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Wie können Frauen nach der Geburt ihren Körper wieder neu entdecken und lieben?

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 06.03.2026 Lesezeit 7 Min.
Wie können Frauen nach der Geburt ihren Körper wieder neu entdecken und lieben?

Auf einen Blick

  • Dein Körper hat ein ganzes Leben erschaffen – das verdient Respekt statt Ablehnung
  • Nimm Dir Zeit, Deinen veränderten Körper erst einmal für Dich selbst neu zu entdecken
  • Frage Dich nicht "Was ist nicht schön?", sondern "Womit fühle ich mich nicht wohl?"

Nach der Geburt fühlt sich plötzlich alles anders an – der Bauch, die Haut, die Vagina, einfach alles. Viele von uns schauen in den Spiegel und erkennen sich kaum wieder. Das kann verunsichern und dazu führen, dass wir unseren Körper ablehnen. Doch es gibt Wege, wie Du Deinen Körper nach der Geburt wieder neu entdecken und lieben lernen kannst.

💪 Respekt statt Perfektion – was Dein Körper geleistet hat

Ja, Dein Körper sieht nicht mehr so aus wie vor der Schwangerschaft und er fühlt sich auch nicht mehr so an. Aber im heutigen Schönheitswahn wird eines oft vergessen: Viel wichtiger als das Aussehen des Körpers ist, was er für uns geleistet hat. Ein ganzes Lebewesen wachsen zu lassen und auf die Welt zu bringen ist keine Kleinigkeit. Ist es dann fair, unseren Körper dafür abzulehnen, dass er nicht mehr so aussieht wie vor der Schwangerschaft?

Gut zu wissen: Das Bindegewebe, das Gewicht, die Vagina – alles braucht Zeit zur Rückbildung. Diese Zeit darfst Du Dir nehmen, ohne Druck.

🌸 Die eigene Sprache verändern: Schwachpunkte oder Bedürfnisse?

Zunächst einmal sollte jede Frau nach der Geburt sich klarmachen, dass die Schwachpunkte, die sie nun an ihrem Körper identifiziert, gesellschaftlich entstanden sind und nicht wirklich „Schwachpunkte" im objektiven Sinne sind. Was heute als schön gilt, muss vor hundert Jahren nicht als schön gegolten haben. Dennoch sind wir in dieser Gesellschaft aufgewachsen und können uns dem natürlich nicht entziehen.

Aber es kann die Sicht und die Sprache ändern, wenn wir uns diesen Umstand bewusst machen. Statt uns zu fragen: „Was ist nicht schön an mir?", sollte die Frage lieber heißen: „Womit fühle ich mich nicht wohl?". Allein aufgrund dieser neuen Fragestellung wird das, was Veränderung bedarf, persönlicher und weniger abwertend. Die Rückbildung all dessen, was wir als störend empfinden, braucht einfach Zeit.

Tipp: Ersetze in Deinen Gedanken "Ich finde XY hässlich" durch "Mit XY fühle ich mich noch nicht wohl". Das nimmt den Druck raus und macht Raum für Selbstmitgefühl.

🖤 Körperliche Bedürfnisse wertfrei wahrnehmen

Der nächste Schritt ist, alle körperlichen Bedürfnisse zunächst wertfrei wahrzunehmen. Ständig Lust auf Süßes? Immer hungrig? Keine Lust auf Sport? Für all diese Bedürfnisse sollte es keine Abwertung geben. Lieber sollte beobachtet werden, was dazu führt, dass sich wohler gefühlt wird. Vielleicht eine bestimmte Haltung? Ein bestimmtes Kleidungsstück?

Das Wahrnehmen der körperlichen Bedürfnisse ist ein wichtiger Schritt darin, sich selbst nach einer Geburt wieder zu lieben und den eigenen Körper anzunehmen. Nicht alles sollte darauf abzielen, dass der Körper „wiederhergestellt" werden soll. Sport sollte nicht getrieben werden, um gezielt abzunehmen, sondern in erster Linie, weil es sich gut anfühlt.

Dein Körper leistet auch nach der Geburt Unglaubliches – Stillen, wenig Schlaf, ständiges Tragen. Gib ihm die Nahrung und Ruhe, die er braucht, ohne schlechtes Gewissen.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

Nicht zu vergessen sind auch die Belastungen, die als frischgebackene Mutter auf den eigenen Körper noch zukommen. Stillen ist ebenfalls anstrengend für den Körper und wenn dieser in der Zeit mehr Nahrung braucht, dann sollte das in Ordnung sein. Auch Schlaf bekommen die meisten Mütter zu wenig. Die Belastung, die unser Körper mitmacht, enden nicht mit der Geburt.

✨ Erotik und Intimität neu entdecken

Nicht selten haben Frauen nach einer Schwangerschaft zunächst erst einmal wenig Interesse an Erotik, weil der eigene Körper sich plötzlich fremd anfühlt. Damit ist nicht nur das veränderte Aussehen gemeint, das auch schon viele Frauen davon abhält, wieder zurück zu ihrer Erotik zu finden. Vielmehr geht es auch darum, die veränderte Vagina und das veränderte Gefühl beim Sex anzunehmen.

Hier kann es helfen, sich zunächst einmal nur mit sich selbst zu beschäftigen. Ein Dildo oder ein Womanizer kann helfen, die eigene Sexualität zunächst einmal für sich selbst wieder zu erkunden und zu erforschen.

Achtung: Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. Es gibt kein "zu spät" oder "zu langsam" – Dein Körper gibt das Tempo vor.

🌸 Gemeinsam statt einsam: Austausch mit anderen Mamas

Helfen kann der Austausch mit anderen, sofern dieser liebevoll und ohne Konkurrenzkampf einhergeht. In speziellen Beckenbodenkursen oder Yogakursen für Mütter, die gerade eine Geburt hinter sich haben, kann ein Austausch stattfinden. Wer feststellt, dass er mit seinen Problemen nicht alleine ist, hat es gleich leichter.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis sich mein Körper nach der Geburt wieder "normal" anfühlt?

Das ist bei jeder Frau unterschiedlich. Manche fühlen sich nach einigen Monaten wieder wohl, andere brauchen ein Jahr oder länger. Wichtig ist: Es gibt kein "normal" – nur Dein persönliches Wohlgefühl zählt.

Ist es normal, dass ich meinen Körper nach der Geburt nicht mehr schön finde?

Ja, das geht vielen Frauen so. Die Veränderungen sind groß und oft unerwartet. Wichtig ist, dass Du Dir Zeit gibst und Dich nicht unter Druck setzt. Dein Körper hat Großartiges geleistet.

Wann kann ich nach der Geburt wieder Sport machen?

Nach einer unkomplizierten Geburt kannst Du nach etwa 6-8 Wochen mit sanfter Rückbildungsgymnastik beginnen. Intensiverer Sport sollte erst nach Abschluss der Rückbildung und nach Rücksprache mit Deiner Hebamme oder Ärztin starten.

Wie kann ich meine Sexualität nach der Geburt wieder entdecken?

Nimm Dir Zeit für Dich selbst, ohne Druck. Erkunde Deinen Körper erst einmal alleine, bevor Du wieder mit Deinem Partner intim wirst. Hilfsmittel wie Vibratoren können dabei unterstützen, Dich wieder neu kennenzulernen.

Sollte ich versuchen, möglichst schnell wieder mein altes Gewicht zu erreichen?

Nein. Dein Körper braucht jetzt Energie – fürs Stillen, für die Heilung, für den Schlafmangel. Gesunde Ernährung ja, aber Diäten sind jetzt nicht angebracht. Dein Körper findet sein Gewicht mit der Zeit von selbst.

Was hilft gegen das Gefühl, meinen Körper nicht mehr zu erkennen?

Bewusstes Wahrnehmen ohne Bewertung kann helfen. Schau in den Spiegel und benenne, was Du siehst, ohne es zu bewerten. Tausche Dich mit anderen Mamas aus – Du bist nicht allein mit diesem Gefühl.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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