach der Geburt auf.

Weitere Ursachen

  • Pyelonephritis
  • Zystitis
  • Thrombophlebitis

Gut zu wissen: Die häufigsten Mikroorganismen, die Kindbettfieber verursachen, sind solche, die in der Vaginal-Flora, auf der Haut oder in der Darmflora vorkommen. Dazu gehören Streptococcus agalactiae, Streptococcus pyogenes, Staphylococcus Aureus und Escherichia coli.

⚠️ Risikofaktoren – Wann ist die Gefahr erhöht?

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko stark erhöhen können, an Kinderbettfieber zu erkranken. Die Risikofaktoren können nicht nur in Zusammenhang mit der vorhergegangenen Krankheitsgeschichte und dem körperlichen Allgemeinzustand stehen, oft gibt es auch einen Zusammenhang der Infektion mit dem Geburtsverlauf selbst.

Intrinsische Risikofaktoren

  • Langwierige Geburt
  • Vorhergehende Harnwegs- oder Vaginalinfektionen
  • Fettleibigkeit
  • Anämie oder Unterernährung
  • Vorzeitiges Platzen der Fruchtblase
  • Geschlechtsverkehr kurz vor der Geburt
  • Vorerkrankungen am Unterleib oder Muttermund

Extrinsische Faktoren

  • Instrumentelle Geburtshilfe
  • Manuelle Entfernung der Plazenta
  • Notkaiserschnitt
  • Unreine Krankenhäuser

Nicht jede Frau mit Risikofaktoren erkrankt automatisch an Kindbettfieber. Eine gute Intimhygiene während der Schwangerschaft und besonders nach der Geburt ist der beste Schutz – und im Zweifelsfall lieber einmal mehr zur Hebamme oder zum Arzt gehen.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

💊 Behandlung von Kindbettfieber

Die Behandlung von Kinderbettfieber sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Im Normalfall werden Antipyretika und Schmerzmittel verschrieben, um das Fieber zu senken und die Schmerzen zu lindern. Im Anschluss erfolgt eine Therapie mit Antibiotika, diese sind für die Behandlung unerlässlich, da sie gegen die infektiösen Mikroorganismen wirken.

Wenn der spezifische Erreger nicht bekannt ist, wird ein Breitbandantibiotikum wie Amoxicillin verwendet. Abhängig vom Erfolg der Behandlung wird die Therapie beibehalten oder das Antibiotika modifiziert, sodass eine schnellstmögliche Besserung deines Zustandes ersichtlich wird.

Zudem ist es wichtig, im Wochenbett eine gute Intimhygiene aufrechtzuerhalten. Am besten wäschst und desinfizierst du die äußeren Genitalien mindestens 2- bis 3-mal täglich. Die schwersten Fälle von Wochenbettinfektionen erfordern eine Krankenhauseinweisung. Such im Zweifelsfall also deine Ärztin oder deinen Arzt auf und frag um Rat.

Achtung: Solltest du die genannten Symptome an dir bemerken und sogar in Zusammenhang mit einer bekannten Ursache stellen können, ist zu empfehlen, sofort deine Hebamme, deinen Arzt oder sogar ein Krankenhaus aufzusuchen.

🖤 Ist Puerperalfieber eine ernste Erkrankung?

Auf jeden Fall handelt es sich bei Kinderbettfieber um eine ernst zu nehmende Krankheit. Die Infektionskrankheit kann nicht nur Fieber auslösen, sondern zu einer Sepsis führen, wenn die Bakterien oder Keime in die Blutbahn geraten.

Kinderbettfieber kann heute sehr gut und zügig behandelt werden, wenn es frühzeitig erkannt wird. Nimm daher selbst Fieber ab 38 °C – 24 Stunden bis 6 Wochen nach der Geburt – nicht auf die leichte Schulter und geh lieber einmal mehr zum Arzt. Achte zudem auf eine sehr gute Intimhygiene.

Häufig gestellte Fragen

Ab welcher Temperatur spricht man von Kindbettfieber?

Von Kindbettfieber spricht man, wenn bei mindestens zwei Messungen im Abstand von 6 Stunden (ausgenommen die ersten 24 Stunden nach der Geburt) eine Temperatur von 38 °C oder höher gemessen wird. Diese Messungen können bis zu 6 Wochen nach der Geburt relevant sein.

Wie gefährlich ist Kindbettfieber heute noch?

Früher war Kindbettfieber eine der häufigsten Todesursachen bei Müttern nach der Geburt. Heute lässt sich die Infektion mit Antibiotika sehr gut behandeln und führt extrem selten zum Tod – vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt und behandelt. Unbehandelt kann sie jedoch zu einer lebensbedrohlichen Sepsis führen.

Wie kann ich Kindbettfieber vorbeugen?

Die beste Vorbeugung ist eine gute Intimhygiene während der Schwangerschaft und besonders im Wochenbett. Wasche und desinfiziere die äußeren Genitalien mindestens 2- bis 3-mal täglich. Achte auf hygienische Bedingungen bei der Geburt und lass Geburtsverletzungen gut versorgen. Spezielle Intimpflegeprodukte aus der Apotheke können zusätzlich helfen.

Welche Symptome außer Fieber deuten auf Kindbettfieber hin?

Neben Fieber können Blässe, kalter Schweiß, Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost, Bauchschmerzen, schneller Herzschlag, übel riechender und vermehrter Wochenfluss, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein Anzeichen für Kindbettfieber sein. Bei diesen Symptomen solltest du sofort deine Hebamme oder deinen Arzt kontaktieren.

Wann tritt Kindbettfieber typischerweise auf?

Je nach Form kann Kindbettfieber zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten: Chirurgische Wundinfektionen meist in den ersten 7 Tagen, Harnwegsinfektionen 2 bis 5 Tage nach der Geburt, und Mastitis puerperalis typischerweise in der 2. bis 4. Woche nach der Entbindung. Grundsätzlich kann die Infektion aber bis zu 6 Wochen nach der Geburt entstehen.

Erhöht ein Kaiserschnitt das Risiko für Kindbettfieber?

Ja, besonders ein Notkaiserschnitt gehört zu den extrinsischen Risikofaktoren für Kindbettfieber. Durch den Bauchschnitt entstehen Wunden, die sich infizieren können. Auch instrumentelle Geburtshilfe und die manuelle Entfernung der Plazenta erhöhen das Risiko. Etwa 5 % der Geburten sind von chirurgischen Wundinfektionen betroffen.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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